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Allgemein- & Innere Medizin, Psychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Psychotherapie, Medizin Neurologie, Allgemein- & Innere Medizin Neurologie

   

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Die Teilnahme ist vom 21.01.2025 bis zum 20.01.2026 möglich!

Therapieresistenz

Depressionsbehandlung im Wandel (Teil 2)

Die Behandlung therapieresistenter Depression (TRD) ist eine der größten Herausforderungen in der modernen Psychiatrie. Viele Patienten sprechen trotz intensiver Bemühungen mit konventionellen Therapiemethoden, wie pharmakologischen und psychotherapeutischen Ansätzen, nicht ausreichend auf die Behandlung an. Dies führt zu einer erheblichen Belastung für die Betroffenen und bringt oft langwierige Krankheitsverläufe mit sich.


22.01.2025
J. M. Fasshauer/M. Walter
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Die Wissenschaft sucht daher intensiv nach neuen Wegen und Ansätzen, um diesen Menschen eine bessere Perspektive auf ­Genesung und Lebensqualität zu bieten. Ein tieferes Verständnis der biologischen, genetischen und psychosozialen Faktoren könnte hierbei entscheidend sein, um zukünftig wirksamere Behandlungsstrategien für TRD zu entwickeln.



Konventionelle Therapie

Die S3-Leitlinie zur Behandlung der unipolaren Depression (2022) bietet eine strukturierte Herangehensweise zur Therapie dieser Erkrankung. Sie legt eine klare Reihenfolge und Kombination von Therapiemethoden fest, die je nach Schweregrad und individueller Situation des Patienten angewandt werden sollen. Bei leichter und mittelgradiger Depression empfiehlt die Leitlinie entweder die Durchführung einer Psychotherapie oder einer Pharmakotherapie, da sich hierbei keine signifikanten ­Vorteile eines Verfahrens zeigen.1 Bei einer schweren depressiven Episode wird direkt die Kombination aus einem psychotherapeutischen Verfahren und einer pharmakologischen Behandlung empfohlen.1

Antidepressiva

Antidepressiva gehören zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten bei der Behandlung von Depressionen. Die Wirksamkeit dieser Medikamente variiert je nach ­Klasse oft sehr bei den Patienten. Selektive Serotonin-Wieder­aufnahmehemmer (SSRIs) wie Sertralin, Paroxetin oder (Es-)Citalopram sind häufig die Mittel der ersten Wahl. Dies aufgrund ihres günstigen Nebenwirkungsprofils im Vergleich zu älteren Antidepressiva wie trizyklischen Antidepressiva (TCAs) und Monoaminoxidase-Hemmern (MAOIs).2 Sollte ein Patient auf ein initiales SSRI nicht ausreichend ansprechen oder ausgeprägte Nebenwirkungen erfahren, empfiehlt sich ein einmaliger Wechsel innerhalb der SSRI-Klasse oder zu einem anderen neueren Antidepressivum wie Venlafaxin oder Duloxetin, aus der Gruppe der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI), Bupropion als Noradrenalin- und Dopamin-Wiederaufnahmehemmer oder auch Mirtazapin als tetrazyklisches Antidepressivum.

Wenn auch dies nicht erfolgreich ist, kann ein Wechsel zu einer anderen Klasse wie TCAs oder MAOIs in Erwägung gezogen werden, obwohl diese tendenziell mehr Nebenwirkungen haben und daher weniger gut verträglich sind. Insgesamt hat die Switch-Strategie, also der Wechsel der Antidepressiva-­Klasse leider kaum eine Evidenz, auch wenn sie in der klinischen ­Praxis oft angewendet wird.

