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Social Media

TikTok-Videos zu ADHS – Die Hälfte hat fehlerhafte Informationen

Populäre TikTok-Videos zum Thema „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)“ zeigen gravierende Defizite, was die inhaltliche Korrektheit zu Symptomen und Behandlungsansätzen angeht. Gerade Jugendliche mit selbstdiagnostizierter ADHS überschätzen die Verbreitung der Störung in der Bevölkerung und werden durch diese Videos in ihrer Annahme bestärkt, ADHS zu haben. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie, die im Fachjournal „PLOS One“ veröffentlicht wurde.1


09.05.2025
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Um sich über gesundheitsbezogene Themen zu informieren, werden zunehmend soziale Medien verwendet. Gerade psychologische Themen und Erkrankungen können über soziale Medien akzeptierter und weniger stigmatisiert werden, allerdings ist die Qualität der Informationen sehr heterogen. Neben #autism gilt #ADHD als eines der zehn am häufigsten genutzten gesundheitsbezogenen Hashtags.2 In einer früheren Studie zur Autismus-Spektrum-Störung schnitt allerdings nur knapp ein Drittel der Informationen in den Videos als zutreffend ab.3

Qualität und Wirkung von TikTok-Videos zu ADHS

In der aktuellen Studie1 hat nun ein anderes Forschungsteam die Qualität und die Wirkung von TikTok-Videos zu ADHS im Rahmen von zwei Untersuchungen analysiert: In einer ersten Studie haben die Forschenden einen TikTok-Account erstellt und sich darüber die beliebtesten Videos zum Thema „ADHS“ vorschlagen lassen – mittels #ADHD. Im Schnitt waren diese 38,30 Sekunden lang, wurden rund 5,5 Millionen Mal angeschaut und knapp eine Million Mal geliked. Diese Videos zeigten die Forschenden zwei klinischen Psychologen, die die Videos auf inhaltliche Korrektheit untersuchen sollten.

Von den 98 beurteilten Videos thematisierten 92 ausschließlich Aussagen über ADHS-Symptome und nur wenige auch die Therapie. 51,3 % der angegebenen Symptome bewerteten die Psychologen als Nicht-ADHS-Symptome. Die meisten (68,5 %) bildeten eher normale menschliche Erfahrungen ab, 42,0 % könnten bei mehreren Störungen auftreten und 18,2 % seien eher typisch für eine andere Störung. Von den Informationen zu den Behandlungen stimmen etwas über die Hälfte mit den empirisch belegten Empfehlungen überein. Viele der Empfehlungen basierten lediglich auf persönlichen Erfahrungen.

ADHS-Prävalenz wurde überschätzt

In einer zweiten Studie wurden 843 Teilnehmenden die fünf am besten und am schlechtesten bewerteten Videos aus der ersten Studie gezeigt. Unter den Teilnehmenden waren Personen mit einer offiziellen ADHS-Diagnose, mit einer selbstvergebenen Diagnose und ohne Diagnose. Allgemein wurden die besseren Videos auch als besser bewertet, wenn auch weniger deutlich als bei den klinischen Psychologen. Zudem zeigen die Analysen, dass allgemein die ADHS-Prävalenz überschätzt wird (33,82 Prozentpunkte), vor allem aber von Personen mit selbstdiagnostiziertem ADHS: Diese schätzten das Vorkommen von ADHS auf 37,49 %. Zudem bestärken die Videos gerade diese Personen in ihrer Annahme, tatsächlich ADHS zu haben. 

Laut S3-Leitlinie liegt die Prävalenz von ADHS bei Kindern und Jugendlichen bei etwa 5 %, bei Erwachsenen bei 2–3 %.4

Fazit

  • Von knapp 100 der beliebtesten TikTok-Videos zur ADHS beinhalten ungefähr die Hälfte fehlerhafte Informationen.
  • Die aktuelle Studie verdeutlicht, dass soziale Medien keine ausreichende Informationsquelle für psychische Erkrankungen sind.

1 Karasavva V et al. PLOS One 2025; https://doi.org/10.1371/journal.pone.0319335.

2 Zenone M et al. BMJ Global Health 2021;6: e007648. DOI: 10.1136/bmjgh-2021-007648.

3 Aragon-Guevara D et al. J Autism Dev Disord 2023. https://doi.org/10.1007/s10803-023-06084-6.

4 S3-Leitlinie „Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter“. AWMF-Registernummer 028-045.

Quelle: Science Media Center Germany

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