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vasomed 4/25

Operative Therapie des Ulcus cruris

Wenn venös bedingte Ulzerationen trotz adäquater Diagnostik und Therapie über drei Monate keine Heilungstendenz zeigen oder aber nach zwölf Monaten nicht abgeheilt sind, kann eine operative Lokaltherapie des Ulcus cruris in Betracht gezogen werden. 


08.07.2025
M. Stücker
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Davon abzugrenzen ist das Débridement, welches auch bei unkompliziertem Heilungsverlauf zur Beseitigung von Wundbelägen oder avitalem Gewebe durchgeführt werden sollte. Während das Débridement auch ganz am Anfang der Ulkustherapie erfolgen sollte, werden umfangreichere ulkuschirurgische Maßnahmen erst dann durchgeführt, wenn die Refluxe des extrafaszialen Venensystems soweit wie möglich ausgeschaltet worden sind, sei es durch offen operative oder aber durch endovenöse thermisch oder nichtthermisch-ablative Verfahren.



Débridement

Als Débridement chronischer Wunden wird die Entfernung von anhaftendem, abgestorbenem Gewebe, Krusten oder Fremdkörpern aus Wunden bezeichnet (1). Dabei umfasst das Débridement insbesondere die Wundfläche, teilweise wird jedoch auch Wundrand mit einbezogen (1) (Abb. 1). Für das Débridement stehen unterschiedliche Techniken zur Verfügung (Tab. 1).

Dabei ist die Unterscheidung eines sogenannten chirurgischen Débridements von einem scharfen Débridement sinnvoll. Das chirurgische Débridement reicht tiefer als das scharfe Débridement und umfasst das vollständige Abtragen von avitalem Gewebe bis in vitale Gewebestrukturen. Daher ist das chirurgische Débridement im engeren Sinne in der Regel durch Blutungen gekennzeichnet. Beim scharfen Débridement wird ebenfalls das avitale Gewebe entfernt, jedoch nicht bis in das vitale Gewebe, sodass es nicht zu Blutungen kommt. Dieses scharfe Débridement wird nicht selten in der ambulanten Sprechstunde durchgeführt (1). Das Instrumentarium für das scharfe und das chirurgische Débridement umfasst Skalpell, Pinzette, Präparierscheren sowie Ringküretten. Ringküretten werden häufig gegenüber den sogenannten scharfen Löffeln bevorzugt. Der Vorteil des scharfen bzw. chirurgischen Débridements gegenüber den anderen Techniken liegt darin, dass in relativ kurzer Zeit auch große Wunden débridiert werden können. Durch das konsequente Débridement wird die Wundheilung beschleunigt (2).

Autolytisches Débridement, z. B. mit Hydrogelen, Hydrofasern
Biochirurgisches Débridement mit Therapielarven
Chirurgisches Débridement: scharfes Débridement (z. B. kleinere chirurgische Eingriffe), chirurgisches Débridement in (Voll-)Narkose
Mechanisches Débridement, z. B. mit Baumwollgazen, Bürsten, Faserpads bzw. -tüchern, (chirurgische) Pinzetten, rauen/offen- und grobporigen Schäumen/Schwämmen
Osmotisches Débridement, z. B. mit Cadexomer-Granulaten, Honigpräparationen, Zuckerderivate (Dextranomer-Pasten)
Proteolytisches/enzymatisches Débridement, z. B. mit Kollagenase
Technisches Débridement mit Hydrochirurgie bzw. -lavage, Laser, (Leistungs-) Ultraschall
Tab. 1: Methoden des Débridements chronischer Wunden (nach Dissemond et al 2022 (1)).

Reverdin-Plastik

Die einfachste Form der Hauttransplantation ist die sogenannte Reverdin-Plastik, die bereits 1869 von Reverdin beschrieben worden ist. Hierbei werden kleine Hautläppchen von bis zu 1 cm Durchmesser durch eine tangentiale Exzision gewonnen und auf einen sauberen Wundgrund aufgebracht. Typischerweise sind hier keine Nähte oder Klammern erforderlich. Vielmehr werden die Läppchen durch nicht-adhäsive Wundauflagen fixiert. Ein wesentlicher Vorteil der Reverdin-Plastiken ist die geringe Invasivität und der geringe Aufwand. Häufig wird die Anspruchslosigkeit der Hautläppchen hervorgehoben (8).

