Das Netzwerk Dermanovis vereint derzeit 126 Dermatologen* an 36 Standorten in Deutschland und wird weiter ausgebaut. Zentraler Bestandteil dieses Netzwerks ist die Weitergabe des Know-hows erfahrener Dermatologen an jüngere Kollegen. Zu diesem Zweck haben wir eine Akademie ins Leben gerufen, die regelmäßig Fortbildungen zu essenziellen Themen wie neuen Therapiemethoden, Praxismanagement, operativen Eingriffen, Lasertherapien und ästhetischer Medizin anbietet.
12.06.2025
C. Jung
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Zitierweise: HAUT 2025; 36 (3): 132-137
Ästhetische Leistungen als Kernkompetenz
Ästhetische Behandlungen wie die Anwendung von Fillern, Botulinumtoxin, Lasertherapien, Verödungen von Besenreisern sowie kosmetische Eingriffe wie Fettabsaugungen, Ohrläppchenkorrekturen und Lidstraffungen haben sich zu einem wachsenden Schwerpunkt meiner Praxis entwickelt. Im Laufe der Jahre stellte ich jedoch fest, dass minimalinvasive ästhetische Leistungen hauptsächlich von mir persönlich erbracht wurden. Dies führte zu der Erkenntnis, dass junge Ärzte aus unterschiedlichen Gründen oft Berührungsängste gerade gegenüber ästhetischen Leistungen haben.
Ein zentraler Faktor ist eine gewisse Angst und Unsicherheit, da ästhetische Leistungen in anderen Praxen oft von Ärzten und Kosmetikerinnen ohne fundierte, praxisorientierte Ausbildung durchgeführt werden, was häufig medizinische und rechtliche Folgen nach sich zieht. Dies führt dazu, dass junge Ärzte trotz guter theoretischer Vorkenntnisse aufgrund fehlender praktischer Erfahrung und Unsicherheiten häufig zögern, ästhetische Verfahren anzuwenden. Dabei stellt sich das Dilemma, dass Behandlungsfehler generell erst mit wachsender praktischer Routine abnehmen. Allerdings ist es in der ästhetischen Medizin besonders herausfordernd, eigene praktische Erfahrungen zu sammeln. Patienten nehmen das mangelnde Selbstvertrauen junger Ärzte wahr und bevorzugen daher in der Regel die Behandlung durch erfahrenere Fachkräfte.
Ein weiteres Problem liegt in der geringen Praxisorientierung im Bereich Ästhetik an dermatologischen Kliniken sowie im Zeitmangel der Praxen, der es erschwert, Assistenzärzte umfassend zu schulen. Hinzu kommt die verbreitete Angst vor unzureichenden Ergebnissen oder Nebenwirkungen. Dabei schuldet der Behandler gemäß § 630a BGB im Rahmen des Dienstvertrags keine perfekte Schönheit, sondern lediglich eine Behandlung nach aktuellem medizinischem Standard1.
Darüber hinaus haben einige Kollegen eine grundsätzliche Abneigung gegenüber Lifestyle-Behandlungen oder ethische Vorbehalte, Selbstzahlerleistungen anzubieten. Dies kann ebenfalls dazu beitragen, dass ästhetische Behandlungen gerade von jungen Kollegen in der ärztlichen Praxis oft zurückhaltend umgesetzt werden.
Die Idee der Hands-on-Trainings
Um diese Hemmschwellen zu überwinden, etablierte die Akademie Hands-on-Trainings zum Thema Ästhetik. In diesen Trainings erlernen junge Ärzte unter meiner Aufsicht minimalinvasive ästhetische Verfahren und wenden diese selbstständig an. Das Prinzip „Learn it, do it, teach it“2 steht hierbei im Zentrum, um theoretisches Wissen in die Praxis umzusetzen. Beim Lernen erwerben die jungen Ärzte zunächst theoretische Kenntnisse v. a. durch Lesen, Zuhören und Beobachten, etwa mit Videos, die Kollegen ins Netz stellen, oder Workshops mit Live-Demonstrationen. V. a. bei ästhetischen Verfahren besteht dann aber dennoch meist noch eine hohe Hemmschwelle, das erworbene theoretische Wissen auch anzuwenden. Indem die jungen Ärzte dieses Wissen unter der Obhut eines Trainers in die Praxis umsetzen und die Technik exakt nach den Vorgaben des Trainers selbst durchführen, wird das Gelernte verfestigt und sie entwickeln ein tieferes Verständnis dafür. Ziel ist auch, dass der eine oder andere jüngere Arzt später selbst lehrt, also zum Trainer wird.
Abb.1: Hands-on-Fall: weiblich, 42 Jahre
Struktur der Trainings
Die quartalsweise durchgeführten Trainings finden außerhalb des normalen Praxisalltags an Samstagen statt.
Trainiert werden v. a. minimalinvasive Eingriffe, zum Beispiel Faltenbehandlungen mit Fillern, Biostimulatoren oder Botulinumtoxin, Behandlungen mit Lasern oder Radiofrequenzgeräten sowie dermatochirurgische oder kleinere kosmetisch-chirurgische Eingriffe wie Ohrläppchen- oder Lidkorrekturen, Hautstraffungen, Eigenfett- oder Stammzelltherapie.
Bei komplexeren Themen gibt der Trainer zunächst eine kurze theoretische Einführung.
Das Behandlungsareal wird standardmäßig vor und unmittelbar nach jeder Behandlung durch das medizinische Fachpersonal fotografisch dokumentiert.
