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Entzündungen

Silent Inflammation: Biofaktoren gegen chronische Entzündungen

Silent Inflammation bezeichnet chronische Entzündungen, die lange unbemerkt bleiben, aber das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und andere chronische Krankheiten erhöhen. Essenzielle Biofaktoren wie Vitamine und Mineralstoffe regulieren das Immunsystem, hemmen Entzündungsprozesse und reduzieren oxidativen Stress.


18.06.2025
D. Birkelbach
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Silent Inflammation bleibt oft unbemerkt. Im Gegensatz zu akuten Entzündungen, die durch Symptome wie Rötung, Schwellung, Schmerz und Fieber gekennzeichnet sind, verläuft eine Silent Inflammation meist symptomlos. Dennoch kann diese versteckte Entzündung das Immunsystem dauerhaft belasten und das Risiko für zahlreiche chronische Erkrankungen erhöhen.1-3 Eine Übersicht zu Biofaktoren gegen chronische Entzündungen.

Welche Rolle spielt oxidativer Stress?

Stille Entzündungen und oxidativer Stress sind eng miteinander verknüpft und verstärken sich gegenseitig. Oxidativer Stress entsteht, wenn das Gleichgewicht zwischen der Produktion reaktiver Sauerstoffspezies (ROS) und der Kapazität des antioxidativen Schutzsystems des Körpers gestört ist. Eine erhöhte ROS-Konzentration kann zu Lipidperoxidationen, Proteinoxidationen, DNA-Schäden sowie epigenetischen Modifikationen führen. Zudem trägt oxidativer Stress zur endothelialen Dysfunktion bei. 

Alle diese Schäden aktivieren das Immunsystem und setzen entzündliche Signalwege in Gang, wodurch eine chronische subklinische Entzündung entsteht. Umgekehrt verstärkt eine stille Entzündung den oxidativen Stress: Proinflammatorische Zytokine wie Interleukin-6 (Il-6) und Tumornekrosefaktor-a (TNF-a) stimulieren die Aktivität von NADPH-Oxidasen, wodurch die Produktion reaktiver Sauerstoffspezies weiter zunimmt.4

Welche Ursachen führen zu Silent Inflammation?7,8

Ernährung, Lebensstil und Umweltfaktoren können stille Entzündungen begünstigen. Zuckerreiche Ernährung, raffinierte Kohlenhydrate und Transfette verstärken entzündliche Prozesse, ebenso wie chemische Zusatzstoffe und Schadstoffe aus stark verarbeiteten Lebensmitteln (ultra-processed foods). Bestimmte Weizenproteine, insbesondere Amylase-Trypsin-Inhibitoren, können Immunreaktionen auslösen und stehen insbesondere mit Autoimmunerkrankungen in Zusammenhang.

Bewegungsmangel begünstigt stille Entzündungen, insbesondere bei Übergewicht. Viszerales Fettgewebe setzt vermehrt inflammatorische Zytokine frei, während die Produktion antiinflammatorischer Myokine abnimmt.

Auch chronischer Stress trägt zur Silent Inflammation bei: Eine dauerhaft erhöhte Cortisolproduktion schwächt das Immunsystem und begünstigt entzündliche Prozesse. Schlafmangel und Schlafstörungen verstärken diesen Effekt. Zudem können negative Umweltfaktoren wie Luftverschmutzung, Pestizide und chemische Substanzen in Kosmetika stille Entzündungen weiter fördern.

Bei welchen Erkrankungen ist Silent Inflammation beteiligt?5,6

Diabetes mellitus: Chronische Entzündungsprozesse fördern die Insulinresistenz und tragen zur Entwicklung von Hyperglykämie und Typ-2-Diabetes bei.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Stille Entzündungen und oxidativer Stress begünstigen die Endotheldysfunktion und Atherosklerose, wodurch sich das Risiko für Hypertonie, Herzinsuffizienz und weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht.

Neurodegenerative Erkrankungen: Anhaltende entzündliche Prozesse werden mit der Pathogenese neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer-Demenz und Parkinson in Verbindung gebracht.

Autoimmunerkrankungen: Silent Inflammation spielt eine Rolle in der Entwicklung von Rheumatoider Arthritis, Multipler Sklerose, chronisch-entzündlichen Darm- und Hauterkrankungen und anderen Autoimmunerkrankungen.

Krebserkrankungen: Stille Entzündungen können aufgrund von Zellschäden und DNA-Mutationen das Risiko für maligne Erkrankungen erhöhen.

Psychische Erkrankungen: Silent Inflammation ist an der Pathophysiologie der Depression beteiligt, indem sie die Neurotransmitter-Balance verändert und die Funktion der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse stört.

Beschleunigtes Altern: Stille Entzündungen und oxidativer Stress tragen zur Zellalterung bei, indem sie die Telomerverkürzung fördern und die Regenerationsfähigkeit der Zellen einschränken.

