Die sogenannte Shave-Therapie wurde 1987 durch Quaba et al. etabliert (4). Sie unterscheidet sich ganz prinzipiell von der klassischen Wundgrundkonditionierung mit anschließender Spalthauttransplantation. Diese konventionellen Transplantationen weisen zwar Einheilungsraten von 50 bis 90 % auf, aber rezidivieren in etwa 50 % der Fälle in den Folgejahren (7). In Deutschland wurde diese Technik im Wesentlichen durch die Arbeitsgruppe um Schmeller eingeführt (6) und dann auch durch die Gruppe um Hermanns propagiert (3). Dabei konnte nach drei Monaten eine Einheilungsrate von 79 % bei zuvor therapieresistenten oder rezidivierenden Ulzerationen erreicht werden. Ein Teilkollektiv dieser primär behandelten Patienten konnte über bis zu zwei Jahre nachbeobachtet werden und zeigte eine langfristige Abheilungsrate von 88 %. Bedeutsam war, dass selbst in den Fällen mit Rezidiven eine drastische Reduktion der Ulkusfläche um 80 bis 90 % erreicht wurde (7). Dabei konnte das Verfahren sowohl bei Patienten mit rein venös bedingten Ulzerationen als auch bei Patienten mit Ulcus cruris mixtum angewendet werden. In einer größeren Fallserie von 193 Patienten mit 249 erkrankten Beinen konnte eine Abheilungsrate von 79,2 % erreicht werden, 8,4 % hatten noch kleine Restläsionen und 12,4 % mussten als Therapieversager eingestuft werden (3). Dabei scheint ein Faktor für ein schlechtes Einheilen der Spalthaut ein unzureichendes Shaving zu sein, bei dem nicht genügend des vernarbten Gewebes entfernt worden ist, wie in histologischen Untersuchungen gezeigt werden konnte (5).
In Deutschland hat sich die Shave-Therapie mit in gleicher Sitzung durchgeführter Spalthauttransplantation als das am häufigsten durchgeführte Verfahren der lokalen Ulkuschirurgie etabliert (Abb. 2 bis 6). Bei der Shave-Therapie wird mit einem Dermatom in Schichtdicken von 0,3 bis 0,4 mm Gewebe so lange abgetragen, bis eine Wundfläche mit möglichst dichter kapillärer Blutung erreicht ist. Dabei wird fibrosiertes Gewebe entfernt, die Faszie jedoch möglichst nicht beschädigt oder beseitigt. Mitentscheidend für die erfolgreiche Shave-Therapie mit Spalthauttransplantation sind die gute Vorbereitung und auch Nachbereitung der Operation.
Von besonderer Bedeutung ist, dass die Wundumgebung möglichst reizlos und nicht ekzematös verändert sein sollte und dass Ödeme der betroffenen Extremität konsequent entstaut sein sollten. Nach der Operation erfolgt der Verbandswechsel oft erst am vierten oder fünften postoperativen Tag. Die Patienten sollten sich bis dahin möglichst ruhig verhalten und weitgehend Bettruhe einhalten. Nach dieser Phase der Ruhigstellung bis zum ersten Verbandswechsel sind weitere Maßnahmen zur Ödemprophylaxe bzw. bei rezidivierendem Ödem zur Entstauung sinnvoll. Hier sind insbesondere das Tragen von Kompressionsstrümpfen, ggf. Manuelle Lymphdrainage, ggf. Intermittierende Pneumatische Kompression und Bewegungsübungen zur Mobilisation des Sprunggelenks in Betracht zu ziehen (9).