Zitierweise: HAUT 2025; 36 (3): 158
Durch das veränderte Klima mit immer mehr Sonnenstunden pro Jahr, einem Freizeitverhalten mit zunehmenden Aufenthalten im Freien, mit wenig Kleidung und ungeschützter Haut sind die Hautkrebs-Erkrankungszahlen in den letzten 20 Jahren in Deutschland sehr stark angestiegen1.
Ziel: hautfreundliche Lebenswelten
„Die allermeisten Menschen wissen heutzutage, dass sie sich und ihre Haut vor zuviel Sonnenlicht schützen müssen. Sie wissen auch, wie. Aber allein mit Verhaltensprävention werden wir den Anstieg der durch UV-Strahlung verursachten Hautkrebserkrankungen nicht stoppen“, sagt Prof. Mark Berneburg, Tagungspräsident und Generalsekretär der DDG. Gesundheitsprävention hat heutzutage einen dualen Ansatz: Neben dem Verhalten des Einzelnen spielen die Lebenswelten der Menschen eine immer wichtigere Rolle. So kann die Hautkrebsprävention von Konzepten der Landschaftsarchitektur profitieren, die die Umwelt im Hinblick auf eine Klimaadaptation gestalten.
Hitze ist nicht gleich Strahlung
Fußgängerzonen, Schulhöfe, Spielplätze oder Sportanlagen sind geplante Areale, die Landschaftsarchitektinnen und -architekten in Abstimmung mit anderen Gestaltenden aus Architektur, Städtebau und Verkehrsplanung gestalten. „Die Auswirkungen von Temperaturanstieg und steigender bodennaher UV-Bestrahlung sind unterschiedlich. Sie werden jedoch bei den Klimaanpassungsmaßnahmen für Hitze und Strahlung in der Landschaftsarchitektur nicht differenziert genug behandelt“, erklärt Dag-Ole Ziebell, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Freiraumentwicklung, Leibniz-Universität Hannover. „Der Fokus liegt auf der Hitze. Strahlung steht oft thematisch im Schatten“, so Ziebell. Dabei seien Anpassungsmaßnahmen für die Kühlung von Städten teilweise gegenläufig zu Maßnahmen strahlungsreduzierter Städte. Woran das liegt, macht Ziebell anhand des Albedo-Effekts deutlich, der das Reflexionsvermögen von Oberflächen beschreibt. Je nach Farbigkeit und Körnung einer Oberfläche wird solare Strahlung gestreut, reflektiert oder absorbiert. Je dunkler und rauer das Material, desto größer das Absorptionsvermögen und die Erwärmung. „Bezogen auf die Landschaftsarchitektur wird häufig geschlussfolgert, dass hellere Materialien, z. B. Betonstein, geeigneter für die Gestaltung urbaner Landschaften wären, da sie weniger zur urbanen Erhitzung beitragen. Die Helligkeit des Betons fördert jedoch die Streuung ultravioletter Strahlung und somit das Potenzial für eine hohe terrestrische UV-Belastung“, erklärt Ziebell.
Wenn Landschaftsarchitektur Maßnahmen umsetzt, die UV-Strahlung reduzieren, startet sie zunächst mit der Erfassung des neu zu gestaltenden Freiraums und einer ortsspezifischen Strahlungsanalyse: Sonnenexposition des Freiraums, Schattenwurf im Tagesverlauf und Analyse der Oberflächenreflexion (Albedo-Effekt). Zu den Maßnahmen gehört z. B. Entsiegeln. Besonders wichtig ist neben der Bepflanzung die Auswahl der Oberflächenmaterialien, um die bodennahe UV-Bestrahlung zu regulieren. Es geht um mehr als Verschattung. Diese ist nur ein Teilbereich der Folgewirkung, wenn solare Strahlung einen Gegenstand trifft.
Landschaft als Schutz
Ziebell spricht metaphorisch von Landschaft als „zweiter Haut“: Die gestaltete Landschaft wird zur schützenden Hülle. „Für die Prävention von Hautkrebs kann Landschaftsarchitektur ein wertvoller Verbündeter [...] sein“, fasst Prof. Berneburg zusammen. So könnte die Landschaftsarchitektur unter dem Aspekt der Verhältnisprävention sogar in das Gesundheitssystem integriert werden.