ZITIERWEISE: VASOMED 2025; 37(2): 57-58
Erstaunlicherweise gibt es zur Auswirkung von Kompressionsstrümpfen auf die typischen Beschwerden bei einer Varikose bislang wenige Daten. Ziel der vorliegenden Studie war es daher, die Effekte medizinischer Kompressionsstrümpfe der Kompressionsklasse (KKL) I (Anpressdruck im Bereich des Knöchels 18–21 mmHg) auf die Symptome von Patienten mit unkomplizierter Varikose zu analysieren.
Studiendesign
Es handelt sich um eine randomisierte offene kontrollierte klinische Studie an zwei Studienzentren in Deutschland. Während der ersten Studienwoche erhielten sowohl die Interventions- als auch die Kontrollgruppe keine Kompressionstherapie und wurden gebeten, ihre Symptome in ein App-basiertes digitales Beschwerdetagebuch einzutragen. Während der Studienwochen zwei bis fünf bekam die Kompressionsgruppe MKS der Kompressionsklasse I (mediven® plus, AD oder AG), während die Kontrollgruppe nicht mit Kompressionsstrümpfen oder irgendeiner anderen Kompressionstherapie behandelt wurde.
Erfasst wurden die Frequenz und Stärke von Symptomen an den Beinen inklusive Schwere, Schmerzen, Schwellungen, Pochen und Juckreiz. Der primäre Endpunkt war die Reduktion der Symptome während der Kompressionstherapie, gemessen als Summenscore über eine Periode von fünf Wochen. Der Summenscore reichte von fünf (keine Symptome während des Tages) bis 25 (maximale Symptome über den Tag). Alle Patienten wiesen einen Knöchel-Arm-Index > 0,5, einen absoluten Knöcheldruck über 60 mmHg und einen BMI ≤ 35 kg/m² auf. Ebenso zeigten alle Patienten eine duplexsonographische Inkompetenz der Saphenavenen und/oder tiefen Leitvenen mit sichtbaren Varizen.
Der benutzte Symptomscore wurde vom Varicose Veins Symptoms Questionnaire (VVSymQ)-Score in die deutsche Sprache übertragen. Er misst die Beschwerden der Patienten und besteht aus Unterscores zu Schweregefühl, Schmerzen, Schwellung, Pochen und Juckreiz. Mittels einer eigens programmierten Smartphone-App wurden die Symptome täglich zwischen 5 Uhr morgens und 22 Uhr abends abgefragt, wobei für jedes der fünf Symptome folgende Angaben gemacht werden konnten:
- 0 – zu keinem Zeitpunkt
- 1 – selten
- 2 – manchmal
- 3 – über eine längere Periode
- 4 – über die meiste Zeit
- 5 – die ganze Zeit
Ergebnisse
Eingeschlossen wurden insgesamt 50 Patienten (76 % Frauen, 24 % Männer) mit einem Alter von 50,10 ± 11,25 Jahre. Das mittlere Gewicht lag bei 83,88 ± 15,29 kg, die mittlere Körpergröße bei 1,72 ± 0,09 m und dementsprechend der BMI bei 28,27 ± 3,98 kg/m². Nach der Randomisierung lag der Gesamtscore der Interventionsgruppe (n = 25) bei 8,90 ± 4,26 und der der Kontrollgruppe (n = 25) bei 7,46 ± 3,71 während der ersten Woche vor Beginn der Therapie.
Wirkung der Kompressionsstrümpfe auf die Symptome
Unter den Kompressionsstrümpfen der KKL I sank der Gesamt-Symptomscore von 8,90 ± 4,26 auf 6,37 ± 3,55 (p = 0,004) in den letzten sechs Tagen der vierwöchigen Follow-Up-Periode. Demgegenüber blieben die Beschwerden in der Kontrollgruppe, die keine Kompressionsstrümpfe trug, stabil (in der ersten Woche 7,46 ± 3,71, beim Follow-Up 7,67 ± 4,74; p = 0,293). Auch bei den Unterscores zeigten sich unter den Kompressionsstrümpfen signifikante Verbesserungen beim Schweregefühl, bei den Schmerzen und der Beinschwellung. Demgegenüber blieben die Beschwerden ohne Kompressionsstrümpfe gleich bzw. nahmen die Schmerzen im Untersuchungszeitraum ohne Kompression sogar zu. Während der Juckreiz unter Kompressionsstrümpfen tendenziell zunahm (1,03 ± 1,01 vs. 1,37 ± 1,14; p = 0,071), nahm der Juckreiz in der Kontrollgruppe von 0,91 ± 0,91 auf 0,62 ± 0,87 (p = 0,014) signifikant ab (Abb. 1). Das Pochen veränderte sich in keiner der beiden Gruppen signifikant.