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Cookie-Einstellungen anpassenKrankheitsprävention durch Bewegung: Myokine und Biofaktoren im Fokus
Bewegung ist essenziell für Prävention und Therapie zahlreicher Krankheiten. Eine zentrale Rolle dabei spielen Myokine. Für ihre Regulation ist eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen notwendig. Dieser Beitrag beschreibt die physiologischen Zusammenhänge.
Ein gezieltes Ausdauer- und Krafttraining trägt entscheidend zu einem gesunden Alterungsprozess bei. Neben regelmäßiger körperlicher Aktivität fördert eine gesunde und biofaktorenreiche Ernährung die Gesundheit. Die Kombination aus Bewegung und optimaler Versorgung mit essenziellen Vitaminen und Mineralstoffen unterstützt nicht nur Skelett, Muskulatur und Sehnenapparat, sondern stärkt auch das Herz-Kreislauf- und Immunsystem, den Stoffwechsel sowie kognitive Funktionen und das psychische Wohlbefinden. Auch die Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen heben die positiven und lebensverlängernden Effekte regelmäßiger körperlicher Aktivität hervor – und das nicht nur für Herz und Kreislauf, sondern für alle körpereigenen Systeme (1).
Welche Effekte hat regelmäßige Bewegung auf Krankheitsprävention?
© Robert Kneschke/Shutterstock
Muskulatur und Skelettsystem
- Erhalt und Aufbau von Muskelmasse
- Verbesserung von Muskelkraft und Koordination
- Förderung der Knochendichte
- Reduktion des Osteoporose- und Arthrose-Risikos
Herz-Kreislauf-System
- Stärkung der Herzfunktion und Blutzirkulation
- Blutdruckregulation
- Verbesserung der Gefäßgesundheit
- Regulation des Cholesterinspiegels
Immunsystem und Zellschutz
- Modulation der Immunantwort
- Reduktion chronischer Entzündungen
- Schutz vor oxidativem Stress
Stoffwechsel
- Erhöhung der Insulinsensitivität
- Senkung des Diabetes-Risikos
- Optimierung des Fettstoffwechsels
- Verbesserung der Mitochondrien-Funktion und ATP-Produktion
Gehirn und Psyche
- Förderung der Neuroplastizität und kognitiven Leistungsfähigkeit
- Verbesserung der Gedächtnisleistung
- Unterstützung der Serotonin- und Dopaminproduktion
- Reduktion von Stress, Angst und depressiven Verstimmungen
- Verbesserung der Schlafqualität
Wissenschaftliche Untersuchungen belegen positive Effekte körperlicher Aktivität bei älteren Menschen – ein entscheidender Aspekt in der Betreuung der wachsenden Patientengruppe der Senioren in der täglichen Praxis (2). Besonders effektiv sind sportliche Aktivitäten im Freien, da sie nicht nur die körpereigene Vitamin-D-Synthese für die Knochengesundheit fördern (3), sondern auch die kognitive Leistungsfähigkeit und mentale Gesundheit verbessern. MRT-Studien zeigen, dass regelmäßige Bewegung im Freien mit einer Zunahme der grauen Substanz im präfrontalen Kortex korreliert – und zwar proportional zur im Freien verbrachten Zeit. Diese Gehirnregion spielt eine zentrale Rolle bei exekutiven Funktionen wie Planung, Problemlösung und Arbeitsgedächtnis. Darüber hinaus fördert Bewegung die neuronale Plastizität: Nervenzellen und Synapsen passen sich der erhöhten körperlichen
Aktivität an, indem sie sich strukturell erweitern und effizientere neuronale Netzwerke bilden. Diese Mechanismen unterstreichen die entscheidende Rolle von Bewegung im Freien für die Gehirngesundheit, kognitive Leistungsfähigkeit und mentale Resilienz (4).
Wie viel Bewegung ist optimal für die Gesundheit?
Eine prospektive Kohortenstudie mit über 2.000 Probanden im Alter von 38 und 50 Jahren zeigte, dass eine tägliche Bewegung von mindestens 7.000 Schritten mit einer signifikant niedrigeren Sterblichkeitsrate verbunden war, verglichen mit Probanden, die weniger aktiv waren (5). Weitere Studien bestätigten einen inversen Zusammenhang zwischen der täglichen Schrittzahl und der Gesamt- sowie kardiovaskulären Mortalität. Dabei ergab sich, dass auch eine Schrittzahl unter 7.000 pro Tag gesundheitliche Vorteile mit sich bringen kann (6, 7).
In der Copenhagen Heart Study, die mehr als 5.000 herzgesunde Männer (Durchschnittsalter 49 Jahre) über vier Jahrzehnte begleitete, konnte nachgewiesen werden, dass ein Anstieg des maximalen Sauerstoffverbrauchs um 10 ml pro Minute die Gesamtmortalität um 10 % reduzierte. Zudem war eine niedrig-normale kardiorespiratorische Fitness mit einer erhöhten Lebenserwartung von etwa zwei Jahren verbunden. Eine überdurchschnittliche Fitness führte sogar zu einer Lebensverlängerung von fünf Jahren (8).
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, dass Erwachsene wöchentlich folgende körperliche Aktivitäten durchführen (9):
- 150 bis 300 Minuten moderate oder 75 bis 150 Minuten kräftige aerobe körperliche Aktivität oder eine Kombination aus beiden
- Moderate Aktivitäten: zügiges Gehen, Radfahren auf ebenem Gelände, Schwimmen, Tanzen oder Gartenarbeit
- Alle Altersgruppen sollten zudem regelmäßig muskelstärkende Aktivitäten einbeziehen.
- Sitzendes Verhalten sollte in allen Altersgruppen minimiert werden.
Bewegungsmangel erhöht Erkrankungsrisiko: Die Realität
Rund 80 % der über 60-Jährigen erreichen nicht die empfohlenen 150 bis 300 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche, wie es die WHO vorschlägt. Dieser weit verbreitete Bewegungsmangel ist – wie bereits erwähnt – ein bedeutender Risikofaktor für die Zunahme zivilisationsbedingter Krankheiten wie Herz-Kreislauferkrankungen, Typ-2-
Diabetes, Osteoporose und Demenz. Im Umkehrschluss belegen zahlreiche wissenschaftliche Studien, dass körperliche Aktivität einen positiven Einfluss auf die Gesundheit hat: Sie hilft dabei, Blutzucker, Blutfette und Blutdruck zu normalisieren, die Insulinsensitivität zu verbessern und sowohl Stress als auch Übergewicht zu reduzieren.
Die Rolle von Ernährung und Biofaktoren für gesundes Altern (10–12)
Ein aktiver Lebensstil, auch im fortgeschrittenen Alter, erfordert eine ganzheitliche Betrachtung von Bewegung und Ernährung. Regelmäßige körperliche Aktivität spielt eine zentrale Rolle in der Krankheitsprävention, während eine gesunde Ernährung, reich an Biofaktoren, verschiedene physiologische Prozesse unterstützt, die sowohl für die optimale Leistung des Körpers während und nach körperlicher Aktivität als auch für den Schutz vor chronischen Erkrankungen wichtig sind.
- Magnesium ist an zahlreichen enzymatischen Reaktionen beteiligt, insbesondere an der Energieproduktion durch seine Rolle im ATP-Stoffwechsel. Der Biofaktor hilft bei der Muskelkontraktion und Muskelentspannung nach körperlicher Aktivität. Eine optimale Magnesiumversorgung ist wichtig, um das Risiko von Bluthochdruck und Herzkrankheiten zu verringern.
- Vitamin D spielt eine Schlüsselrolle in Osteoporose-Prävention, Modulation des Immunsystems und Herzgesundheit.
- Eisen ist für den Sauerstofftransport im Blut und die Muskelregeneration nach Bewegung entscheidend. Zudem hat Eisen eine entzündungshemmende Wirkung und trägt zur Prävention von Anämie und anderen Eisenmangel-bedingten Erkrankungen bei.
