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Medikamentenwirkung

Nocebo-Effekt stärker als Placebo-Effekt

Was wir erwarten, beeinflusst, wie wir Schmerz empfinden – und zwar stärker, als viele denken. Eine aktuelle Studie bestätigt: Negative Erwartungen verstärken wohl Schmerzen deutlicher (Nocebo-Effekt) und wirken nachhaltiger, als positive Erwartungen Schmerzen lindern (Placebo-Effekt).


09.05.2025
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Das Forschungsteam um Prof. Ulrike Bingel an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) untersuchte 104 gesunde Freiwillige, die kurzfristigen Hitzeschmerzen ausgesetzt wurden. 

Dabei wurden die Erwartungen und Behandlungserfahrungen der Teilnehmenden an eine scheinbare Nervenstimulation (sog. Sham Stimulation) gezielt beeinflusst, um einen Nocebo-Effekt bzw. Placebo-Effekt zu provozieren. So sollte anschließend untersucht werden, wie stark sich diese auf nachfolgende Testphasen am selben Tag und nach einer Woche auswirken. 

Ein stärkerer Nocebo-Effekt 

In den Testphasen erhielten die Teilnehmenden gleich starke Schmerzreize, aber dabei verbunden mit unterschiedlichen Erwartungen – positiven, negativen, oder neutralen. Die Schmerzreize wurden daraufhin auf einer Skala von 0-100 bewertet. 

Das spannende Ergebnis: Im Durchschnitt bewerteten die Teilnehmenden Schmerzen während einer negativen Erwartung um rund 11 Punkte höher als in der Kontrollbedingung. Im Vergleich dazu reduzierte eine positive Erwartung hingegen die Schmerzbewertung nur um gut 4 Punkte. Der Effekt der negativen Erwartung war demnach doppelt so groß wie der von positiver Erwartung – bei sonst experimentell identischen Bedingungen. 

In der zweiten Sitzung eine Woche später – wieder erhielten alle Personen den gleichen Schmerzreiz – blieb der Effekt ähnlich. Hier Der Nocebo-Effekt führte dazu, dass der Schmerz um rund 9 Punkte höher bewertet wurde als in der Kontrollgruppe. Der Placebo-Effekt führte dazu, dass der Schmerz um 4,6 Punkte geringer empfunden wurde. 

Nocebo-Effekt: Für die medizinische Praxis von großer Bedeutung 

„Menschen neigen offenbar dazu, eher mit dem Schlimmsten zu rechnen – und das spiegelt sich in der Schmerzverarbeitung wider“, erläutert Prof. Dr. Ulrike Bingel, Leiterin des interdisziplinären Zentrums für Schmerzmedizin am Universitätsklinikum Essen. „Für die klinische Praxis ist das von großer Bedeutung: Denn im Alltag konzentrieren wir uns oft darauf, positive Erwartungen zu fördern. Unsere Studie zeigt jedoch, dass es mindestens genauso wichtig ist, unbeabsichtigte negative Erwartungen zu vermeiden.“ 

Personen in Gesundheitsberufen sollten sich laut Bingel bewusst sein, dass die Art und Weise, wie sie über Behandlungen informieren, die Reaktion der Patient:innen darauf stark beeinflussen kann – im positiven wie im negativen Sinne. Die Autor:innen betonen, dass die Studie an gesunden Personen mit experimentell erzeugtem Schmerz durchgeführt wurde und weitere Forschungsarbeiten nötig seien, um die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf klinische Kontexte zu prüfen. 

Literatur

Nocebo effects are stronger and more persistent than placebo effects in healthy individuals 
https://elifesciences.org/reviewed-preprints/105753 

Quelle: Universitätsklinikum Essen

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