Während die Nebenwirkungen von antidepressiver Medikation bereits nach Stunden bis Tagen auftreten, können die antidepressiven Effekte meist erst nach 2-3 Wochen gesehen werden. Spätestens nach 4 Wochen sollte eine Wirkungsprüfung erfolgen und entschieden werden, ob ein Wechsel oder eine Ergänzung indiziert ist oder nicht. Ist keine Verbesserung erkennbar, sollten im Rahmen des therapeutisches Drugmonitorings (TDM) die Adhärenz des Patienten und ein Plasmaspiegel geprüft werden, sofern dies bei der Medikation möglich ist.1 Auch augmentative Kombinationstherapien zur verbesserten Wirkung mit z. B. Lithium werden von der Leitlinie empfohlen. Atypische Antipsychotika können ebenfalls zur Augmentation eingesetzt werden, wobei nur Quetiapin zugelassen ist. Risperidon, Aripiprazol oder Olanzapin können nach ausführlicher Aufklärung off-label verwendet werden. Jede medikamentöse Therapie bedarf einer regelmäßigen Labor- und EKG-Kontrolle, da vor allem Verlängerungen der frequenzkorrigierten QT-Zeit (QTc) unter antidepressiver Medikation häufig auftreten.

Konventionelle Therapieformen: 

  • Antidepressiva
  • Kognitive Verhaltenstherapie
  • Psychodynamische Therapie
  • Systemische Therapie

Kognitive Verhaltenstherapie

Die Wirksamkeit verschiedener Psychotherapiemethoden bei der Behandlung von Depressionen ist gut dokumentiert. Die Kognitive Verhaltenstherapie (CBT) ist eine der am häufigsten untersuchten und angewendeten Therapien zur Behandlung von Depressionen. Sie konzentriert sich darauf, negative Denkmuster zu identifizieren und zu ändern, die zur Depression beitragen. Studien, wie die Meta-Analyse von Cuijpers et al. (2020), zeigen, dass CBT signifikante Verbesserungen in der Reduktion depressiver Symptome erzielt. Sie hilft Patienten, dysfunktionale Gedanken zu erkennen und durch ­realistischere und positivere Denkmuster zu ersetzen. CBT umfasst auch Verhaltensaktivierung, bei der Patientinnen und Patienten ermutigt werden, Aktivitäten zu unternehmen, die ihnen Freude bereiten und ihre Stimmung verbessern.3

Psychodynamische Therapie

Psychodynamische Therapie, die sich in tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie und Psychoanalyse untergliedert, basiert auf der Annahme, dass unbewusste Prozesse und frühkindliche Erfahrungen eine Rolle bei der Entwicklung von Depressionen spielen. Die psychodynamische Therapie zielt darauf ab, diese unbewussten Konflikte bewusst zu machen und aufzuarbeiten. Diese Therapieform beinhaltet oft das Verstehen und Bearbeiten vergangener Erfahrungen und deren Einfluss auf aktuelle Emotionen und Verhaltensmuster.4

Systemische Therapie

Die Systemische Therapie, auch bekannt als systemische Familien­therapie, betrachtet psychische Störungen wie Depressionen im ­Kontext der sozialen Beziehungen des Patienten, insbesondere der Familie. Diese Therapieform fokussiert sich auf die Interaktionen und Kommunikationsmuster innerhalb des Systems und zielt darauf ab, Veränderungen in diesen Mustern zu bewirken, um die Symptome zu lindern. Studien zeigen, dass systemische Therapie bei der Behandlung von Depressionen wirksam ist. Eine Meta-­Analyse von Carr (2019) berichtet über signifikante Verbesserungen bei depressiven Symptomen durch systemische Therapie, insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Diese Therapie bietet eine strukturierte Methode, bei der Sitzungen typischerweise alle Familienmitglieder einbeziehen und gemeinsame Problemlösungsstrategien entwickeln.5 Darüber hinaus gibt es weitere psychotherapeutische Verfahren, die jedoch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen als Kassenleistung übernommen werden.

