Hat die Hyperspektralanalyse Potenzial als Standarddiagnostikum in der Wundmedizin?
Liegt bei Menschen mit peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) das Stadium der (chronisch) kritischen Extremitätenischämie (CLI) vor, ist die adäquate, zeitnahe Revaskularisierung die Grundlage für jede weitere Therapie einer ggf. vorliegenden Gewebeläsion.
Standardmäßig erfolgt die Erfolgskontrolle eines solchen Eingriffs mittels Dopplerverschlussdruckmessung, Duplexsonographie sowie in Ausnahmefällen Schnittbildgebung. Mit diesen Verfahren lässt sich zuverlässig die Makroperfusion bis in den Hohlfußbogen darstellen. Doch selbst wenn diese adäquat gewährleistet ist, ist es häufig schwierig, darüber Rückschlüsse auf die Mikroperfusion des Gewebes zu ziehen. Eine bisher etablierte Methode, die diese Mikroperfusion zumindest auf oberflächlichem Hautniveau abbildet, ist die transkutane Sauerstoffpartialdruckmessung (tcpO2). Die tcpO2 kann jedoch technisch bedingt keine ortsgenaue Aussage über die Perfusion treffen (z. B. Zehenkuppen) und vor allem nicht über die eigentlich relevante Perfusion auf Kapillarebene. Diese ist jedoch relevant, wenn z. B. die Abheilungstendenz von Läsionen beurteilt werden soll. Hier kann die Hyperspektralbildgebung (hyperspectral imaging, HSI) hilfreich sein.
Die Hyperspektralkamera sendet hierbei elektromagnetische Wellen (aus dem Nahinfrarot-, aber auch sichtbaren Spektrum) mit einer Länge von 500 nm bis 1.000 nm aus, die auf das zu untersuchende Gewebe treffen. Diese werden entsprechend der Gewebezusammensetzung sowie der Struktur und der eigenen Wellenlänge reflektiert, absorbiert und/oder gestreut (1). Ein bei der Analyse der Mikroperfusion besonders wichtiger Aspekt hierbei ist zum Beispiel, dass oxygeniertes und desoxygeniertes Hämoglobin unterschiedliche Absorptionsspektren – also unterschiedliche spektrale Signaturen – aufweist, was es unterscheidbar macht.
Zudem kann durch die unterschiedliche Eindringtiefe der Wellenlängen in das Gewebe (bis zu 6 mm) nicht nur die Durchblutung der Epidermis (StO2, ähnlich der tcpO2) beurteilt werden, sondern auch die Perfusion der Kapillarebene (Near Infrared (NIR)-Perfusion-Index) durch den Nahinfrarotbereich des Spektrums. Die Kamera erfasst hierbei diese hyperspektralen Daten für jeden virtuellen Bildpunkt – ermöglicht also eine genaue Ortsauflösung. Diese so gewonnenen Informationen werden in einem entsprechenden Falschfarbenbild (rot hoher Wert, blau niedriger Wert) kodiert und geben so eine ortsgenaue Information über die Mikroperfusion des betroffenen Gewebes. Dabei ist die Untersuchungsmethode berührungslos und dauert nur ca. 6 Sekunden (vs. 15 min bei der tcpO2-Messung) (Abb. 1 und 2).
Bei der Betrachtung der Abbildung 2 fällt die verbesserte Perfusion nicht nur oberflächlich (StO2), sondern insbesondere auch auf der Kapillarebene (NIR-Perfusion) auf, was eine adäquate Revaskularisation, aber auch intakte mikrovaskuläre Strukturen nachweist. Die Nekrose an der Großzehe (Pfeilmarkierung) zeigt sich scharf demarkiert, das umliegende Gewebe gut perfundiert. Über den Nachweis des Revaskularisationserfolges hinaus kann die Methode auch Gewebedefekte ortsgenau darstellen und erlaubt zudem – teilweise früher als der klinische Befund – das Erkennen sekundärer Verschlechterungen. Dabei wird der Revaskularisationserfolg definiert als eine adäquate Perfusion des Gewebes und nicht nur als die Wiederherstellung der Makroperfusion. Insbesondere durch den einfachen klinischen Einsatz und die Diskriminierung der unterschiedlichen Hautschichten zeigt sich das hohe Potenzial der Methode.
Es bedarf jedoch noch weiterer Evaluationen sowie einer Standardisierung gegenüber etablierten Verfahren wie der tcpO2 und der Dopplerverschlussdruckmessung, um insbesondere klare „Cut-off-Werte“ bezüglich der Gewebeperfusion zu definieren. Perspektivisch wäre nach erfolgter Evaluation dann ein Einsatz in der routinemäßigen Wunddiagnostik denkbar.
Der Beitrag beruht auf einem Vortrag beim Deutschen Wundkongress vom 07.-09.05.2025 in Bremen.
Literatur
1. Schneider A, Schick M. Hyperspectral Imaging Techniques in Biomedical Applications. Journal of Biomedical Science and Engineering 2020;13(04):216.
Korrespondenzadresse
Autoren: B. Dorweiler, L. Babel, U. E. M. Werra Universität zu Köln, Abteilung für Gefäß- und Endovaskularchirurgie, Medizinische Fakultät und Universitätsklinik Köln
Univ.-Prof. Dr. med. Bernhard Dorweiler Klinik und Poliklinik für Gefäßchirurgie – Vaskuläre und endovaskuläre Chirurgie Universitätsklinikum Köln (AöR) Kerpener Straße 62, 50937 Köln bernhard.dorweiler(at)uk-koeln.de
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