Biofaktoren wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente tragen zur Hautgesundheit bei und spielen eine Rolle bei Prävention und Therapie von Hauterkrankungen. Bei Acne vulgaris haben sich vor allem Zink und Vitamin D als hilfreich erwiesen.
12.06.2025
D. Birkelbach
Teilen auf:
drucken
Gefällt mir
merken
Zitierweise: HAUT 2025; 36 (3): 148-149
Bei Acne vulgaris einen Zinkmangel berücksichtigen
Akne kann durch hormonelle Faktoren, eine unausgewogene Ernährung, falsche Hautpflege und Stress begünstigt werden. Studien zeigen, dass Aknepatienten auch häufiger unter Zinkmangel leiden. Insbesondere bei entzündlichen Formen der Erkrankung wurden signifikant niedrigere Zinkspiegel festgestellt1. Der Biofaktor Zink ist an über 300 enzymatischen Reaktionen im Körper beteiligt und essenziell für die Entzündungsregulation, Immunfunktionen und die Hautregeneration2.
Zink: antientzündlich, bakteriostatisch und antiandrogen3
Zink wirkt bei Akne auf mehreren Ebenen. Der Biofaktor reduziert Entzündungen, hemmt Bakterien und reguliert die Talgproduktion.
Antientzündliche Wirkung
Akne geht oft mit einer chronischen Entzündungsreaktion einher. Der Körper produziert verstärkt proinflammatorische Zytokine wie Interleukin-6, Interleukin-8 und Tumornekrosefaktor. Zink hemmt die NF-κB-Signalübertragung, die eine zentrale Rolle bei der Regulation dieser Entzündungsmediatoren spielt. Durch die Reduktion der Lipoxygenase- und Cyclooxygenase-Aktivität vermindert Zink die Synthese von entzündungsfördernden Leukotrienen und Prostaglandinen. Zudem aktiviert der Biofaktor Zink die Superoxid-Dismutase und neutralisiert freie Radikale, die die Haut schädigen können.
Bakteriostatische Wirkung
Das Bakterium Cutibacterium acnes besiedelt die Talgdrüsen und verstärkt die Entzündungen bei Akne. Zink verändert die Zellmembran des Bakteriums, wodurch es schlechter überleben kann. Der Biofaktor stört zudem die bakterielle Lipase-Aktivität, sodass sich weniger entzündungsfördernde Fettsäuren aus dem Talg bilden.
Antiandrogene Wirkung
Zink hemmt die 5a-Reduktase, ein Enzym, das Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) umwandelt. DHT regt die Talgproduktion an und fördert dadurch die Entstehung einer entzündlichen Akne. Durch eine gute Zinkversorgung wird weniger DHT gebildet, wodurch weniger Sebum produziert wird und sich die Akne-Symptomatik bessert. Außerdem fördert Zink die Zellproliferation und die Reparatur der Hautbarriere.
Zink und Akne in Studien4-7?
Laut wissenschaftlicher Untersuchungen weisen Aknepatienten oft niedrige Zinkspiegel im Blut auf. Vor allem bei Patienten mit entzündlicher Akne gibt es Hinweise auf einen signifikanten Zinkmangel. Eine gezielte orale Zinksupplementierung kann dazu beitragen, diesen Zinkmangel auszugleichen und das Hautbild zu verbessern. Beispielsweise zeigte eine randomisierte, kontrollierte Studie, dass die tägliche Einnahme von 30 mg Zink entzündliche Aknepusteln um bis zu 50 % reduzieren kann. Damit erzielte die Zinksupplementation eine vergleichbare Wirksamkeit wie die tägliche Gabe von 100 mg des Antibiotikums Minocyclin8. Aufgrund dieser Ergebnisse wird Zink als mögliche Alternative zur antibiotischen Therapie diskutiert. Die antimikrobielle Wirkung von Zink unterstützt die Behandlung der Schwangerschaftsakne, zumal in Schwangerschaft und Stillzeit der Zinkbedarf erhöht ist9.
Zinksupplementierung bei Akne: Beachte!
Dosierung10: Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt eine maximale Tagesdosis von 6,5 mg Zink in Nahrungsergänzungsmitteln. In der therapeutischen Anwendung, insbesondere bei Zinkmangel oder Hauterkrankungen wie Akne, liegen die laut Datenlage empfohlenen Dosierungen höher – meist zwischen 10 und 50 mg Zink pro Tag. Diese Mengen sollten über entsprechend zugelassene Arzneimittel gedeckt werden.
Bioverfügbarkeit: Die Art der Zinkverbindung beeinflusst, wie gut der Körper den Biofaktor aufnehmen und verwerten kann. Die Bioverfügbarkeit hängt von der chemischen Zinkverbindung ab. Organisch gebundene Verbindungen wie Zinkorotat oder Zinkgluconat sind hoch bioverfügbar und können daher vom Körper gut aufgenommen werden.
