Skip to main content

Dieser Beitrag ist nur für Mitglieder verfügbar!

Allgemein- & Innere Medizin, Dermatologie, Gynäkologie, Neurologie, Orthopädie, Pädiatrie, Urologie, Praxisalltag Allgemein- & Innere Medizin, Dermatologie, Gefäßmedizin, Gynäkologie, Neurologie, Orthopädie, Pädiatrie, Urologie Praxisalltag
Kommunikation

Empfang und Telefon – die Visitenkarte Ihrer Praxis Teil 2: Besonderheiten der Telefonkommunikation

Im ersten Teil der Beitragsserie „Empfang und Telefon – die Visitenkarte Ihrer Praxis“ ging es um Optimierungsmöglichkeiten an der Rezeption einer Arztpraxis. Viele der angesprochenen Themen überschneiden sich dort mit der Kommunikation am Telefon wie z. B. die Bildung des ersten und letzten Eindrucks, typische Fragen der Patienten, häufige Fragen der Mitarbeiter, der gute Draht zu Patienten und der professionelle Umgang mit herausfordernden Zeitgenossen. Die Kommunikation am Telefon weist einige Besonderheiten auf. Thema dieses Beitrags ist, wie Sie das Potenzial des Telefons noch besser ausschöpfen können.


08.12.2024
B. Hickey
Teilen auf:
drucken Gefällt mir merken

Gespräche am Telefon unterscheiden sich z. B. in folgenden Punkten im Vergleich zur direkten zwischenmenschlichen Kommunikation:

  • Der Gesprächspartner ist nicht sichtbar.
  • Die Kommunikation ist auf Sprechen und Hören beschränkt, weshalb sich der Ausdruck von beispielsweise Freude oder Ärger vor allem auf Wortwahl, Stimmlage und Akzentsetzung beschränkt.
  • Der Gesprächspartner reagiert sensibel auf Nuancen.
  • Bestimmte Frequenzen/Konsonanten (s → f) werden anders übertragen und leicht missverstanden.
  • Der Anfang des ersten Satzes wird oft nicht (richtig) gehört.
  • Man weiß nicht, was der Gesprächspartner während des Telefonats tut und denkt und wer am anderen Ende mithört.

Des Weiteren befindet sich der Telefonarbeitsplatz oft an der Rezeption, wo vielfältige Aufgaben parallel einlaufen, sodass hier besondere Anforderungen an das Multitasking gestellt werden. 

Die Begrüßung am Telefon

Ziel ist es, dem Anrufenden zu vermitteln, dass er hier – in dieser Praxis – richtig verbunden und willkommen ist und dass ihm geholfen wird. Eine freundliche, vertrauenserweckende Stimme mit deutlicher, etwas langsamerer Sprache versteht sich hierfür von selbst. In welcher Form sich die verbale Sprache und die darin enthaltenen nonverbalen Signale auch am Telefon wirksam und patientenfreundlich einsetzen lässt, wurde schon in früheren Beiträgen besprochen (s. Infobox).

Empfohlen wird, nach dem ca. 2. – 4. Klingeln, spätestens nach 30 Sekunden abzuheben. Zum leichteren Einhören bieten sich für den Satzbeginn bekannte Worte wie „Guten Tag“ oder „Praxis …“ an. Im Sinne der sogenannten Corporate Identity (d. h. Identität des Betriebs) sollten die Mitarbeiter den Anruf mit einem einheitlichen Begrüßungstext entgegennehmen, wie beispielsweise mit: „Guten Tag, hier ist die Praxis Dr. ….“ oder: „Praxisgemeinschaft/Gemeinschaftspraxis Drs. …“. Der eigene Name im Anschluss daran lässt sich eindeutig und klarer verstehen, wenn er abgesetzt ist durch beispielsweise: 


„… Sie sprechen mit … (Vor- und/oder Nachname)/es spricht …“ oder
„… mein Name ist …“ oder
„… am Apparat ist …“


Soweit möglich (Diskretion!) erfolgt eine persönliche Ansprache des Gegenübers mit (richtig ausgesprochenem) Namen. 

Umgang mit vielen Anrufen

An „Hartkampftagen“ wie z. B. montags oder donnerstags ist die Anzahl der eingehenden und immer wieder unterbrechenden Anrufe oft belastend. Abhilfe kann hier etwa ein Rezepttelefon mit eigener Telefonnummer schaffen und/oder der Hinweis auf eine separate Telefonsprechstunde (z. B. mittags/abends nach der Sprechstunde, täglich oder 2 x pro Woche). Auch die Auslagerung der Telefonate in ein Backoffice, die Delegation der Bearbeitung von Anrufen an ein externes Dienstleistungsunternehmen oder eine automatische Telefonassistenz können eine Entlastung bewirken.