Myokine und Adipokine in der Medizin (13, 14)
© Vac1/Shutterstock
Skelettmuskeln und Fettgewebe sind die beiden größten Organe des Körpers. Der Skelettmuskel ist vor allem für die Bewegung zuständig, während das Fettgewebe Energie speichert. Beide Organe setzen Botenstoffe frei, die den Stoffwechsel beeinflussen:
Myokine (15–17)
Myokine sind hormonähnliche Botenstoffe, die von der Skelettmuskulatur bei Bewegung und Kontraktion freigesetzt werden. Sie wurden erstmals 2007 entdeckt, als Interleukin-6 (IL-6) als Myokin identifiziert wurde. Heute kennt man weltweit rund 600 Myokine. Sie haben eine endokrine Wirkung, das heißt, sie beeinflussen nicht nur den Muskelaufbau, sondern auch andere Organe im Körper. Myokine unterstützen die Funktion der Blutgefäße, tragen zur Blutdrucksenkung bei, reduzieren Entzündungen und haben eine immunmodulierende Wirkung. Sie spielen eine Rolle für die Knochengesundheit und die Prävention von Krebserkrankungen, können das Risiko für das metabolische Syndrom und Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken.
Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Brain Derived Neurotrophic Factor (BDNF) und Myokinen, da körperliche Bewegung sowohl die Freisetzung von Myokinen als auch von BDNF fördert. Beide Faktoren wirken synergistisch, um die körperliche und geistige Gesundheit zu unterstützen. Studien zeigen, dass BDNF bei körperlicher Aktivität in den Muskeln freigesetzt wird und dort möglicherweise eine myokinähnliche Wirkung auf das Muskelgewebe und den gesamten Stoffwechsel ausübt. Der BDNF ist für die Bildung neuer Nervenbahnen und Synapsen wichtig, unterstützt die neuronale Gesundheit und zeigt positive Effekte auf das Lern- und Erinnerungsvermögen. Ein Mangel an BDNF wird mit einem erhöhten Risiko für neurodegenerative Erkrankungen wie Demenz und Depressionen in Verbindung gebracht.
Adipokine (18)
Adipokine sind Signalmoleküle, die hauptsächlich von Fettgewebe, genauer von den Adipozyten, produziert werden. Eines der bekanntesten Adipokine ist Leptin, das eine zentrale Rolle bei der Regulierung des Hunger- und Sättigungsgefühls spielt. Es gibt viele verschiedene Adipokine, insbesondere solche, die im viszeralen Fettgewebe produziert werden. Im Gegensatz zu Myokinen wirken sich Adipokine, speziell bei Bewegungsmangel, negativ auf die Gesundheit aus. Eine Fehlregulation von Adipokinen führt zu einer verstärkten Produktion entzündungsfördernder Substanzen. Diese beeinflussen den
Lipid- und Glukosestoffwechsel negativ, führen zu einer Zunahme des viszeralen Fetts und einer verminderten Insulinempfindlichkeit, was das Risiko für chronische Erkrankungen wie Metabolisches Syndrom und Typ-2-Diabetes, Hypertonie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Tumorerkrankungen erhöht. Myokine können die Wirkung von Adipokinen ausgleichen und entgegenwirken.
Adipo-Myokine (19, 20)
Adipo-Myokine sind eine spezielle Gruppe von Botenstoffen, die sowohl von der Muskulatur als auch vom Fettgewebe produziert werden. Sie spielen eine zentrale Rolle im Zusammenspiel zwischen Muskeln und Fettgewebe und sind entscheidend für die Regulierung des Stoffwechsels, von Entzündungsprozessen und der Insulinempfindlichkeit. Adipo-Myokine entstehen insbesondere durch körperliche Aktivität und beeinflussen sowohl den Fettstoffwechsel als auch die Muskulatur. Wichtige Adipo-Myokine sind:
- Interleukin-6 (IL-6): Es wird sowohl im Muskel als auch im Fettgewebe produziert und hat entzündungshemmende Effekte. IL-6 unterstützt den Energiestoffwechsel, stimuliert die Fettverbrennung und die Glukoseaufnahme. Achtung: IL-6 aus Immunzellen, zum Beispiel bei chronischer Entzündung oder Adipositas, kann langfristig proinflammatorisch wirken und mit chronischen Erkrankungen wie Arteriosklerose, Typ-2-Diabetes oder Rheuma in Verbindung stehen.
