Derzeit leidet schätzungsweise einer von 100 Menschen an HS, wobei Adipositas als wesentlicher Risikofaktor gilt. HS ist durch schmerzhafte Abszesse, Fisteln und Narbenbildungen gekennzeichnet, welche die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können.2 Obwohl es inzwischen Fortschritte bei der Behandlung gibt, sind wirksame Therapiemethoden begrenzt und können z. T. schwere Nebenwirkungen hervorrufen. Dies unterstützt den Bedarf an besser verträglichen alternativen Behandlungsmöglichkeiten.3
An der aktuellen Studie1 nahmen 30 adipöse Patientinnen und Patienten (27 Frauen, 3 Männer, Durchschnittsalter 42 Jahre) mit unterschiedlichen Schweregraden an HS teil. Es wurden Daten von Juni 2020 bis März 2023 erhoben. Nach der Untersuchung ihres Gesundheitszustands erhielten die Teilnehmenden Semaglutid einmal wöchentlich mit einer Durchschnittsdosis von 0,8 mg über einen Zeitraum von durchschnittlich 8,2 Monaten.
Die Forschenden überwachten die Veränderungen des Body-Mass-Index (BMI), des Körpergewichts, der Häufigkeit der HS-Schübe, den Wert des Dermatology Life Quality Index (DLQI) und das Schmerzniveau vor und nach Beginn der Behandlung mit Semaglutid. Untersucht wurden auch Laborwerte wie C-reaktives Protein (CRP), Glukose und Hämoglobin A1c (HbA1c).
Weniger Schübe von Akne inversa
In mehreren Fällen verbesserte sich der Zustand der Patientinnen und Patienten deutlich. So erlitten sie weniger HS-Schübe, die Frequenz dieser Episoden reduzierte sich von durchschnittlich einmal alle 8,5 Wochen auf einmal alle zwölf Wochen. Auch die Lebensqualität verbesserte sich deutlich, was sich in einer Verringerung des DLQI-Scores widerspiegelte von im Durchschnitt 13/30 auf 9/30. Bemerkenswerterweise reduzierte sich bei einem Drittel der Untersuchten der DLQI-Wert um vier oder mehr Punkte.
Der durchschnittliche BMI der Patientinnen und Patienten sank von 43,1 auf 41,5 und ihr Durchschnittsgewicht reduzierte sich deutlich von 117,7 kg auf 111,6 kg, wobei ein Drittel der Patienten 10 kg oder mehr während der Behandlungsdauer abnahm. Auch die Laborwerte veränderten sich ins Positive. So sanken die HbA1c-Werte von 39,3 auf 36,6 mmol/mol, was auf eine bessere Blutzuckerkontrolle hinweist. Ebenso reduzierten sich die durchschnittlichen CRP-Werte von 7,8 auf 6,9 mg/l, dies zeigt eine verringerte Entzündung.
Ermutigende Ergebnisse
Studienleiter Dr. Daniel Lyons vom St. Vincent‘s University Hospital, Dublin/Irland, sagte: „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Semaglutid selbst in geringen Dosen erhebliche Vorteile bei der Therapie von HS bietet. Während die Rolle des Medikaments bei der Unterstützung der Gewichtsabnahme gut etabliert ist, ist es aber besonders aufregend, dass es ebenso das Potenzial hat, die Häufigkeit von HS-Schüben zu reduzieren. Damit trägt es zu einer bemerkenswerten Verbesserung der Lebensqualität der Patienten bei.“
Laut Lyons seien die Ergebnisse äußerst ermutigend und könnten einen wichtigen Schritt beim Durchbruch in der HS-Behandlung darstellen. Um die Ergebnisse zu validieren, seien größere randomisierte, kontrollierte Studien erforderlich. Darüber hinaus, so Lyons, sollte die Wirkung höherer Semaglutid-Dosen und ihre Wirkung unabhängig von Begleitmedikamenten erforscht werden, um das Potenzial des Wirkstoffs vollständig zu verstehen.
„Letztendlich hoffen wir, dass unsere vorläufigen Daten Dermatologinnen und Dermatologen ermutigen, Medikamente zur Gewichtsabnahme als Ergänzung zur bestehenden HS-Therapie zu verordnen“, betonte er. Außerdem sollten sie inspiriert werden, weiter in diesem Bereich zu forschen.
kb