Antihypertensiva und Erektionsstörungen – Welchen Einfluss haben β-Blocker?
Obwohl Antihypertensiva, insbesondere Thiazide und β-Blocker, als Auslöser erektiler Dysfunktion gelten, ist noch immer umstritten, welchen Einfluss sie tatsächlich ausüben. In einer aktuellen Publikation fassten Corona et al. die verfügbaren Erkenntnisse zu diesem Thema zusammen und setzten sich mit ihnen in einer evidenzbasierten Analyse kritisch auseinander.1
Dafür führten Corona et al. mithilfe der Medline-, Embase- und Cochrane-Suche eine umfassende narrative Übersichtsarbeit durch. Zusätzlich erstellten sie einen speziellen systematischen Review, um den Einfluss von β-Blockern auf erektile Dysfunktion (ED) genauer zu untersuchen.
Negativer Einfluss von Thiaziden nicht bestätigt
Der negative Einfluss zentral wirksamer Medikamente wie Clonidin und β-Methyldopa sei, so die Autoren, gut dokumentiert, obwohl nur wenige kontrollierte Studien vorlägen. Angiotensin-Converting-Enzym-Hemmer (ACE-Hemmer), Angiotensin-Rezeptorblocker (ARB) und Kalziumkanalblocker (CCB) hätten neutrale (CCB) oder sogar positive (ACE-Hemmer und ARB) Effekte auf die Erektionsfähigkeit. Laut der Autoren bestätigen neuere Erkenntnisse trotz einiger vorläufiger negativer Berichte aber nicht den negativen Einfluss von Thiaziden.
Die Autoren ziehen das Fazit, dass sich übereinstimmend zu früheren Berichten gezeigt habe, dass β-Blocker die Klasse der Antihypertensiva seien, die am häufigsten mit ED in Verbindung gebracht würden, obwohl mit der Verwendung des β-Blockers Nebivolol bessere Ergebnisse erzielt werden könnten. Sie betonen jedoch, dass die beobachteten negativen Auswirkungen auf ED in vielen Fällen von den Betroffenen mit ausreichender Information bewältigt werden könnten. Damit wäre es möglich, negative Vorurteile und falsche Annahmen zu vermeiden, die zu einer Verschlechterung der langfristigen Mortalität und Morbidität führen könnten.
Sexuelle Funktion bei allen Hypertonikern untersuchen
In Übereinstimmung mit den Veröffentlichungen der European Society of Hypertension2 und der Italian Society of Andrology and Sexual Medicine3 solle die sexuelle Funktion bei allen Patienten mit arterieller Hypertonie bei der Diagnose und nach Einführung spezifischer Medikamente beurteilt werden, raten die italienischen Autoren. Obwohl widersprüchliche Ergebnisse berichtet würden, sei die Verwendung von β-Blockern bei Vorliegen bestimmter Indikationen, wie z. B. Angina pectoris, nach Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz oder wenn eine Herzfrequenzkontrolle erforderlich sei, zu empfehlen.2 Dieser Ansatz könne dazu beitragen, negative Folgen im Zusammenhang mit der Verwendung von Antihypertensiva zu überwinden und mögliche Nebenwirkungen angemessen und rechtzeitig zu behandeln.
Referat zum Beitrag: Corona G et al. Anti-hypertensive medications and erectile dysfunction: focus on β-blockers. Endocrine 2025;87:11–26.
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