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Praxisbeispiel

Praxisoptimierung, die wirkt: 7 Erfolgsfaktoren aus der Praxis

Die systematische Optimierung einer Arztpraxis erfordert nicht nur medizinische, sondern auch unternehmerische Kompetenz. Wie sich beides erfolgreich verbinden lässt, zeigt das Beispiel der Allgemeinmedizinerin Dr. med. Lucia Bachner in Köln.


16.01.2025
J. Kock
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1. Leistungsniveau der Behandler optimieren

Ein wichtiger Schritt war die Einstellung eines zusätzlichen Arztes – obwohl rechnerisch damit eine halbe Stelle zu viel besetzt war. „Die Personalkosten stiegen zwar, aber dadurch konnten wir viel mehr Vorsorgetermine und Untersuchungen anbieten“, erklärt Bachner. „Das führte zu mehr Terminen, mehr Patienten und letztlich zu höheren Einnahmen.“

Gleichzeitig investierte die Praxis gezielt in Fortbildungen. Die Ärztinnen und Ärzte erweiterten ihr Leistungsspektrum um Schlafapnoe-Diagnostik, Polygrafie, psychosomatische Betreuung und professionelle Hautchecks. Auch das nichtärztliche Personal wurde weiterqualifiziert, um mehr Leistungen erbringen zu können. „Es geht nicht nur darum, dass die Praxis mehr verdient. Die Qualität der Patientenversorgung muss mitwachsen“, betont die Ärztin.

Der Erfolg gibt ihr Recht: Die Praxis kann heute eine breite Palette an Vorsorgeuntersuchungen abdecken. Hautchecks, Polygrafien, Männer-Check und Ultraschalluntersuchungen haben deutlich zugenommen. „Wir haben jetzt den Blick dafür“, sagt Bachner. „Und wir motivieren unsere Patienten aktiv zur Vorsorge, statt zu warten, bis Probleme auftreten.“

Praxisbeispiel Allgemeinmedizinerin Dr. Bachner

Nach der Eröffnung eines zweiten Standorts holte sich Dr. Bachner Unterstützung bei der KOCK CONSULTING GmbH (ehemals Kock+Voeste). Dr. Bachner führt heute ein erfolgreiches Gesundheitsunternehmen. Mit zwei Standorten, 20 Mitarbeitenden und sechs behandelnden Ärztinnen und Ärzten ist die Hausarztpraxis von Dr. Bachner in Köln heute ein Vorzeigebeispiel für erfolgreiche Praxisführung. Doch der Weg dahin war nicht einfach: Nach der Eröffnung einer zweiten Niederlassung stand die engagierte Ärztin vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. „Die Baumaßnahmen verzögerten sich um drei Monate. Trotzdem mussten die bereits eingestellten Mitarbeiter bezahlt werden. Mit diesem Defizit sind wir gestartet“, erinnert sich die Ärztin. „Jeden Monat rutschten wir 20.000 € ins Minus.“

Der Patientenzuwachs allein konnte das Cash-Flow-Problem nicht lösen. Auf Anraten ihres Bruders suchte die Medizinerin professionelle Unterstützung. So gelang der Praxis der Turnaround. Heute verzeichnet Dr. Bachner nicht nur steigende Patientenzahlen, sondern sie konnte auch ihren Gewinn deutlich steigern.

2. Preisstruktur und Leistungsangebot optimieren

Eine systematische Analyse der bestehenden Leistungen und ihrer Wirtschaftlichkeit bildete die Basis für Optimierungen im Angebotsspektrum. Neben der klassischen hausärztlichen Versorgung bietet die Praxis heute eine Vielzahl an Zusatzleistungen: von der Reisemedizin über Ozontherapie bis zu speziellen Infusionen und Vitamin-C-Kuren.

Die Praxis achtet dabei auf eine ausgewogene Balance zwischen Kassen- und Privatleistungen. Das IGeL-Angebot wurde gezielt ausgebaut und wird nun bei jedem Check-up aktiv kommuniziert. „Die Nachfrage ist enorm gestiegen“, berichtet Bachner. „Die Patienten schätzen das erweiterte Leistungsspektrum.“

3. Terminkalender neu strukturieren

Die Optimierung des Terminmanagements erwies sich als Mammutaufgabe – aber eine, die sich auszahlte. „Wir haben bestimmte Sprechstunden wie die Akutsprechstunde eingeführt und die genaue Termindauer in Minuten festgelegt“, erläutert die Hausärztin. Am Ende des Tages werden gezielt kürzere Termine wie die Besprechung von Laborwerten oder Krankmeldungen eingeplant. Um auch auf spontane Anfragen und Notfälle vorbereitet zu sein, wurden zudem strategisch Zeitpuffer in den Tagesablauf integriert.

