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Allgemein- & Innere Medizin, Dermatologie, Pädiatrie, Medizin Dermatologie, Allgemein- & Innere Medizin, Pädiatrie Pädiatrie, Biofaktoren, Haut
Mikrobiom

Das Management der Neurodermitis

Welche Biofaktoren wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente sind in der Behandlung einer Neurodermitis von Nutzen? Und welche Rolle spielt ein gesundes Mikrobiom von Haut und Darm? Dieser Beitrag beschäftigt sich mit den Biofaktoren, die für die Hautgesundheit und die Aufrechterhaltung eines gesunden Mikrobioms wichtig sind.


19.01.2025
D. Birkelbach
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Biofaktoren haben eine gesundheitsfördernde oder krankheitsvorbeugende biologische Aktivität und werden vom Körper für seine physiologischen Funktionen benötigt. Auch für die Hautgesundheit spielt eine gute Versorgung mit einzelnen Biofaktoren eine wichtige Rolle. Im Hinblick auf Neurodermitis ist vor allem auf Vitamin D, Vitamin C und Zink zu achten:1

1. Vitamin D2

Aufgrund seiner Hormonwirkungen spielt das lipidlösliche Vitamin D in nahezu allen Organen eine Rolle und ist auch ein wichtiger Faktor im Management der Neurodermitis. Vitamin D unterstützt die Differenzierung und Funktion der Keratinozyten, hilft bei der Regulierung des Immunsystems und fördert die Aufrechterhaltung einer gesunden Hautbarriere. Es wirkt entzündungshemmend, in dem es die Produktion proinflammatorischer Zytokine hemmt und gleichzeitig die Bildung antientzündlicher Zytokine fördert. Der Biofaktor beeinflusst durch Bindung an den Vitamin-D-Rezeptor auch die Expression von Cathelicidinen – antimikrobiellen, immunmodulierenden und wundheilungsfördernden Peptiden. Ein Vitamin-D-Mangel kann zu einer verminderten Expression von Cathelicidinen führen, was das Risiko für die Entwicklung einer Neurodermitis erhöht.

Wie ist die Studienlage?3,4

Patienten mit Neurodermitis leiden im Vergleich zu gesunden Probanden häufiger unter Vitamin-D-Mangel. Umgekehrt konnte der positive Nutzen einer gezielten Supplementierung zum Ausgleich eines Vitamin-D-Mangels bei Neurodermitis nachgewiesen werden. Dabei wird eine tägliche orale Vitamin-D-Dosis von 800 bis 2.000 IE als effektiv und sicher zur Prävention und Therapie eines Vitamin-D-Mangels angesehen.5

2. Vitamin C6,7,8

Die Haut benötigt mit 20 bis 30 µg Vitamin C pro Gramm Hautgewebe im Vergleich zu den anderen Körpergeweben hohe Vitamin-C-Konzentrationen. Vitamin C wird für die Synthese von Kollagen und Elastin benötigt. Der Biofaktor kann zudem der Hautoxidation entgegenwirken und die Signalwege von Zellwachstum und Zelldifferenzierung modulieren. Welche Effekte konnten im Hinblick auf Neurodermitis gezeigt werden?

  • Ein Vitamin-C-Mangel konnte bei Patienten mit Neurodermitis nachgewiesen werden.
  • Vitamin C kann chronische Entzündungen verbessern und das Neurodermitisrisiko senken.
  • Vitamin C kann die Ceramidproduktion in den Keratinozyten anregen und die Funktion der epidermalen Barriere verbessern.
  • Die Vitamin-C- und Ceramidspiegel korrelieren mit dem Schweregrad der Neurodermitis

Die oralen Tagesdosen zum Ausgleich eines Vitamin-C-Mangels bewegen sich laut Studienlage zwischen 200 und 1.000 mg Vitamin C. Sehr hohe orale Einzeldosen sind aufgrund der sinkenden Bioverfügbarkeit allerdings nicht sinnvoll, da die Bioverfügbarkeit bei Einzeldosen von 1.000 mg nur noch bei rund 50 % liegt.9 Bei oraler Verabreichung von Vitamin C erreicht der Anteil des resorbierten Vitamins mit steigender Vitamin-C-Dosis eine Sättigung. Durch eine intravenöse Verabreichung können hingegen schneller höhere Vitamin-C-Plasma­konzentrationen erreicht werden.10

3. Zink11,12,13,14

Interaktion zwischen Haut- und Darmmikrobiom19,20

  • Auch eine Dysbiose des Darmmikrobioms kann zu einer Fehlregulation der Immunantwort führen, was die Entstehung einer Neurodermitis begünstigen kann.
  • Über die Darm-Haut-Achse kann das Mikrobiom des Darms indirekt Entzündungsprozesse im Körper fördern und Hautsymptome verstärken.
  • Ein „durchlässiger Darm“ (Leaky Gut) mit gestörter Barrierefunktion kann unvollständig verdaute Nahrungsbestandteile und Toxine in den Blutkreislauf freisetzen, was allergische Reaktionen, auch auf der Haut, auslösen kann.

