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Gefäßmedizin, Gefäßchirurgie, Medizin, Angiologie, Phlebologie Gefäßmedizin Allgemein- & Innere Medizin, Gefäßmedizin, vasomed
vasomed 3/25

Große deutschlandweite Analyse zeigt Versorgungslücken bei der Therapie von pAVK der oberen Extremitäten

Im Gegensatz zur peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) der unteren Extremitäten (lower extremity artery disease; LEAD) sind die Daten über die Behandlung und das Outcome von Patienten mit pAVK der oberen Extremitäten (upper extremity artery disease; UEAD) nur sehr spärlich vorhanden. 


09.05.2025
L. Makowski
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ZITIERWEISE: VASOMED 2025; 37(3): 102-103


Referat zu:

Makowski L et al. Makowski L et al. Hospitalized upper extremity artery disease patients: treatment and long-term outcomes. European Heart Journal, 2024; ehae904. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehae904


Die meisten Veröffentlichungen basieren auf kleinen Kohorten oder stammen aus Beobachtungen von Single-Center-Studien und dementsprechend fehlen evidenzbasierte, einheitliche Leitlinien-Empfehlungen. Im Rahmen des vom Innovationsfond geförderten Projektes GenderVasc, konnten wir in Kooperation mit dem Wissenschaftlichem Institut der AOK-Krankenkasse in einer relativ großen Kohorte von UEAD-Patienten, eine Datenlücke schließen. In den untersuchten „Real World Daten“ wurden alle AOK-Versicherten, die von 2010 bis 2017 mit der Hauptdiagnose UEAD (I70.26) stationär behandelt wurden, einbezogen.

Die fast 2.500 stationär behandelten UEAD-Patienten waren im Durchschnitt 67 Jahre alt und somit jünger als die LEAD-Patienten. Weiterhin war bei den UEAD-Patienten die Rate an kardiovaskulären Risikofaktoren und Komorbiditäten im Vergleich zu den LEAD-Patienten höher, und vor allem Männer mit UEAD litten im Vergleich zu den Frauen häufiger an Diabetes mellitus, LEAD, Vorhofflimmern, koronarer Herzerkrankung, chronischer Herzinsuffizienz oder chronischer Niereninsuffizienz. Bei 80 % der Patienten war die UEAD atherosklerotisch bedingt (UEADa) und bei einem Fünftel der UEAD-Patienten wurde zusätzlich die Diagnose einer entzündlichen und/oder Bindegewebserkrankung gestellt (UEADc/i), wobei hier am häufigsten das Raynaud-Syndrom, die rheumatoide Arthritis, die Thrombangiitis obliterans oder das Sjörgen-Syndrom auftraten.

Schlechte Prognose bei pAVK der oberen Extremitäten

Die Prognose in diesem eher heterogenen und jungen Patientenkollektiv war äußerst schlecht, gekennzeichnet durch hohe Amputationsraten der oberen
Extremität innerhalb der ersten 30 Tage nach der stationären Behandlung und stetig steigenden Mortalitätsraten im Follow-up. Fast 15 % der UEAD-Patienten erhielten innerhalb der ersten 30 Tage eine Amputation der oberen Extremität und diese Rate erreichte im weiteren Follow-up ein Plateau (Amputationsrate nach fünf Jahren lag bei ca. 20 %). Im Gegensatz dazu stieg die Mortalitätsrate im Follow-up stetig an. Innerhalb der ersten 30 Tage starben knapp über 3 % der UEAD-Patienten, nach einem Jahr stieg die Mortalitätsrate auf fast 20 %, nach zwei Jahren auf fast 30 % und nach fünf Jahren auf über 40 %. Die Amputations- und Mortalitätsraten waren zu jedem Zeitpunkt bei Männern statistisch signifikant höher im Vergleich zu den bei Frauen (Abb. 1).



Abb. 1: Kaplan-Meier-Estimatoren für Mortalität und Amputation von stationär behandelten UEAD-Patienten im Follow-up, aufgeteilt nach Geschlecht (rot = Frauen, blau = Männer) und mit bzw. ohne Co-Diagnose einer Bindegewebs- und/oder entzündlichen Erkrankung.