Wechselwirkung: Zink und Eisen. Die Zinkresorption kann durch Eisen beeinträchtigt werden. Hohe Eisenmengen können die Zinkaufnahme hemmen, da beide Biofaktoren um dieselben Transportmechanismen im Darm konkurrieren. Besonders Schwangere und Stillende, die häufig Eisenpräparate einnehmen, sollten bei einer Zinksupplementation auf einen zeitlichen Abstand achten.
Vitamin D bei Akne
Wissenschaftliche Daten deuten auf einen Nutzen von Vitamin D bei der Prävention und Therapie von Acne vulgaris hin. Es ist gut dokumentiert, dass ein Vitamin-D-Mangel häufiger bei Aknepatienten auftritt. Zudem gibt es Hinweise aus Studien und Metaanalysen, dass der Vitamin-D-Status mit dem Schweregrad der Akne korreliert11. Beispielsweise lag in einer Untersuchung der mittlere Calcidiolwert in der Gruppe der gesunden Kontrollprobanden bei über 20 ng/ml, in der Gruppe der Patienten mit schwerer Akne bei etwa 7 ng/ml und in der Gruppe der Patienten mit mittelschwerer Akne bei knapp 14 ng/ml12. Dabei wurde der Schweregrad der Akne anhand des GAGS-Scores (global acne grading system) bewertet und ein Vitamin-D-Mangel wurde ab einem Calcidiolwert von 20 ng/ml definiert. Dieser Referenzwert deckt sich mit der Empfehlung des Robert-Koch-Institutes, der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und der WHO13.
Vitamin-D-Supplementierung bei Akne
Der Biofaktor Vitamin D moduliert das Immunsystem, hemmt Entzündungsmediatoren und fördert die Produktion antiinflammatorischer Zytokine, was die entzündlichen Prozesse bei Akne lindert. Zudem induziert Vitamin D die Expression antimikrobieller Peptide wie Cathelicidin in der Haut, die gegen das Cutibacterium acnes wirken können. Außerdem reguliert Vitamin D die übermäßige Aktivität der Talgdrüsen. Dank dieser Mechanismen kann Vitamin D eine sinnvolle Therapieoption bei Acne vulgaris sein. Auch wissenschaftliche Studien, teils in Form von Metaanalysen, zeigten, dass eine Vitamin-D-Supplementierung die Anzahl entzündlicher Läsionen bei Aknepatienten senkt und das Hautbild verbessert14,15.
Vitamin D: Dosierung
Die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) hat für Erwachsene und für Kinder ab 11 Jahren eine maximale sichere Tagesdosis von 4.000 IE Vitamin D festgelegt. Dieser als „tolerable upper intake level“ bezeichnete Wert liegt bei Kindern unter 11 Jahren bei 2.000 und bei Säuglingen bei 1.000 IE. Laut einem internationalen Expertenkonsens können bei einem nachgewiesenen Vitamin-D-Mangel in den ersten vier bis 12 Behandlungswochen auch Tagesdosen bis 6.000 IE eingesetzt werden – mit dem Ziel, den Vitamin-D-Mangel möglichst rasch zu normalisieren16.
Fazit: Bei Akne-Patienten den Zink- und Vitamin-D-Status prüfen
Zink und Vitamin D spielen eine zentrale Rolle in der Pathogenese von Akne, da sie entzündliche Prozesse regulieren, die Hautbarriere stärken und die Talgproduktion beeinflussen. Bei Aknepatienten sollte daher der Zink- und Vitamin-D-Status geprüft und bei nachgewiesenem Mangel gezielt ausgeglichen werden. Eventuell ist auch eine kombinierte Supplementierung beider Biofaktoren nötig.
1. Classen HG et al. MMP 2011; 3: 87-95.
2. Classen HG et al. Zeitschrift für Komplementärmedizin 2023;15(03):34-38.
Informationen zu Biofaktoren, einschließlich Labordiagnostik, Ursachen und Risikofaktoren für einen Mangel, finden Sie auf der Webseite der Gesellschaft für Biofaktoren e.V.: www.gf-biofaktoren.de.
Die Gesellschaft für Biofaktoren e.V. (GfB) ist ein gemeinnütziger Verein, der das Ziel verfolgt, die wissenschaftlichen Grundlagen der Therapie und Prophylaxe mit Biofaktoren zu fördern.
Ausgeblendeter Inhalt
Bitte erteilen Sie Ihre Cookie-Zustimmung, um alle Inhalte unserer
Website sehen und vollumfänglich nutzen zu können.
Wir erheben und verarbeiten Ihre Daten auf dieser Website, um besser zu verstehen, wie sie verwendet wird. Wir holen hierfür immer Ihre Einwilligung ein. Sie können Ihre Datenschutzeinstellungen hier ändern.
Sie haben noch kein Benutzerkonto?
Jetzt kostenlos registrieren und von Ihrem Mitgliedsstatus profitieren: