Empfehlung:
Zur Rezidivprophylaxe des Ulcus cruris venosum sollen in Abwägung zwischen medizinischer Indikation und Adhärenz der Patienten Medizinische Kompressionsstrümpfe verwendet werden und zwar mindestens der Kompressionsklasse I und mindestens der Länge A–D.
Neben der Behandlung der zugrundeliegenden Pathologie im oberflächlichen und/oder tiefen Venensystem ist für die Prävention von Rezidiven entscheidend, dass die medizinische Kompressionstherapie auch nach Abheilung eines UCV fortgeführt wird (6). So zeigten Vandongen et al., dass sich die Rate der UCV-Rezidive von 54 % in der Placebogruppe auf 24 % in der Behandlungsgruppe reduzierte (6). Bei der Auswahl der Anpressdrucke gilt, auch wenn eine Metaanalyse geringere Rezidivraten für höhere Kompressionsklassen zeigte, dass diese mit einer schlechteren Adhärenz einhergehen (7–9). Eine schlechte Therapietreue steigert wiederum das Risiko für ein UCV-Rezidiv (10), sodass die Kompressionsklasse in Abwägung zwischen medizinischer Indikation und Adhärenz erfolgen soll (1).
Empfehlung:
Bei abgeheiltem Ulcus cruris venosum soll eine Insuffizienz des oberflächlichen Venensystems zur Reduktion des Rezidivrisikos operativ/ablativ behandelt werden. Das gilt auch bei Refluxen im tiefen Venensystem.
Die invasive Therapie der zugrundeliegenden Insuffizienz der oberflächlichen Venen beschleunigt nicht nur die Abheilung eines UCV, sondern senkt auch das Risiko für ein Rezidiv (11, 12). Dieser Effekt besteht trotz Vorhandensein einer sekundären Leitveneninsuffizienz weiter (13), sodass ein bestehender Reflux im tiefen Venensystem keine Kontraindikation für eine invasive Therapie darstellt.
Empfehlung:
Bei floridem oder abgeheiltem Ulcus cruris venosum und einer relevanten Beckenvenenobstruktion im Rahmen eines postthrombotischen Syndroms können rekanalisierende Maßnahmen (z. B. Angioplastie mit Stent-Implantation) zur Reduktion des Rezidivrisikos empfohlen werden.
Langzeitdaten, die den Stellenwert rekanalisierender Maßnahmen in der Prävention eines UCV-Rezidivs beim postthrombotischen Syndrom zeigen, fehlen bislang. Es gibt Hinweise, dass rekanalisierende Maßnahmen, die zusätzlich zur medizinischen Kompressionstherapie durchgeführt werden, möglicherweise einen weiteren Nutzen haben können (14).
Empfehlung:
Bei Patienten mit abgeheiltem Ulcus cruris venosum sollen edukative Maßnahmen eingesetzt werden, die Informationen über das Krankheitsbild und Risikofaktoren sowie Strategien der Prävention umfassen.
Mehrere Studien zeigten, dass Edukation einen positiven Einfluss auf die Abheilung eines UCV nimmt (15–17). Edukation verbessert eindrücklich die Adhärenz, die wiederum die medizinische Kompressionstherapie betreffend eine bedeutsame Rolle in der Rezidivprävention spielt. Edukative Maßnahmen umfassen auch Aspekte der Nachsorge mit der Kenntnis von ersten Anzeichen eines Rezidivs, um frühzeitig einen Arzt aufzusuchen. Auch wenn bislang Studienergebnisse fehlen, die den direkten Zusammenhang zwischen Edukation und Rezidivprävention zeigen, so ist ein positiver Einfluss anzunehmen und dementsprechend sind edukative Maßnahmen zu empfehlen (1).
Empfehlung:
Bei abgeheiltem Ulcus cruris venosum soll zur Prävention eines Rezidivs weiterhin körperliche Aktivität empfohlen werden.
Bekannte Risikofaktoren für die Entstehung eines UCV sind neben eingeschränkter Sprunggelenksbeweglichkeit auch mangelnde körperliche Bewegung (18). Bewegungsprogramme mit unterschiedlichen Übungen tragen zu einer Verkleinerung und Abheilung bestehender UCV bei (19–21). Belastbare Daten aus randomisierten klinischen Studien zum Effekt von Bewegungsübungen auf die Prävention von Rezidiven fehlen bislang. Ungeachtet dessen und in Kenntnis der positiven Effekte auf floride UCV sollen Patienten auch nach Abheilung körperliche Aktivitäten und Bewegungsübungen empfohlen werden, die der Förderung des venösen Rückflusses dienen (1).
Empfehlung:
Bei abgeheiltem Ulcus cruris venosum und einer Adipositas soll zur Prävention eines Rezidivs eine Gewichtsnormalisierung empfohlen werden.
Die Adipositas gilt als ein weiterer Risikofaktor in der Entstehung eines UCV. Hautveränderungen, die mit einer chronischen venösen Insuffizienz (CVI) assoziiert sind, einschließlich eines UCV, bessern sich nach Gewichtsreduktion (22, 23). Die Fragestellung, ob eine Gewichtsreduktion bei Adipositas auch die Rezidivrate des UCV senkt, ist aktuell unbeantwortet. Randomisierte klinische Studien fehlen.
Vor dem Hintergrund der Komorbiditäten adipöser Patienten, der Verschlechterung einer vorbestehenden CVI durch die adipositasbedingte Erhöhung des intraabdominellen Drucks sowie der stoffwechselbedingten Entzündung durch das Übergewicht, ist auch bei Patienten mit UCV (floride oder abgeheilt) mit einer Adipositas eine Gewichtsreduktion zu empfehlen (1).
Fazit für die Praxis
Nach heutigen Kenntnissen gelingt es, die Inzidenz von UCV-Rezidiven effektiv zu senken, wenn zum einen frühzeitige Maßnahmen zur Behandlung der zugrunde liegenden Veneninsuffizienz eingeleitet und die medizinische Kompressionstherapie fortgeführt werden und zum anderen Änderungen des Lebensstils unterstützt werden sowie eine Aufklärung und Überwachung der frühen Anzeichen eines Rezidivs erfolgen.
Eine Rezidivrate von bis zu 70 % über einen Zeitraum von zwölf Monaten nach Abheilung unterstreicht die zusätzliche Bedeutung der Primärprävention eines UCV. Eine chronische venöse Insuffizienz darf nicht erst im Stadium C5 oder C6 als medizinisches Problem angesehen werden. Umso wichtiger sind im klinischen Alltag die Kenntnisse über Risikofaktoren und verschlechternde Komorbiditäten, um Risikopatienten frühzeitig zu erkennen und geeignete Präventionsmaßnahmen vor Erstmanifestation eines UCV einzuleiten.