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Angiologie, Gefäßchirurgie, Gefäßmedizin, Medizin, Phlebologie Gefäßmedizin Gefäßmedizin, vasomed, TEST Katrin Breitenborn
vasomed 2/25

Venenmedikamente

Bei der chronischen venösen Insuffizienz (CVI) können Venenmedikamente die Schwellungsneigung und die Beschwerden verbessern. Dies ist besonders dann sinnvoll, wenn die anderen Behandlungsmaßnahmen nicht ausreichen, um einen beschwerdefreien Zustand zu erreichen. 


09.03.2025
E. Rabe, K. Breitenborn
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ZITIERWEISE: VASOMED 2025; 37(2): 67

Dies ist besonders dann sinnvoll, wenn die anderen Behandlungsmaßnahmen nicht ausreichen, um einen beschwerdefreien Zustand zu erreichen. Es sollten nur Medikamente mit nachgewiesener Wirksamkeit Verwendung finden.

Die größte Gruppe der bei Venenkrankheiten eingesetzten Medikamente stellen die sogenannten Ödemprotektiva dar. Bei der CVI kommt es zu Veränderungen der Venenwand und des Endothels mit einer Entzündung und einer erhöhten Durchlässigkeit für großmolekulare Bestandteile, insbesondere für Eiweiß. In der Folge entwickeln sich ein eiweißreiches Ödem und Schmerzen. Die Ödemprotektiva vermindern die Entzündung und die Durchlässigkeit des Endothels. Sie tragen so zu einer Reduzierung des eiweißreichen Ödems bei. 

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch:

Grundlagen der Phlebologie und Lymphologie
Hrsg.: Prof. Eberhard Rabe
4. erweiterte und vollständig überarbeitete Auflage, 476 Seiten, 
WPV. Verlag 2024, ISBN 978-3-934371-68-2, Preis: 75 Euro

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Bemerkenswert ist, dass bei der ausgeprägten Varikose eine erhöhte Konzentration an lysosomalen Enzymen sowohl im Serum als auch in der Venenwand nachgewiesen werden konnte. Diese vermehrten lysosomalen Enzyme werden mit der erhöhten Durchlässigkeit der Venenwand in Verbindung gebracht. Unter einer oralen Therapie mit aescinhaltigen Medikamenten konnte eine Reduktion der lysosomalen Enzyme im Serum und in der Venenwand beobachtet werden. 

Die ödemprotektive und entzündungshemmende Wirkung ist unspezifisch und nicht nur auf die CVI begrenzt. Auch durch andere Noxen hervorgerufene Ödeme können in ihrer Entstehung reduziert werden. So ist dies beispielsweise von posttraumatischen Ödemen bekannt. 

Die Einnahme wirksamkeitsgeprüfter, oraler Venenmedikamente kann bei einer symptomatischen Varikose, aber auch bei der CVI anderer Ursache (z. B. beim Postthrombotischen Syndrom) angezeigt sein. Die Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Varikose (14) empfiehlt dies in folgenden Fällen (8, 20):

  • Die Sanierung der Varikose ist nicht möglich.
  • Die Sanierung der Varikose wird vom Patienten nicht gewünscht.
  • Schwellung und Schweregefühl persistieren nach der invasiven Varikosetherapie.

Verläuft die Venenerkrankung chronisch und bestehen weiterhin Symptome, so sollte die konservative Therapie langfristig konzipiert sein (14). Die verschiedenen konservativen Therapieverfahren wie Kompressionstherapie und Venenmedikamente scheinen sich gegenseitig zu ergänzen (2, 21). So fördert die Kompression den venösen Rückfluss durch Druck von außen. Pflanzliche Venenmedikamente hingegen wirken antientzündlich, reduzieren die Permeabilität der Gefäßwände und verringern so das Ödem (18).
Wenn sich eine symptomatische Varikose durch die einzelnen Behandlungsverfahren wie Varizensanierung, Kompressionstherapie oder Venenmedikamente nicht für den Patienten befriedigend behandeln lässt, so empfiehlt die Leitlinie, die unterschiedlichen Therapieprinzipien zu kombinieren (14) (Abb. 1).

Wirkstoffe

Folgende Wirkstoffe sind in Deutschland zur oralen medikamentösen Venentherapie zugelassen:

  • Standardisierter Roter Weinlaubextrakt (AS 195)
  • Standardisierter Rosskastanienextrakt
  • Oxerutin

Für sie besteht eine evidenzbasierte Wirksamkeit. 

In Deutschland derzeit nicht zugelassen sind hingegen weitere Arzneimittel mit Wirksamkeitsbelegen wie z. B. ruscushaltige Phlebotonika oder Troxerutin-Coumarin-Kombinationen (Arzneimittelinformationssystem (AMICe) der deutschen Arzneimittelzulassungsbehörden 2015) sowie Diosmin und Calciumdobesilat. 

Da sich die vollständige klinische Wirkung der pflanzlichen Venenmedikamente erst nach rund zwei bis vier Wochen kontinuierlicher Einnahme entfaltet, sollte der Patient darüber aufgeklärt werden (4-7, 9-11, 13, 15-19, 21, 22). 

