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Metabolisches Syndrom und Biofaktoren - Insulinresistenz, Diabetes mellitus, diabetische Folgeerkrankungen
Metabolisches Syndrom und Biofaktoren: In der Regulierung des Insulin- und Glukosestoffwechsels spielen neben Vitaminen auch Magnesium, Zink und Chrom eine Rolle.
In Deutschland leben über neun Millionen Menschen mit Diabetes mellitus, davon 95 % mit Typ-2-Diabetes. Und an der Vorstufe, dem metabolischen Syndrom, leiden etwa 30 % der Bevölkerung. Ebenfalls ein großes Problem: Die diabetischen Folgeerkrankungen als Komplikation eines schlecht eingestellten Diabetes.
Neben einer optimierten Stoffwechseleinstellung und gesünderen Lebensweise können betroffene Patientinnen und Patienten auch von einer zielgerichteten Versorgung mit Biofaktoren wie Vitaminen und Mineralstoffen profitieren. Vorab einige Statistiken aus dem aktuellen Gesundheitsbericht der Deutschen Diabetes Gesellschaft 2025:1
- 9,1 Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes, Dunkelziffer von mindestens zwei Millionen unerkannten Fällen
- Jährlich 450.000 Neuerkrankungen an Typ-2-Diabetes
- Durchschnittsalter bei Diagnose von Typ-2-Diabetes 2020: 61 Jahre
- Verkürzte Lebenserwartung für Menschen mit Diabetes: Männer: um neun Jahre,
Frauen: um 7,8 Jahre - Diabetes-assoziierte Begleit- und Folgeerkrankungen vermindern die Lebensqualität und die Lebenserwartung
- Rund 30 % der Patientinnen und Patienten mit Diabetes erkranken an einer diabetischen Neuropathie
- Diabetes-Mortalität in Deutschland: 137.000 Todesfälle (16 % aller Sterbefälle)
Metabolisches Syndrom und Insulinresistenz
Metabolisches Syndrom: Vorläufer des Diabetes mellitus und eine Kombination aus den vier kardiometabolischen Risikofaktoren
- abdominale Adipositas
- arterielle Hypertonie
- Störungen des Lipidstoffwechsels, vor allem erhöhte Triglyceridwerte und niedrige HDL-Cholesterinwerte
- erhöhter Nüchternblutzucker bzw. Insulinresistenz
Das Bindeglied in der Pathophysiologie des metabolischen Syndroms ist die Insulinresistenz, die zu einer gestörten Glukoseverwertung und schließlich einer übermäßigen Insulinproduktion führt, was wiederum den Lipidstoffwechsel und die Bluthochdruckregulation negativ beeinträchtigt. Die abdominale Adipositas, insbesondere das viszerale Fettgewebe, führt zu einer vermehrten Freisetzung entzündungsfördernder Zytokine, wodurch die Insulinresistenz weiter verstärkt wird. Rund 30 % der Erwachsenen in Industrieländern sind betroffen, wobei das Risiko mit zunehmendem Alter und Übergewicht steigt.2,3
Insulinresistenz, metabolisches Syndrom und Diabetes
Welchen Stellenwert haben Biofaktoren?
Zu den Biofaktoren gehören insbesondere Vitamine und Mineralstoffe – Substanzen, die der Körper für seine physiologischen Funktionen benötigt und die eine gesundheitsfördernde oder krankheitsvorbeugende biologische Aktivität besitzen. Bei der Regulierung des Insulin- und Glukosestoffwechsels, und daher im Kontext von Insulinresistenz, metabolisches Syndrom und Diabetes, spielen insbesondere Magnesium, Zink und Chrom eine Rolle.
