28. Jahrestagung der Deutschen Menopause Gesellschaft (DMG): „Wissen macht cool“
Ob aus der Allgemeinmedizin, Endokrinologie, Kardiologie oder Zahnheilkunde, um nur einige Fachrichtungen zu nennen: Immer mehr Ärztinnen und Ärzte sehen die Menopause als interdisziplinäres Thema und bilden sich dazu fort. Unter dem Motto „Wissen macht cool“ kamen mit rund 500 Angemeldeten so viele wie noch nie zur 28. Jahrestagung der Deutschen Menopause Gesellschaft (DMG) am 15. und 16. November 2024 nach Frankfurt am Main.
Wie bei einem großen Familientreffen fühlten sich die beiden Tagungspräsidenten Dr. Nele Freerksen-Kirschner (Aachen) und Prof. Peyman Hadji (Frankfurt/Main) sowie DMG-Präsidentin Dr. Katrin Schaudig (Hamburg), als sie die 500 Teilnehmenden begrüßten. „Unser im letzten Jahr entwickeltes Kampagnen-Motto der DMG ‚Wissen macht cool‘ haben wir u. a. auch wegen des immer größer werdenden Jungen Forums zum Kongressmotto gewählt“, erläuterte Hadji. Die DMG brauche die nächste Generation von wissenschaftlich und praktisch tätigen Menopause-Expertinnen und -Experten, da die Zukunft angesichts steigender Patientinnenzahlen herausfordernd werde. „Darüber hinaus war uns wichtig, namhafte Referierende aus anderen Fächern einzuladen, weil die interdisziplinäre Zusammenarbeit immer bedeutender wird“, ergänzte Freerksen-Kirschner.
Pilotstudie zum deutschen POI-Register gestartet
Dr. Helena Bralo aus München und Dr. Julia Schläger aus Frankfurt/Main gehören der Arbeitsgemeinschaft „POI-Register“ des Jungen Forums der DMG an. Letztes Jahr stellten sie die Aktivitäten und Ziele der AG für ein geplantes deutsches Register zur prämaturen Ovarialinsuffizienz (POI) vor. Nun präsentierten sie im Symposium „Klinische Fragen in der Menopause“ den aktuellen Stand des Projekts: Nach der Sondierung möglicher Kooperationspartner fiel Ende 2023 die Entscheidung für eine Zusammenarbeit mit dem „Institut für digitale Gesundheitsdaten Rheinland-Pfalz“ (IDG) zunächst im Rahmen der prospektiven multizentrischen Pilot-Studie „Systematische Erfassung der Versorgungssituation für Frauen mit prämaturer Ovarialinsuffizienz (POI) in Deutschland“. Im Oktober 2024 wurde der im Mai eingereichte Ethikantrag im koordinierten Verfahren genehmigt.
Vor kurzem ist die Studie an acht Standorten gestartet, für die bis voraussichtlich März 2026 mittels Fragebögen die Daten betroffener Patientinnen erfasst werden. Die Pilotstudie soll die Basis für ein nationales POI-Register legen mit dem Ziel, langfristig die Diagnostik, Früherkennung und Therapie der POI zu verbessern. Ärztinnen und Ärzte können etwaige Probandinnen an eines der acht Zentren verweisen, wo sie im Rahmen einer einmaligen Konsultation in die Studie aufgenommen werden. Probandinnen müssen hierfür folgende Voraussetzungen erfüllen: 18 bis 44 Jahre alt, Diagnose POI nach ESHRE-Leitlinie (2 x FSH > 25 IU/l im Abstand von mindestens vier Wochen) und eine Oligo-Amenorrhoe seit mindestens vier Monaten. Die Ansprechpartnerinnen der Rekrutierungszentren sind: Dr. Schaudig, Hormone Hamburg; Dr. Annette Bachmann, Unimedizin Frankfurt; Dr. Helena Bralo, LMU München; Dr. Freerksen-Kirschner, Uniklinikum Aachen; Dr. Angela Mayser, Uniklinikum Bonn; Dr. Julia Schläger, Endokrinologikum Frankfurt; Dr. Marina Sourouni, Uniklinikum Heidelberg; Dr. Susanne Theis, Unimedizin Mainz.
Individuelle Beratung zur Hormonersatztherapie
Dr. Schaudig gab unter dem Titel „HRT – the good, the bad and the ugly“ einen Überblick über die aktuell teils ideologisch geführte Diskussion rund um die Hormonersatztherapie (HRT) in den Wechseljahren. „Manchmal sind unsere Sprechstunden ‚wildwestartig“, sagte Schaudig. So würden zahlreiche Frauen in der Menopause-Sprechstunde, angeregt durch Beiträge in Printmedien, sozialen Medien und Ratgeber-Büchern, verunsichert nach als „good“ geltenden sogenannten „bioidentischen Hormonen“ gegen neu auftretende Wechseljahresbeschwerden wie Schlafstörungen, eine depressive Verstimmung oder Konzentrationsstörungen fragen. „Als „bad“ hingegen sehen viele Patientinnen nicht vom Körper selbst gebildete Hormone an, als „ugly“ Kortison oder Atomkraft“, führte die DMG-Präsidentin etwas augenzwinkernd aus. Hier sei eine individuelle Aufklärung jeder Patientin gefragt.
