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Nachsorge

PTBS-Symptome: Ultrakurzzeittherapie nach Intensivstation

Hausärzte könnten PTBS-Symptome von Patientinnen und Patienten nach Intensivaufenthalten mit einer kurzen „Narrativen Expositionstherapie“ effektiv lindern.


12.05.2025
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Ob nach einer heftigen Lungenentzündung, einem schweren Unfall oder nach einem Herzinfarkt: Dem Tod in der Intensivstation von der Schippe zu springen das klingt, bei allem Unglück, nach einer Geschichte der Rettung. Dennoch leiden manche Patientinnen und Patienten anschließend unter PTBS-Symptomen.

Hierzu sagt Prof. Dr. Jochen Gensichen, Direktor des Instituts für Allgemeinmedizin am LMU Klinikum: „Diese Menschen haben die stärkste Medizin mit viel körperlichem und psychischem Stress erlebt, haben dank der Intensivmedizin überlebt und sind trotzdem oft unsicher und kommen im Alltag nicht wieder richtig in Tritt.“

PTBS nach Intensivstation

Schauen die Ärzte genauer hin, dann haben etwa ein Fünftel der Patienten in den ersten zwölf Monaten nach der Entlassung aus einer Intensivstation mehr oder minder starke Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung: beispielsweise Flashbacks, Schlaflosigkeit und Albträume. 

Derweil werden sie häufig nach drei, vier Monaten vorstellig beim medizinischen Ansprechpartner ihres Vertrauens: dem Hausarzt. Oder aber umgekehrt: Der Allgemeinmediziner erkennt den Zustand des Patienten und spricht ihn darauf an.

Wie therapeutisch vorgehen?

Stellt sich schließlich eine posttraumatische Belastungsstörung nach Intensivstation heraus, folgt die Frage: wie therapeutisch vorgehen? Psychotraumatologen sind rar gesät – und monatelang ausgebucht.

Deshalb hat nun ein Münchner Team eine simple und kompakte Intervention entwickelt, maßgeschneidert für die knapp bemessene Zeit von Hausärzten. Sie beruht auf der sogenannten narrativen Expositionstherapie (NET). 

Narrative Expositionstherapie

Die Idee: eine Art Unordnung des Gedächtnisses wieder zu sortieren. Denn im Gehirn der Betroffenen sind die Geschehnisse in der Intensivstation und die damals auftretenden Gefühle irgendwie chaotisch abgespeichert. Bei ähnlichen Erinnerungen zu damals entsteht somit der Eindruck, dass einem der Boden unter den Füßen weggezogen würde. 

Mit der NET sollen demnach durch eine bestimmte Gesprächstechnik die Erinnerungen sozusagen entdramatisiert werden, so dass sie einfach nur angemessene Erinnerungen an die Zeit von damals sind.

Passend für Hausarztpraxen

„Wir haben die kürzeste Variante der Narrativen Expositionstherapie überhaupt entwickelt“, erklärt Gensichen. Im Schnitt dauert jede Sitzung 30 bis 45 Minuten. 

In einer kontrollierten Studie erhielten 160 Betroffene die neue Intervention (in drei Einzelsitzungen) und 159 die Standardbetreuung durch ihren Hausarzt. In den Sitzungen rekonstruierten Hausarzt und Patient daraufhin die starken, verstörenden Erlebnisse und sortierten diese neu. Zusätzlich erfolgten anschließend sieben wöchentliche Telefonvisiten durch eine medizinische Fachangestellte der Hausarztpraxis.

Das Resultat: Die Ultrakurzzeit-NET hat die PTBS-Symptome, also die Zahl und Intensität der Flashbacks, reduziert und das Denken der Patienten so verändert, dass sie nicht mehr die Schuld für die Erkrankung bei sich selbst suchen. Vermeidungsverhalten, also das Aus-dem-Weg-gehen von bedrohlichen Situationen, und die Übererregbarkeit wurden zwar weniger beeinflusst, dafür aber umso mehr die Stimmung der Patienten.

„Absolut praxistauglich“ gegen PTBS-Symptome

Nach einem Jahr waren die Effekte immer noch nachweisbar, schwächten sich allerdings ab. „Insgesamt ein beachtliches Ergebnis für solch eine kurze Intervention“, findet Jochen Gensichen, der das Verfahren für „absolut praxistauglich“ hält.

Zum einen sei es für einen Hausarzt, der meist sehr viel Vorwissen hat, leicht und schnell zu lernen. Zum anderen lässt sich diese „Ultrakurzzeittherapie für PTBS-Symptome“ gut in den Praxisalltag einbauen. 

Die an der Studie teilnehmenden Ärzte waren mit den NET hochzufrieden, gleichermaßen die Patienten. Jochen Gensichen: „Man kann auch das Wissen für die nötige Diagnostik relativ fokussiert vermitteln, um die Patienten gezielt zu selektieren und auch diejenigen zu erkennen, für die diese Behandlung eventuell nicht ausreichen würde, für die man also eine spezialisierte Behandlung brauchen würde.“

Literatur

Effects of a general practitioner-led brief narrative exposure intervention on symptoms of post-traumatic stress disorder after intensive care (PICTURE): multicentre, observer blind, randomised controlled trial
BMJ 2025; 389 DOI: https://doi.org/10.1136/bmj-2024-082092

Quelle: Klinikum der Universität München

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