Magnesium
Magnesium10-14 spielt eine zentrale Rolle im Insulin- und Glukosestoffwechsel. Ein niedriger Magnesiumspiegel ist eng mit einer verminderten Insulinempfindlichkeit und einer schlechteren Blutzuckerkontrolle verbunden. Magnesium unterstützt die Funktion von Insulinrezeptoren und zudem die Signalübertragung des Insulins in die Zellen, wodurch es zur Verbesserung der Insulinresistenz beiträgt. Im Hinblick auf das metabolische Syndrom zeigt Magnesium ebenfalls schützende Effekte. Es hilft, den Blutdruck zu regulieren, verbessert die Lipidprofile – einschließlich der Erhöhung von HDL-Cholesterin und der Senkung von Triglyceriden – und wirkt außerdem entzündungshemmend, was das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern kann. Auch konnte in Studien gezeigt werden, dass eine höhere Magnesiumaufnahme das Risiko für Typ-2-Diabetes senkt, indem der Biofaktor die Insulinempfindlichkeit verbessert und die Blutzuckerkontrolle stabilisiert. Bei bereits bestehendem Diabetes kann eine ausreichende Magnesiumzufuhr die Blutzuckerkontrolle unterstützen und zudem die Insulinresistenz verringern.
Unterer Grenzwert für Serummagnesium bei 0,85 mmol/l
Laut einem internationalen Konsens zur Standardisierung des Serummagnesium-Referenzbereiches gilt ein Serumwert von 0,85 mmol/l Magnesium als Mindestziel.15,16 Bei einem Wert ≥ 0,85 mmol/l (≥ 2,1 mg/dl) kann von einem ausreichend guten Magnesiumstatus ausgegangen werden. Die Diagnose eines Magnesiummangels erfordert allerdings auch die Berücksichtigung der klinischen Symptomatik.17 Da der größte Teil des Magnesiums intrazellulär vorliegt – nur 5 % befinden sich extrazellulär und weniger als 1 % im Serum und der interstitiellen Flüssigkeit – spiegelt das Serummagnesium nicht den exakten Magnesiumstatus wider. Der Organismus reguliert den Magnesiumspiegel im Serum durch Anpassung der intestinalen Resorption, der renalen Ausscheidung und der Mobilisierung von Magnesium aus den körpereigenen Speichern Knochen und Muskeln. Somit kann eine normale Serummagnesiumkonzentration einen intrazellulären Magnesiummangel maskieren.18
Magnesiummangel ausgleichen
Der Ausgleich eines Magnesiummangels kann durch eine orale Supplementierung in Tagesdosen von rund 300 mg Magnesium – gelegentlich höher – erfolgen. Dabei sollten als Arzneimittel zugelassene Präparate gewählt werden, die sich durch eine hohe Bioverfügbarkeit auszeichnen. Studien zeigten bereits in früheren Untersuchungen überwiegend, dass organisch gebundene Magnesiumsalze eine höhere Bioverfügbarkeit im Vergleich zu anorganisch gebundenen Salzen aufweisen.19 Und unter den organisch gebundenen Magnesiumsalzen konnte ferner vor allem Magnesiumorotat durch eine Absorptionsrate von bis 90 % und eine schnelle Wirkstoff-Freisetzung innerhalb von 10 Minuten überzeugen.20
Risikofaktoren für eine Insulinresistenz4
Neben einer genetischen Veranlagung gibt es weitere Risikofaktoren:
- Besonders Fettzellen im Bauchbereich bei Adipositas setzen Botenstoffe frei, die die Insulinresistenz fördern.
- Bewegungsmangel begünstigt Übergewicht und schwächt die Insulinwirkung durch reduzierte Muskelaktivität.
- Eine Ernährung, die reich an Kalorien, Kohlenhydraten und Zucker ist und wenig Ballaststoffe enthält, fördert Übergewicht und Insulinresistenz.
- Sowohl akute als auch chronische Entzündungen können zur Entwicklung einer Insulinresistenz beitragen.5
- Infektionen, chronischer Stress, Schlafmangel, Arzneimittel wie beispielsweise Glukokortikoide, Beta-Blocker oder Thiazid-Diuretika und Nikotin können Insulinresistenz fördern.