Neue Therapieformen bei therapieresistenter Depression

Therapieresistente Depression (TRD) stellt eine erhebliche Herausforderung in der Psychiatrie dar, da betroffene Patienten auf herkömmliche Behandlungsansätze nicht oder nur unzureichend ansprechen. Die STAR*D-Studie (Sequenced Treatment Alternatives to Relieve Depression) ist eine der umfassendsten Untersuchungen zur Behandlung von Major Depression und bietet wertvolle Einblicke in den Umgang mit therapierefraktärer Depression.6,7 Die Studie umfasste mehr als 4.000 Patienten, die initial mit dem SSRI Citalopram behandelt wurden. Wenn keine ausreichende Besserung erzielt wurde, durchliefen die Patienten bis zu vier gestaffelte Behandlungsstufen, bei denen verschiedene Strategien wie der Wechsel auf andere Antidepressiva (z. B. Venlafaxin, Bupropion) oder die Kombinationstherapie (z. B. Citalopram plus Buspiron) untersucht wurden. Die Ergebnisse zeigten, dass etwa ein Drittel der Patienten in der ersten Stufe eine Remission erreichte. Mit jeder weiteren Stufe nahm die Remissionsrate ab, wobei die kumulative Remissionsrate nach Abschluss aller Stufen bei etwa 67 % lag.8

Neue Therapieformen: 

  • Gabe von Ketamin
  • repetitive transkranielle Magnet­stimulation
  • Elektrokonvulsionstherapie
  • Vagusnervstimulation
  • Cognitive Behavioral Analysis 
    System of Psychotherapy
  • augmentierte Psychotherapie

Diese Abnahme der Wirksamkeit und die Zunahme von Nebenwirkungen mit fortschreitenden Behandlungsstufen unterstreicht die Komplexität der Behandlung von TRD.

Die STAR*D-Studie verdeutlichte zudem, dass Faktoren wie längere Episodendauer, Komorbiditäten und ­frühere Therapieresistenzen prädiktiv für ein schlechteres Ansprechen auf nachfolgende Behandlungsversuche waren.6 Diese Ergebnisse legen nahe, dass therapierefraktäre Depressionen nicht nur durch eine ­gestufte pharmakologische Behandlung, sondern durch einen individualisierten Ansatz unter Berücksichtigung genetischer und klinischer Besonderheiten optimal behandelt werden können. In diesem Kontext liefern aktuelle Arbeiten der European Group for the Study of Resistant Depression (GSRD) zusätzliche Erkenntnisse. Es wurden spezifische genetische Polymorphismen, wie Varianten im Serotonintransporter-Gen (SLC6A4) und im Brain-deriveNeurotrophic Factor (BDNF) identifiziert, die mit einer verminderten Wirksamkeit von Antidepressiva assoziiert sind.9,10

Diese Erkenntnisse betonen die Notwendigkeit einer maßgeschneiderten Behandlung, die über die reine Pharmakotherapie hinausgeht und genetische, klinische und psychosoziale Faktoren integriert, um das Behandlungsergebnis bei therapierefraktärer Depression zu optimieren.11

In den letzten Jahren wurden verschiedene innovative Verfahren entwickelt und untersucht, die neue Hoffnungen in der Behandlung von TRD wecken. Der folgende Abschnitt beleuchtet die Wirksamkeit einer Auswahl dieser Verfahren anhand aktueller wissenschaftlicher Literatur und berücksichtigt die Empfehlungen der S3-Leitlinie zur Behandlung unipolarer Depression von 2022.

 

Ketamin

Ketamin, ein N-Methyl-D-Aspartat (NMDA)-
Rezeptor-Antagonist, hat sich in jüngerer Zeit als schnell wirkendes Anti­depressivum erwiesen. Insbesondere die S-Enantiomer-Form, Esketamin, zeigt in mehreren randomisierten, kontrollierten Studien signifikante antidepressive Effekte. Aktuelle Studien bestätigen, dass Ketamin eine schnelle und bedeutende ­Reduktion depressiver Symptome bewirkt, die oft innerhalb von Stunden einsetzt und bis zu einer Woche anhält.12,13 Die S3-Leitlinie erkennt die Wirksamkeit von Ketamin an, empfiehlt seinen Einsatz jedoch aufgrund der limitierten Langzeitdaten und möglichen Nebenwirkungen nur unter kontrollierten Bedingungen in spezialisierten Zentren.1