Zu Beginn führt der Trainer gemeinsam mit den Hospitanten eine ausführliche Anamnese bei dem Patienten durch, welche all seine Vorerkrankungen, Allergien, aktuell eingenommenen Medikamente und ästhetischen Vorbehandlungen einschließt.
Bei der Bedarfs- und Machbarkeitsanalyse besprechen der Trainer und die Hospitanten mit dem Patienten seine ästhetischen Wünsche, führen eine genaue Analyse von Haut, Gesichts- und ggf. auch Körperproportionen durch, machen sich und dem Patienten bewusst, auf welchen Volumendefekten oder Überschüssen die jeweiligen Falten oder Hautirregularitäten beruhen, simulieren eventuell durch ein Verschieben der Haut das zu erwartende Ergebnis und diskutieren dann das in diesem speziellen Fall am besten geeignete Behandlungsverfahren, -produkt und/ oder -gerät.
Nach einer umfassenden Aufklärung über Nutzen und Risiken der Behandlung erklärt der Patient dem Trainer schriftlich sein Einverständnis.
Zunächst behandelt der Trainer eine Gesichts- oder Körperhälfte und demonstriert dabei sein bewährtes Standardverfahren sowie hilfreiche Tipps und Tricks. Im Anschluss führt ein Hospitant die Behandlung der anderen Seite unter präziser Anleitung, Unterstützung und Überwachung des Trainers durch.
Die Patienten bezahlen die Behandlung nach GOÄ (ohne Steigerungssatz). Das ist in der Regel deutlich günstiger als bei bereits renommierten Ärzten. Die Patienten erhalten jedoch eine ebenso qualitativ hochwertige Behandlung mit einem optimalen Ergebnis, da die Hospitanten die Behandlung unter der Aufsicht des erfahrenen Trainers exakt nach dessen bewährtem Standard durchführen (Abb. 1).
Vorteile für Hospitanten
Praktische Anwendung unter Aufsicht reduziert Unsicherheiten und fördert Routine.
Durch direkte Interaktion mit den Patienten verbessern die Hospitanten ihre kommunikativen Fähigkeiten.
Teilnahme an Hands-on-Trainings erhöht die beruflichen Chancen und Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt.
Fehlerfreie Lernmöglichkeiten ohne Zeitdruck und in sicherer Umgebung.
Anleitung durch Experten garantiert Einhaltung moderner Standards.
Vorteile für Patienten
Hochwertige Behandlungen zu günstigen Preisen.
Sicher durchgeführte Eingriffe nach höchsten Standards.
Fundierte Beratung zu Risiken und Nebenwirkungen.
Vorteile für Trainer
Weitergabe von Know-how an die nächste Ärztegeneration.
Vertiefung und Präzisierung des Wissens durch das Feedback und die Fragen der Teilnehmer.
Steigerung der Praxisreputation, da sich unter den Patienten herumspricht, dass das Ärzteteam hervorragend geschult ist.
Erhöhung des Ansehens bei den Assistenzärzten, was ihre Bindung an die Praxis stärkt und die Zahl qualifizierter Bewerbungen junger Kollegen erhöht.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Die Trainings sind als Hospitationen konzipiert, stellen also keine Weiterbildung im engeren Sinne dar. Die Hospitanten agieren als ärztliche Assistenten des Trainers3. Alle teilnehmenden approbierten Ärzte sind durch unsere Gruppenhaftpflichtversicherung abgesichert. Die Patienten werden vor dem Eingriff umfassend über Zweck, Risiken und Nebenwirkungen der Behandlung aufgeklärt, unterschreiben einen Behandlungsvertrag mit dem Trainer und eine Einverständniserklärung zu Foto- und Videoaufnahmen. Die Hospitanten unterschreiben eine Verschwiegenheitserklärung.
Fazit
Hands-on-Trainings sind ein zentraler Baustein moderner ästhetischer Medizin. Sie bieten Hospitanten eine Plattform, um theoretisches Wissen in die Praxis umzusetzen, unter Anleitung zu lernen, das erworbene Know-how an andere weiterzugeben und ihre Karriere voranzutreiben. Patienten profitieren von den sicheren und hochwertigen Standardverfahren. Es bereitet mir große Freude, mein Wissen zu teilen und den Enthusiasmus junger Kollegen zu fördern, da dies langfristig der gesamten Branche zugutekommt.
Der Autor gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
* Zur besseren Lesbarkeit kann in Texten das generische Maskulinum verwendet werden. Nichtsdestoweniger beziehen sich die Angaben auf Angehörige aller Geschlechter.
Literatur
1. Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) Gesetzestext: §§ 611 ff. BGB (Dienstvertrag) und § 630a BGB (Behandlungsvertrag) Quelle: Bürgerliches Gesetzbuch in der aktuellen Fassung.
2. Kaduszkiewicz H. Learn it, do it, teach it. Zeitschrift für Allgemeinmedizin 2019;95:1.
3. Wehrhahn A, Haas M. Rechtsfragen zur ärztlichen Hospitation: Rahmenbedingungen, Haftungsfragen und arbeitsrechtliche Aspekte. Zeitschrift für Medizinrecht (ZMedR 2021;39(4):205-212.
Korrespondenzadresse
Dr. med. Claus Jung
Geschäftsführer MVZ für Dermatologie, Ästhetik und Lasermedizin GmbH Untere Bahnhofstr. 42, 82110 Germering E-Mail: dr.jung(at)hautarzt-jung.de
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