Labormarker bei Silent Inflammation?9

Wichtige Labormarker bei Verdacht auf Silent Inflammation sind hs-CRP (hoch-sensitives CRP) und Il-6. Ergänzend können TNF-a, Ferritin, Homocystein sowie Leukozyten- und Fibrinogenspiegel bestimmt werden, um Hinweise auf die entzündliche Aktivität zu erhalten.

Biofaktoren gegen chronische Entzündungen: Welche Biofaktoren schützen bei Silent Inflammation10

Vitamin D11-14

Vitamin D bindet an Vitamin-D-Rezeptoren (VDR)

  • VDRs sind in fast allen Immunzellen vorhanden.
  • Auch Epithelzellen verschiedener Organe (Darm, Pankreas, Prostata, Lunge, Herzmuskel) exprimieren VDRs.
  • Durch die Bindung an VDRs reguliert Vitamin D die Expression immunrelevanter Gene.

Vitamin D moduliert das Immunsystem

  • Vitamin D beeinflusst die Differenzierung und Funktion von Immunzellen wie T-Zellen und Makrophagen, wodurch autoimmunologische Prozesse gedämpft werden.
  • Vitamin D reguliert die Genexpression proinflammatorischer Mediatoren wie Cyclooxygenasen oder 5-Lipoxygenase.
  • Vitamin D moduliert zentrale Signalkaskaden wie NF-κB und MAP-Kinasen, die entzündliche Prozesse steuern.

Vitamin D hemmt entzündliche Prozesse

  • Vitamin D reduziert die Produktion proinflammatorischer und verstärkt die Synthese antiinflammatorischer Zytokine.
  • Ein Vitamin-D-Mangel korreliert mit erhöhten CRP-Werten und ist mit einem vermehrten Risiko für Silent Inflammation sowie chronisch-entzündliche Erkrankungen assoziiert.

Zum Ausgleich eines Vitamin-D-Mangels wird nach momentaner Datenlage eine orale Dosis von 1.000 bis 4.000 IE Vitamin D empfohlen. Da Adipositas das Risiko eines Vitamin-D-Mangels erhöht, können adipöse Patienten15 aber auch solche mit chronischen Resorptionsstörungen in den ersten Behandlungswochen Tagesdosen bis zu 6.000 IE benötigen.16,17

Magnesium18-21

Auch Magnesium reguliert Entzündungsprozesse und kann Silent Inflammation entgegenwirken, indem es die Produktion proinflammatorischer Zytokine reduziert. Der Biofaktor wirkt antioxidativ, stabilisiert Zellmembranen und unterstützt die Endothelfunktion sowie die mitochondriale Funktion. Zudem moduliert Magnesium den NF-κB-Signalweg, wodurch chronisch-entzündliche Prozesse gedämpft werden. 

Ein guter Magnesiumstatus ist insgesamt mit einer geringeren Entzündungsbelastung assoziiert. Der Ausgleich eines Magnesiummangels kann durch eine orale Supplementierung in Tagesdosen von rund 300 mg Magnesium – gelegentlich höher – erfolgen.

Fazit für die Praxis

Eine entzündungshemmende Ernährung, regelmäßige Bewegung, ein gesundes Körpergewicht und effektives Stressmanagement können Silent Inflammation reduzieren. Essenzielle Biofaktoren regulieren das Immunsystem, modulieren Entzündungen und vermindern oxidativen Stress. Eine gezielte Supplementierung zum Ausgleich eines Mangels kann das Risiko chronisch-entzündlicher Erkrankungen senken.

Biofaktoren gegen chronische Entzündungen: Antioxidatives Schutzsystem22

Neben den Vitaminen C, E und Beta-Carotin, die als Antioxidantien die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies verhindern oder deren Konzentration reduzieren, ist auch auf eine gute Versorgung mit den Biofaktoren Selen und Zink zu achten.

Selen ist ein essenzieller Bestandteil der Glutathionperoxidase, einer Gruppe von Selenoproteinen, die eine zentrale Rolle im antioxidativen Schutzsystem des Körpers spielen. 

Die Glutathionperoxidase katalysiert die Umwandlung von Wasserstoffperoxid und organischen Peroxiden, reduziert dadurch oxidativen Stress und schützt die Zellen vor Schäden durch Lipidperoxidation. Durch diese antioxidativen Mechanismen kann Selen endotheliale Entzündungen verringern, die mit Silent Inflammation und deren negativen Folgen in Verbindung stehen.23,24

Zink ist ein essenzieller Bestandteil des antioxidativen Schutzsystems und fungiert als Kofaktor antioxidativ wirkender Enzyme. Besonders hervorzuheben ist die Rolle des Biofaktors in der Kupfer-Zink-Superoxid-Dismutase, die hochreaktive und zellschädigende Superoxid-Radikale abbaut. Dadurch reduziert Zink indirekt die schädlichen Auswirkungen reaktiver Sauerstoffspezies und schützt Zellen vor oxidativem Stress. Dieser Mechanismus kann dazu beitragen, chronisch-entzündliche Prozesse zu modulieren und vor Silent Inflammation zu schützen.25-27