Repetitive transkranielle Magnetstimulation

Die repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) ist ein nicht-invasives Verfahren, bei dem magnetische Felder genutzt werden, um gezielt bestimmte Gehirnareale zu stimulieren, die mit der Regulation von Stimmung und Emotionen in Verbindung stehen. Es gibt verschiedene Formen der rTMS, darunter die hochfrequente rTMS, die in der Regel über dem linken dorsolateralen präfrontalen Kortex angewendet wird, um die neuronale Aktivität in diesem Bereich zu steigern, und die niederfrequente rTMS, die über dem rechten dorsolateralen präfrontalen Kortex eingesetzt wird, um die neuronale Aktivität zu hemmen.

Eine weitere Variante ist die bilaterale rTMS, bei der beide Hirnareale in einer Sitzung stimuliert werden. Diese unterschiedlichen Ansätze ermöglichen eine individualisierte Therapie, die auf die spezifischen Bedürfnisse und neurobiologischen Merkmale des Patienten abgestimmt ist. Mehrere Studien, darunter eine Metaanalyse von Brunoni et al. (2017), haben gezeigt, dass rTMS besonders bei Patienten mit TRD wirksam ist und eine signifikante Reduktion depressiver Symptome erzielen kann.14 In den USA wurde die rTMS im Jahr 2008 von der zuständigen Behörde zur Behandlung von TRD zugelassen und in Deutschland im Jahr 2015. Diese Zulassung basiert auf einer umfangreichen Überprüfung klinischer Studien, die die Wirksamkeit und Sicherheit der rTMS bei Patienten mit TRD belegten. Seitdem wird rTMS als zugelassene Therapieoption für Patienten angeboten, die auf mindestens zwei verschiedene Antidepressiva nicht angesprochen haben. Die S3-Leitlinie zur Behandlung von Depressionen (Kapitel 3.4.8) erkennt die rTMS als eine empfohlene Behandlungsoption an und bewertet sie als sicher, gut verträglich und mit moderater Wirksamkeit.1

Elektrokonvulsionstherapie

Eine besondere Bedeutung in der Behandlung von TRD spielt die Elektrokonvulsions­therapie (EKT). Die EKT gilt als eine der effektivsten Behandlungsformen für ­schwere und therapierefraktäre Depressionen. Studien zeigen, dass EKT bei einem großen Teil der Patienten zu einer signifikanten Besserung führt.15–17 Die S3-Leitlinie hebt die hohe Wirksamkeit der EKT hervor und empfiehlt deren Einsatz insbesondere bei schwerer, therapieresistenter Depression sowie bei Patienten mit akuter Suizidalität oder katatoner Symptomatik. Die Leitlinie betont zudem die Wichtigkeit eines individualisierten Behandlungsplans und einer sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung.1 Obwohl die EKT zu den wirksamsten Methoden der Depressionsbehandlung zählt, wird sie aufgrund ihrer historischen Stigmatisierung sowohl von Patienten als auch von Behandlern häufig als letztes Mittel betrachtet. Studien legen jedoch nahe, dass eine frühzeitigere Anwendung der EKT oft indiziert wäre.15

Vagusnervstimulation

Ein weiteres interventionelles Verfahren zur Behandlung von TRD ist die Vagusnervstimulation (VNS). Bei diesem Verfahren wird ein kleiner Generator, ähnlich einem Herzschrittmacher, chirurgisch in die Brust des Patienten implantiert. Dieser Generator sendet kontinuierlich elektrische Impulse über eine Elektrode, die um den linken Vagusnerv gewickelt ist, in Richtung des Gehirns. Die Stimulation des Vagusnervs soll bestimmte Hirnregionen beeinflussen, die an der Regulation von Stimmung und Emotionen beteiligt sind, und so depressive Symptome lindern. Die Durchführung der VNS erfordert einen chirurgischen Eingriff, bei dem der Generator unterhalb des Schlüsselbeins platziert wird. Die Einstellungen des Generators, einschließlich der Frequenz und Intensität der Impulse, können nach der Implantation extern angepasst werden, um die bestmögliche therapeutische Wirkung zu erzielen und Nebenwirkungen zu minimieren. Der Eingriff und die anschließende Anpassung der Stimulation erfordern eine enge Zusammenarbeit zwischen dem behandelnden Psychiater und dem Chirurgen.

