Aerogenes allergisches Kontaktekzem auf Trockenshampoo
Ein allergisches Kontaktekzem auf Trockenshampoo wurde bisher nicht beschrieben. Die Anwendung dieses Kosmetikums ist weit verbreitet. Es ist unwahrscheinlich, dass es sich bei dem nachfolgenden Fallbeispiel um einen seltenen Einzelfall handelt.
Abstract: Allergic contact dermatitis due to dry shampoo has not yet been described. The use of this cosmetic is common, making the following case report unlikely to be an isolated incident.
Eine 58-jährige Patientin berichtete über rezidivierende Erytheme, Schwellung, Schuppung und Juckreiz an der Gesichtshaut, vor allem an den Wangen und an der Stirn (Abb. 1, 2). Die Hauterscheinungen traten tageszeit- und ortsunabhängig auf – vor allem im Urlaub, z. B. im Skiurlaub in Österreich und in Island – aber auch immer wieder zu Hause. Die Patientin, eine Ärztin, hatte keine neuen Kosmetika angewendet. Berufliche Einwirkungen über die Luft, durch Sonneneinwirkung oder Tierkontakte wurden ausgeschlossen.
Zur Abklärung eines Ekzems ist der Epikutantest die geeignete Methode. Getestet wurden der Standardblock, die Konservierungsmittel, die Desinfektionsmittel und die Duftstoffreihe der DKG (Deutsche Kontaktallergie-Gruppe). Dabei fand sich eine +++-Reaktion auf Zimtalkohol (Abb. 3). Alle anderen Kontaktallergene blieben im Test negativ.
Nach Abschluss der allergologischen Diagnostik stellte die Patientin fest, dass Zimtalkohol als Inhaltsstoff des von ihr verwendeten Trockenshampoos deklariert war.
Reste des als Spray angewandten Trockenshampoos sollten von vorne nach hinten ausgebürstet werden (Abb. 4). Die Patientin entfernte allerdings aus Zeitgründen die Reste des Trockenshampoos mit einem Handtuch. So gelangten Partikel des Trockenshampoos vom behaarten Kopf auf die Gesichtshaut.
Die wichtigste Komponente von Trockenshampoo ist Stärke aus Kartoffeln oder Mais. Sie soll Talg auf der behaarten Kopfhaut absorbieren, um die Frisur frisch erscheinen zu lassen. Die Konzentration von Duft- und Konservierungsstoffen ist in Trockenshampoos viel höher als in konventionellen Shampoos und die Einwirkzeit eines „Leave-on“-Produkts ist länger als bei einem „Rinse-off“-Produkt. Konventionelle Haarpflege ist zeitintensiv, vor allem bei Langhaarfrisuren. Trockenshampoos versprechen ein attraktives Erscheinungsbild mit Abdeckung der grauen Haare bei gleichzeitiger Zeitersparnis und geringen Kosten.
Erfindung und Marktentwicklung des Trockenshampoos
Bereits im 17. Jahrhundert wurden Stärkemittel zur Desodorierung und Farbveränderung von Perücken verwendet. Mit Puder wurden die Perücken aufgefrischt. Langes Haar war ein männliches Privileg. 1908 kam das erste kommerziell erhältliche Trockenshampoo auf den Markt. Das Patent stammt aus Wernigerode im Harz. Die 25-jährige Elisabeth Schuhmann entwickelte damals ein besonderes Puder zur Haarwäsche. Zusammen mit ihrem späteren Ehemann, dem Kosmetiker Otto Schaller, vermarktete sie ihr Produkt unter dem Namen „Curelljo“ – auch über die Grenzen Deutschlands hinaus. In den frühen 1940er-Jahren erschloss die Stephanie Brooke Company in den USA die neue weibliche Zielgruppe mit dem Produkt „Minipoo“. Die Werbung zielte auf Mädchen und Frauen ab, die sich auf ein „Überraschungsdate“ vorbereiteten oder wegen einer Erkältung eine Nasswäsche ihrer Haare vermeiden wollten.
Die Anwendung von Trockenshampoos steigt in der Bevölkerung. Eine Marktübersicht prognostiziert einen weltweiten Anstieg des Konsums von Trockenshampoos um 5,72 % im Zeitraum von 2018 bis 2029. Europa ist derzeit der größte Markt. Führende Hersteller auf dem Trockenshampoo-Markt konzentrieren sich auf die aufstrebenden Märkte im asiatisch-pazifischen Raum, um ihre Umsatzbasis zu erweitern1. 2017 wurden weltweit über 3 Mrd. USD für solche Produkte ausgegeben. Eine weitere Studie prognostizierte einen Anstieg des Konsums um 43 % zwischen 2017 und 20232.
Literatursuche
Eine erweiterte Literatursuche ergab, dass bisher noch kein einziger Fall eines allergischen Kontaktekzems auf Trockenshampoo publiziert wurde. Dies stellte Phoebe Newell, PTA in Chicago, in ihrem Brief an den Herausgeber fest, in dem sie potenzielle Kontaktallergene in Trockenshampoos auflistete. Sie rechnete mit der Veröffentlichung einer Kasuistik zu diesem Thema in naher Zukunft2. Bis Ende 2024 fand sich unter PubMed keine weitere Publikation zur Problematik von Trockenshampoo.
Interessenkonflikt
Dr. Michael Häberle gibt an, dass keine finanziellen und nichtfinanziellen Interessenkonflikte bestehen.
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