Spalthauttransplantation

Bei der Spalthauttransplantation im engeren Sinne wird Spalthaut auf die vorher durch nicht-operative Konditionierung vorbereitete Ulzeration aufgebracht. Die Spalthaut wird mittels eines Dermatoms in der Regel am Oberschenkel entnommen. Eine alternative Spalthautentnahmestelle ist der Hinterkopf. Typischerweise wird die mittels Dermatom entnommene Spalthaut mit einer speziellen Meshgraft-Schneidepresse zu einem scherengitterartig gegliederten Spalthautlappen aufgearbeitet. Die Dicke der Spalthaut liegt zwischen 0,2 und 0,4 mm. Je dicker das Transplantat ist, umso schlechter ist die Einheilungsrate, je dünner das Spalthauttransplantat ist, umso weniger belastungsstabil ist es. Ähnlich verhält es sich mit dem Expansionsverhältnis. Eine Expansion von 1 : 3 ist weniger stabil als eine Expansion von 1 : 1,5. Im Gegensatz zu Reverdin-Läppchen wird das Spalthauttransplantat typischerweise mittels Nähten oder Klammern, ggf. auch mittels Kleber oder Unterdruckbehandlung fixiert (8). Offenbar heilen die Spalthauttransplantate unter der Fixierung mit einer lokalen Unterdrucktherapie besser ein und es sind weniger Reoperationen erforderlich (10).

Shave-Therapie

Die sogenannte Shave-Therapie wurde 1987 durch Quaba et al. etabliert (4). Sie unterscheidet sich ganz prinzipiell von der klassischen Wundgrundkonditionierung mit anschließender Spalthauttransplantation. Diese konventionellen Transplantationen weisen zwar Einheilungsraten von 50 bis 90 % auf, aber rezidivieren in etwa 50 % der Fälle in den Folgejahren (7). In Deutschland wurde diese Technik im Wesentlichen durch die Arbeitsgruppe um Schmeller eingeführt (6) und dann auch durch die Gruppe um Hermanns propagiert (3). Dabei konnte nach drei Monaten eine Einheilungsrate von 79 % bei zuvor therapieresistenten oder rezidivierenden Ulzerationen erreicht werden. Ein Teilkollektiv dieser primär behandelten Patienten konnte über bis zu zwei Jahre nachbeobachtet werden und zeigte eine langfristige Abheilungsrate von 88 %. Bedeutsam war, dass selbst in den Fällen mit Rezidiven eine drastische Reduktion der Ulkusfläche um 80 bis 90 % erreicht wurde (7). Dabei konnte das Verfahren sowohl bei Patienten mit rein venös bedingten Ulzerationen als auch bei Patienten mit Ulcus cruris mixtum angewendet werden. In einer größeren Fallserie von 193 Patienten mit 249 erkrankten Beinen konnte eine Abheilungsrate von 79,2 % erreicht werden, 8,4 % hatten noch kleine Restläsionen und 12,4 % mussten als Therapieversager eingestuft werden (3). Dabei scheint ein Faktor für ein schlechtes Einheilen der Spalthaut ein unzureichendes Shaving zu sein, bei dem nicht genügend des vernarbten Gewebes entfernt worden ist, wie in histologischen Untersuchungen gezeigt werden konnte (5).

In Deutschland hat sich die Shave-Therapie mit in gleicher Sitzung durchgeführter Spalthauttransplantation als das am häufigsten durchgeführte Verfahren der lokalen Ulkuschirurgie etabliert (Abb. 2 bis 6). Bei der Shave-Therapie wird mit einem Dermatom in Schichtdicken von 0,3 bis 0,4 mm Gewebe so lange abgetragen, bis eine Wundfläche mit möglichst dichter kapillärer Blutung erreicht ist. Dabei wird fibrosiertes Gewebe entfernt, die Faszie jedoch möglichst nicht beschädigt oder beseitigt. Mitentscheidend für die erfolgreiche Shave-Therapie mit Spalthauttransplantation sind die gute Vorbereitung und auch Nachbereitung der Operation.

Von besonderer Bedeutung ist, dass die Wundumgebung möglichst reizlos und nicht ekzematös verändert sein sollte und dass Ödeme der betroffenen Extremität konsequent entstaut sein sollten. Nach der Operation erfolgt der Verbandswechsel oft erst am vierten oder fünften postoperativen Tag. Die Patienten sollten sich bis dahin möglichst ruhig verhalten und weitgehend Bett­ruhe einhalten. Nach dieser Phase der Ruhigstellung bis zum ersten Verbandswechsel sind weitere Maßnahmen zur Ödemprophylaxe bzw. bei rezidivierendem Ödem zur Entstauung sinnvoll. Hier sind insbesondere das Tragen von Kompressionsstrümpfen, ggf. Manuelle Lymphdrainage, ggf. Intermittierende Pneumatische Kompression und Bewegungsübungen zur Mobilisation des Sprunggelenks in Betracht zu ziehen (9).

