ZITIERWEISE: VASOMED 2025; 37(2): 67
Dies ist besonders dann sinnvoll, wenn die anderen Behandlungsmaßnahmen nicht ausreichen, um einen beschwerdefreien Zustand zu erreichen. Es sollten nur Medikamente mit nachgewiesener Wirksamkeit Verwendung finden.
Die größte Gruppe der bei Venenkrankheiten eingesetzten Medikamente stellen die sogenannten Ödemprotektiva dar. Bei der CVI kommt es zu Veränderungen der Venenwand und des Endothels mit einer Entzündung und einer erhöhten Durchlässigkeit für großmolekulare Bestandteile, insbesondere für Eiweiß. In der Folge entwickeln sich ein eiweißreiches Ödem und Schmerzen. Die Ödemprotektiva vermindern die Entzündung und die Durchlässigkeit des Endothels. Sie tragen so zu einer Reduzierung des eiweißreichen Ödems bei.
Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch:
Grundlagen der Phlebologie und Lymphologie
Hrsg.: Prof. Eberhard Rabe
4. erweiterte und vollständig überarbeitete Auflage, 476 Seiten,
WPV. Verlag 2024, ISBN 978-3-934371-68-2, Preis: 75 Euro
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Bemerkenswert ist, dass bei der ausgeprägten Varikose eine erhöhte Konzentration an lysosomalen Enzymen sowohl im Serum als auch in der Venenwand nachgewiesen werden konnte. Diese vermehrten lysosomalen Enzyme werden mit der erhöhten Durchlässigkeit der Venenwand in Verbindung gebracht. Unter einer oralen Therapie mit aescinhaltigen Medikamenten konnte eine Reduktion der lysosomalen Enzyme im Serum und in der Venenwand beobachtet werden.
Die ödemprotektive und entzündungshemmende Wirkung ist unspezifisch und nicht nur auf die CVI begrenzt. Auch durch andere Noxen hervorgerufene Ödeme können in ihrer Entstehung reduziert werden. So ist dies beispielsweise von posttraumatischen Ödemen bekannt.
Die Einnahme wirksamkeitsgeprüfter, oraler Venenmedikamente kann bei einer symptomatischen Varikose, aber auch bei der CVI anderer Ursache (z. B. beim Postthrombotischen Syndrom) angezeigt sein. Die Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Varikose (14) empfiehlt dies in folgenden Fällen (8, 20):
- Die Sanierung der Varikose ist nicht möglich.
- Die Sanierung der Varikose wird vom Patienten nicht gewünscht.
- Schwellung und Schweregefühl persistieren nach der invasiven Varikosetherapie.
Verläuft die Venenerkrankung chronisch und bestehen weiterhin Symptome, so sollte die konservative Therapie langfristig konzipiert sein (14). Die verschiedenen konservativen Therapieverfahren wie Kompressionstherapie und Venenmedikamente scheinen sich gegenseitig zu ergänzen (2, 21). So fördert die Kompression den venösen Rückfluss durch Druck von außen. Pflanzliche Venenmedikamente hingegen wirken antientzündlich, reduzieren die Permeabilität der Gefäßwände und verringern so das Ödem (18).
Wenn sich eine symptomatische Varikose durch die einzelnen Behandlungsverfahren wie Varizensanierung, Kompressionstherapie oder Venenmedikamente nicht für den Patienten befriedigend behandeln lässt, so empfiehlt die Leitlinie, die unterschiedlichen Therapieprinzipien zu kombinieren (14) (Abb. 1).
Wirkstoffe
Folgende Wirkstoffe sind in Deutschland zur oralen medikamentösen Venentherapie zugelassen:
- Standardisierter Roter Weinlaubextrakt (AS 195)
- Standardisierter Rosskastanienextrakt
- Oxerutin
Für sie besteht eine evidenzbasierte Wirksamkeit.
In Deutschland derzeit nicht zugelassen sind hingegen weitere Arzneimittel mit Wirksamkeitsbelegen wie z. B. ruscushaltige Phlebotonika oder Troxerutin-Coumarin-Kombinationen (Arzneimittelinformationssystem (AMICe) der deutschen Arzneimittelzulassungsbehörden 2015) sowie Diosmin und Calciumdobesilat.
Da sich die vollständige klinische Wirkung der pflanzlichen Venenmedikamente erst nach rund zwei bis vier Wochen kontinuierlicher Einnahme entfaltet, sollte der Patient darüber aufgeklärt werden (4-7, 9-11, 13, 15-19, 21, 22).