Studien wie die von Aaronson et al. (2013) zeigen, dass VNS bei einigen Patienten mit TRD langfristige Verbesserungen bewirken kann.18 In der Literatur wird die Wirksamkeit von VNS jedoch kontrovers diskutiert.19–21 Kritiker führen an, dass der Nutzen von VNS nicht immer klar nachweisbar ist und dass der invasive Charakter des Verfahrens sowie potenzielle Risiken, wie Infektionen, Stimmbandlähmungen oder Atembeschwerden, eine sorgfältige Abwägung erfordern. Die S3-Leitlinie zur Behandlung von Depressionen erkennt VNS als eine mögliche Option für ausgewählte Patienten mit TRD an, betont jedoch die Notwendigkeit weiterer Forschung zur genauen Wirksamkeit und Langzeitsicherheit des Verfahrens. Aufgrund dieser Unsicherheiten wird VNS nur bei Patienten empfohlen, die auf andere Therapieansätze nicht ausreichend angesprochen haben.1

Auch im Bereich psychotherapeutischer Verfahren konnten die letzten Jahre neue Behandlungsoptionen der TRD schaffen. Die Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy (CBASP) ist eine spezifisch für chronische Depression entwickelte Psychotherapieform, die interpersonelle und kognitive Verhaltensstrategien kombiniert. Mehrere Studien geben Hinweise darauf, dass CBASP bei chronisch depressiven Patienten signifikante Verbesserungen der Symptomatik bewirken kann.22–24 In der S3-Leitlinie wird CBASP als wirksame psychotherapeutische Methode für chronische Depressionen anerkannt und als Option für Patienten mit TRD empfohlen, insbesondere wenn pharmakologische und andere psychotherapeutische Ansätze unzureichend sind.1

Einen Ausblick auf aktuelle Forschungsarbeiten zur Behandlung von TRD bietet die augmentierte Psychotherapie, also die Kombination aus Psychotherapie und psychoaktiven Substanzen. In einer Übersichtsarbeit von 2014 wird die Hypothese beschrieben, wie Ketamin durch seine Wirkung auf das glutamaterge System eine schnelle und anhaltende antidepressive Wirkung erzielen kann.25 Die Studie zeigt, dass eine einzelne subanästhetische Dosis von Ketamin bereits nach 24 Stunden zu einer signifikanten Reduktion der depressiven Symptome führen kann, wobei die Effekte bis zu sieben Tage anhalten. Es wird vermutet, dass diese Wirkungen durch eine kurzfristige Umstrukturierung neuronaler Netzwerke und eine erhöhte synaptische Plastizität vermittelt wird, was neue therapeutische Fenster für psychotherapeutische Interventionen eröffnet.

Abzugrenzen ist hierbei die Ketamin-­assistierte Psychotherapie (KAP). Aktuelle Studien geben Hinweise darauf, dass die synergistische Wirkung von Ketamin auf das glutamaterge System im Rahmen einer angepassten psychotherapeutischen Sitzung die Verhaltensänderung verbessern und somit den Effekt der Psychotherapie-Sitzungen verstärken kann.26,27 Die dissoziativen und psychoaktiven Wirkungen des Ketamins ermöglichen es möglicherweise den Patienten, während der Therapie eine tiefere Selbstreflexion und kognitive Flexibilität zu erreichen, was das therapeutische Potenzial erheblich erhöhen kann. Dieses Verfahren ist Gegenstand aktueller Studien und in Deutschland nicht durch die Krankenkassen erstattungsfähig.

