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Dermatologie, Medizin, Plastische und Ästhetische Chirurgie Dermatologie Ästhetik, HAUT
Longevity

Medizinischer Trend: Langlebigkeit

„Anti-Aging“ steht heute hauptsächlich für ästhetische Interventionen beziehungsweise Produkte. „Longevity“, also Langlebigkeit, zielt dagegen mehr darauf ab, die Lebensspanne bei guter Gesundheit zu verlängern.


11.04.2025
B. Kleine-Gunk
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Schlüsselwörter: Longevity, Anti-Aging, Horvath´s clock

Abstract: „Anti-Aging“ nowadays mainly means aesthetic interventions, or products. „Longevity“ aims more at extending the lifespan in good health.

Key words: longevity, anti-aging, Horvath´s clock

Zitierweise: HAUT 2025; 36 (2): 61-63

Ein Blick in die Medien bestätigt es: Longevity ist ein neuer Megatrend. Zunächst einmal­ gilt es, den Begriff von der älteren Bezeichnung „Anti-Aging“ abzugrenzen. Dieser wurde lange Zeit verwendet, wenn es darum ging, Langlebigkeit zu fördern. Inzwischen steht „Anti-Aging“ jedoch hauptsächlich für ästhetische ­Interventi­onen beziehungsweise Produkte. Anti-Aging-Kliniken sind meist Beauty-Institute, Anti-Aging-Cremes im Wesentlichen Anti-Falten­-Cremes.

Der Begriff „Longevity“ – beziehungsweise „Healthy Longevity“ – zielt dagegen mehr darauf ab, die Lebensspanne bei guter Gesundheit zu verlängern. Man kann das auch als „biologisches Anti-Aging“ bezeichnen­ und selbstverständlich lässt sich beides auch miteinander verbinden. Wer länger lebt, will dies bei guter Gesundheit tun. Er/sie hat meist aber auch nichts dagegen,­ dabei jünger auszusehen.

Warum ist die Longevity-Medizin seit einigen Jahren so erfolgreich?

Die Antwort lautet: Weil sie tatsächlich große­ Fortschritte gemacht hat. Das fängt zunächst einmal bei der Grundlagen­forschung an. Lange Zeit wusste man wenig bis nichts über die Faktoren, die für den Alterungsprozess verantwortlich sind. Inzwischen sind diese gut bekannt. Im Jahr 2013 erschien in dem renommierten Fachmagazin Cell ein Artikel, der inzwischen zu den meistzitierten in der Longevity-Medizin gehört: The Hallmarks of Aging1. Darin postulierte­ eine Gruppe weltweit führender Molekularbiologen, dass die wesentlichen Alterungsfaktoren inzwischen bekannt und auf einer molekularen Ebene beschrieben sind. Insgesamt wurden neun solcher Faktoren­ aufgelistet. 2023 erschien dann von der gleichen Arbeitsgruppe noch einmal­ eine Aktualisierung in der gleichen Zeitschrift unter dem Titel „Hallmarks of Aging: An expanding universe“. Darin wurden­ die ursprünglich neun nun auf insgesamt zwölf Alterungsfaktoren erweitert2.

Die wichtigsten sind:

  • silent Inflammation – chronisch niederschwellige Entzündungsprozesse
  • Glykierung – die Verzuckerung von Eiweißen, die dann zu einem Funktionsverlust führt
  • Verlust der mitochondrialen Funktion – die „Kraftwerke“ unserer Zellen arbeiten im Alter immer weniger effizient
  • Verkürzung der Telomere – die „biologischen Uhren“ in unserem Körper verlieren­ immer mehr Basenpaare, was das Altern beschleunigt
  • Stammzellverlust – die unsere Gewebe generierenden Stammzellen werden weniger beziehungsweise arbeiten weniger effektiv
  • epigenetische Instabilität – das Epigenom – unser zweiter genetischer Code – wird mit dem Alter zunehmende unpräziser

Insbesondere dem letzten Faktor wird für den Alterungsprozess eine überragende Bedeutung zugeschrieben. Der bekannte amerikanische Biogerontologe David Sinclair­ hält das „epigenetische Rauschen“ – also das Unpräzise-werden der genetischen Steuerung – für den alles überragenden Alterungsfaktor3. Die Messung dieser epigenetischen Veränderungen ist inzwischen auch die Grundlage für das Bestimmen des „biologischen Lebens­alters“. Dieses kann vom chronologischen Lebensalter erheblich abweichen. Der deutsch-amerikanische Genetiker Steve Horvath entwickelte anhand dieser Erkenntnisse ein Verfahren, bei dem die Metylierungsmuster an definierten DNA-Abschnitten analysiert werden4. Diese gelegentlich auch nach ihm benannte genetische Uhr (Horvath´s clock) ist inzwischen auch der Goldstandard in der biologischen Altersbestimmung und erlaubt es, Longevity-Interventionen auf ihre Effektivität zu überprüfen.