1  Tiller FW, Mayer W: Silent Inflammation. Mgo Fachverlag, Kulmbach, 2024 

2  Pahwa R et al.: Chronic Inflammation. www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK493173/ 

3  Fulop T et al.: Human Inflammaging. Gerontology 2019; 65(5): 495-504 

4  Minciullo PL et al.: Inflammaging and Anti-Inflammaging: The Role of Cytokines in Extreme Longevity. Arch Immunol Ther Exp (Warsz) 2016 Apr; 64(2): 111-126 

5  Franceschi C, Campisi J: Chronic inflammation (inflammaging) and its potential contribution to age-associated diseases. Gerontol A Biol Sci Med Sci 2014 Jun: 69 Suppl 1: S4-9 

6  Fulop T et al.: The integration of inflammaging in age-related diseases. Semin Immunol 2018 Dec; 40: 17-35 

7  Uebel U: Antiinflammatorische Ernährung. hautnah dermatologie. 2021 Nov 22; 37(6): 14-19 

8  Schmiedel V: Omega-3 und stille Entzündungen. EHK 2018; 67: 198-204 

9  www.ganzimmun.de 

10  Dresen et al.: Overview of oxidative stress and the role of micronutrients in critical illness. JPEN J Parenter Enteral Nutr 2023 Feb: 47 Suppl 1: S38-S49   

11  Fenercioglu AK: The Anti-Inflammatory Roles of Vitamin D for Improving Human Health. Curr Issues Mol Biol 2024; 46(12): 13514-13525 

12  Liu W et al.: The Anti-Inflammatory Effects of Vitamin D in Tumorigenesis. Int J Mol Sci 2018 Sep 13; 19(9): 2736 

13  Desai SR et al.: Vitamin D Deficiency, Inflammation, and Diminished Endogenous Regenerative Capacity in Coronary Heart Disease. JACC; 2024 Feb; 3: 2 

14  Wöbke TK et al.: Vitamin D in inflammatory diseases. Front Physiol 2014 Jul; www.frontiersin.org/journals/physiology/articles/10.3389/fphys.2014.00244/full 

15  Holick MF et al.: Evaluation, treatment, and prevention of vitamin D deficiency: an Endocrine Society clinical practice guideline. J Clin Endocrinol Metab 2011 Jul; 96(7): 1911-1930 

16  Pludowski P et al.: Clinical Practice in the Prevention, Diagnosis and Treatment of Vitamin D Deficiency: A Central and Eastern European Expert Consensus Statement. Nutrients 2022 Apr 2; 14(7): 1483 

17  Pludowski P et al.: Vitamin D Supplementation: A Review of the Evidence Arguing for a Daily Dose of 2000 International Units (50 microg) of Vitamin D for Adults in the General Population. Nutrients 2024 Jan 29; 16(3): 391  

18  Maier JA et al.: Magnesium and inflammation: Advances and perspectives. Cell Dev Biol 2021 Jul: 115: 37-44 

19  Veronese N et al.: Effect of Magnesium Supplementation on Inflammatory Parameters: A Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. Nutrients 2022 Feb 5; 14(3): 679 

20  Ashique S et al.: A narrative review on the role of magnesium in immune regulation, inflammation, infectious diseases, and cancer. J Health Popul Nutr 2023 Jul 27; 42(1): 74   

21  Alateeq K et al.:  Association between dietary magnesium intake, inflammation, and neurodegeneration. Eur J Nutr. 2024 Apr 10; 63(5): 1807-1818 

22  Arulselvan P et al.: Role of Antioxidants and Natural Products in Inflammation. Oxid Med Cell Longev. 2016 Oct 10; 2016: 5276130. 

23  Raamyn MP: Selenium and human health. Lancet 2012 Mar 31; 379(9822): 1256-1268 

24  Huang Z et al.: The Role of Selenium in Inflammation and Immunity: From Molecular Mechanisms to Therapeutic Opportunities. Antioxid Redox Signal 2012 Apr 1; 16(7): 705-743 

25  Classen HG et al.: Zink. Das unterschätzte Element. MMP 2020; 43(4): 149-157 

26  Fukada T et al.: Zinc homeostasis and signaling in health and diseases: Zinc signaling. J Biol Inorg Chem 2011; 16: 1123-1134 

27  Classen HG et al.: Die Rolle des Biofaktors Zink bei Autoimmunkrankheiten. Zeitschrift für Orthomolekulare Medizin 2023; 21(01): 25-27 

Autorin

Dr. rer. nat. Daniela Birkelbach

Gesellschaft für Biofaktoren e.V.
Fruwirthstraße 30
70599 Stuttgart
E-Mail: daniela.birkelbach(at)gf-biofaktoren.de