Mittags werden nun eine Stunde länger – bis 13 Uhr – Termine vergeben, wodurch mit dem gleichen Personal mehr Termine angeboten werden können. „Die standortspezifischen Gegebenheiten mussten dabei natürlich berücksichtigt werden“, erklärt Bachner. „Jede Veränderung – auch wenn sie sinnvoll ist – muss in zwei Teams umgesetzt werden. Das braucht Zeit und gute Kommunikation.“

4. Verantwortlichkeiten neu ordnen

Eine Schlüsselentscheidung war die Einstellung einer Praxismanagerin – auf Empfehlung der Heilberufeberatung war das Job-Angebot auch für Quereinsteiger offen. Die Wahl fiel auf eine ehemalige Gastronomiemanagerin. „Am Anfang musste sie viel lernen, aber ihr Management-Know-how aus der Gastronomie erwies sich als sehr wertvoll“, resümiert Bachner.

Die Praxisinhaberin konnte nun administrative Aufgaben abgeben und sich wieder stärker auf die Patientenversorgung konzentrieren. „Wir haben uns von einer Praxis zu einem Unternehmen entwickelt“, beschreibt Bachner den Wandel. Heute gibt es eine eigene Buchhalterin, und auch die Bestellungen werden nicht mehr von der Inhaberin selbst erledigt.

5. Mitarbeiterführung stärken

Das Wachstum brachte Veränderungen im Teamgefüge mit sich. „Mit der Größe wurde es weniger familiär, aber wir haben weiterhin eine sehr gute Atmosphäre“, sagt die Medizinerin. Die Praxis investiert regelmäßig in Workshops für die Mitarbeitenden und legt Wert auf gemeinsame Aktivitäten außerhalb der Arbeitszeit.

Neue Mitarbeitende werden heute über verschiedene Kanäle gewonnen – von persönlichen Empfehlungen bis zu den sozialen Medien. Eine Instagram-Kampagne brachte innerhalb von 24 Stunden acht hochqualifizierte Bewerbungen. Die Praxis zeigt sich auch offen für unkonventionelle Lösungen: Eine Zahnarzthelferin wurde erfolgreich für das Backoffice umgeschult.

Ein besonderer Aspekt: Dr. Bachners Sohn macht eine Ausbildung zum Medizinischen Fachangestellten (MFA) in der Praxis und hat die Controlling-Funktion übernommen. „Das war eine der besten Entscheidungen“, freut sich die Ärztin. „Er ist ein wichtiger Pfeiler bei der Umsetzung aller neuen Prozesse.“

6. KV-Abrechnungsmöglichkeiten ausschöpfen

Durch die Umstellung auf die hausarztzentrierte Versorgung (HZV) konnte die Praxis ihre Einnahmen pro Patient um 30 % steigern. Die Privateinnahmen haben sich mindestens verdoppelt. Auch die IGeL-Leistungen verzeichnen einen deutlichen Zuwachs, da sie bei jedem Check-up gezielt angeboten werden.

Ein professionelles Recall-System unterstützt die optimierte Abrechnung. „Beim Verlassen der Praxis erhält jeder Patient direkt einen neuen Termin“, führt Bachner aus. Zusätzlich erfolgt ein telefonischer Recall zum Quartalsende.

7. Beratungsgespräche optimieren

Weiter auf Erfolgskurs

Die optimierten Strukturen ermöglichen heute flexiblere Arbeitszeiten: Die Ärztinnen und Ärzte haben einen freien Nachmittag pro Woche und das Backoffice kann teilweise im Homeoffice arbeiten. „Langfristig streben wir die 4-Tage-Woche an“, verrät Bachner. Im Januar 2025 startet die Kooperation mit einem Schmerz- und Palliativzentrum. Weitere Zukunftspläne sind die Entwicklung zum Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) und die Integration weiterer Fachabteilungen.

Der Erfolg gibt dem Konzept recht: Die Praxis verzeichnet heute pro Quartal 250 bis 350 neue Patientinnen und Patienten. Nach zahlreichen Neuerungen in der Praxisorganisation und in Zusammenarbeit mit der Heilberufeberatung stieg die Anzahl der Kassenpatienten um mindestens 20 %, bei Privatpatientinnen und -patienten sogar um 30 %. „Mit systematischer Praxisoptimierung und professioneller Begleitung lässt sich auch aus einer wirtschaftlich angespannten Situation eine Erfolgsgeschichte entwickeln“, fasst Bachner zusammen.

Ein wichtiger Erfolgsfaktor war auch die Optimierung der Patientenkommunikation. Das Team wurde geschult, Patienten aktiv auf Vorsorgeuntersuchungen und zusätzliche Leistungsangebote anzusprechen. „Wir haben das Bewusstsein der Mitarbeitenden dafür geschärft, die Patienten vor dem Verlassen der Praxis auf anstehende Untersuchungen hinzuweisen“, berichtet Bachner.

Die Praxis setzt dabei auf eine proaktive Terminsteuerung: „Wir entscheiden gemeinsam mit den Patienten, wann sie wiederkommen und wofür – statt nur auf Akutversorgung zu setzen.“ Dieser präventive Ansatz kommt bei den Patienten gut an und trägt zur verbesserten Versorgungsqualität bei.

Autor

Jonas Kock
Geschäftsführer der KOCK CONSULTING – Beratung für die Heilberufe
Wolfener Str. 32–34, Haus K, 12681 Berlin
info(at)kock-consulting.de
kock-consulting.de