Aktuelles aus der Gesundheitspolitik
Arbeitsverträge: Viele Neuanstellungen sind befristet • Psychische Gesundheit: Wenig erforscht bei Kindern und Jugendlichen • Kinder: Fachgespräch über Allergien
Arbeitsverträge
Viele Neuanstellungen sind befristet
Fast 38 % der Neuanstellungen sind laut einer Studie1 befristet. Bei jungen Beschäftigten und Beschäftigten im Rentenalter sind es fast die Hälfte.
37,8 % aller neu eingestellten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bekommen zunächst nur einen befristeten Arbeitsvertrag. In der Altersgruppe unter 25 Jahren erfolgte Ende vorigen Jahres sogar fast jede zweite Neuanstellung befristet. Immerhin sinkt die Quote langsam. Gegen Ende der Corona-Pandemie im 4. Quartal 2021 lag der Anteil befristeter Verträge an allen Neueinstellungen noch bei 42 %. Dabei bestehen enorme regionale Unterschiede, die auch widerspiegeln, in welchen Branchen Befristungen besonders häufig vorkommen. So werden Beschäftigte in den darstellenden, unterhaltenden Berufen in mehr als neun von zehn Fällen befristet eingestellt. Gleiches gilt für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Sehr niedrige Anteile an Befristungen finden sich in den Hoch- und Tiefbauberufen sowie den Ausbauberufen (12,7 %). Auch bei den oft gering entlohnten Arzt- und Praxishilfen wird nur noch in geringem Umfang (11,6 %) befristet eingestellt. Die Untersuchung liefert bundesweit aktuelle Daten.
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1 Eric Seils, Helge Emmler: Befristete Einstellungen – In der Stagnation. WSI Policy Brief Nr. 85, Oktober 2024.
Quelle: Hans-Böckler-Stiftung
Psychische Gesundheit
Wenig erforscht bei Kindern und Jugendlichen
In Deutschland fehlen verlässliche Informationen zu psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Das kritisieren Fachleute in der Ausgabe der Wochenzeitung DIE ZEIT vom 5. Dezember 2024. „Es ist unfassbar, dass wir, was die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen angeht, völlig im Blindflug sind“, sagt Silvia Schneider vom Deutschen Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG).
„Das Geld ist das maßgebliche Argument“, erklärt Heike Hölling, die beim Robert Koch-Institut das Fachgebiet Psychische Gesundheit leitet. Die Abteilung habe schon häufig beim Bundesgesundheitsministerium beantragt, ein Monitoring für die psychische Gesundheit von Kindern aufzubauen, so Hölling. Bisher jedoch ohne Erfolg.
Ein weiteres Problem seien die Vorschriften, sagt Schneider. Denn für die Befragung von Kindern brauchen Forscher eine Einwilligung der Eltern, selbst wenn sie anonym ist. „Damit können sie es einfach knicken“, meint Schneider. „Das ist ein Hindernis für Forschung. Ein totales Hindernis.“
In Kürze werden neue Daten der Copsy-Studie zu psychischen Problemen von Kindern und Jugendlichen veröffentlicht. Die Teilnehmer schätzen ihr Befinden oder das ihrer Kinder selbst ein. Solche Befragungen seien deshalb nicht ausreichend, auch wenn sie wichtige Hinweise lieferten, sagt Julian Schmitz, Leiter der Psychotherapeutischen Hochschulambulanz für Kinder und Jugendliche an der Universität Leipzig. „Man muss bei einer repräsentativen Gruppe von Kindern und Jugendlichen eine richtige klinische Diagnostik machen.“
Quelle: DIE ZEIT
Kinder
Fachgespräch über Allergien
Ärztinnen und Ärzte warnen vor allergischen Erkrankungen im Kindesalter und fordern eine systematische Vorbeugung. Allergien verliefen teilweise schwer und seien dann keine Bagatellfälle, erklärten die Medizinerinnen und Mediziner in einem Fachgespräch des Gesundheitsausschusses über Allergien bei Kindern und Jugendlichen. Eckard Hamelmann von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Klinische Immunologie (DGAKI) sagte, etwa 35 % der Kinder seien von einer allergischen Erkrankung betroffen, darunter Nahrungsmittelallergien, Medikamentenallergien, Atopische Dermatitis, Asthma oder Heuschnupfen. Der Heuschnupfen werde oft bagatellisiert, sei aber eine Eintrittspforte für schwerere Krankheitsbilder wie Asthma. Etwa jeder Tausendste Mensch in Deutschland leide unter schwerem Asthma.
Schwere Krankheitsfälle verursachten im Übrigen 90 % der Kosten, fügte Hamelmann hinzu. Er forderte die Umsetzung eines nationalen Aktionsplans. Neuerkrankungen müssten durch Primärprävention verhindert, die Früherkennung gestärkt und ein Allergiescreening etabliert werden. Es gehe darum, Risikokinder früh zu erkennen. Auch weitere Expertinnen und Experten forderten mehr Prävention.
Quelle: heute im Bundestag (hib), 781/2024