- TNF-α: Dieses Zytokin wird vor allem im Fettgewebe, aber auch von Muskelzellen bei Entzündungen oder intensiver körperlicher Belastung produziert. Chronisch erhöhte TNF-α-Werte führen bei Adipositas, chronischen Entzündungen und Autoimmunerkrankungen zu negativen Effekten wie dem Abbau von Muskelproteinen und einem erhöhten Sarkopenie-Risiko. Eine kurzfristige moderate TNF-α-Freisetzung kann jedoch bei Infektionen als zentraler Regulator des Immunsystems fungieren oder die Reparatur von Muskelzellen nach körperlicher Aktivität unterstützen.
- Adiponectin: Dieses Adipo-Myokin wird im Fettgewebe produziert und fördert die Fettverbrennung sowie die Verbesserung der Insulinempfindlichkeit. Zudem zeigt es entzündungshemmende Effekte.
- Irisin: Es wird durch Bewegung in der Muskulatur freigesetzt und fördert die Umwandlung von weißem in metabolisch aktiveres braunes Fettgewebe, das mehr Kalorien verbrennt
Wie Myokine und Adipo-Myokine zusammenwirken (21–24)
Körperliche Aktivität setzt Myokine und Adipo-Myokine frei. Diese Botenstoffe arbeiten zusammen, um verschiedene Gesundheitsprozesse zu fördern: Sie verbessern die Insulinempfindlichkeit und tragen zur Diabetesprävention bei. Zudem reduzieren sie chronische Entzündungen, die mit kardiovaskulären Erkrankungen und anderen chronischen Erkrankungen verbunden sind. Außerdem fördern sie die Fettverbrennung. Darüber hinaus zeigen Studien, dass Myokine und Adipo-Myokine auch andere Erkrankungen positiv beeinflussen. Sie fördern die Hirnplastizität und die Neubildung von Nervenzellen und könnten neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson entgegenwirken. Einige Myokine können das Tumorwachstum hemmen und die Immunabwehr gegen Krebszellen stärken, andere wiederum beeinflussen Autoimmunerkrankungen oder unterstützen den Knochenstoffwechsel.
Biofaktoren modulieren Myokine und Adipokine
Bestimmte Biofaktoren fördern gezielt die Freisetzung von Myokinen, regulieren das Gleichgewicht zwischen pro- und antiinflammatorischen Botenstoffen und unterstützen zentrale anabole und katabole Prozesse. Darüber hinaus sind einzelne Biofaktoren essenziell für die Neurotransmitterbildung, die Muskelkontraktion, das Herz-Kreislauf-System und die Knochengesundheit.
- Magnesium und Zink beeinflussen die Spiegel des BDNF und sind entscheidend für die Bewegungskoordination und Funktion des Nervensystems. Sie unterstützen zudem die Ausschüttung myokiner Botenstoffe mit
regenerierenden und neuroprotektiven Effekten. - Vitamin D stärkt Muskeln und Knochen, moduliert das Immunsystem und verbessert die kardiopulmonale Ausdauer. Es wirkt auf die Muskelzellfunktion und fördert die Myokinfreisetzung.
- B-Vitamine beschleunigen die Signalübertragung von Nervenimpulsen, optimieren den Energiestoffwechsel und erleichtern motorische Abläufe. Sie unterstützen dadurch indirekt die muskuläre Aktivität und die Freisetzung bewegungsinduzierter
Myokine. - Eisen verbessert den Sauerstofftransport und steigert die Leistungsfähigkeit. Eine ausreichende Eisenversorgung ist zudem essenziell für die mitochondriale Energieproduktion in Muskelzellen und damit für die myokinvermittelte Signalweitergabe.
Myokine & Co.: Welche Rolle spielt Magnesium (25, 26)?
