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Knochengesundheit

Biofaktoren bei Osteoporose – Die Bedeutung der Vitamine D3 und K2 sowie Magnesium

Wie können essenzielle Biofaktoren wie Vitamine und Mineralstoffe die Knochen- und Muskelfunktion verbessern? Und auf welche Biofaktoren ist in der Betreuung von Risikopatienten besonders zu achten? Dieser Fachbeitrag gibt einen Überblick über die Aufgaben, den Bedarf und die optimale Zufuhr von Vitamin D3, Magnesium und Vitamin K2 in Prävention und Therapie der Osteoporose.


18.04.2025
K. Kisters
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Osteoporose ist eine systemische Skeletterkrankung, die durch eine gestörte Remodellierung der Knochensubstanz, eine verminderte Knochendichte und eine mikroarchitektonische Verschlechterung des Knochengewebes charakterisiert ist. In der Folge kommt es zu einer erhöhten Knochenbrüchigkeit und einem erhöhten Frakturrisiko – insbesondere an Wirbelkörpern, Hüftgelenken und Handgelenken. Die Prävalenz der Osteoporose steigt mit dem Alter an und manifestiert sich in der Regel bei Frauen nach dem 45. beziehungsweise bei Männern ab dem 55. Lebensjahr. Und schwere Frakturen, die sogenannten „major osteoporotic fractures”, nehmen nach dem 50. Lebensjahr bei Frauen und nach dem 60. Lebensjahr bei Männern deutlich zu. Insgesamt sind Frauen im Vergleich zu Männern mehr als doppelt so häufig betroffen. Epidemiologisch ist die Osteoporose keine seltene Erkrankung beim älteren Patienten*. Studien zeigen bei Frauen im postmenopausalen Alter eine Häufigkeit von 15 % und bei Frauen ab dem 70. Lebensjahr von 45 %.1

Die Pathogenese der Osteoporose ist multifaktoriell und umfasst folgende Faktoren:

  • hormonelle Veränderungen im Alterungsprozess, vor allem ein Abfall des Östrogenspiegels bei postmenopausalen Frauen (postmenopausale Osteoporose)
  • genetische Prädisposition oder familiäre Häufung
  • Bewegungsmangel
  • Fehl- und Mangelernährung, die zu einer unzureichenden Calcium- und Vitamin-D3-Aufnahme und einer verminderten Knochenneubildung führen
  • erhöhter Konsum von Alkohol und Nikotin, die als Risikofaktoren die Knochenmasse und die Hormonsynthese negativ beeinträchtigen
  • Einnahme bestimmter Arzneimittel, insbesondere Glukokortikoide, die den Knochenumsatz hemmen oder die Knochenabbaurate erhöhen

Primäre und sekundäre Osteoporose

Die primäre Osteoporose tritt ohne erkennbare Vorerkrankungen und meist im höheren Lebensalter auf. Neben der postmenopausalen Osteoporose kann es im fortgeschrittenen Alter zur senilen Form kommen, von der dann auch deutlich mehr Männer betroffen sind. Die sekundäre Osteoporose hingegen tritt als Begleiterkrankung anderer Krankheiten auf, beispielsweise:

  • endokrine Störungen: Morbus Cushing, Hypogonadismus, Hyperthyreose, Hyperparathyreoidismus, Akromegalie
  • metabolische Störungen: Homocystein­urie, Diabetes mellitus, Malabsorptionssyndrome, Leberzirrhose
  • Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und Zöliakie
  • Kurzdarmsyndrom
  • Anorexia nervosa oder Bulimie
  • Tumorerkrankungen des Knochensystems
  • mechanische Ursachen: Inaktivitäts­osteoporose durch Immobilisation oder Lähmungen

