Vernachlässigte Tropenkrankheiten: Rund eine halbe Million Tote jährlich
Die WHO schätzt, dass mehr als 1,5 Milliarden Menschen von vernachlässigten Tropenkrankheiten (neglected tropical diseases – NTDs) betroffen und weitere zwei Milliarden durch diese Erkrankungen bedroht sind. Rund eine halbe Million Menschen jährlich sterben direkt oder an den Folgen von NTDs.
Krankheiten wie die lymphatische Filariose, Flussblindheit oder Bilharziose (auch bekannt als Schistosomiasis) führen unbehandelt zu dauerhaften körperlichen Behinderungen oder Entstellungen. Gemeinsam mit den Afrikanischen Partner-Institutionen des DZIF entwickeln Forschende unter anderem diagnostische und therapeutische Tools für Krankheiten, die durch parasitäre Fadenwürmer ausgelöst werden.
Das Deutsche Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) widmet den vernachlässigten Tropenkrankheiten (NTDs) einen eigenen Forschungsschwerpunkt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des DZIF und seiner afrikanischen Partnerinstitutionen fokussieren sich dabei insbesondere auf parasitäre Fadenwürmer.
Bilharziose – unter den NTDs verantwortlich für die meisten durch Krankheit verlorenen Lebensjahre
Die Bilharziose (Schistosomiasis) wird durch Egel der Gattung Schistosoma verursacht, deren Larven sich in Süßwasserschnecken entwickeln. Beim Schwimmen oder Waten in verseuchtem Süßwasser können die Larven durch die Haut in den menschlichen Körper eindringen. Fast 240 Millionen Menschen sind infiziert. Damit ist die Bilharziose nach der Malaria die zweithäufigste Tropenkrankheit und die Erkrankung mit der höchsten Krankheitslast. Die Würmer können Organe wie die Leber schwer schädigen und die Fruchtbarkeit von Frauen beeinträchtigen. DZIF-Forschende entwickeln neue Therapien und Diagnostika zur Behandlung chronischer Formen der Bilharziose.
Neue Antibiotika gegen Wurmerkrankungen
Flussblindheit (Onchozerkose) ist eine Infektion der Hornhaut, die durch die Larven von Filarien verursacht wird. Die Infektion führt bei einem von zwanzig Erkrankten zum Verlust des Sehvermögens und bei einem von hundert zur Erblindung. Die Gefahr einer Infektion mit diesen Filarien besteht entlang von Flüssen, wo der Überträger des Parasiten, die Kriebelmücke, vorkommt. Etwa 21 Millionen Menschen sind infiziert. DZIF-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler haben das Antibiotikum Corallopyronin A entwickelt, das gegen Bakterien wirkt, die in den Filarien leben und für diese lebensnotwendig sind.
Den Afrikanischen Augenwurm bekämpfen
Ein weiteres Beispiel für eine in der zentralafrikanischen Region weit verbreitete Wurmkrankheit ist die Loiasis, auch Afrikanische Augenwurmkrankheit genannt. Die WHO schätzt, dass derzeit rund 20 Millionen Menschen mit dem auslösenden Parasiten Loa loa infiziert sind. Trotz ihres häufigen Auftretens ist die Erkrankung nicht auf der WHO-Liste der vernachlässigten Tropenkrankheiten aufgeführt. In klinischen Studien untersuchen DZIF-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler gemeinsam mit Kollegen des Centre de Recherches Médicales de Lambaréné (CERMEL) in Gabun, einer Afrikanischen Partner-Institution des DZIF, ob bestimmte Breitbandmedikamente gegen Fadenwürmer den Parasiten erfolgreich bekämpfen können.
Bewertung der Breitbandwirkung von Antiwurmmitteln in klinischen Studien
Im Rahmen des eWHORM-Projekts bündeln afrikanische und europäische Partner – darunter das DZIF und seine Afrikanischen Partnerinstitutionen – ihre Kräfte. Gemeinsam wollen sie den WHO-Fahrplan 2021-2030 für vernachlässigte Tropenkrankheiten umsetzen und die mit Wurminfektionen verbundene Krankheitslast reduzieren. Mittels eines hochmodernen adaptiven Studiendesigns wird die Wirksamkeit und Sicherheit eines aus der Veterinärmedizin stammenden Medikamentes, Oxfendazol, gegen die Wurmerkrankungen Onchozerkose, Loiasis, Mansonellose und Trichuriasis (Peitschenwurminfektion) parallel evaluiert.
https://www.dzif.de/de/welttag-gegen-vernachlaessigte-tropenkrankheiten-am-30-ja... Pressemitteilung des DZIF
https://www.dzif.de/de/vernachlaessigte-tropenkrankheiten DZIF-Forschungsschwerpunkt
https://www.dzif.de/de/infrastruktur/afrikanische-partner-institutionen DZIF-Afrikanische Partnerinstitutionen
https://ewhorm.org/ eWHORM-Projekt
https://soundcloud.com/digital-takeda/radionews-gesundheit-auf-reisen-2025 Radiointerview mit Prof. Hörauf zum Thema Tropenkrankheiten