Akne aus pathophysiologischer Sicht – Welche Mechanismen eignen sich für neue Therapien?
Die Entstehung von Akne vulgaris ist vielschichtig und beinhaltet genetische, hormonelle, mikrobielle und entzündliche Faktoren. Dieser Beitrag ist die Zusammenfassung eines aktuellen Reviews1, welcher die gegenwärtigen Strategien sowie neue Therapieansätze zur Behandlung von Akne detailliert darstellt.
Akne vulgaris ist eine häufige dermatologische Erkrankung, die in verschiedenen Altersstufen auftreten kann, sie betrifft aber überwiegend Jugendliche und junge Erwachsene. Sie ist durch verschiedene Läsionstypen gekennzeichnet. Die Pathogenese von Akne ist komplex und umfasst genetische, hormonelle, mikrobielle und entzündliche Ursachen.
Dieser Beitrag fasst den aktuellen Review von Kim HJ et al.1 zusammen, der die aktuellen Strategien der Akne-Behandlung sowie neue, zukünftige Therapieansätze ausführlich beschreibt (s. Tab. 1 und 2). Der Schwerpunkt des Reviews liegt sowohl auf topischen als auch systemischen Behandlungen, prozeduralen Therapien und Ernährungsumstellungen.
Referat zum Beitrag: Kim HJ, Kim YH. Exploring Acne Treatments: From Pathophysiological Mechanisms to Emerging Therapies. Int J Mol Sci 2024;25:5302.
Zu den wichtigsten topischen Wirkstoffen gehören Retinoide, Benzoylperoxid, Antibiotika und andere spezielle Verbindungen. Systemische Optionen wie Antibiotika, Hormontherapien und Retinoide bieten wichtige therapeutische Vorteile, insbesondere bei mittelschweren bis schweren Fällen. Verfahren wie Laserbehandlungen, photodynamische Therapien, chemische Peelings und intraläsionale Injektionen stellen praktikable Alternativen dar, um Akne-Symptome und Narbenbildung zu reduzieren.
Neue Therapiekonzepte konzentrieren sich auf Biologika, Bakteriophagen, Probiotika und Peptide und bieten vielversprechende Zukunftsoptionen. Diese Übersichtsarbeit unterstreicht besonders die Bedeutung individueller Ansätze aufgrund der multifaktoriellen Ursachen von Akne.
Tab. 1: Pathogenese von Akne und therapeutische Strategien (mod. n. Kim HJ et al. 2024 [1]).
Umweltfaktoren und Ernährung
Ebenso diskutieren die Autoren die Auswirkungen von Umweltfaktoren wie Ernährung und Umweltverschmutzung auf Akne. So werde eine hochglykämische Ernährung und eine erhöhte Aufnahme von Milchprodukten mit einer verstärkten Talgproduktion und einer Exazerbation von Akne-Symptomen in Verbindung gebracht. Schadstoffe können, so die Autoren, die Hautbarriere und das Mikrobiom verändern, was Akne-Ausbrüche weiter verschlimmere oder sogar auslöse. Dies würde unterstreichen, wie wichtig es sei, äußere Einflüsse sowohl bei der Entstehung als auch bei der Therapie von Akne zu berücksichtigen.
Die genetischen Komponenten von Akne legen laut Kim et al. nahe, dass die individuelle Reaktion auf Trigger und Behandlungsergebnisse durch Veranlagung beeinflusst würde. Das Zusammenspiel zwischen Genen und Umwelt, insbesondere wie durch sie die immunologische Antwort und das Hautmikrobiom moduliert werde, sei entscheidend für das Verständnis der individuellen Erkrankung und wie eine maßgeschneiderte Behandlung aussehen solle.
Art der Therapie
Wirkmechanismus
Ergebnis
Literatur
Hyaluronsäure
Fungiert als Hauptbestandteil der extrazellulären Matrix, reguliert die Lipidsynthese dosisabhängig herunter durch seine Interaktion mit zellulären Rezeptoren.
Reduziert deutlich die Talgproduktion, verbessert die Hydratation der Haut und reduziert das fettige Hautbild.
2
Cannabidiol
Interagiert mit dem Endocannabinoid-System der Haut. Hilft dabei, die Gesundheit und Funktion der Haut zu erhalten, wirkt entzündungshemmend und hat sebostatische Eigenschaften.