Risiko Biofaktorenmangel bei Kortikoid-induzierter Osteoporose

Bei etwa 10 % der über einen Zeitraum von mehreren Jahren mit Kortison behandelten Patienten konnten osteoporotische Frakturen diagnostiziert werden. Und bei 30 bis 40 % der Patienten konnten bildgebende Verfahren Frakturen nachweisen – auch wenn diese aufgrund der schmerzlindernden Wirkung des Kortisons nicht immer anhand von Symptomen sichtbar wurden. „Bereits in den ersten drei bis sechs Monaten einer Kortisontherapie sinkt die Knochendichte um bis zu 12 %“, so die Warnung der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh).2 Dabei steht die Abnahme der Knochendichte in Korrelation zu Einnahmedauer, Tagesdosis und kumulativer Kortisondosis. Die Inzidenz nach Beginn einer Behandlung mit Kortison liegt anfangs bei Wirbelbrüchen bei 5,1% und bei nichtvertebralen Brüchen bei 2,5 % und ab einer Einnahmedauer von mehr als sechs Monaten bei 3,2 % bzw. 3 %.3,4

Ziel einer optimalen Betreuung von mit Kortison behandelten Patienten ist nach Ansicht der DGRh daher die Prävention einer sekundären Osteoporose. Neben einer spezifischen osteologischen Behandlung mit Bisphosphonaten, Denosumab oder Teriparatid sollte eine langfristige Kortisonbehandlung von mehr als drei Monaten durch eine Calciumreiche Ernährung und Vitamin-D3-Supplemente begleitet und die Knochendichte regelmäßig kontrolliert werden.

Weitere Arzneimittel mit Auswirkungen auf den Knochenstoffwechsel sind zum Beispiel Thyroxin und Trijodthyronin, Protonenpumpeninhibitoren, Tamoxifen, Heparin, Antiepileptika oder Colestyramin.

Medikamentöse Therapie der Osteoporose

Arzneimittel wie Bisphosphonate, Raloxifen, Teriparatid, Östrogene, Fluoride, Calcitonin, Denosumab oder Romosozumab sind indiziert bei:

  • osteoporotisch bedingter Wirbelkörperfraktur bei einem T-Wert ≤ -2,0
  • niedriger Knochendichte und hohem Lebensalter: z.B. T-Wert zwischen -2,5 und -3,0 ab einem Alter von 70 (Frauen) bzw. 80 Jahren (Männer)
  • Vorliegen von Risikofaktoren, beispielsweise eine Langzeit-Glukokortikoidtherapie, Stürze, Epilepsie, Immobilität

Nicht-medikamentöse Therapie der Osteoporose

Um einer Osteoporose vorzubeugen oder diese zu behandeln, ist es wichtig, die Risikofaktoren zu erkennen und – wenn möglich – zu reduzieren. Neben Faktoren wie Hormonstatus, Körpergewicht oder Vorerkrankungen ist auf ausreichend Bewegung, eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung und das Vermeiden von Genussgiften zu achten.

1. Körperliche Aktivität

Bewegung kann einer Osteoporose vorbeugen, indem sie den Knochenstoffwechsel anregt. Die Knochenzellen werden durch die Belastung angeregt, sich zu vermehren und mehr Knochenmasse zu bilden. Das macht die Knochen widerstandsfähiger und weniger anfällig für Frakturen. Außerdem fördert Bewegung die Durchblutung und die Nährstoffversorgung der Knochen. Für die Knochengesundheit sind vor allem belastende und gewichtstragende Aktivitäten effektiv.

2. Genussgifte meiden

Alkohol und Rauchen induzieren eine Osteoporose, indem sie die Knochendichte und -qualität reduzieren und das Frakturrisiko erhöhen. Alkohol inhibiert die Osteoblasten, stört den Vitamin-D-Metabolismus und erhöht die renale Calciumexkretion. Rauchen kontrahiert die Blutgefäße, verschlechtert die vaskuläre Durchblutung der Knochen und erhöht die Inzidenz von Hüftfrakturen.