Texte für Warteschleifen

Wenn allerdings – wie das meistens der Fall ist – die Anrufe in der Praxis selbst entgegengenommen werden, bleibt es nicht aus, dass sich Patienten in einer Warteschleife wiederfinden. Hier ist zu überlegen, ob man die Ansage einer unpersönlichen, elektronischen Stimme überlässt, oder diese persönlich bespricht (je nach Optionen der Telefonanlage), beispielsweise mit einem der folgenden Sätze nach einer einleitenden Begrüßung:


„… zur Zeit sind alle Leitungen belegt, bitte haben Sie einen (kleinen) Moment Geduld, Sie werden gleich weiter verbunden“
„… der/die nächste freie Mitarbeitende hilft Ihnen gerne weiter!“
„… sobald die nächste Leitung frei wird, sind wir gerne für Sie da.“
„... vielen Dank für Ihre Geduld. Ihr Anruf ist uns wichtig, bitte bleiben Sie am Apparat, der nächste freie Platz ist (bereits) für Sie reserviert.“
„…und falls Sie einen Rezeptwunsch haben, können Sie diesen gerne unter der Rufnummer … hinterlassen.“


Manche Praxen tun auch den Platz in der Warteschlange kund mit z. B. folgenden Worten:


„… zur Zeit sind alle Mitarbeitenden im Gespräch. Sie befinden sich (bereits) an Platz … in der Warteliste. Bitte haben Sie noch etwas Geduld oder Sie versuchen es zu einem anderen Zeitpunkt noch einmal.“ 
Dann allerdings muss auch die Chance gegeben sein, dass man zeitnah mit seinem Anrufversuch „durchkommt“.


Die Terminplanung und -vergabe ist sowohl an der Rezeption als auch am Telefon ein wichtiges Thema. Da dieses eine ausführliche Besprechung erfordert und in den Bereich einer anderen Expertise fällt, möchten wir hier nicht tiefer in die Thematik einsteigen.

Das Weiterleiten von Telefonaten

Es kommt vor, dass die Anfrage eines Anrufenden von Praxismitarbeitern nicht ad hoc bearbeitet werden kann, sondern beispielsweise an den Chef weitergeleitet werden muss. Dies sollte allerdings nur in dringenden, möglichst abgesprochenen Fällen geschehen. Dafür eignet sich z. B. eine Art „VIP-Liste“, die Personen und Unternehmen mit einer diesbezüglichen Sonderstellung enthält und die mit einem passenden Stichwort versehen sind (z. B. Kollegen, Krankenhäuser, private Kontakte). 

Für das Weiterleiten von Telefonaten gelten folgende Hinweise:

  • Weiterleiten nur in dringenden Fällen.
  • Frage: „Worum geht es?/Darf ich fragen, worum es geht?“/„Wie kann ich Ihnen weiterhelfen?“ (Statt: „Kann ich Ihnen weiterhelfen?“).
  • Bei der Antwort „privat“: „Bitte geben Sie mir ein Stichwort/Der Dr. bittet um ein Stichwort“ (entsprechend der VIP-Liste).                                                 
  • Dem Anrufenden (z. B. einem Kollegen) ankündigen, an wen er weiterverbunden wird: „Bitte bleiben Sie am Apparat, ich verbinde Sie mit (Namen)“ 
    (nicht ☹: „Moment ...“).
  • Demjenigen, an den das Telefonat weitergeleitet wird (z. B. an den Arzt), mitteilen, wer und warum der Anrufer mit ihm sprechen möchte, mit beispielsweise folgenden Worten: 
    „Am Apparat ist .../ Ich verbinde Sie mit ... Er/sie möchte Sie wegen ... sprechen ...“
    (Nicht ☹: „Hier ist ein Herr XY .../... schon wieder Frau XX ...).“
  • Ggf. Rückruf anbieten: „Ich biete Ihnen gerne eine Rückruf an/Ich rufe Sie gerne zurück“ Namen (des Anrufers und Mitarbeiters)/Uhrzeit/Stichpunkte notieren, Datum und Zeitpunkt/Zeitraum des Rückrufs mit Telefonnummer vereinbaren: 
    „Wann Sind Sie denn wo zu erreichen?“ Unterlagen dafür bereitlegen.
    Ggf. auf Telefonsprechstunde verweisen.  

