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Allgemein- & Innere Medizin, Angiologie, Gefäßchirurgie, Gefäßmedizin, Medizin, Phlebologie Gefäßmedizin Gefäßmedizin, vasomed
vasomed 2/25

Beschwerden bei Varikose – signifikante Besserung unter Kompressionstherapie

Die Effekte von Kompressionsstrümpfen bei verschiedenen Formen der chronischen Veneninsuffizienz sind gut dokumentiert. Besonders gut belegt sind die Effekte der Kompressionstherapie in Bezug auf die Abheilung des Ulcus cruris venosum, aber auch in der Rezidivprophylaxe sowie in der Schmerzlinderung nach operativen bzw. interventionellen Eingriffen.


07.03.2025
M. Stücker
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ZITIERWEISE: VASOMED 2025; 37(2): 57-58

Erstaunlicherweise gibt es zur Auswirkung von Kompressionsstrümpfen auf die typischen Beschwerden bei einer Varikose bislang wenige Daten. Ziel der vorliegenden Studie war es daher, die Effekte medizinischer Kompressionsstrümpfe der Kompressionsklasse (KKL) I (Anpressdruck im Bereich des Knöchels 18–21 mmHg) auf die Symptome von Patienten mit unkomplizierter Varikose zu analysieren. 

Studiendesign

Es handelt sich um eine randomisierte offene kontrollierte klinische Studie an zwei Studienzentren in Deutschland. Während der ersten Studienwoche erhielten sowohl die Interventions- als auch die Kontrollgruppe keine Kompressionstherapie und wurden gebeten, ihre Symptome in ein App-basiertes digitales Beschwerdetagebuch einzutragen. Während der Studienwochen zwei bis fünf bekam die Kompressionsgruppe MKS der Kompressionsklasse I (mediven® plus, AD oder AG), während die Kontrollgruppe nicht mit Kompressionsstrümpfen oder irgendeiner anderen Kompressionstherapie behandelt wurde.

Erfasst wurden die Frequenz und Stärke von Symptomen an den Beinen inklusive Schwere, Schmerzen, Schwellungen, Pochen und Juckreiz. Der primäre Endpunkt war die Reduktion der Symptome während der Kompressionstherapie, gemessen als Summenscore über eine Periode von fünf Wochen. Der Summenscore reichte von fünf (keine Symptome während des Tages) bis 25 (maximale Symptome über den Tag). Alle Patienten wiesen einen Knöchel-Arm-Index > 0,5, einen absoluten Knöcheldruck über 60 mmHg und einen BMI ≤ 35 kg/m² auf. Ebenso zeigten alle Patienten eine duplexsonographische Inkompetenz der Saphenavenen und/oder tiefen Leitvenen mit sichtbaren Varizen. 

Der benutzte Symptomscore wurde vom Varicose Veins Symptoms Questionnaire (VVSymQ)-Score in die deutsche Sprache übertragen. Er misst die Beschwerden der Patienten und besteht aus Unterscores zu Schweregefühl, Schmerzen, Schwellung, Pochen und Juckreiz. Mittels einer eigens programmierten Smartphone-App wurden die Symptome täglich zwischen 5 Uhr morgens und 22 Uhr abends abgefragt, wobei für jedes der fünf Symptome folgende Angaben gemacht werden konnten:

  • 0 – zu keinem Zeitpunkt
  • 1 – selten
  • 2 – manchmal
  • 3 – über eine längere Periode
  • 4 – über die meiste Zeit
  • 5 – die ganze Zeit

Ergebnisse

Eingeschlossen wurden insgesamt 50 Patienten (76 % Frauen, 24 % Männer) mit einem Alter von 50,10 ± 11,25 Jahre. Das mittlere Gewicht lag bei 83,88 ± 15,29 kg, die mittlere Körpergröße bei 1,72 ± 0,09 m und dementsprechend der BMI bei 28,27 ± 3,98 kg/m². Nach der Randomisierung lag der Gesamtscore der Interventionsgruppe (n = 25) bei 8,90 ± 4,26 und der der Kontrollgruppe (n = 25) bei 7,46 ± 3,71 während der ersten Woche vor Beginn der Therapie.

Wirkung der Kompressionsstrümpfe auf die Symptome

Unter den Kompressionsstrümpfen der KKL I sank der Gesamt-Symptomscore von 8,90 ± 4,26 auf 6,37 ± 3,55 (p = 0,004) in den letzten sechs Tagen der vierwöchigen Follow-Up-Periode. Demgegenüber blieben die Beschwerden in der Kontrollgruppe, die keine Kompressionsstrümpfe trug, stabil (in der ersten Woche 7,46 ± 3,71, beim Follow-Up 7,67 ± 4,74; p = 0,293). Auch bei den Unterscores zeigten sich unter den Kompressionsstrümpfen signifikante Verbesserungen beim Schwere­gefühl, bei den Schmerzen und der Beinschwellung. Demgegenüber blieben die Beschwerden ohne Kompressionsstrümpfe gleich bzw. nahmen die Schmerzen im Untersuchungszeitraum ohne Kompression sogar zu. Während der Juckreiz unter Kompressionsstrümpfen tendenziell zunahm (1,03 ± 1,01 vs. 1,37 ± 1,14; p = 0,071), nahm der Juckreiz in der Kontrollgruppe von 0,91 ± 0,91 auf 0,62 ± 0,87 (p = 0,014) signifikant ab (Abb. 1). Das Pochen veränderte sich in keiner der beiden Gruppen signifikant. 
 

 

Fazit für die Praxis

Die Studie belegt die Wirksamkeit medizinischer Kompressionsstrümpfe der KKL I in Bezug auf die Symptome bei Patienten mit unkomplizierter Varikose. Schweregefühl, Schwellungen und Schmerzen im Rahmen einer symptomatischen Varikose können wirkungsvoll gelindert werden. Demgegenüber kann am ehesten durch eine gewisse Irritation durch die Kompressionsstrümpfe Juckreiz an den Beinen tendenziell zunehmen. Dies kann durch die Anwendung von Hautpflegeprodukten gelindert werden.

Danksagung: Die Studie wurde durch die eurocom e. V. finanziell unterstützt.

Autor

Prof. Dr. med. Markus Stücker  
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Venenzentrum der Dermatologischen und Gefäßchirurgischen Kliniken
der Ruhr-Universität Bochum
Im St. Maria-Hilf-Krankenhaus
Hiltroper Landwehr 11–13 44805 Bochum
markus.stuecker(at)klinikum-bochum.de
www.venenzentrum-uniklinik.de