3. Knochengesunde Ernährung

Eine ausgewogene Ernährung sollte reich an Calcium, Vitamin D3 und Magnesium sein. Diese drei Biofaktoren sind für den Knochenstoffwechsel von Relevanz. Die Rolle von Vitamin K2 ist noch nicht abschließend geklärt (siehe unten). Zudem sollte eine übermäßige Zufuhr von ­Natrium, Phosphat und Koffein vermieden werden, da diese die Calciumausscheidung fördern und die Knochenresorption erhöhen. Lebensmittel wie Spinat und Rhabarber, die viel Oxalsäure enthalten, sollten nur maßvoll verzehrt werden, da Oxalsäure die Calciumresorption vermindern kann. Eine angemessene Energiezufuhr und ein gesundes Körpergewicht bzw. das Vermeiden von Untergewicht sind ebenfalls entscheidend, um eine optimale Knochengesundheit zu gewährleisten.

Die Rolle von Calcium bei Osteoporose5

Calcium gilt bekanntermaßen als wichtiger Bestandteil in der Prophylaxe von Osteoporose und Frakturen. Dabei sollte die Calciumversorgung allerdings nicht über Supplemente, sondern möglichst nur über die Ernährung und dann in einer Tagesdosis von 1.000 mg erfolgen. So lautet die derzeitige Richtlinie des Dachverbandes der deutschsprachigen wissenschaftlichen osteologischen Gesellschaften e. V. (DVO) von Oktober 2023.6 Hintergrund dieser Empfehlung ist das potentielle Risiko kardiovaskulärer Ereignisse oder Nierensteine aufgrund einer zu hohen Calciumkonzentration im Blut.7,8 Lediglich bei einem weiter bestehenden Calciummangel oder unter einer Therapie mit Bisphosphonaten und Denosumab – also Präparaten, bei denen es zu einer Hypocalcämie kommen kann – empfiehlt sich eine Supplementierung. Bei Besonderheiten im Calciumstoffwechsel, zum Beispiel bei Nierensteinen, einem primären Hyperparathyreoidismus oder Hypoparathyreoidismus sowie einem Zustand nach Magenresektion muss individuell über eine Supplementierung mit dem Biofaktor entschieden werden.

Wie wirkt Vitamin D3 auf den Knochen?

  • Vitamin D3 beeinflusst den Knochenstoffwechsel und die Knochenfestigkeit, in dem es die Aufnahme und Ausscheidung von Calcium und Phosphat in Darm und Niere reguliert.
  • Bei einer guten Vitamin-D3-Versorgung wird weniger Parathormon freigesetzt, welches dem Knochen übermäßig Calcium entziehen würde.9,10
  • Ein Vitamin-D3-Mangel begünstigt laut Datenlage Stürze, Knochenabbau und Frakturen, und das insbesondere bei Erwachsenen im Alter von 65 Jahren und älter.11
  • Eine Vitamin-D3-Supplementierung zum Ausgleich eines Mangels kann zu weniger Wirbelkörper- und Hüftgelenksfrakturen führen.12,13
  • Eine Vitamin-D3-Supplementierung kann zudem die Sturzrate bei Risikopatienten reduzieren.14
  • Vitamin D3 kann sich positiv auf Gehgeschwindigkeit und Muskelfunktion auswirken.15
  • Vitamin-D3-Supplemente können die Wirkung von Bisphosphonat fördern.16

Obwohl der Zusammenhang zwischen Vitamin D3 und dem Knochenstoffwechsel gut dokumentiert ist, darf nicht unerwähnt bleiben, dass es auch Studien gibt, die einen Nutzen einer Vitamin-D3-Supplementierung auf die Frakturrate nicht bestätigen können.17 Diesbezüglich hat sich allerdings gezeigt, dass der Nachweis einer klinischen Relevanz von Vitamin D3 mitunter am Studiendesign scheitert. Auch die Methodik und die Schlussfolgerungen der zuletzt zitierten Untersuchung wurden hinsichtlich verschiedener Aspekte kritisiert – beispielsweise ein zu kurzer Beobachtungszeitraum, minderwertiges Studiendesign, mangelhafte Adhärenz der Studienziele oder Vitamin-D3-Bolusgaben statt einer täglichen Supplementierung.18