Der Anrufbeantworter als Marketinginstrument

Das Potenzial eines Anrufbeantworters wird oft unterschätzt. Er vermittelt mehr als nur Sachbotschaften wie Öffnungszeiten und trägt mit dazu bei, ob Patienten sich überhaupt oder noch einmal bei Ihnen melden oder nicht. So sollte die Person mit der geeignetsten und sympatischsten Telefonstimme ihn besprechen – in Ruhe, ohne Zeitdruck und Umgebungsgeräusche. Eine freundliche, lebendige und natürliche Sprache gelingt eher, wenn man sich gleichzeitig einen Anrufer bildlich vorstellt oder etwas Lebendes im Blickfeld (z. B. eine Pflanze) hat. Das Abhören des Anrufbeantworters wird erleichtert durch langsam und deutlich gesprochene kurze Sätze mit der Wiederholung von Telefonnummern, die Zahlen einzeln genannt. Negative Formulierungen sollten vermieden werden („Die Praxis/Zentrale ist zurzeit nicht besetzt“). Besser vermittelt man das, was der Anrufende wissen muss: Öffnungszeiten, ab wann wieder geöffnet, Telefonnummer des Notdienstes, vertretende Kollegen etc. und ggf. was zu bedenken ist oder mitgebracht werden soll (z. B. Hinweis auf Praxisangebote). Es ist allerdings ratsam, die Ansage so kurz wie möglich zu halten, da sonst die Gefahr besteht, dass der Anrufende sie nicht bis zum Schluss anhört.

Tages- bzw. jahreszeitlich wechselnde Texte für den Anrufbeantworter, auf einem Medium abgespeichert, weisen auf entsprechende Änderungen hin. Ein Dank für den Anruf rundet den Ansagetext ab, wie z. B. „Danke für Ihren Anruf/wir danken für Ihren Anruf und freuen uns von Ihnen zu hören.“ (statt: „Ende der Durchsage“). 

Wichtige Telefon-/Notrufnummern, Buchstabieralphabet

Auch die häufigsten in der Praxis verwendeten Telefonnummern sind im Telefon eingespeichert und zusätzlich als Ausdruck in einer Tabelle schnell griffbereit. Ein Beispiel hierzu finden Sie hier.

NotrufeTelefonErreichbarEigene Notizen

Feuerwehr, Rettungsdienst, Notarzt:

Notarzt für Kinder und Neugeborene,

Toxikologischer Notarztdienst

11224 Stunden 
Polizei11024 Stunden 
Ärztlicher Bereitschaftsdienst116 11724 Stunden 
Giftnotruf2 
Krankenbeförderung 
Zahnärztlicher Notdienst 
Kliniken und Notfallpraxen 

Angesichts zunehmend weniger geläufiger Namen aus anderen Ländern ist es hilfreich, das Buchstabieralphabet auswendig zu können. Dieses bestand früher vorwiegend aus Personennamen (A wie Anton bis Z wie Zaccharias). Seit 2022 gibt es nach DIN 5009 eine überarbeitete Buchstabiertafel, in der überwiegend deutsche Städtenamen enthalten sind.1

Zum guten Schluss

Insbesondere für den Empfang und Telefonkontakt in einer Praxis gilt: „Der erste Eindruck ist entscheidend – der letzte Eindruck bleibt“ und: „Der Ton macht die Musik“. Mit einem patienten- und kundenorientierten Auftritt, der eine grundsätzlich positive Einstellung zum Beruf und eine wertschätzende, verständnisvolle Haltung dem Patienten gegenüber vermittelt, ausgedrückt durch ein Lächeln – das man übrigens auch am Telefon hört – und eine lösungsorientierte, patientenfreundliche Sprache sowie andere förderliche Zeichen der verbalen und nonverbalen Kommunikation – in Kombination mit professioneller Organisation, lässt sich die eine oder andere herausfordernde Situation meistern. Ein gewinnender Auftritt kann dazu beitragen, dass die Atmosphäre in der Praxis stimmt und die Patienten gerne wiederkommen.

1 www.buchstabieralphabet.org, letzter Zugriff: 09.07.2024.

2 www.bvl.bund.de/DE/Arbeitsbereiche/01_Lebensmittel/03_Verbraucher/09_InfektionenIntoxikationen/02_Giftnotrufzentralen/lm_LMVergiftung_giftnotrufzentralen_node.html, letzter Zugriff: 09.07.2024.

Zu Teil 1 des Beitrags geht es hier.

Autorin
Foto von Diplom-Biologin Birgit Hickey

Dr. med. Birgit Hickey
Fachärztin für Allgemeinmedizin, Diplom-Biologin. Niedergelassen in eigener Praxis seit 1992, Tätigkeitsschwerpunkt: Systemische Medizin und -Familientherapie, Systemische Kommunikation und -Mediation. Durchführung von Kommunikationstrainings für Praxen und Kliniken seit 1993. Praxis in Münster: VitalCenter, Gasselstiege 23, 48159 Münster, www.birgit-hickey.de