Studienergebnisse 

Die Wirkung der Substanzen Standardisierter Roter Weinlaubextrakt (AS 195), Standardisierter Rosskastanienextrakt und Oxerutin ist in kontrollierten Studien untersucht worden. In ihnen konnte eine Rückbildung von Ödemen sowie die Linderung subjektiver Beschwerden, wie Schmerzen, Schwere- und Spannungsgefühl, nachgewiesen werden. Eine symptomatische Wirksamkeit wurde mit guter Evidenz für diverse Substanzen beschrieben (4-7, 9-13, 15-19, 21).    

So zeigte sich eine 

  • signifikante Reduktion von Ödemen beim Standardisierten Roten Weinlaubextrakt (AS 195), beim Standardisierten Rosskastanienextrakt und bei Oxerutin,
  • signifikante Symptomverbesserung beim Roten Weinlaubextrakt und Oxerutin (1, 3, 5, 6, 11, 17, 19).

Tabelle 1 enthält eine Übersicht zur Evidenzlage der in Deutschland zugelassenen Venenmedikamente (20). Zusätzlich zu randomisierten kontrollierten Studien wurden auch supportive Daten aus kleinen bzw. kurzen Studien eingefügt. Zu beachten ist jedoch bei pflanzlichen Präparaten wie Pflanzenextrakten, dass die Studienergebnisse immer nur streng auf das Prüfmedikament bezogen werden können.

Nebenwirkungen 

Wie bei allen Arzneimitteln sollen auch Venenmedikamente nicht angewandt werden, wenn eine bekannte Überempfindlichkeit (Allergie) gegen die Inhaltsstoffe besteht. Bei der oralen Einnahme der oben genannten Wirkstoffe wurden hauptsächlich Magen-Darm-Irritationen und Hautreaktionen beschrieben. In diesem Fall empfiehlt die Varikose-Leitlinie, die Umstellung des Patienten auf ein anderes der drei evidenzbasierten Venenmedikamente zu erwägen (14).

Literatur
  1. Allegra C. Chronic venous insufficiency: the effects of health-care reforms on the cost of treatment and hospitalisation -an Italian perspective. Curr Med Res Opin. 2003;19(8):761-769. doi:10.1185/030079903125002559.
  2. Anderson JH, Geraghty JG, Wilson YT et al. Paroven and Graduated Compression Hosiery for Superficial Venous Insufficiency. Phlebology. 1990;5(4):271-276. doi:10.1177/026835559000500408.
  3. Brunner F, Hoffmann C, Schuller-Petrovic S. Responsiveness of human varicose saphenous veins to vasoactive agents. Br J Clin Pharmacol. 2001;51(3):219224. doi:10.1046/j.1365-2125.2001.00334.x
  4. Cloarec M, Clément R, Griton P. A Double-Blind Clinical Trial of Hydroxyethylrutosides in the Treatment of the Symptoms and Signs of Chronic Venous Insufficiency. Phlebology. 1996;11(2):76-82. doi:10.1177/026835559601100210.
  5. Cloarec M. Study on the effect of a new vasoprotective Venostasin  administered over a period of 2 months in chronic venous insufficiency of the  lower limb (data from 1992). Unpublished. Zitiert nach:  Stücker M, Debus ES, Hoffmann J, et al. Konsensuspapier zur symptomorientierten Therapie der chronischen Venenerkrankungen. J Dtsch Dermatol Ges 2016. doi:10.1111/ddg.13006.  
  6. Diebschlag W, Nocker W, Lehamacher W. A clinical comparison of two doses of O-(P-Hydroxyethyl)-rutosides (oxerutins) in patients with chronic venous insufficiency. J Pharm Med. 1994;4:7-14.
  7. Diehm C, Trampisch HJ, Lange S, Schmidt C. Comparison of leg compression stocking and oral horse-chestnut seed extract therapy in patients with chronic venous insufficiency. Lancet. 1996;347(8997):292-294. doi:10.1016/S01406736(96)90467-5.
  8. Gloviczki P, Comerota AJ, Dalsing MC, et al. The care of patients with varicose veins and associated chronic venous diseases: Clinical practice guidelines of the Society for Vascular Surgery and the American Venous Forum. J Vasc Surg. 2011;53(5):2S-48S. doi:10.1016/j.jvs.2011.01.079.
  9. Großmann K. Vergleich der Wirksamkeit einer kombinierten Therapie mit Kompressionsstrümpfen und Oxerutin versus Kompressionsstrümpfe und Placebo bei Patienten mit CVI. Phlebologie. 1997;26:105-110.
  10. Kalus U, Koscielny J, Grigorov A et al. Improvement of cutaneous microcirculation and oxygen supply in patients with chronic venous insufficiency by orally administered extract of red vine leaves AS 195: A randomised, double-blind, placebo-controlled, crossover study. Drugs R D. 2004;5(2):63-71. doi:10.2165/00126839-200405020-00001.
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  12. Martinez-Zapata MJ, Vernooij RW, Uriona Tuma SM, et al. Phlebotonics for venous insufficiency. Cochrane Database Syst Rev. 2016;4:CD003229. doi:10.1002/14651858.CD003229.pub3.
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  14. Pannier F, Noppeney T, Alm J et al. S2k-Leitlinie Diagnose und Therapie der Varikose, 2019. AWMF-Reg.-Nr. 037-018.
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Autoren

Prof. Eberhard. Rabe1, Katrin Breitenborn2
1 Private Praxis Dermatologie und Phlebologie, Bonn
2 WPV. Wirtschafts- und Praxisverlag GmbH, Köln

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Prof. Dr. med. Eberhard Rabe
Private Praxis Dermatologie und Phlebologie
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