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Ingenieurskunst

Schimpansen nutzen gezielt flexibles Material für ihre Werkzeuge

Schimpansen wählen gezielt Pflanzen mit flexiblen Eigenschaften aus, um ihre Werkzeuge zum Termitenfischen zu optimieren. Eine neue Studie zeigt, dass diese Tiere Materialeigenschaften intuitiv bewerten. Diese Erkenntnisse bieten wichtige Einblicke in die Entwicklung von Werkzeugnutzung und Technik.


25.03.2025
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Die Werkzeugnutzung von Schimpansen ist ein Verhalten, das Forschende und Affen-Fans schon lange fasziniert. In einer aktuellen Studie untersuchen Forschende, wie diese Tiere bei der Auswahl von Materialien für ihre Werkzeuge vorgehen. Dabei konzentrieren sie sich auf die Frage, welche Eigenschaften von Pflanzenmaterialien für die Herstellung effektiver Werkzeuge entscheidend sind.

Neue Studie zeigt: Schimpansen setzen auf Ingenieurskunst

Ein internationales Forscherteam hat so entdeckt, dass Schimpansen im Gombe-Stream-Nationalpark in Tansania beim Herstellen ihrer Werkzeuge gezielt Pflanzen mit flexiblen Eigenschaften auswählen. Die Wissenschaftler der Universität Oxford, des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie, des Jane-Goodall-Instituts in Tansania, der Universität der Algarve und der Universität Porto in Portugal sowie der Universität Leipzig haben herausgefunden, dass diese gezielte Materialwahl die Effektivität beim Termitenfischen steigert.

Die in der Fachzeitschrift iScience veröffentlichten Ergebnisse liefern neue Erkenntnisse über die technischen Fähigkeiten von Schimpansen. Besonders die Herstellung vergänglicher Werkzeuge, die aus Materialien wie Holz oder Pflanzen bestehen, ist bisher nur wenig erforscht. Diese Studie trägt dazu bei, besser zu verstehen, wie sich die menschliche Technologieentwicklung im Laufe der Evolution entwickelt haben könnte.

Flexible Werkzeuge für das Termitenfischen

Termiten sind eine wertvolle Nahrungsquelle für Schimpansen, da sie reich an Energie, Fetten, Vitaminen, Mineralien und Proteinen sind. Um die Insekten aus den Hügeln zu holen, verwenden die Affen dünne Sonden. Die Forscher vermuteten, dass flexiblere Werkzeuge besser geeignet sind, da die Termitenhügel aus verwinkelten Tunneln bestehen.

Um diese Hypothese zu testen, führte Erstautorin Alejandra Pascual-Garrido Messungen an Pflanzenmaterialien in Gombe durch. Sie verglich die Biegefestigkeit von Pflanzen, die Schimpansen für Werkzeuge nutzen, mit anderen Pflanzenarten, die zwar verfügbar waren, aber nie verwendet wurden. Die Ergebnisse zeigten, dass nicht genutzte Pflanzenarten um 175 % steifer waren als die bevorzugten Materialien.

Schimpansen besitzen intuitives Wissen über Materialeigenschaften

Auch innerhalb desselben Lebensraums wählten Schimpansen gezielt flexiblere Pflanzen für ihre Werkzeuge aus. Dies sei der erste klare Beweis, dass wildlebende Schimpansen Materialien nach ihren mechanischen Eigenschaften auswählen, erklärt Pascual-Garrido. Besonders bemerkenswert: Die gleiche Pflanzenart, Grewia spp., wird von Schimpansen-Gruppen in bis zu 5.000 km Entfernung ebenfalls als Werkzeugmaterial verwendet. Dies deutet darauf hin, dass die Mechanik dieser Pflanzenmaterialien eine Grundlage für solche weit verbreiteten Präferenzen sein könnte und dass rudimentäre Ingenieurskunst tief in der Werkzeugkultur der Schimpansen verwurzelt sein könnte.

Wildlebende Schimpansen könnten ein intuitives Verständnis von Materialeigenschaften besitzen, das ihnen hilft, die besten Werkzeuge für ihre Zwecke auszuwählen. Ihre natürliche Ingenieurskunst besteht nicht nur darin, irgendeinen verfügbaren Stock oder eine Pflanze zu benutzen; Schimpansen wählen gezielt Materialien mit mechanischen Eigenschaften aus, die ihre Werkzeuge beim Nahrungssuchen effektiver machen.

Verbindung zur Evolution menschlicher Werkzeuge

Adam van Casteren vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie betont die Bedeutung dieser Erkenntnisse für die Forschung zur menschlichen Evolution. Während organische Materialien wie Holz selten in archäologischen Funden erhalten bleiben, könnten die mechanischen Prinzipien hinter der Werkzeugherstellung über lange Zeiträume hinweg konstant geblieben sein.

Durch die Untersuchung der Werkzeugnutzung von Schimpansen lassen sich Rückschlüsse auf frühe menschliche Technologien ziehen. Ein solcher vergleichender Ansatz hilft, die physischen Anforderungen an Werkzeuge zu verstehen, die in archäologischen Funden nicht direkt erhalten geblieben sind.


Weitere Informationen: Pascual-Garrido A et al. Engineering skills in the manufacture of tools by wild chimpanzees. DOI: 10.1016/j.isci.2025.112158

Quelle: University of Oxford

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