Typische Beschwerden der frühen Perimenopause
Typische Beschwerden der frühen Perimenopause sind nicht Folge eines Hormonmangels, sondern einer stark schwankenden Aktivität der Eierstöcke. Diese wird dadurch hervorgerufen, dass mit schwindendem Eizellvorrat die sehr sensiblen und exakten Steuerungsmechanismen des Zyklus auf der Ebene des Zwischenhirns durcheinandergeraten. Der Einsatz von bioidentischen Hormonen wie Östrogen und Progesteron ist in dieser Phase oft nicht zielführend, da dies an den Schwankungen der Eierstockfunktion nichts ändert, erklärte Schaudig: „Daher muss immer im Einzelfall abgewogen werden, wie man einer Frau in dieser Lebensphase am besten helfen kann. Neben unterstützenden Maßnahmen wie Lebensstilveränderung oder Achtsamkeitstraining beinhaltet das Behandlungsspektrum u. a. den Einsatz pflanzlicher Mittel oder eine zyklische Gabe von Progesteron oder auch einem synthetischen Gestagen, also für 14 Tage im Monat. Oder aber die (vorübergehende) Anwendung einer (östrogenfreien) Antibabypille – mit dem Ziel, die hormonelle Achterbahn der Eierstöcke zu bremsen.“
Curriculum Menopause
Frauen „Ü40“ – endokrinologisch verstehen … die Prä-, Peri- und Postmenopause …
- Modul I – Basiswissen Endokrinologie
28.–29. November 2025, online - Modul II – Was sollten Frauenärztinnen und -ärzte aus anderen Fachgebieten wissen?
19.–20. September 2025, online
Ist der Eizellvorrat endgültig aufgebraucht, kommt es zum dauerhaften Östrogenmangel, der bei vielen Frauen mit ausgeprägten Hitzewallungen einhergeht, aber auch zum Fortbestehen der bereits vorher beklagten Schlafstörungen oder Stimmungseinschränkungen oder anderer Symptome führen kann. Auch hier komme es auf den Leidensdruck der Patientin an. Ist dieser hoch (was bei gut einem Drittel bis der Hälfte der Frauen der Fall ist), ist der Einsatz von Hormonen zu empfehlen.
Als bioidentisch gelten Hormonpräparate, die in ihrer biochemischen Struktur genau jenen im menschlichen Körper gebildeten entsprechen. Das gilt zum Beispiel für das bereits seit 40 Jahren in Deutschland vornehmlich verwendete 17ß-Estradiol. Sofern es als Gel, Spray oder Pflaster über die Haut, also transdermal, verabreicht wird, vermeidet man in den gängigen Dosierungen das bei oraler Anwendung von Östrogen-Tabletten erhöhte Thrombose- und Schlaganfallrisiko, was insbesondere bei Frauen mit Risiken für diese Ereignisse von Bedeutung ist. In aller Regel werden die Sexualhormone von der Industrie aus Diosgenin hergestellt, das wiederum aus Yamswurzel und Soja gewonnen wird.
Krebsrisiko und HRT
Im Zentrum der Diskussion um die Risiken einer HRT steht das potenziell erhöhte Brustkrebsrisiko: Dabei komme es u. a. auf die mögliche Kombination von Hormonpräparaten und die Behandlungsdauer an, sagte Schaudig: „Auch hier müssen Ärztinnen und Ärzte bei Frauen mit hohem Leidensdruck individuell besprechen, ob und welche Faktoren ihr persönliches Brustkrebsrisiko erhöhen könnten, z. B. Alkoholkonsum, wenig körperliche Bewegung oder Übergewicht.“ Es spricht viel dafür, dass das Brustkrebsrisiko bei Einsatz von Östrogen in Kombination mit Progesteron oder Dydrogesteron geringer erhöht ist als beim Einsatz der früher vielfach verwendeten Gestagene.
Eine Langzeiteinnahme einer HRT ohne Leidensdruck ausschließlich zur Prävention von zum Beispiel Osteoporose sei jedoch nicht empfehlenswert, da es hierzu keine Langzeitstudien gebe. „Wir haben keine evidenzbasierten Daten für eine Langzeittherapie mit Hormonen. Auch zur Länge der Gabe muss man immer im Einzelfall schauen, welche Risiken wie etwa vermehrte Krebserkrankungen in der Familie die jeweilige Patientin mitbringt“, betonte die DMG-Präsidentin.
Pressestelle der Deutschen Menopause Gesellschaft e. V.
DMG-Präsidentin: Dr. med. Katrin Schaudig, Praxis für gynäkologische Endokrinologie Schaudig & Schwenkhagen, HORMONE-HAMBURG, Hamburg
Tagungspräsidenten: Dr. med. Nele Freerksen-Kirschner, Uniklinik RWTH Aachen, Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin, und Prof. Dr. med. Peyman Hadji, Frankfurter Hormon- & Osteoporosezentrum
Die nächste DMG-Jahrestagung findet am 7. und 8. November 2025 in Frankfurt/Main statt.
Quelle: Jahrestagung der Deutschen Menopause Gesellschaft e. V., 15.–16. November 2024, Frankfurt am Main