In viele randomisierte Placebo-kontrollierte Interventionsstudien werden zudem Probanden eingeschlossen, die überhaupt keinen Vitamin-D3-Mangel aufweisen.19,20 Bei Calcidiolwerten über 20 ng/ml bzw. 50 nmol/l (siehe unter „Wie wird der Vitamin-D3-Status bestimmt?“) ist jedoch der Nutzen einer Supplementation des Biofaktors nicht unbedingt zu erwarten. Aufgrund dieser Zusammenhänge empfiehlt sich bei Verdacht auf einen Vitamin-D3-Mangel der labordiagnostische Nachweis und die ausschließliche Supplementierung eines „echten“ Mangels.21

Wie wird der Vitamin-D3-Status bestimmt?

  • Die Bestimmung des Vitamin-D3-­Serumspiegels reflektiert lediglich die Vitamin-D3-Aufnahme der letzten Tage.
  • Um die längerfristige Vitamin-D3-Versorgung zu bewerten, wird der Calcidiolwert (= 25-Hydroxyvitamin-D3, 25(OH)D3) mit einer Halbwertszeit von ein bis zwei Monaten gemessen.
  • Calcidiol ist die Vorstufe des biologisch aktiven Calcitriols (= 1,25(OH)2Vitamin D3).
  • Das Robert Koch-Institut verwendet in Überstimmung mit der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und der WHO die international häufig genutzte Klassifikation des US-amerikanischen Institute of Medicine. Danach gilt als unterer Grenzwert 50 nmol/l bzw. 20 ng/ml.22
  • In einem Expertenkonsens wurden im Gegensatz dazu etwas höhere Referenzwerte empfohlen. Diese liegen bei 75 nmol/l bzw. 30 ng/ml.23
  • Calcidiolwerte über 125 nmol/l erhöhen das Risiko für die Entstehung einer Hypercalcämie und sollten daher vermieden werden.

Vitamin-D3-Mangel ausgleichen

Zur Osteoporose- und Sturzprävention bei postmenopausalen Frauen und Senioren empfiehlt der Dachverband Osteologie eine Tagesdosis von 800 bis 1.000 IE oral supplementiertem Vitamin D3 – allerdings nur bei geringer Sonnenlichtexposition und/oder erhöhtem Sturz- und Frakturrisiko.6

Laut allgemeiner Studienlage liegen die empfohlenen Tagesdosen zum Ausgleich eines Mangels mit 1.000 bis 4.000 IE Vitamin D3 etwas höher. Bei Resorptionsstörungen oder adipösen Patienten und um einen Vitamin-D3-Mangel möglichst rasch zu beheben, können in den ersten Wochen Tagesdosen bis zu 6.000 IE supplementiert werden.21,24

Ein Vitamin-D3-Mangel kann zu erniedrigten Magnesiumkonzentrationen führen. Beide Biofaktoren wirken synergistisch. Daher empfiehlt sich in der Regel der diagnostische Nachweis auf einen Mangel beider Biofaktoren und eine kombinierte Supplementierung (siehe unter „Magnesium und Osteoporose“).

Hypervitaminose D vermeiden

Eine alimentäre Hypervitaminose D ist nicht möglich. Allerdings kann es zu einer solchen Hypervitaminose D bei einer zu hohen Einnahme von Supplementen kommen. Die Symptome entstehen durch die erhöhte Wirkung von Calcitriol (1,25-Dihydroxycholecalciferol), dem aktiven Vitamin-D3-Metaboliten. Er induziert eine vermehrte intestinale und renale Calciumresorption. Diese Hypercalcämie zeigt sich symptomatisch mit Übelkeit, Inappetenz, Erbrechen und in schweren Fällen mit einer Niereninsuffizienz und Herzrhythmusstörungen bis hin zu Bewusstlosigkeit und Tod.25 Da die Vitamin-D3-Synthese genau gesteuert wird, entsteht eine Hypervitaminose D nur, wenn Patienten eine enorm hohe Dosis einnehmen und wird definiert durch einen Calcidiol-Serumspiegel von über 400 nmol/l bzw. 160 ng/ml.

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