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vasomed 2/25

Fulminante Lungenembolien und Thrombosen ohne Schmerzen bei Männern

Ein Patient suchte wegen einer seit sieben Tagen bestehenden Schwellung und ohne Schmerzen den Hausarzt auf. Daraufhin erfolgte bei positivem D-Dimer-Schnelltest die Einweisung in unsere Notaufnahme. Sonographisch konnte eine Thrombosierung der Vena femoralis nachgewiesen werden.


07.03.2025
S. Szewczyk, M. Finkenrath
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ZITIERWEISE: VASOMED 2025; 37(2): 56-57

Die folgende Computertomographie (CT) wies eine beidseits ausgeprägte Lungenarterienembolie (LAE) auf – bei fehlender Dyspnoe und einer Sauerstoffsättigung von 86 % in der kapillären Blutgasanalyse (BGA). Eine Antikoagulation mit Rivaroxaban wurde eingeleitet – weiterhin klagte der Patient über keinerlei Schmerzen. Ein zweiter Patient stellte sich mit erheblicher Umfangsvermehrung eines Beins, erhöhtem Wells-Score, aber völlig schmerzfrei vor – mit Zustand nach LAE vor einem Jahr ohne erkennbaren Auslöser.

Der 77 Jahre alte Patient berichtete über ein Ziehen, welches seit dem Auftreten der Schwellung bestehe. Die Umfangsdifferenz im Vergleich zum rechten Bein betrug zwei Zentimeter, sodass hierfür kein Punkt bei der Berechnung des Wells-Scores vergeben wurde. Schmerzen und Luftnot verneinte der Patient. Bei einem Wells-Score von null, keinen Vorerkrankungen und leerer Medikamenten- und auch phlebologischer Anamnese erfolgte bei positiven D-Dimeren von > 8.000 ng/ml eine Sonographie der Beingefäße. Dabei zeigte sich eine tiefe Venenthrombose (TVT) des linken Beines über drei bis vier Etagen. Zum Ausschluss einer LAE wurde eine CT-Untersuchung der Lunge angeordnet, welche eine beidseitige Lungenembolie darstellte. Der Patient hatte weiterhin keinerlei Schmerzen oder Luftnot und wies in der daraufhin durchgeführten kapillären BGA eine Sauerstoffsättigung von 86  % auf. Leitliniengerecht begannen wir eine Antikoagulation mittels Rivaroxaban und führten Kontrollen der Vitalparameter durch. 

Ein dritter, ebenfalls Mitte 70-jähriger Patient – die Symptomatik ähnlich, ebenfalls keine Schmerzen – litt gleichfalls an einer schmerzlosen TVT und LAE.  

Diskussion 

Die Prävalenz von Thrombosen variiert in Abhängigkeit von Alter und Geschlecht. Allgemein erleiden etwa 3 % bis 5 % der deutschen Bevölkerung im Laufe ihres Lebens eine TVT. Hinsichtlich geschlechtsspezifischer Unterschiede zeigen Studien, dass Männer ein höheres Risiko für venöse Thrombembolien haben als Frauen (2). Gleichzeitig zeigte die Bonner Venenstudie, dass jeder sechste Mann und jede fünfte Frau eine chronische Veneninsuffizienz aufweist, was als Risikofaktor für die Entstehung einer Thrombose gilt. 

Studien verdeutlichen, dass Männer und Frauen Schmerzen unterschiedlich wahrnehmen und verarbeiten. So heißt es, dass Frauen häufiger über intensive Schmerzen berichten und dass sie eine niedrigere Schmerzschwelle als Männer hätten. Dies wird durch hormonelle Unterschiede (z. B. Östrogen) sowie geschlechtsspezifische Unterschiede in der Gehirnaktivität beeinflusst (3). Männer neigen im Gegensatz dazu, Beschwerden länger zu ignorieren, weniger offen zu zeigen oder weniger ausgeprägt zu empfinden, was dazu führen kann, dass Thrombosen bei ihnen später diagnostiziert werden. 

Fazit 

Dieser Fallbericht zeigt, dass manche Patienten – vor allem Männer – sowohl bei einer TVT als auch bei der damit möglicherweise vergesellschafteten LAE keine wegweisenden oder nur mild ausgeprägte Symptome aufweisen. Vorranging geht es hierbei um das Symptom Schmerz. Dabei sollte jedem Verdacht nachgegangen werden.
 

Literatur
  1. Rabe E, Pannier-Fischer F, Bromen K et al. Bonner Venenstudie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie. Epidemiologische Untersuchung zur Frage der Häufigkeit und Ausprägung von chronischen Venenkrankheiten in der städtischen und ländlichen Wohnbevölkerung. Phlebologie 2003;32(01):1-14. doi: 10.1055/s-0037-1617353.
  2. S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und Lungenembolie. AWMF-Reg.-Nr. 065 – 002.
  3. Berkley KJ. Sex differences in pain. Behav Pain Sci 1997;20:371–380.
Autorinnen

Dr. S. Szewczyk, Dr. M. Finkenrath
Hospital zum Heiligen Geist GmbH & Co KG, Abteilung für Phlebologie und Dermatochirurgie, Kempen
 

Korrespondenzadresse
Dr. med. Sonja Szewczyk
Hospital zum Heiligen Geist GmbH & Co KG
Abteilung für Phlebologie und Dermatochirurgie
Von-Broichhausen-Allee 1
47906 Kempen
Sonja.Szewczyk(at)artemed.de