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Schmerzbewertung

Schmerzskalen bei Neugeborenen: Schwache Evidenz erschwert Beurteilung

Die Schmerzskala für Neugeborene steht auf dem Prüfstand: Ein aktueller Cochrane-Review zeigt methodische Schwächen in der Qualität gängiger Schmerzskalen in der Neonatologie. Die Ergebnisse verdeutlichen den Bedarf an evidenzbasierten und international abgestimmten Neuentwicklungen.


21.05.2025
L. Abraham
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Schmerzskalen sind ein essenzielles Instrument für die qualitativ hochwertige intensivmedizinische Versorgung von Neugeborenen. Eine gezielte Anwendung ermöglicht eine strukturierte Beurteilung und wirksame Behandlung von Schmerzen. Umso wichtiger ist es, dass diese Instrumente wissenschaftlich fundiert und methodisch belastbar sind. Ein aktueller Cochrane-Review hat nun untersucht, wie es um die Qualität gängiger Skalen zur Schmerzerfassung bei Neugeborenen bestellt ist.

Validitätsmängel bei Schmerzskalen für Neugeborene

Der Cochrane-Review analysierte die methodische Qualität von 27 Schmerzskalen, die international zur Beurteilung von Schmerzen bei Neugeborenen eingesetzt werden. Grundlage waren 79 Studien aus 26 Ländern mit Daten von insgesamt 7.197 Neugeborenen. Das Ergebnis fällt deutlich aus: Keine der untersuchten Skalen erfüllte die methodischen Qualitätskriterien in vollem Umfang. Als besonders gravierend zeigte sich die Bewertung der Validität: „Mehr als 70 % der Skalen in diesem Review hatten keine Bewertung der Inhalts- und Strukturvalidität“, erklärt Kenneth Färnqvist, Review-Autor am Karolinska-Institut in Stockholm, Schweden. Ohne fundierte Inhalts- und Strukturvalidität lasse sich zudem die Reliabilität nicht beurteilen. Auch in weiteren methodischen Bereichen fiel das Ergebnis ernüchternd aus.

Auch in weiteren methodischen Bereichen fiel das Ergebnis ernüchternd aus. Die Vielzahl an Skalen führte zudem zu einer uneinheitlichen Evidenzlage. Der methodische Fokus dieser Surrogat-Schmerzskalen liegt meist auf prozeduralen Schmerzen; Messinstrumente für anhaltende oder postoperative Schmerzformen fehlen weitgehend. Die Schmerzerfassung bei Früh- und Neugeborenen ist komplex: Abgeschwächte Reaktionen erschweren die klinische Einschätzung. Fehleinschätzungen – ob Unter- oder Überschätzungen – erhöhen das Risiko für Störungen der somatosensorischen Entwicklung und eine veränderte Schmerzverarbeitung. Da  6–9 % aller Neugeborenen intensivmedizinisch betreut werden, sind wiederholte schmerzhafte Eingriffe oft unvermeidbar. Eine unzureichende Analgesie kann langfristige neurologische Folgen haben.

Evidenzbasierte Schmerzbeurteilung in der Neonatologie gefordert

„Gerade bei so vulnerablen Patienten dürfen solche Skalen nicht als alleinige Entscheidungsgrundlage dienen“, betont Prof. Roger F. Soll, Neonatologe an der University of Vermont. Er rät, schmerzhafte Eingriffe bei Neugeborenen möglichst zu vermeiden.

Die Ergebnisse des Reviews verdeutlichen den Bedarf einer international abgestimmten Neuentwicklung. Ein interdisziplinäres Expertengremium aus Klinik und Forschung soll unter Mitwirkung der Cochrane Collaboration eine evidenzbasierte Schmerzskala erarbeiten – orientiert an aktuellen methodischen Standards und mit dem Ziel, die Schmerzdiagnostik und -versorgung in der Neonatologie nachhaltig zu verbessern.

Ergebnisse auf einen Blick

  • 27 Schmerzskalen analysiert
  • 79 Studien aus 26 Ländern
  • 7.197 Neugeborene eingeschlossen

Hauptkritikpunkt:

➤ Über 70 % der Skalen ohne Bewertung von Inhalts- und Strukturvalidität

Anwendungslücken:

  • Mehrheit der Skalen fokussiert auf prozeduralen Schmerz
  • Kaum validierte Instrumente für anhaltenden oder postoperativen Schmerz
Originalpublikation:

Färnqvist K et al. Cochrane Database Syst Rev. 2025.
Verfügbar unter: https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.MR000064.pub2/full

Quelle: Cochrane Deutschland

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