Literatur
  1. Dissemond J, Bültemann A, Gerber V t al. Positionspapier der Initiative Chronische Wunde (ICW) e. V. zur Nomenklatur des Débridements chronischer Wunden [Position paper of the Initiative Chronische Wunde (ICW) e. V. on the nomenclature of debridement in chronic wounds]. Hautarzt. 2022;73(5):369-375. German. doi: 10.1007/s00105-022-04944-3. Epub 2022 Jan 24. PMID: 35072741; PMCID: PMC9085679.
  2. Doerler M, Reich-Schupke S, Altmeyer P, Stücker M. Impact on wound healing and efficacy of various leg ulcer debridement techniques. J Dtsch Dermatol Ges. 2012 Sep;10(9):624-32. English, German. doi: 10.1111/j.1610-0387.2012.07952.x. Epub 2012 May 16. PMID: 22591415.
  3. Hermanns HJ, Gallenkemper G, Kanya S, Waldhausen, P. Die Shave-Therapie im Konzept der operativen Behandlung des therapieresistenten Ulcus cruris venosum: Aktuelle Langzeitergebnisse. Phlebologie 2005; 34(04): 209-215. DOI: 10.1055/s-0037-1621564.
  4. Quaba AA, McDowall RA, Hackett ME. Layered shaving of venous leg ulcers. Br J Plast Surg. 1987;40(1):68-72. doi: 10.1016/0007-1226(87)90014-2. PMID: 3545345.
  5. Reich-Schupke S, Schmeil I, Kreuter A, Bechara F, Hoffmann K, Altmeyer P, Stücker M. Insufficient and incomplete shaving in chronic venous leg ulcers leads to a poor prognosis of the skin graft: a histomorphological analysis. Dermatology. 2011;223(1):87-92. doi: 10.1159/000330562. Epub 2011 Aug 31. PMID: 21893960.
  6. Schmeller W, Gaber Y, Gehl HB. Shave therapy is a simple, effective treatment of persistent venous leg ulcers. J Am Acad Dermatol. 1998 Aug;39(2 Pt 1):232-8. doi: 10.1016/s0190-9622(98)70081-7. PMID: 9704835.
  7. Schmeller W, Gaber Y. Surgical removal of ulcer and lipodermatosclerosis followed by split-skin grafting (shave therapy) yields good long-term results in "non-healing" venous leg ulcers. Acta Derm Venereol. 2000;80(4):267-71. doi: 10.1080/000155500750012144. PMID: 11028859.
  8. Stoffels I, Alt C, Bekeschus S, Klode J. Moderne Ulkuschirurgie: Invasive Behandlungsoptionen am Beispiel des therapieresistenten Ulcus cruris venosum [Modern ulcer surgery : Invasive treatment options using the example of therapy-resistant venous leg ulcers]. Hautarzt. 2020;71(11):843-849. German. doi: 10.1007/s00105-020-04691-3. PMID: 32986161.
  9. Wenk H, Noppeney T, Nüllen H. Chirurgie des Ulcus cruris venosum. In: Noppeney T, Nüllen, H (eds). Varikose. Springer, Berlin, Heidelberg 2022. https://doi.org/10.1007/978-3-662-59117-8_28.
  10. Yin Y, Zhang R, Li S et al. Negative-pressure therapy versus conventional therapy on split-thickness skin graft: A systematic review and meta-analysis. Int J Surg. 2018;50:43-48. doi: 10.1016/j.ijsu.2017.12.020. Epub 2017 Dec 29. PMID: 29292216.
Korrespondenzadresse

Prof. Dr. med. Markus Stücker 

Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie
Venenzentrum der Dermatologischen und Gefäß­chirurgischen Kliniken
Kliniken der Ruhr-Universität Bochum
Im St. Maria-Hilf-Krankenhaus
Hiltroper Landwehr 11–13 44805 Bochum
markus.stuecker(at)klinikum-bochum.de
www.venenzentrum-uniklinik.de

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch:

Grundlagen der Phlebologie und Lymphologie
Hrsg.: Prof. Eberhard Rabe

4. erweiterte und vollständig überarbeitete Auflage, 476 Seiten, WPV. Verlag, ISBN 978-3-934371-68-2, Preis: 75 Euro, erschienen im September 2024, Informationen unter

www.ni-a.de/publikationen-und-e-paper/buecher