KI in der Praxisverwaltung: Immer mehr Arztpraxen setzen auf digitale Unterstützung
Künstliche Intelligenz wird zunehmend in Arztpraxen eingesetzt – auch in der Verwaltung. Ergebnisse einer aktuelle Studie deuten darauf hin, dass KI in fast jeder siebten Praxis und vielen Kliniken genutzt wird. Sie soll unter anderem helfen, administrative Abläufe zu verbessern und den Praxisalltag zu unterstützen.
Künstliche Intelligenz (KI) hält Einzug in die medizinische Versorgung – nicht nur in Diagnostik und Klinik, sondern zunehmend auch in der Praxisverwaltung. Laut einer aktuellen Studie von Bitkom und dem Hartmannbund, in der die Forschenden etwa 600 Medizinerinnen und Mediziner befragten*, nutzen bereits 15 % der Arztpraxen mindestens eine KI-Lösung. In der Praxisverwaltung ist KI besonders gefragt, um Abläufe zu automatisieren und Personal zu entlasten.
KI in der Praxisverwaltung: Effizienz durch Automatisierung
Immer mehr Praxen erkennen die Vorteile digitaler Tools im Alltag: 8 % der befragten Ärztinnen und Ärzte setzen KI gezielt zur Optimierung administrativer Prozesse ein – etwa bei der Terminvergabe, Dokumentation oder Patientenkommunikation. Das Ziel: mehr Zeit für medizinische Versorgung, weniger Aufwand für Organisation.
Ärztinnen und Ärzte sehen großes Potenzial in KI – mit Vorbehalt
78 % der Befragten sehen Künstliche Intelligenz als große Chance für die Medizin. Besonders die Praxisverwaltung profitiert, wenn Routineaufgaben automatisiert werden. Dazu gehören z. B.:
- Digitale Terminsteuerung
- Automatisierte Dokumentation
- Intelligente Patientenaufnahme
- Analyse von Praxisdaten
Zwei Drittel (67 %) fordern, der KI-Einsatz in der Medizin sollte in Deutschland besonders gefördert werden. Außerdem gehen 81 % der Befragten davon aus, dass digitale Technologien das medizinische Personal künftig noch stärker unterstützen werden, 72 % erwarten eine grundsätzliche Verbesserung der medizinischen Versorgung. Gleichzeitig fordern aber auch 76 % eine strenge Regulierung von KI für die Medizin.
Digitalisierung im medizinischen Bereich ja – aber die Vorbereitung fehlt
Trotz der positiven Haltung gibt es Unsicherheiten: Viele Ärztinnen und Ärzte fühlen sich nicht ausreichend auf den Einsatz von KI vorbereitet. Der Wunsch nach Schulungen, besseren Schnittstellen und technischer Unterstützung ist groß. 77 % geben an, für die elektronische Patientenakte (ePA) nicht gut gerüstet zu sein – ein weiteres Beispiel für die Herausforderungen im Digitalisierungsprozess. Es wird auch über persönliche Belastungen berichtet: Fast ein Drittel der Befragten (29 %) fühlt sich selbst von der Digitalisierung überfordert, ein Fünftel (22 %) gibt sogar an, Angst vor diesen Entwicklungen zu haben. Doch insgesamt zeigen sich die teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte aufgeschlossen gegenüber der Digitalisierung des Gesundheitssystems. 81 % sehen sie als Chance – 2022 waren es 76 % und 2020 erst 67 %.
Kliniken gehen voran, aber auch Praxen holen auf
In Krankenhäusern ist KI laut den Studienergebnissen mittlerweile bei 18 % im Einsatz – meist in der Bildauswertung. In der Verwaltung scheinen sich bisher folgende KI-Einsätze durchzusetzen:
Einsatz von KI und Digitalisierung in der Verwaltung | |||
|---|---|---|---|
| In Kliniken setzen die befragten Ärztinnen und Ärzte auf diese digitalen Verwaltungsprozesse: | Praxen setzen auf starken digitalen Service: | ||
| Online-Patientenmanagement-Plattformen | 21 % | Online-Terminvereinbarung | 37 % |
| Digitale Aufklärungsbögen | 20 % | Digitale Aufklärungsbögen | 17 % |
| Tablet-gestützte Patientenaufnahme | 21 % | Tablet-gestützte Patientenaufnahme | 13 % |
| Video-Sprechstunden | 8 % | Video-Sprechstunden | 25 % |
| Auswertung von Gesundheits-Apps/Fitness-Trackern | 4 % | Auswertung von Fitness-Trackern und Apps | 21 % |
| Remote-Monitoring | 10 % | ||
| Zuschaltung von Fachleuten per Video bei Eingriffen | 3 % | ||
| Telemedizinische Konsultationen unter Ärztinnen und Ärzten | 28 % | ||
Die Gegenüberstellung zeigt, dass sowohl Kliniken als auch Praxen digitale Technologien einsetzen – allerdings in unterschiedlichem Umfang und mit verschiedenen Schwerpunkten. In Arztpraxen dominieren aktuell Videosprechstunden (25 %) und Online-Terminvergaben (37 %).
Hindernisse: Komplexität, Datenschutz, fehlende Kompatibilität
Wir haben nachgefragt
Leserinnen und Leser konnten sich in unserer Kurzumfrage zum Einsatz von KI in der eigenen Praxis äußern. Die Ergebnisse der Umfrage finden Sie hier.
Warum geht es nicht schneller voran? Die größten Hürden aus Sicht der befragten Ärztinnen und Ärzte sind folgende:
- Hohe Systemkomplexität (81 %)
- Strenge Datenschutzvorgaben (72 %)
- Geringe Marktreife digitaler Anwendungen (65 %)
- Fehlende technische Kompatibilität
Fazit
Die Studie zeigt: Künstliche Intelligenz wird in der Praxisverwaltung bereits eingesetzt – aufgerechnet in etwa jeder siebten Praxis. Für eine breitere Anwendung sind jedoch praxisorientierte Lösungen, verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen und gezielte Unterstützung notwendig. So könnte KI sinnvoll zur Weiterentwicklung der medizinischen Versorgung beitragen.
Mehr Informationen finden Sie in der Präsentation “Digitalisierung in Praxis und Kliniken 2025”.
* Grundlage der Angaben ist eine Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverband Bitkom mit Unterstützung des Hartmannbundes durchgeführt hat. Dabei wurden 616 Ärztinnen und Ärzte aller Fachrichtungen in Kliniken und Praxen in Deutschland online befragt. Die Befragung fand im Zeitraum von KW 4 bis KW 9 statt. Die Umfrage ist nicht repräsentativ, gibt aber ein aussagekräftiges Stimmungsbild für Ärztinnen und Ärzte in Deutschland.
Quelle: bitkom