Magnesium ist an über 600 enzymatischen Reaktionen beteiligt, einschließlich der Aktivierung von Enzymen, die für die Synthese von Myokinen, Adipokinen und Adipo-Myokinen verantwortlich sind. Der Biofaktor ist an der Weiterleitung elektrischer Impulse von Nerven- auf Muskelzellen und zwischen den Zellen des autonomen Nervensystems involviert. Als physiologischer Calciumantagonist reguliert Magnesium die Muskelkontraktion, fördert die Muskelrelaxation und unterstützt die muskuläre Leistungsfähigkeit. Besonders nach körperlicher Belastung trägt Magnesium dazu bei, den Laktatabbau zu beschleunigen, was die Erholung optimiert. Zudem wirkt Magnesium als sekundärer Botenstoff, der die Kommunikation zwischen Muskel- und Fettgewebe fördert und so das Gleichgewicht zwischen beiden Geweben unterstützt.
Magnesium erhöht den BDNF-Spiegel (27)
Magnesium spielt eine zentrale Rolle bei der Neuroplastizität, der Fähigkeit des Gehirns, neue neuronale Verbindungen zu bilden und bestehende zu verstärken.
Diese Prozesse werden durch die Freisetzung des BDNF unterstützt, der für Wachstum, Überleben und Differenzierung von Nervenzellen wichtig ist. BDNF fördert nicht nur die Neuroplastizität, sondern ist auch entscheidend für Lernen, Gedächtnis und Bewegungskoordination. Ein erhöhter BDNF-Spiegel wird mit einer verbesserten kognitiven Leistung und motorischen Kontrolle in Verbindung gebracht.
Magnesium unterstützt die BDNF-Produktion und die damit verbundenen Signalwege im Gehirn. Ein Magnesiummangel kann die BDNF-Produktion hemmen und somit die Neuroplastizität und Gehirnfunktion negativ beeinflussen.
Magnesium und Bewegung: Synergie für die Herzgesundheit (28–31)
- Magnesium reguliert die Ionenkanäle in den Herzmuskelzellen und sorgt durch die Modulation der intrazellulären Calciumhomöostase für eine normale myokardiale Kontraktion und einen stabilen Herzrhythmus. Durch seine antiarrhythmische und kardioprotektive Wirkung wird Magnesium zu einem wichtigen Faktor für die Herzmuskelleistung.
- Bewegung verbessert die Blutzirkulation und den Oxygenierungsgrad des Herzgewebes, was eine präzise Regulierung des Ionentransports erfordert. Magnesium trägt zur Stabilität des Herzrhythmus bei und verhindert arrhythmische Zustände, die durch gestörte Calciumströme entstehen können.
- Ein niedriger Magnesiumstatus erhöht das Risiko für Hypertonie und Herz-Kreislauferkrankungen. Eine optimale Magnesiumversorgung kann jedoch das Risiko verringern und den Verlauf dieser Erkrankungen positiv beeinflussen, besonders bei Patienten mit Magnesiummangel.
Fazit: Bewegung und eine optimale Magnesiumversorgung arbeiten synergistisch, um die Herzgesundheit zu fördern. Körperliche Aktivität steigert die Blutzirkulation, optimiert die Magnesiumaufnahme und regt die Freisetzung von Myokinen an, die entzündungshemmend wirken und das kardiovaskuläre System unterstützen.
Verdacht auf einen Magnesiummangel (32–34)
Der untere Grenzwert für das Serummagnesium sollte bei 0,85 mmol/l liegen. Werte von 0,85 mmol/l oder höher deuten auf einen ausreichenden Magnesiumstatus hin. Allerdings ist für die Diagnose eines Magnesiummangels auch die klinische Symptomatik einzubeziehen. Da der überwiegende Teil des Biofaktors intrazellulär gespeichert ist – nur etwa 5 % befinden sich außerhalb der Zellen und weniger als 1 % im Serum und der interstitiellen Flüssigkeit – ist der Serummagnesiumspiegel kein präziser Indikator für den Gesamtmagnesiumstatus. Der Serummagnesiumspiegel wird durch Anpassungen der intestinalen Resorption, der renalen Ausscheidung und der Freisetzung von Magnesium aus den körpereigenen Speichern wie Knochen und Muskeln reguliert. Daher kann eine normale Serummagnesiumkonzentration einen bestehenden intrazellulären Magnesiummangel verdecken.
