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Taurin-Debatte

Taurin als Biomarker fürs Altern? Neue Längsschnittdaten sprechen dagegen

Kontroverse um Taurin als Biomarker fürs Altern: Eine frühere Studie zeigte einen Zusammenhang mit dem Alterungsprozess. Neue Daten entkräften das – Taurinwerte bleiben im Alter stabil oder steigen. Ein klarer Zusammenhang mit dem Altern ließ sich nicht belegen.


03.07.2025
L. Abraham
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Taurin als Biomarker: Was zeigen neue Studienergebnisse?

Frühere Studien brachten die aus Energy-Drinks bekannte Aminosäure Taurin mit Alterungsprozessen in Verbindung. Eine Publikation aus dem Jahr 2023 um Singh P et al, erschienen im Fachjournal Science, hatte eine altersabhängige Abnahme der Taurinkonzentration dokumentiert und positive Effekte einer Supplementation auf Lebensdauer und funktionelle Parameter beschrieben.1

Eine neue Untersuchung des National Institute on Aging (NIH), ebenfalls im Fachjournal Science veröffentlicht, widerspricht dieser Einschätzung: Taurin eignet sich nach aktuellen Daten nicht zur Einschätzung des biologischen Alterns.2 Das Forschungsteam um Fernández et al. analysierte Längs- und Querschnittdaten aus Human- und Tierkohorten und stellte fest, dass die Konzentration im Alter konstant bleibt oder ansteigt.

Neue Langzeitdaten zeigen keine altersbedingte Abnahme

Die im Juni 2025 veröffentlichte Studie eines internationalen Forschungsteams basiert auf Blutproben aus drei gesunden Human-Kohorten (n = 973) sowie auf Daten von Rhesusaffen (3–32 Jahre) und Mäusen (9–27 Monate). Berücksichtigt wurden sowohl Querschnittsdaten als auch Längsschnittdaten mit wiederholten Messungen über mehrere Jahre hinweg. Die Längsschnittmethode erlaubt es, altersbedingte Entwicklungen innerhalb derselben Individuen zu beobachten – im Gegensatz zu Querschnittstudien, die lediglich Momentaufnahmen liefern und durch Kohorteneffekte verzerrt sein können.

Zentrale Ergebnisse:

  • Taurinkonzentrationen nahmen mit dem Alter nicht ab, sondern blieben stabil oder stiegen an.
  • Ein Rückgang wurde lediglich bei männlichen Mäusen beobachtet.
  • Alter zeigte insgesamt geringeren Einfluss als Ernährung, Geschlecht und Tierart.
  • Es ergaben sich keine konsistenten Korrelationen zwischen Taurin und funktionellen Parametern wie Muskelkraft oder Körpergewicht.

Die Autoren folgern, dass Taurin unter diesen Bedingungen derzeit nicht als verlässlicher Biomarker für das Altern angesehen werden kann.

Vergleich der Studien zur Eignung von Taurin als Biomarker

Die frühere Publikation hatte Querschnittsserumproben aus Mäusen, Rhesusaffen und Menschen analysiert. Dabei zeigte sich eine altersabhängige Abnahme der Taurinkonzentration. Zusätzlich wurde in Tiermodellen eine Taurinsupplementation durchgeführt, die mit einer verlängerten Lebensdauer sowie funktionellen Verbesserungen bei Muskelfunktion, Immunreaktion und mitochondrialer Aktivität assoziiert war.

Die aktuelle Studie weicht nicht nur im Ergebnis ab, sondern basiert auch auf einer methodisch erweiterten Grundlage: Durch die Längsschnittdaten wurden individuelle Entwicklungen im Zeitverlauf berücksichtigt – ein Aspekt, den die frühere Untersuchung nicht abbildete.


Experteneinschätzungen zur aktuellen Datenlage

Taurin bleibt wissenschaftlich relevant – aber kein Biomarker

Die aktuelle Längsschnittanalyse zeigt: Taurin erfüllt nicht die Kriterien eines zuverlässigen Biomarkers für das Altern. Individuelle Unterschiede und externe Einflussfaktoren überwiegen altersabhängige Veränderungen deutlich. Die neuen Ergebnisse relativieren die Hypothese eines altersbedingten Taurinmangels, auf der die Vorstellung einer breiten Supplementierung basierte.

Gleichzeitig betonen mehrere Fachleute, dass eine Supplementierung im Einzelfall gesundheitlich förderlich sein könnte – etwa in Bezug auf Stoffwechselparameter.3 Bis zur Klärung durch kontrollierte Studien sind allerdings keine Empfehlungen zur Taurineinnahme ableitbar.

Die Rolle von Taurin im Alterungsprozess bleibt Gegenstand weiterer Forschung. Für die ärztliche Praxis ergibt sich aus der aktuellen Datenlage derzeit keine Grundlage, Taurinwerte zur Beurteilung des biologischen Alterns heranzuziehen.

Originalpublikationen:

1. Singh P et al. (2023): Taurine deficiency as a driver of aging. Science. DOI: 10.1126/science.abn9257

2. Fernández ME et al. (2025): Is taurine an aging biomarker? Science. DOI: 10.1126/science.adl2116

3. Science Media Center Germany. (2025): Kontroverse Studienergebnisse zu Taurin als Biomarker fürs Altern. 

Quelle: Science Media Center Germany

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