Reduziert Entzündungen und normalisiert die Talgproduktion, was zu weniger Akne-Exazerbationen führt.
3–9
Biologika (z. B. TNF-Inhibitoren, IL-17- und IL-23-Inhibitoren)
Modulieren die Immunantwort durch zielgerichtete Inhibition spezifischer Zytokine, die an Entzündungen beteiligt sind.
Reduzieren Entzündungen und Schwere der Akne-Symptome, verbessern das Gesamtbild des Hautzustands.
10–15
Darmmikrobiom (mikrobielle Transplantation)
Übertragung eines gesunden Mikrobioms von einem Spender auf einen an Akne Erkrankten, Förderung einer ähnlichen mikrobiellen Umgebung zu der von Personen ohne Akne.
Das Hautmikrobiom des Empfängers adoptiert Eigenschaften, die vorteilhaft für die Vorbeugung von Akne sind, was die Läsionsbildung reduziert.
16
Topische Probiotika
Fördern die Produktion antimikrobieller Wirkstoffe aus nützlichen Bakterien und konkurrieren mit pathogenen Hautmikroben.
Reduzieren den proinflammatorischen Zytokinlevel und den Schweregrad der Akne, fördern eine gesündere Hautbarriere.
17–23
Orale Probiotika
Stärken die systemische Immunfunktion und modulieren die lokale Entzündungsreaktion durch erhöhte Level an antinflammatorischen Zytokinen wie IL-10.
Bewirken einen Rückgang an Akne-Läsionen und insgesamt eine Verbesserung des Hautbildes.
24–28
Impfung
Zielt gegen C.-acnes-Bakterien und ihre virulenten Faktoren, wie CAMP-Faktor 2, um die mikrobiell bedingte Entzündung zu reduzieren.
Führt zu einer erheblichen Reduzierung der Akne-bedingten Inflammation und Anzahl der Läsionen.
29
Bakteriophagen
Bekämpfen und töten gezielt C.-acnes-Bakterien, dadurch Reduzierung der Bakterienbelastung und der damit verbundenen Entzündung.
Frühere Studien deuten auf eine potenzielle Reduzierung des Akne-Schweregrades und einen verbesserten Hautzustand.
30, 31
Designte antimikrobielle Peptide (dAMP)
Bieten gezielte antimikrobielle Aktivität gegen resistente Stämme von C. acnes und modulieren die Immunantwort.
Reduzieren Exazerbationen und Schweregrad der Akne durch wirksame Bakterienkontrolle und verringerte Entzündung.
32–36
Phosphodiesterase (PDE)-Hemmer
Erhöhen den Spiegel von zyklischem Adenosinmonophosphat (cAMP), was zu einer verminderten Entzündungsreaktion der Haut führt.
Zeigen eine vielversprechende Reduzierung entzündlicher Akne-Läsionen, tragen zu einem klareren Hautbild bei.
37, 38
Tab. 2: Neue Therapieansätze bei Akne vulgaris (mod. n. Kim HJ et al. 2024 [1])
Ganzheitlicher Behandlungsansatz
Die Autoren befürworten einen ganzheitlichen Ansatz der Akne-Behandlung, der nicht nur topische und systemische Therapien umfasst, sondern auch den Lebensstil der Patienten, Umwelteinflüsse und mikrobielle Interaktionen berücksichtigt. Die Autoren plädieren für eine fortgesetzte Erforschung der Darm-Haut-Achse und ihrer Auswirkungen auf Akne, da vieles darauf hindeute, dass zukünftige Therapien vom Zusammenwirken von Ernährungs- und Lebensstiländerungen erheblich profitieren könnten. Eine zukünftige Therapie, schlussfolgern die Autoren, sollte personalisiertere, effektivere und nachhaltigere Strategien zur Akne-Behandlung bieten, die sich mit den Ursachen der Erkrankung und nicht nur mit ihren Symptomen befassen. kb
Kim HJ, Kim YH et al. Exploring Acne Treatments: From Pathophysiological Mechanisms to Emerging Therapies. Int. J. Mol. Sci. 2024;25:5302. https://doi.org/10.3390/ijms25105302
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