Neben Ketamin wird die augmentierte Psychotherapie zunehmend auch mit anderen psychoaktiven Substanzen, wie Psilocybin und MDMA, untersucht. Aktuelle Studien zeigen, dass diese Substanzen in Kombination mit Psychotherapie eine tiefgreifende emotionale Verarbeitung und eine Verbesserung der Therapieergebnisse bei verschiedenen psychischen Störungen, einschließlich TRD, fördern können.28,29 Eine randomisierte kontrollierte Studie von Carhart-Harris et al. (2021) zeigte, dass Psilocybin, in Kombination mit unterstützender Psychotherapie, signifikante Verbesserungen bei Patienten mit TRD bewirken kann, die auf herkömmliche Behandlungen nicht angesprochen haben.29 Ähnlich wurden in einer Studie von Mithoefer et al. (2018) vielversprechende Ergebnisse mit MDMA-unterstützter Psychotherapie bei Patienten mit posttraumatischer Belastungsstörung erzielt, was auf das Potenzial solcher Substanzen hinweist.28

Zusammenfassung

Therapieresistente Depression (TRD) stellt eine erhebliche Herausforderung in der klinischen Praxis dar, da sie auf konventionelle Behandlungsansätze nur unzureichend anspricht. Dieser Artikel beleuchtet die neuesten Fortschritte in der Behandlung von TRD, einschließlich innovativer therapeutischer Ansätze wie Ketamin, repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS), Vagusnervstimulation (VNS) und Elektrokonvulsionstherapie (EKT). Gegenstand aktueller Forschung ist zudem die augmentierte Psychotherapie, bei der traditionelle psychotherapeutische Verfahren mit pharmakologischen oder neuromodulatorischen Interventionen kombiniert werden, um die therapeutische Wirksamkeit zu erhöhen. Aktuelle Studien, insbesondere zur Verwendung von Ketamin in der augmentierten Psychotherapie, zeigen vielversprechende Ergebnisse, indem sie eine schnelle und nachhaltige Linderung der depressiven Symptome ermöglichen. Darüber hinaus wird das Potenzial von Psilocybin und MDMA in der augmentierten Psychotherapie diskutiert, wobei diese Substanzen in jüngsten Untersuchungen signifikante Verbesserungen bei TRD-Patienten gezeigt haben. Ziel ist es, zukünftig personalisierte Behandlungsstrategien zu etablieren, die auf die individuellen genetischen, klinischen und psychosozialen Merkmale der Patienten abgestimmt sind.

Autor

Jonathan Mathias Fasshauer
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Autor

Martin Walter
Universitätsklinikum Jena
psychiatrie(at)med.uni-jena.de


Finanzielle und nicht-finanzielle Interessen: Martin Walter (MW) hat Präsentationen für Bayer AG, Boehringer Ingelheim und Biologische Heilmittel Heel GmbH gehalten. MW hat zudem Studien mit institutioneller Forschungsunterstützung von HEEL und Janssen Pharmaceutical Research für klinische Studien (IIT) durchgeführt. MW erhielt von den oben genannten Unternehmen keine finanzielle Vergütung. MW ist u. a. Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Biologische Psychatrie, Mitglied der DGPPN. Jonathan Mathias Faßhauer hat keine COI.

1. Arbeitsgemeinschaft Für Neuropsychopharmakologie Und Pharmakopsychiatrie E.V., Arzneimittelkommission Der Deutschen Ärzteschaft, Arzneimittelkommission Der Deutschen Apotheker, et al. Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression - Langfassung. Bundesärztekammer (BÄK); Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV); Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF); 2022. doi:10.6101/AZQ/000505
2. Antidepressants in the treatment of major depression: a changing landscape for clinical decision making. Clinical Pharmacist. Published online 2019. doi:10.1211/CP.2019.20206214
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7. Rush AJ, Fava M, Wisniewski SR, et al. Sequenced treatment alternatives to relieve depression (STAR*D): rationale and design. Controlled Clinical Trials. 2004;25(1):119-142. doi:10.1016/S0197-2456(03)00112-0
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