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Gefäßchirurgie, Gefäßmedizin, Medizin Gefäßmedizin Gefäßmedizin, vasomed
vasomed 2/25

Kompression bei Ödempatienten mit pAVK

Sowohl die chronische Veneninsuffizienz (CVI) als wichtige Ursache von Ödemen als auch die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) nehmen mit zunehmendem Lebensalter zu. So haben Patienten mit Ulcus cruris venosum (UCV) zu etwa 16 % eine begleitende pAVK (1).


14.03.2025
M. Stücker
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ZITIERWEISE: VASOMED 2025; 37(2): 53-54

Fragestellung

Analysiert wurde mit einer Literatursuche, welche Möglichkeiten und Grenzen es in der Kompressionstherapie bei kombiniertem Vorliegen von CVI und pAVK gibt.

Ergebnisse

In der Leitlinie zur medizinischen Kompressionstherapie stellt nicht die pAVK an sich, sondern lediglich die fortgeschrittene pAVK mit einem Knöchel-Arm-Index < 0,5 oder einem Knöchel-Arterien-Druck < 60 mmHg eine Kontraindikation für die medizinische Kompressionstherapie dar (Tab. 1).

Klinisch bedeutet dies in der Regel, dass Patienten ohne Ruheschmerzen und/oder Nekrosen an typischen Lokalisationen wie den Akren problemlos einer Kompressionstherapie zugeführt werden können. Von besonderer Relevanz ist diese Frage der Möglichkeit einer Kompressionstherapie bei einem sogenannten „Ulcus cruris mixtum“. Die aktuelle Leitlinie „Diagnostik und Therapie des Ulcus cruris venosum“ (2) schlägt daher vor, den Terminus „Ulcus cruris mixtum“ nicht mehr zu verwenden, sondern durch eine differenziertere Betrachtung entsprechend Tabelle 2 zu ersetzen.

Der Vorteil der drei Termini arterio-venöses Ulcus cruris, Ulcus cruris venosum mit begleitender pAVK und Ulcus cruris arteriosum mit begleitender CVI ist, dass sich aus der Diagnose bereits praktische Handlungsrichtlinien ergeben. So steht beim Ulcus cruris arteriosum die arterielle Revaskularisation im Vordergrund. Beim Ulcus cruris venosum mit begleitender pAVK hingegen liegt der Schwerpunkt ganz auf der Therapie der fortgeschrittenen CVI. Diese beinhaltet neben invasiven varizenausschaltenden Maßnahmen typischerweise auch eine Kompressionstherapie, die bei einer moderat ausgeprägten AVK explizit nicht kontra­indiziert ist.

Insbesondere in Grenzsituationen stehen für Patienten mit einer Kombination aus CVI und einer begleitenden pAVK spezielle Produkte zur Verfügung, welche für diese Patientengruppe entwickelt worden sind (Tab. 3).

Kontraindikationen für die medizinische KompressionstherapieWenn einer dieser Parameter zutrifft:
Fortgeschrittene periphere arterielle Verschlusskrankheit
  • ABPI (Ankle Brachial Pressure Index (Knöchel-Arm-Index) < 0,5
  • Knöchel-Arterien-Druck < 60 mmHg
  • Zehendruck < 30 mmHg
  • tcpO22 < 20 mmHg Fußrücken

Bei Verwendung unelastischer Materialien kann eine Kompressionsversorgung noch bei einem Knöchel-Arterien-Druck zwischen 50 und 60 mmHg und bei engmaschiger
klinischer Kontrolle versucht werden.

Dekompensierte Herzinsuffizienz (NYHA 3 und 4) 
Septische Phlebitis 
Phlegmasia coerulea dolens 
Tab. 1: Kontraindikationen für die medizinische Kompressionstherapie.
zu verwendender TerminuspAVK-StadiumCVI-Stadium
arterio-venöses Ulcus crurisfortgeschrittene pAVK, Fontaine-Stadium III oder IV bzw. Rutherford-Kategorie 4 – 6CVI-CEAP C6
Ulcus cruris venosum mit
begleitender moderater pAVK
moderate pAVK, Fontaine-Stadium I – II b bzw. Rutherford-Kategorie 0 – 3CVI-CEAP C6
Ulcus cruris arteriosum mit
begleitender CVI
fortgeschrittene pAVK, Fontaine-Stadium IV bzw. Rutherford-Kategorie 5 – 6moderat ausgeprägte CVI (CEAP C3 – 5)
Tab. 2: Präzisierung des nicht mehr zu verwendenden Begriffes „Ulcus cruris mixtum“ entsprechend der Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des Ulcus cruris venosum (2).
Kompressionsmittel für die Kombination aus chronischer Veneninsuffizienz und peripherer arterieller Verschlusskrankheit
SystemProdukt/HerstellerKnöchel-Arm-Index
Bandagen: Mehrkomponentensysteme• 3M™ Coban™ 2 Lite Kompressionssysteme (3M Medica)
• Jobst® Compri2 lite (BSN medical)
• PROFORE® Lite (Smith & Nephew)
• UrgoK2 lite (URGO)
≥ 0,5
0,5 – 0,8
0,6 – 0,8
0,6 – 0,8
Kompressionsstrümpfe• VenoTrain® angioflow (Bauerfeind AG)
• mediven angio (medi)
 
Tab. 3: Kompressionsmittel für die Kombination aus chronischer Veneninsuffizienz und peripherer arterieller Verschlusskrankheit (vgl. K. Protz, J. Dissemond, K. Kröger. Kompressionstherapie. Ein Überblick für die Praxis. Springer 2016)

Fazit

Bei Patienten, die CVI-bedingte Ödeme und gleichzeitig eine pAVK zeigen, ist nur in sehr seltenen Fällen eine Kompressionstherapie nicht möglich. Klinisch sind dies typischerweise Patienten, die Ruheschmerzen (abseits vom Wundschmerz!) aufweisen.

1. Humphreys ML, Stewart AH, Gohel MS et al. Management of mixed arterial and venous leg ulcers. Br J Surg. 2007;94(9):1104-7. doi: 10.1002/bjs.5757. PMID: 17497654.

2. Valesky EM, Hach-Wunderle V, Protz K et al. Diagnosis and treatment of venous leg ulcers:

Korrespondenzadresse

Prof. Dr. med. Markus Stücker 
Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Venenzentrum der Dermatologischen und Gefäß­chirurgischen Kliniken der Ruhr-Universität Bochum
Im St. Maria-Hilf-Krankenhaus
Hiltroper Landwehr 11–13, 44805 Bochum
markus.stuecker(at)klinikum-bochum.de 
www.venenzentrum-uniklinik.de