Die Gründe für die schlechte Prognose können mit den hier durchgeführten Analysen nur vermutet werden, jedoch gibt es kaum evidenzbasierte, einheitliche Leitlinien-­Empfehlungen. So konnten wir zeigen, dass das therapeutische Management dieser heterogenen Gruppe von kardiovaskulären Patienten im Hinblick auf die notwendigen diagnostischen und interventionellen Gefäßverfahren sowie die evidenzbasierte Pharmakotherapie mit Antithrombotika und Statinen nicht ausreichend war. Nur etwa die Hälfte der UEAD-Patienten erhielten eine diagnostische Angiographie (intraarterielle-/CT-/MRT-Angiographie) und die Durchführungsrate an Revaskularisierungen (endovaskulär oder offen chirurgisch) war mit etwa einem Drittel der UEAD-Patienten noch niedriger. Unerwarteterweise erhielten Patientinnen mit UEAD während des Indexaufenthalts häufiger eine Revaskularisierung als männliche Patienten. Dieses Ergebnis steht im Gegensatz zu bisherigen Erkenntnissen bei LEAD, wo Frauen im Vergleich zu Männern seltener vaskuläre Interventionen erhalten. Vaskuläre Prozeduren, wie die
diagnostische Angiographie oder Revaskularisierungsprozeduren, waren im Follow-up eher selten. Weiterhin nahmen nur knapp die Hälfte der UEAD-Patienten vor dem Krankenhausaufenthalt ein Statin oder Antithrombotika ein, wobei Männer diese evidenzbasierte Pharmakotherapie im Vergleich zu den Frauen häufiger bekamen. Zwei Jahre nach dem Krankenhausaufenthalt stieg die Verschreibungsrate dieser Medikamentengruppen deutlich an und die geschlechtsspezifischen Unterschiede waren weniger prägnant

Zusammenfassend konnten wir in unseren Analysen einer recht großen Kohorte von UEAD-Patienten zeigen, dass die Prävalenz dieser Erkrankung, im Gegensatz zur allgemeinen Wahrnehmung, gar nicht so selten ist. Diese eher heterogene Gruppe an kardiovaskulären Patienten leidet an einer Vielzahl weiterer Begleit­erkrankungen und die UEAD muss als Multiorganerkrankung eines recht jungen Patientenkollektivs gesehen werden. Die Prognose von UEAD-Patienten war äußerst schlecht, was durch hohe Amputationsraten im und kurz nach dem Index-Aufenthalt sowie stetig steigende Mortalitätsraten im Follow-up deutlich wurde. Das bessere Outcome von Frauen kann teilweise durch die höheren Revaskularisierungsraten im Index-Aufenthalt erklärt werden. Weiterhin leiden Männer häufiger an weiteren kardiovaskulären Begleiterkrankungen, wodurch einerseits die schlechtere Prognose, aber auch die bessere Versorgung mit evidenzbasierter Pharmakotherapie erklärt werden kann.

Schlussfolgerung

Angesichts der schlechten Prognose könnte es sinnvoll sein, Patienten mit UEAD bzw. mit einem erhöhten Risiko für atherosklerotische Erkrankungen engmaschig zu überwachen. Ein recht einfaches Screening-Tool wäre zum Beispiel das Ertasten des Pulses oder die Blutdruckmessung an beiden Armen. Sobald hier ein Unterschied erkennbar wird, könnte eine Ultraschalluntersuchung oder die Überweisung zu einem Gefäßspezialisten ratsam sein. Die Tatsache, dass die Leitlinien keine evidenzbasierten, einheitlichen Screening- und/oder Therapieoptionen vorsehen, zeigt, wie wenig Aufmerksamkeit diese Krankheit genießt, obwohl sich in den letzten Jahrzehnten viele Studien auf atherosklerotische Erkrankungen wie LEAD oder Koronare Herzerkrankung fokussiert haben. Das Fehlen von derartigen Daten und spezifischen Leitlinien kann das schlechte therapeutische Management und die schlechte Prognose teilweise erklären.

Unsere Daten sind von entscheidender Bedeutung, um die Epidemiologie, die derzeitigen therapeutischen Unzulänglichkeiten und die entscheidenden Faktoren der schlechten Prognose der UEAD besser zu verstehen. Weitere Analysen und Studien sind dringend notwendig, um die Versorgung und damit auch die Prognose der UEAD-Patienten zu verbessern.

Korrespondenzadresse

Lena Makowski

Klinik für Kardiologie I: Koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz und Angiologie
Universitätsklinikum Münster

Albert-Schweitzer-Campus 1,
Gebäude A1, 48149 Münster

Lena.makowski(at)ukmuenster.de