Viele denken bei Pilzen entweder an Champignons oder an gefährliche Schimmelpilze. Doch Pilze gibt es in etlichen Formen. Wo finden wir überall Pilze?
Pilze finden wir wirklich überall. Was wir als Pilz auf dem Waldboden sehen, ist oft nur der Fruchtkörper des Pilzes. Diesen bildet er, wenn es im Herbst kälter wird und die Feuchtigkeit steigt. Pilze, mit Ausnahme der Hefen, sind eigentlich alle fadenförmig. Das Geflecht ihrer Fäden, das Myzel, liegt zum Beispiel im Wald unter der Erde. Über ihre Wurzeln leben 80 % aller Landpflanzen in Symbiose mit diesen unterirdischen Pilzen. Diese Symbiose, Mykorrhiza genannt, erfüllt eine sehr wichtige Funktion: Die Pilze helfen den Pflanzen bei der Wasserversorgung und erleichtern ihnen die Aufnahme von Nährstoffen. Im Gegenzug erhalten die Pilze von der Pflanze Zucker aus der Photosynthese. Mykorrhiza ist ein wichtiger Vorgang, der Pflanzen widerstandsfähiger macht, etwa gegen Schädlinge und eine sich verändernde Umwelt.
Pilze sind nicht nur allgegenwärtig, sondern auch sehr vielfältig: Es gibt Schimmelpilze auf dem Brot, an der Wand, aber auch solche, die in der Lebensmittelindustrie nützlich sind. Schimmelpilze können zum Beispiel Zitronensäure produzieren oder sind Teil verschiedener Gärungsprozesse. Pilze sind auch die Destruenten unserer Welt. Das heißt, sie bauen organisches Material ab – auch komplexes organisches Material wie Holz oder Laub. Ohne Pilze würden die Stoffkreisläufe in unseren Wäldern und Gewässern nicht funktionieren. Denn die Pilze sind die Basis: Mit ihrem speziellen Enzymbesteck zerkleinern sie das organische Material, bevor die Energie in der Nahrungskette zum Beispiel an Bakterien und andere Mikroorganismen weitergegeben werden kann.
Pilze im Gesundheitscheck: Gerade Schimmelpilze gelten gemeinhin als gesundheitsschädlich. Wie können Pilze unseren Alltag und unsere Gesundheit unterstützen?
Schimmelpilze können gesundheitsschädlich sein. Sie kommen in schlecht sanierten Wohnungen oder auch auf Lebensmitteln vor. Dazu gibt es Hautpilze, die bei etwa 30 Grad Celsius wachsen. Und wenn es ganz schlimm kommt und das eigene Immunsystem geschwächt ist, können Pilze den Menschen besiedeln. Pilze können aber auch Pflanzen „befallen“ und verursachen so weltweit jedes Jahr Milliardenschäden an Nutzpflanzen. Sie erschweren so auch die Nahrungsmittelproduktion.
Andererseits stellen wir aus bestimmten Pilzen auch Antibiotika her, um damit Krankheiten zu bekämpfen, zum Beispiel Penicillin. Pilze sind aus unserem Alltag nicht wegzudenken: Unsere „Lieblingshefe“ heißt Saccharomyces cerevisiae. Sie liefert uns CO2 als Treibmittel beim Backen von Brot und Kuchen oder vergärt für uns den Alkohol in Bier und Wein. Auch bei der Käseherstellung kommen Pilze zum Einsatz. Berühmt ist der Camembert, bei dem Penicillium camemberti nach der Reifung sozusagen die Schutzschicht um den Käse bildet. Diese Schutzschicht verhindert, dass andere Mikroorganismen in den Käse eindringen können und macht ihn haltbarer.
Natürlich kann man Pilze auch einfach so essen. Sie sind eine gute Proteinquelle und eine Alternative, wenn man auf Fleisch verzichten möchte. Es gibt eine Vielzahl von Speisepilzen, die auch gezüchtet werden können. Außerdem werden Sekundärmetabolite von Pilzen untersucht, die als Nahrungsergänzungsmittel nützlich sein könnten. Dazu gibt es wenig Forschung und viele Fehlinformationen diesbezüglich im Internet. Da wäre ich sehr vorsichtig. Es gibt aber viel wichtigere Forschungsprojekte, in denen Sekundärmetabolite von Pilzen untersucht werden, die zum Beispiel in der Krebstherapie eingesetzt werden könnten.