Gezielt supplementieren (35, 36)
Ein Magnesiummangel kann nicht nur parenteral, sondern auch oral durch Tagesdosen von etwa 300 mg Magnesium, in manchen Fällen auch höher, ausgeglichen werden. Dabei sollte auf eine gute Bioverfügbarkeit der Supplemente geachtet werden. Studien haben überwiegend gezeigt, dass organisch gebundene Magnesiumverbindungen wie Magnesiumorotat eine bessere Bioverfügbarkeit aufweisen als anorganisch gebundene Magnesiumsalze.
Wie beeinflusst Vitamin D die Myokinproduktion (37, 38)?
Vitamin D moduliert gezielt die Ausschüttung verschiedener Myokine, die sich positiv auf den Muskelstoffwechsel und die allgemeine Gesundheit auswirken:
- Interleukin-6: Muskelbasiertes IL-6 unterscheidet sich von entzündlichem IL-6, da es den Glukosestoffwechsel reguliert und entzündungshemmend wirkt. Vitamin D kann die IL-6-Freisetzung aus den Muskeln regulieren und die metabolische Gesundheit unterstützen.
- Irisin: Dieses Myokin fördert die Umwandlung von weißem in braunes Fett, verbessert die Insulinsensitivität und trägt zur Muskelgesundheit bei. Vitamin D unterstützt die Irisin-Produktion, was sich positiv auf den Energiestoffwechsel und die Muskelmasse auswirken kann.
- Weitere Myokine: Vitamin D beeinflusst auch die Produktion von IL-15, Myostatin und Follistatin.
Studien zeigen, dass Vitamin D die muskuläre Leistungsfähigkeit steigern kann – messbar an einer verbesserten Sauerstoffaufnahme und kardiopulmonalen Belastbarkeit, die wiederum Schnellkraft und Koordination der Muskulatur verbessert und das Risiko für Sarkopenie, metabolische Erkrankungen und Entzündungsprozesse reduziert (39–41).
Wie beeinflusst Vitamin D Herzgesundheit und Immunabwehr (42–45)?
Neben seiner Rolle für Muskeln und Stoffwechsel zeichnet sich Vitamin D auch durch einen positiven Nutzen für das Herz-Kreislauf- und das Immunsystem aus.
- Ein Vitamin-D-Mangel erhöht das Hypertonie-Risiko.
- Eine gute Vitamin-D-Versorgung kann blutdrucksenkend wirken.
- Ein Vitamin-D-Mangel ist mit einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen wie Angina pectoris, Herzinfarkt, plötzlichen Herztod, Herzinsuffizienz assoziiert.
- Vitamin D wirkt immunmodulierend und reguliert die Aktivität von Makrophagen und T-Zellen, wodurch überschießende Immunreaktionen reduziert und chronische Infektionen gelindert werden.
Fazit: Vitamin D spielt eine essenzielle Rolle für Muskelkraft, Stoffwechsel, Immunfunktion und Herzgesundheit. Durch die gezielte Regulation von Myokinen kann der Biofaktor muskelprotektiv, entzündungshemmend und metabolisch wirken. In Kombination mit regelmäßiger Bewegung verbessert Vitamin D nicht nur die sportliche Leistungsfähigkeit, sondern reduziert auch das Risiko für altersbedingte Stoffwechsel- und Zivilisationserkrankungen.
Vitamin-D-Mangel nachweisen und ausgleichen (46–48)
Das Robert Koch-Institut, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) legen einen Calcidiolspiegel von 50 nmol/l bzw. 20 ng/ml als unteren Referenzwert fest. In einem Expertenkonsens wurden hingegen 75 nmol/l bzw. 30 ng/ml als Grenze definiert. Zur Prävention und Therapie verschiedener Erkrankungen werden in Studien orale Tagesdosen von 1.000 bis 4.000 IE Vitamin D empfohlen. Bei adipösen Patienten und Resorptionsstörungen können in den ersten Behandlungswochen auch Tagesdosen bis zu 6.000 IE eingesetzt werden (49).