Lebensweise, Ernährung und Biofaktorenstatus
Um einer Insulinresistenz und ihren Folgen, dem metabolischen Syndrom und Diabetes mellitus entgegenzuwirken oder diese zu behandeln, steht das Erreichen eines normalen Körpergewichts durch Ernährungsumstellung auf eine weitgehend mediterrane Kost und regelmäßige körperliche Bewegung in Kombination mit einem guten Stressmanagement im Vordergrund.6,7 Dadurch lassen sich auch weitere Risikofaktoren wie der erhöhte Blutdruck sowie erhöhte LDL-Cholesterin- und Triglyzeridwerte normalisieren. Stoffwechselstörungen wie eine bereits ausgebildete Fettleber sind zudem ebenfalls behandelbar.8,9
Zink
Der Biofaktor Zink21-23 spielt eine entscheidende Rolle in der Regulation des Glukosestoffwechsels, insbesondere in Bezug auf Insulin. Ein Zinkmangel kann zu einer Insulinresistenz beitragen. Als zentraler Bestandteil des Insulinmoleküls stabilisiert Zink dessen Struktur und ermöglicht die Speicherung und Freisetzung aus den Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse. Insulin wird zunächst als Prä-Pro-Insulin synthetisiert, das im Endoplasmatischen Retikulum zu Pro-Insulin umgewandelt wird. Dieses Pro-Insulin wird als Zinkkristall in den Granula der Beta-Zellen gespeichert, wobei sechs Moleküle Pro-Insulin mit zwei Molekülen Zink verbunden sind. Hohe Zinkmengen stabilisieren diese Pro-Insulin-Hexamere und unterstützen die Sekretion von Insulin.
Zink fungiert auch als Co-Faktor für die Insulinwirkung in den Zellen. Es aktiviert die Phosphoinositol-3-Kinase-/Proteinkinase-B-Kaskade, die eine Rolle bei der Insulinsensitivität spielt. Das Spurenelement wirkt zudem antioxidativ und kann proinflammatorische Zytokine wie Interleukin-1β und NF-kappa-B unterdrücken. Dadurch schützt Zink die insulinproduzierenden Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse vor oxidativem Stress und Entzündungen.
Eine Supplementierung zum Ausgleich eines Zinkmangels bei Personen mit Prädiabetes und Typ-2-Diabetes kann die Blutzuckerkontrolle und die Parameter des Lipidstoffwechsels verbessern,24 antiinflammatorisch wirken, die Wundheilung und damit die Prävention des diabetischen Fußsyndroms unterstützen25 und einen präventiven Nutzen auf die diabetische Neuropathie und Retinopathie zeigen.26,27
Zink supplementieren
Der sogenannte Tolerable Upper Intake Level – die höchste und gleichzeitig sichere Dosierung bei langfristiger Einnahme ohne negative gesundheitliche Wirkungen – liegt bei 25 mg Zink pro Tag.28 Wenn längerfristig dahingegen täglich 50 mg Zink oder mehr zugeführt werden, sind Anämien, Störungen im Eisen- oder Kupferhaushalt, des Immunsystems oder des Fettstoffwechsels möglich.29 Die akute Form einer Zinkintoxikation mit Übelkeit und Erbrechen, Krämpfen, Durchfall, Inappetenz und Kopfschmerzen tritt (erst) nach Zufuhr von Tagesdosen oberhalb 200 bis 400 mg Zink auf.
