1. Leistungsniveau der Behandler optimieren
Ein wichtiger Schritt war die Einstellung eines zusätzlichen Arztes – obwohl rechnerisch damit eine halbe Stelle zu viel besetzt war. „Die Personalkosten stiegen zwar, aber dadurch konnten wir viel mehr Vorsorgetermine und Untersuchungen anbieten“, erklärt Bachner. „Das führte zu mehr Terminen, mehr Patienten und letztlich zu höheren Einnahmen.“
Gleichzeitig investierte die Praxis gezielt in Fortbildungen. Die Ärztinnen und Ärzte erweiterten ihr Leistungsspektrum um Schlafapnoe-Diagnostik, Polygrafie, psychosomatische Betreuung und professionelle Hautchecks. Auch das nichtärztliche Personal wurde weiterqualifiziert, um mehr Leistungen erbringen zu können. „Es geht nicht nur darum, dass die Praxis mehr verdient. Die Qualität der Patientenversorgung muss mitwachsen“, betont die Ärztin.
Der Erfolg gibt ihr Recht: Die Praxis kann heute eine breite Palette an Vorsorgeuntersuchungen abdecken. Hautchecks, Polygrafien, Männer-Check und Ultraschalluntersuchungen haben deutlich zugenommen. „Wir haben jetzt den Blick dafür“, sagt Bachner. „Und wir motivieren unsere Patienten aktiv zur Vorsorge, statt zu warten, bis Probleme auftreten.“
Praxisbeispiel Allgemeinmedizinerin Dr. Bachner
Nach der Eröffnung eines zweiten Standorts holte sich Dr. Bachner Unterstützung bei der KOCK CONSULTING GmbH (ehemals Kock+Voeste). Dr. Bachner führt heute ein erfolgreiches Gesundheitsunternehmen. Mit zwei Standorten, 20 Mitarbeitenden und sechs behandelnden Ärztinnen und Ärzten ist die Hausarztpraxis von Dr. Bachner in Köln heute ein Vorzeigebeispiel für erfolgreiche Praxisführung. Doch der Weg dahin war nicht einfach: Nach der Eröffnung einer zweiten Niederlassung stand die engagierte Ärztin vor erheblichen finanziellen Herausforderungen. „Die Baumaßnahmen verzögerten sich um drei Monate. Trotzdem mussten die bereits eingestellten Mitarbeiter bezahlt werden. Mit diesem Defizit sind wir gestartet“, erinnert sich die Ärztin. „Jeden Monat rutschten wir 20.000 € ins Minus.“
Der Patientenzuwachs allein konnte das Cash-Flow-Problem nicht lösen. Auf Anraten ihres Bruders suchte die Medizinerin professionelle Unterstützung. So gelang der Praxis der Turnaround. Heute verzeichnet Dr. Bachner nicht nur steigende Patientenzahlen, sondern sie konnte auch ihren Gewinn deutlich steigern.
2. Preisstruktur und Leistungsangebot optimieren
Eine systematische Analyse der bestehenden Leistungen und ihrer Wirtschaftlichkeit bildete die Basis für Optimierungen im Angebotsspektrum. Neben der klassischen hausärztlichen Versorgung bietet die Praxis heute eine Vielzahl an Zusatzleistungen: von der Reisemedizin über Ozontherapie bis zu speziellen Infusionen und Vitamin-C-Kuren.
Die Praxis achtet dabei auf eine ausgewogene Balance zwischen Kassen- und Privatleistungen. Das IGeL-Angebot wurde gezielt ausgebaut und wird nun bei jedem Check-up aktiv kommuniziert. „Die Nachfrage ist enorm gestiegen“, berichtet Bachner. „Die Patienten schätzen das erweiterte Leistungsspektrum.“
3. Terminkalender neu strukturieren
Die Optimierung des Terminmanagements erwies sich als Mammutaufgabe – aber eine, die sich auszahlte. „Wir haben bestimmte Sprechstunden wie die Akutsprechstunde eingeführt und die genaue Termindauer in Minuten festgelegt“, erläutert die Hausärztin. Am Ende des Tages werden gezielt kürzere Termine wie die Besprechung von Laborwerten oder Krankmeldungen eingeplant. Um auch auf spontane Anfragen und Notfälle vorbereitet zu sein, wurden zudem strategisch Zeitpuffer in den Tagesablauf integriert.
Mittags werden nun eine Stunde länger – bis 13 Uhr – Termine vergeben, wodurch mit dem gleichen Personal mehr Termine angeboten werden können. „Die standortspezifischen Gegebenheiten mussten dabei natürlich berücksichtigt werden“, erklärt Bachner. „Jede Veränderung – auch wenn sie sinnvoll ist – muss in zwei Teams umgesetzt werden. Das braucht Zeit und gute Kommunikation.“