Der Biofaktor spielt eine Schlüsselrolle im Immunsystem, bei der Zellteilung und -regeneration und bei entzündlichen Prozessen. Studien konnten dokumentieren, dass Patienten mit Neurodermitis niedrigere Zinkspiegel im Vergleich zu Probanden mit gesunder Haut hatten. Zudem zeigte sich eine Abhängigkeit vom Zinkstatus: Je schlechter die Patienten mit dem Biofaktor versorgt waren, desto stärker waren die Neurodermitis-Beschwerden. Eine orale Zinksupplementierung zum Ausgleich eines Mangels hingegen konnte die Hautsymptome verbessern – insbesondere von Juckreiz und Hautrötungen.

Zinkmangel gezielt ausgleichen

Als hohe und sichere orale Tagesdosis bei langfristiger Einnahme wurden von der European Food Safety Agency 25 mg Zink definiert.15 Die Tagesdosen im Bereich der Behandlung von Hauterkrankungen liegen laut Studienlage mitunter auch etwas höher – was über einen begrenzten Zeitraum als sicher angesehen werden kann. Erst wenn langfristig 50 mg und mehr Zink zugeführt werden, kann es zu Nebenwirkungen wie beispielsweise Anämien, Störungen im Eisen- oder Kupferhaushalt, des Immunsystems oder des Fettstoffwechsels kommen.16

Bei Neurodermitis auf ein gesundes Mikrobiom achten

Bei Neurodermitis spielt das Mikrobiom sowohl der Haut als auch des Darms eine entscheidende Rolle. Beide Mikrobiome können das Immunsystem im Sinne einer übermäßigen, fehlregulierten Immunantwort beeinflussen und dadurch die Entstehung und die Entwicklung der Hauterkrankung fördern.

Das Krankheitsbild der Neurodermitis beinhaltet nicht nur eine genetische Veranlagung. Und es ist weiterhin auch nicht nur durch eine Störung der epidermalen Hautbarriere und immunologischer Faktoren, sondern auch durch Veränderungen des Hautmikrobioms gekennzeichnet. Wir wissen, dass die physikalische Barrierefunktion der Haut maßgeblich durch das epidermale Immunsystem und das hauteigene Mikrobiom unterstützt wird. Bei Neurodermitis geraten alle diese Faktoren aus dem Gleichgewicht. Im Hinblick auf das hauteigene Mikrobiom lassen sich insbesondere während eines akuten Schubs eine stark verminderte bakterielle Diversität sowie die Dominanz eines einzelnen Pathogens beobachten. Besonders ein Mangel an schützenden Bakterien wie Staphylococcus epidermidis und eine Überwucherung von Staphylococcus aureus fördern Entzündungen und verstärken die Symptome.17 Wie auch die klinische Symptomatik sind diese Veränderungen nicht konstant, sondern unterliegen Schwankungen in Abhängigkeit von Krankheitsphase und Behandlung. Auch ist nicht abschließend geklärt, ob die dermale Dysbiose eine Folge der Neurodermitis ist oder ob sie zu dieser bereits initial beiträgt. In einer Studie an Kindern beispielsweise wurde das Mikrobiom zu verschiedenen Zeitpunkten untersucht. Und es konnte bei den Kindern mit Neurodermitis bereits vor der Manifestation klinischer Symptome eine Kolonisation mit Staphylococcus aureus nachgewiesen werden.18

Welchen Einfluss hat der Biofaktorenstatus auf das Mikrobiom?21,22,23

Mikroben nutzen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente für ihr Wachstum und ihre biologische Funktion. Eine gute Versorgung mit den hier erwähnten Vitaminen C und D sowie Zink kann die Zusammensetzung und Funktion des Mikrobioms beeinflussen und so die bakterielle Diversität erhöhen. Durch seine immunmodulierende Wirkung trägt Vitamin D zur Diversität des Mikrobioms bei und kann insbeson­dere das Wachstum gesunder Bakterienarten wie Firmicutes und Bacteroidetes fördern. Außerdem wirkt Vitamin D entzündungshemmend und stimuliert die Bildung antimikrobieller Peptide, was ebenfalls das Mikrobiom stabilisiert. Vitamin C trägt durch seine antioxidativen und ebenfalls entzündungshemmenden Effekte dazu bei, den oxidativen Stress im Darm zu verringern und das Wachstum nützlicher Bakterien – vor allem Lactobacillus und Bifidobacterium – zu fördern. Auch der Biofaktor Zink kann das Wachstum physiologischer Darmbakterien unterstützen, die Bildung pathogener Mikroben hemmen und die Darmschleimhaut stärken. Studien konnten zudem zeigen, dass mit Zink – und Eisen – angereicherte Lebensmittel die Anzahl gesunder Bakterien wie Lactobacillus und Ruminococcus erhöhen und schädliche Bakterien wie Streptococcus, Escherichia und Enterobacter verringern konnten.24

Fazit für die Praxis

Eine optimale Versorgung mit den Biofaktoren Vitamin D, Vitamin C und Zink kann nicht nur direkt die Hautgesundheit unterstützen, sondern auch indirekt über eine Beeinflussung des Mikrobioms und dadurch eine Rolle im Management der Neurodermitis spielen. Allerdings sind weitere Studien nötig, um die exakten Zusammenhänge zu verstehen und gezielte therapeutische Ansätze zu entwickeln. Hier sind in der Zukunft sicher noch viele Erkenntnisse zu erwarten.

