Kombinierte Radioligandentherapie bei Prostatakarzinom
Bei metastasiertem Prostatakarzinom zeigt eine Kombinationsbehandlung aus Lutetium-177 und Actinium-225 vielversprechende Ergebnisse. Die aktuelle Studie legt nahe, dass dieser kombinierte Ansatz bei unzureichendem Ansprechen auf die Standardtherapie eine wirksame Alternative sein könnte.
Die Radioligandentherapie bei Prostatakarzinom gilt als etablierter Ansatz, insbesondere in fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung. Für Patienten mit metastasiertem, kastrationsresistentem Prostatakarzinom (mCRPC), bei denen die Standardbehandlung mit Lutetium-177-PSMA-617 nicht mehr ausreichend wirksam ist, wurde am Universitätsklinikum des Saarlandes ein neuer Therapieansatz getestet. Unter Leitung von Prof. Dr. Samer Ezziddin untersuchte das Team eine Kombination zweier Radionuklide: Lutetium-177 und Actinium-225. Bereits 2019 konnte eine erste Pilotstudie auf vielversprechende Ergebnisse hinweisen. Die nun publizierte Studie im Fachmagazin Clinical Nuclear Medicine konnte diesen Ansatz in einer erweiterten Patientengruppe überprüfen und belegt, dass die Kombination eine effektive und zugleich gut verträgliche Behandlungsoption darstellt.
Therapieerfolg bei fortgeschrittenem Prostatakarzinom
Eingeschlossen in die Untersuchung wurden 51 Männer mit mCRPC, bei denen eine vorangegangene Therapie mit Lutetium-177 allein keine ausreichende Wirkung mehr zeigte. Im Anschluss erhielten sie eine kombinierte Behandlung mit Lutetium-177 und dem Alpha-Strahler Actinium-225. Die Dosierung wurde individuell nach Tumorlast und körperlicher Konstitution angepasst. Ziel war es, die Wirksamkeit der Therapie zu erhöhen und gleichzeitig die Nebenwirkungen zu reduzieren.
Die Ergebnisse sind vielversprechend: Nach Therapiebeginn ging die Tumormasse bei den Patienten im Mittel um rund 50 % zurück. Das mediane progressionsfreie Überleben lag bei 6,3 Monaten, das mediane Gesamtüberleben bei 9,1 Monaten. Im Mittel trat nach etwa zehn Monaten erneut Tumorprogression auf. Trotz dieser Entwicklung konnte den Patienten wertvolle zusätzliche Lebenszeit ermöglicht werden – bei einem insgesamt günstigen Verträglichkeitsprofil.
Kombinierte Radioligandentherapie: Wirkung und Dosiskonzept
Die therapeutische Wirkung beruht auf der gezielten Kombination zweier physikalisch unterschiedlich wirkender Radionuklide. Lutetium-177 besitzt einen Wirkradius von wenigen Millimetern und zerstört Tumorgewebe lokal durch Beta-Strahlung, indem es an Bindungsstellen andockt, die fast ausschließlich auf der Oberfläche von Prostatatumoren vorkommen. Actinium-225 ergänzt diesen Effekt durch seine besonders kurze Reichweite im Submillimeterbereich – etwa drei bis vier Zelldurchmesser – und wirkt somit auch in mikroskopischen Tumorbereichen oder bei kleinsten Metastasen. Ezziddins Team konnte zeigen, dass durch diese Kombination weniger Actinium benötigt wird. „Lutetium ist für die meisten Tumorgrößen sehr gut verträglich“, erklärt Ezziddin. „Daher konnten wir die Dosierung von Actinium in unserem Ansatz deutlich reduzieren, so dass die Therapie sehr nebenwirkungsarm ablaufen kann.“
Prostatakarzinom-Therapie: Verträglichkeit und klinische Relevanz
Ein zentrales Anliegen der Forscher war es, eine Therapie zu entwickeln, die sowohl wirksam als auch verträglich ist. Gerade in fortgeschrittenen Krankheitsstadien ist der Erhalt der Lebensqualität ein zentrales Therapieziel. Bisherige Therapien mit Actinium-225 waren oft durch erhebliche Nebenwirkungen wie starke Mundtrockenheit belastet, da das Radionuklid in die Speicheldrüsen aufgenommen wird. Die neue Tandemtherapie zeigt, dass sich solche Nebenwirkungen durch die reduzierte Actinium-Dosis in Kombination mit Lutetium-177 signifikant verringern lassen. „Aber wir können mit diesem Tandemstrahler den Patienten etwas mehr Lebenszeit verschaffen und dabei gleichzeitig ihre Lebensqualität erhalten, so dass sie kaum unter den schwerwiegenden Nebenwirkungen leiden, die oft mit herkömmlichen Systemtherapien einhergehen“, fasst Ezziddin zusammen.
Foto: Thorsten Mohr / Universität des Saarlandes
© Thorsten Mohr / Universität des Saarlandes
Kerndaten im Überblick
Kombinationstherapie
¹⁷⁷Lu-PSMA-617 + ²²⁵Ac-PSMA-617
Patientenkollektiv
51 Männer mit therapierefraktärem mCRPC
Therapieerfolg
Ø Tumorreduktion: 50 %
Medianes progressionsfreies Überleben: 6,3 Monate
Medianes Gesamtüberleben: 9,1 Monate
Verträglichkeit
Deutlich reduzierte Speicheldrüsentoxizität durch geringere Actinium-Dosis
Ezziddin S, et al. Clinical outcome of 225Ac-PSMA-617 augmentation after insufficient response to 177Lu-PSMA-617 monotherapy: the REALITY Study. Clin Nucl Med. 2025;50(4):289–296. Verfügbar unter: https://doi.org/10.1097/RLU.0000000000005640
Quelle: Universität des Saarlandes