Diabetische Folgeerkrankungen
Ein Mangel einzelner Biofaktoren kann nicht nur den Insulin- und Glukosestoffwechsel negativ beeinflussen und das Risiko für die Entwicklung des metabolischen Syndroms und eines Diabetes erhöhen. Ein solcher Biofaktorenmangel spielt auch bei der Entstehung diabetischer Folgeerkrankungen im Bereich des Herz-Kreislauf-Systems und der diabetischen Neuropathie eine Rolle:
- Chronisch erhöhte Blutzuckerwerte fördern die Entstehung von Arteriosklerose, was das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und periphere arterielle Verschlusskrankheit steigert. Als natürlicher Calcium-Antagonist wirkt Magnesium gefäßerweiternd und blutdrucksenkend, es kann die Herzfrequenz normalisieren und das Herzmuskelgewebe schützen.32-34 Eine gute Magnesiumversorgung steht zudem mit einer niedrigeren KHK-Mortalität in Zusammenhang.35
- Die diabetische Neuropathie entsteht durch eine chronische Schädigung der Nerven aufgrund dauerhaft erhöhter Glukosewerte. Hoher Blutzucker führt zu Ablagerungen in Nerven und Blutgefäßen, was die Durchblutung der Nerven beeinträchtigt und deren Versorgung mit Nährstoffen stört. Zudem können schädliche Stoffwechselprodukte wie Advanced Glycation Endproducts (AGEs) die Nerven direkt schädigen und die Nervenleitfähigkeit herabsetzen.36 Da vor allem die distalen Nerven empfindlich auf die Schädigungen reagieren, macht sich eine diabetische Neuropathie meist zuerst an Zehen und Füßen bemerkbar.37 Entzündliche Prozesse und freie Radikale fördern die negativen Prozesse an den Nerven. Auch ein Mangel an Vitamin B1 und Vitamin B12 gilt als möglicher Risikofaktor. Symptomatisch zeigt sich die diabetische Neuropathie durch Taubheit, Kribbeln und Schmerzen, es kann zu einer eingeschränkten Lebensqualität, der Entstehung eines diabetischen Fußsyndroms mit der Gefahr einer Fußamputation und einer erhöhten Mortalität kommen.38
Chrom
Chrom30 in seiner dreiwertigen Form als Chrom(III) kann die Insulinsensitivität der Zellen erhöhen, wodurch die Glukoseaufnahme aus dem Blut verbessert und der Blutzuckerspiegel gesenkt wird. Ein Chrommangel hingegen mit einer täglichen Chromaufnahme von weniger als 20 μg kann zu einer Insulinresistenz führen, aber auch zu erhöhten Cholesterin- und Triglyceridwerten. Laut Studienlage kann eine orale Supplementierung mit 200 bis 400 µg Chrom (III) täglich die Parameter des Glukose- und Lipidstoffwechsels verbessern und zu einer stabileren Blutzuckereinstellung führen, wodurch betroffene Patienten weniger Antidiabetika benötigten.31 Die Daten unterstützen die Sicherheit und den therapeutischen Nutzen einer Chrom-Substitution, um einem Diabetes mellitus vorzubeugen bzw. diesen zu behandeln. Weitere gut designte Studien sind jedoch wünschenswert.
Diagnostik: Vitamin-B1-Mangel
- Die Thiaminkonzentration im Plasma schwankt je nach Ernährung und akuten physiologischen Bedingungen. Ein normaler Plasmawert kann daher nicht immer eindeutig auf einen Thiaminmangel hinweisen, vor allem bei kürzlich aufgenommener Nahrung.
- Und auch wenn der Biofaktor in Form von Thiamin oder Benfotiamin supplementiert wird, gilt Thiamindiphosphat (TDP) bzw. Thiaminpyrophosphat (TPP) als physiologisch aktive Komponente.
- Allerdings kann der Spiegel von TDP/TPP auch durch andere Faktoren wie etwa Lebererkrankungen oder Stoffwechselstörungen beeinflusst werden.
- In-vitro-Stimulationstest: Erhöhung der Transketolase-Aktivität in den Erythrozyten nach Zugabe von TDP/TPP. Wenn die Aktivität der Transketolase nach der Zugabe von TDP/TPP nur geringfügig oder gar nicht ansteigt, deutet das auf einen Thiaminmangel hin.
- Aber: Dieser Stimulationstest ist ungeeignet als alleiniger Nachweis. Der Test ist nützlich bei manifestem Thiaminmangel, aber in frühen Stadien kann die Transketolase-Aktivität noch normal sein und es kommt zu falsch negativen Ergebnissen. Zudem kann die Transketolase-Aktivität auch durch andere Faktoren wie Alkoholabusus, Lebererkrankungen oder genetische Defekte beeinflusst werden.
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