Autorin

Dr. Daniela Birkelbach

Gesellschaft für Bio­faktoren e. V.
daniela.birkelbach(at)gf-biofaktoren.de
www.gf-biofaktoren.de

Die Gesellschaft für Biofaktoren e. V. (GfB) ist ein gemeinnütziger Verein, der das Ziel verfolgt, die wissenschaftlichen Grundlagen der Therapie und Prophylaxe mit Biofaktoren zu fördern.

1 Vaughn AR et al.: Micronutrients in atopic dermatitis: A systematic review. J Altern Complement Med 2019 Jun; 25(6): 567-577 

2 Kim G, Bae JH: Vitamin D and atopic dermatitis: A systematic review and meta-analysis. Nutrition 2016 Sep; 32(9): 913-920

3 Hattangdi-Haridas SR et al.: Vitamin D deficiency and effects of Vitamin D supplementation on disease severity in patients with atopic dermatitis: A systematic review and Meta-Analysis in adults and children. Nährstoffe 2019 Aug 9; 11(8): 1854 

4 Huang C et al.: Effects of Vitamin D levels and supplementation on atopic dermatitis: A systematic review. Pedriatr Dermatol 2018 Nov; 35(6): 754-760 

5 Pludowski P et al.: Vitamin D Supplementation: A Review of the Evidence Arguing for a Daily Dose of 2000 International Units (50 microg) of Vitamin D for Adults in the General Population. Nutrients 2024; 16(3) 

6 Ströhle A, Hahn A: Vitamin C und Immunfunktion. MMP 2009; 2: 49-54 

7 Shin J et al.: Associations among plasma vitamin C, epidermal ceramide and clinical severity of atopic dermatitis. Nutr Res Pract 2016 Aug; 10(4): 398-403 

8 Wang K et al.: Role of Vitamin C in Skin Diseases. Front Physiol 2018 Jul 4; 9: 819 

9 Johnston CS et al.: Ascorbic Acid, in J. Zempleni, et al. (Hg.) Handbook of Vitamins. CRC Press, Boca Raton, 2007 

10 Lykkesfeldt J: On the effect of vitamin C intake on human health: How to (mis)interprete the clinical evidence. Redox Biol 2020 Jul; 34: 101532 

11 Classen HG et al.: Zink. Das unterschätzte Element. MMP 2020; 43(4): 149-157

12 Karabacak E et al.: Erythrocyte zinc level in patients with atopic dermatitis and its relation to SCORAD index. Postepy Dermatol Alergol 2016 Okt; 33(5): 349-352 

13 Gupta M et al.: Zinc therapy in dermatology: A review. Dermatol Res Pract 2014; 709152 

14 Kim et al.: Hair zinc levels and the efficacy of oral zinc supplementation in patients with atopic dermatitis. Acta Derm Venereol 2014; 94: 558-562 

15 European Commission: Opinion of the Scientific Committee on Food on the Tolerable Upper Intake Level of Zinc (expressed on 5 March 2003). SCF/CS/NUT/UPPLEV/62 

16 Fosmire GJ: Zinc toxicity. Am J Clin Nutr 1990 Feb; 51(2): 225-227 

17 Fölster-Holst R: Die Rolle des Hautmikrobioms bei atopischer Dermatitis – Zusammenhänge und Konsequenzen. J Dtsch Dermatol Ges 2022 May; 20(5): 571-578 

18 Meylan P et al. Skin colonization by staphylococcus aureus precedes the clinical diagnosis of atopic dermatitis in infancy. J Invest Dermatol 2017; 137: 2497-2504 

19 Nekrasova A et al.: Characteristics of the Gut Microbiota in Regard to Atopic Dermatitis and Food Allergies of Children. Biomedicines 2024; 12(3): 553 

20 Kalashnikova IG et al.: The Association between Gut Microbiota and Serum Biomarkers in Children with Atopic Dermatitis. Biomedicines 2024 Oct 15; 12(10): 2351 

21 Barone M et al.: Gut microbiome–micronutrient interaction: The key to controlling the bioavailability of minerals and vitamins? Biofactors. 2022 Mar 16; 48(2): 307-314 

22 Bellerba F et al.: The Association between Vitamin D and Gut Microbiota: A Systematic Review of Human Studies. Nutrients 2021 Sep 26; 13(10): 3378 

23 Cheng J et al.: The effect of dietary zinc and zinc physiological status on the composition of the gut microbiome in vivo. Crit Rev Food Sci Nutr 2024 Jun; 64(18): 6432-6451 

24 Gomes AJC et al.: Effects of Iron and Zinc Biofortified Foods on Gut Microbiota In Vivo (Gallus gallus): A Systematic Review. Nutrients 2021 Jan 9; 13(1): 189

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