Entwicklung einer Gonorrhoe-Impfung bisher nicht erfolgreich
Wegen der hohen Krankheitslast der Gonorrhoe und der besorgniserregenden Resistenzsituation wäre eine Impfung das Nonplusultra. „Leider waren die Versuche einer Gonorrhoe-Impfung bislang nicht erfolgreich“, sagt Brockmeyer. Umso aufmerksamer wurden STI-Fachleute durch die Ergebnisse verschiedener Beobachtungsstudien, die auf eine Kreuzprotektion einer Meningokokken-B (MenB)-Vakzine gegen Gonorrhoe hinweisen. Meningokokken können eine gefährliche Hirnhautentzündung hervorrufen und sind mit den Gonokokken, den Erregern der Gonorrhoe, verwandt.
In den USA werteten Forschende Daten von Gesundheitsämtern der Städte New York und Philadelphia aus. Dabei verknüpften sie Daten von 167.706
16- bis 23-jährigen Menschen in den Jahren 2016–2018. Untersucht wurde das Verhältnis von Gonokokken- und Chlamydien-Infektionen und dem jeweiligen MenB-4C-Impfstatus zum Infektionszeitpunkt. Drei Gruppen wurden verglichen: Vollständig Geimpfte (mindestens zwei Impfungen mit MenB-4C), unvollständig Geimpfte (nur eine MenB-4C-Impfung) und Ungeimpfte. Es zeigte sich, dass in den ersten sechs Monaten nach der letzten Impfung in der Gruppe der unvollständig Geimpften 26 % weniger Gonokokken-Infektionen auftraten. In der Gruppe der vollständig Geimpften betrug die Reduktion sogar 40 % gegenüber der ungeimpften Gruppe.
Neuartiges Antibiotikum gegen Gonorrhoe
Laut einer aktuellen randomisierten kontrollierten Phase-III-Studie ist das neue Antibiotikum Gepotidacin wirksam gegen Gonorrhoe.1 In der Studie wurde das Medikament mit der bisherigen Standardbehandlung verglichen. Durch seine Angriffsstellen im Bakterium soll es auch gegen aktuell schon antibiotikaresistente Erreger wirksam sein. Das Gonorrhoe-Bakterium Neisseria gonorrhoeae hat zahlreiche Resistenzen gezeigt. Die aktuell empfohlene Therapie ist eine Kombination aus den Antibiotika Ceftriaxon i. m. und Azithromycin oral. In Deutschland wurden Azithromycin-resistente Bakterien im Jahr 2023 in einem Viertel der untersuchten Proben gefunden, gegen Ceftriaxon waren weniger als 1 % resistent.
Gepotidacin soll auch gegen resistente Bakterien wirken, da für eine Resistenz gegen Gepotidacin Mutationen in zwei Enzymen der Bakterien gleichzeitig nötig wären. Es hemmt die Enzyme Gyrase und Topoisomerase IV, die für die Vervielfältigung der Bakterien-DNA wichtig sind. Im Gegensatz zu Fluorchinolonen wie Ciprofloxacin, die auch auf diese Weise wirken, bindet Gepotidacin an andere Stellen dieser Enzyme.
In der aktuellen Studie schnitt Gepotidacin nicht schlechter als die Standardtherapie ab.1 Dabei wirkten beide Therapien auch erfolgreich gegen Erreger, die resistent gegen z. B. Ciprofloxacin oder Penicillin waren. Behandelte der Gepotidacin-Gruppe hatten häufiger Nebenwirkungen, die allermeisten mild oder moderat, am meisten kam es zu Durchfall. In den USA ist Gepotidacin für Frauen mit Blasenentzündung durch die Food and Drug Administration (FDA) zugelassen, in Europa gibt es noch keine Zulassung durch die European Medicines Agency (EMA).
1 Ross JDC et al. Lancet 2025;405(10489):1608–1620.
Quelle: Science Media Center
Schutzwirkung nur beim MenB-4C-Impfstoff
Eine zweite Untersuchung zu den Daten aus New York und Philadelphia zeigte, dass die Auswahl des MenB-Impfstoffs eine zentrale Rolle für den Schutz vor Gonorrhoe spielt. So wurde diese Schutzwirkung nur für den MenB-4C-, aber nicht für den MenB-fHbp-Impfstoff gezeigt. Die DSTIG spricht sich dafür aus, Personen mit entsprechendem Bedarf – also Menschen mit einem sehr aktiven Sexualleben, mit kondomlosen Sexualkontakten und wechselnden Partnern – eine Impfung mit dem tetravalenten MenB-4C-Impfstoff als zusätzliche Präventionsmaßnahme anzubieten. „Anhand der aktuell vorliegenden klinischen Daten kann man nicht abschließend einschätzen, ob eine breit angelegte Impfung sinnvoll ist“, merkt Brockmeyer an. Darüber hinaus besteht ein zusätzlicher Benefit in der Verminderung des Risikos einer invasiven Meningokokken-B-Erkrankung, von der gerade MSM in der Vergangenheit durch Ausbrüche, zum Teil mit Todesfolge, betroffen waren.
„Eine breite Aufklärung zu STI, die bereits im Kindes- und Jugendalter beginnt, ist die einzige mögliche Strategie.“
Prof. Julia Welzel
„Eine breite Aufklärung zu STI, die bereits im Kindes- und Jugendalter beginnt, ist die einzige mögliche Strategie“, merkt Prof. Julia Welzel, Augsburg, Tagungspräsidentin und Präsidentin der DDG, an. Informationen zu STI und dem Schutz vor Infektionen z. B. durch den Gebrauch von Kondomen, die zumindest bis zu 60 % vor sexuell übertragbaren Infektionen schützen, gehören auf den Lehrplan. „Ich wende mich aber auch an die dermatologische Kollegenschaft: Sprechen Sie alle Patientinnen und Patienten aktiv auf das Thema STI an und informieren Sie über Präventionsmöglichkeiten“, appelliert die DDG-Präsidentin.