Zu beachten: Vitamin D fördert die intestinale Magnesiumresorption und benötigt Magnesium für die Umwandlung von Calcidiol in das aktive Calcitriol. Bei Verdacht auf einen Mangel sollten beide Biofaktoren geprüft und bei Bedarf supplementiert werden (50).
Eisen und Myokine in der Krankheitsprävention (51, 52)
Der essenzielle Biofaktor Eisen spielt eine zentrale Rolle im Energiestoffwechsel und beim Sauerstofftransport, insbesondere in den Muskelzellen. Als Bestandteil von Enzymen und Proteinen wie Hämoglobin und Cytochromen ist Eisen unverzichtbar für die normale Muskelfunktion. Eine gestörte Eisenhomöostase, insbesondere ein Eisenmangel, ist mit verschiedenen Muskelerkrankungen wie Sarkopenie, Kardiomyopathie oder amyotrophe
Lateralsklerose assoziiert. Ein optimaler Eisenstatus fördert die Myokinproduktion, insbesondere von IL-6, IL-15 oder Irisin, die eine Schlüsselrolle für Muskelregeneration und -leistung spielen. Eisenmangel beeinträchtigt dagegen die Funktion der Muskelzellen und hemmt die Freisetzung dieser gesundheitsfördernden Myokine.
Die synergistische Wirkung zwischen Eisen und Myokinen ist auch für die Prävention altersbedingter Erkrankungen entscheidend. Wie bereits beschrieben, wirken Myokine entzündungshemmend und fördern die Insulinsensitivität, unterstützen die Regulation des Fettstoffwechsels und die Herz-Kreislauf-Gesundheit. Eisenmangel hingegen schwächt die Muskelkraft und kann das Risiko für Typ-2-Diabetes, Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Eine gute ausreichende Eisenversorgung ist daher essenziell, um die gesundheitsfördernden Effekte von Myokinen zu nutzen und altersbedingten Erkrankungen vorzubeugen.
Eisenmangel gezielt ausgleichen (53–55)
Für die Eisensupplementierung gibt es keine pauschalen Empfehlungen, sondern Therapievorschläge auf Basis wissenschaftlicher Daten. Aufgrund möglicher Risiken eines Eisenüberschusses sollte stets die minimal effektive Dosis angestrebt werden – und nicht immer ist eine parenterale Injektion nötig. Bei einem Hb <10,5 g/dl und einem Serumferritin <30 μg/l wird eine orale Eisensupplementierung von initial etwa 50 mg Fe2+ täglich empfohlen, die auf bis zu 200 mg gesteigert werden kann. Studien zeigen, dass die Umstellung auf eine alternierende Einnahme (60–120 mg Fe2+ jeden zweiten Tag) sowie morgendliche Einzeldosen die Eisenresorption verbessert und Nebenwirkungen reduziert.
Fazit für die Praxis
Gesundes Altern erfordert ein ganzheitliches Konzept, um die körperliche und geistige Gesundheit positiv zu beeinflussen und Krankheiten vorzubeugen. Der Synergismus aus Bewegung, Myokinen und Biofaktoren wie Magnesium, Vitamin D und Eisen spielt dabei eine zentrale Rolle. Risikopatienten sollten daher zu regelmäßiger körperlicher Aktivität animiert werden, nicht zuletzt, um die Myokinproduktion zu fördern. Zudem ist auf eine optimale Biofaktorenversorgung zu achten und ein eventueller Mangel gezielt auszugleichen.
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Prof. Dr. med. Klaus Kisters
MVZ Praxisklinik und Dialysezentrum Herne, WWU Münster
Wiescherstraße 20
44623 Herne
Korrespondenzadresse
Dr. Daniela Birkelbach
daniela.birkelbach(at)gf-biofaktoren.de
Gesellschaft für Biofaktoren e.V.
www.gf-biofaktoren.de
Diesen Beitrag finden Sie als Fortbildung zur kostenlosen Teilnahme auch hier:
Die Teilnahme ist vom 16.06.2025 bis zum 12.06.2026 möglich!
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