Im therapeutischen Bereich stehen noch immer Lifestyle-Interventionen im Vordergrund. Eine ausgewogene Ernährung, reichlich Bewegung, ausreichender Schlaf und eine effektive Stressreduktion sind nach wie vor die Basis für ein gesundes Altern.

Longevity: Nahrungssupplemente und Medikamente

Aber auch medizinische Interventionen werden zunehmend wichtig. So lindert der Ersatz der fehlenden Geschlechts­hormonen (bei Frauen wie bei Männern) im Alter nicht nur psychovegetative, subjektive­ Beschwerden, sondern beugt auch dem Alterungs­prozess an sich vor5. Eine neue Generation von Nahrungs­supplementen beeinflusst darüber hinaus ebenfalls das Altern auf molekularer Ebene.­ Spermidin ist ein Autophagie-Induktor, sorgt also für den Abtransport von molekularem­ Müll, der unsere Zellen „verstopft“.­ Nicotinamid-Mononukleotid (NMN) ist für die Energieproduktion in der Zelle und die Stimulierung der Sirtuine verantwortlich, die unsere wichtigsten Reparaturenzyme sind. Alpha-Ketoglutarat ist ein „epigenetischer Stabilisator“ und beugt dem „epigenetischen Rauschen“ vor.

Neben den Supplementen werden inzwischen auch die ersten Medikamente gegen das Altern getestet. Ganz oben auf der Liste steht dabei das Metformin, ein altes Anti­diabetikum, das inzwischen in einer großen amerikanischen Studie namens TAME ­(Targeting Aging with Metformin) auf seine Longevity-Qualitäten getestet wird6. Auch das bei uns als Immunsuppressivum zugelassene Rapamycin hat vielversprechende Anti-Aging-Effekte7.

Anti-Aging-Medizin: Longevity mitdenken!

Für ästhetische Dermatologen ist es zweifellos wichtig, diese Entwicklungen intensiv zu verfolgen. Zum einen sind alle beschriebenen Alterungsprozesse auch verantwortlich für das Altern unseres größten Organs, unserer Haut. Zum anderen legen Kunden von Anti-Aging-Instituten zunehmend Wert darauf, nicht nur eine effektive Behandlung ihrer Falten zu erhalten, sondern auch ihre Gesundheit und ihre Lebenserwartung insgesamt zu verbessern. Denkbar ist somit für die Zukunft zum Beispiel ein Konzept, bei dem Ästhetik-Institute ihr Behandlungsspektrum erweitern und den Bereich Longevity kreativ in das bestehende Institut integrieren.

1. López-Otin C, Blasco MA, Partridge L et al. The Hallmarks of Aging. A Cell Press Journal 2013;153(6):1194-1217.

2. López-Otin C, Blasco MA, Partridge L et al. Hallmarks of aging: An expanding universe. Cell 2023;186(2):243-278.

3. Yang JH, Hayano M, Sinclair DA et al. Loss of epigenetic information as a cause of mammalian aging. Cell 2023;186(2):305-326.e27.

4. Horvath S. DNA methylation age of human tissues and cell types.; Genome Biol. 2013;14(10):R115.

5. Liu Y, Li C. Hormone Therapy and Biological Aging in Postmenopausal Women. JAMA Network Open 2024;7(8): e2430839.

6. Abou Zaki R, El-Osta A. Metformin: decelerates biomarkers of aging clocks. Signal Transduction and Targeted Therapy 2024;9:319.

7. Lee DJW, Hodzic Kuerec A, Maier AB. Targeting ageing with rapamycin and its derivatives in humans: a systematic review. Review 2024;5(2):E152-162.

Korrenzpondenzadresse

Prof. Dr. med. Bernd Kleine-Gunk

Metropol Medical Center Neubau
Virnsberger Straße 79
90431 Nürnberg
E-Mail: kleine-gunk(at)mmc-nuernberg.de