Behandlung des Restless-Legs-Syndroms und der periodischen Beinbewegungsstörung
Die in 2025 aktualisierte Leitlinie der American Academy of Sleep Medicine (AASM) beinhaltet Empfehlungen für die Therapie des Restless-Legs-Syndroms (RLS) und der periodischen Beinbewegungsstörung (PLMD) bei Erwachsenen und Kindern (1). Dieser Beitrag fasst die Leitlinie kurz zusammen.
RLS ist eine schlafbezogene Bewegungsstörung, die durch den Drang gekennzeichnet ist, ein oder beide Beine (manchmal auch die Arme) bei Immobilität zu bewegen. Dies ist oft verbunden mit Dysästhesien in den betroffenen Extremitäten. Dieser Drang lässt durch Bewegung nach und ist abends oder nachts am stärksten ausgeprägt (2). Der Schweregrad von RLS reicht von vereinzeltem Auftreten während längerem Sitzen oder Inaktivität bis hin zu täglichen, nahezu rund um die Uhr bestehenden Beschwerden und Bewegungseinschränkungen. Neuropathie, Akathisie, Spastik, Lagerungsbeschwerden, Gelenkbeschwerden und nächtliche Beinkrämpfe gehören zu den Erkrankungen, die bei Erwachsenen mit RLS-ähnlichen Symptomen einhergehen können (2). Bei Kindern treten Wachstumsschmerzen, Beinkrämpfe und Verhaltensauffälligkeiten auf (3). Eine sorgfältige Anamnese ist unerlässlich, da es keinen objektiven Test zur Diagnose von RLS gibt. Die zugrunde liegende Pathophysiologie von RLS und PLMD ist nur z. T. verstanden, wahrscheinlich spielen sowohl ein Eisenmangel im Gehirn sowie genetische Faktoren eine Rolle (4, 5).
Um Patienten mit RLS angemessen und wirksam zu behandeln, sollte laut der Leitlinie das folgende Good-Practice-Statement (GPS) umgesetzt werden (1). Es basiert auf einem Expertenkonsens.
Bei allen Patienten mit klinisch signifikantem RLS sollten regelmäßig Serumeisenwerte inkl. Ferritin und Transferrinsättigung bestimmt werden. Die Tests sollten idealerweise morgens durchgeführt werden; mindestens 24 h vor der Blutentnahme sind alle eisenhaltigen Nahrungsergänzungsmittel und Nahrungsmittel zu vermeiden. Die Eisenwerte beeinflussen maßgeblich die Entscheidung für eine orale oder i. v.-Eisentherapie. Konsensrichtlinien, die nicht empirisch geprüft wurden, empfehlen, bei Erwachsenen mit RLS eine Eisensupplementierung zu beginnen, wenn der Serumferritinspiegel ≤ 75 ng/ml oder die Transferrinsättigung < 20 % liegt, und nur dann mit i. v.-Eisenpräparaten, wenn der Serumferritinspiegel zwischen 75 und 100 ng/ml liegt. Bei Kindern sollte eine Eisensupplementierung mit oralen oder i. v.-Präparaten ab einem Serumferritinspiegel < 50 ng/ml erfolgen. Diese Richtlinien zur Eisensupplementierung unterscheiden sich von denen für die Allgemeinbevölkerung.
Der erste Schritt bei der Behandlung von RLS sollte die Adressierung auslösender Faktoren sein, wie Alkohol, Koffein, Antihistaminika, serotonerge und antidopaminerge Medikamente sowie eine unbehandelte obstruktive Schlafapnoe.
RLS tritt häufig in der Schwangerschaft auf. Bei jeder Behandlung ist das schwangerschaftsspezifische Sicherheitsprofil zu berücksichtigen.
Empfehlungen
Die folgenden Empfehlungen der AASM dienen als Leitfaden bei der Wahl einer spezifischen Therapie für RLS und PLMD bei Erwachsenen und Kindern (1). Die unten aufgeführten Empfehlungen sind nach ihrer Stärke geordnet und innerhalb der PICO-Frage (Patient, Intervention, Komparator, Ergebnis) nach Behandlungsklassen gruppiert.
Erwachsene mit RLS:
Anwendung von Gabapentin-Enacarbil gegenüber keinem Gabapentin-Enacarbil (starke Empfehlung, moderate Evidenzsicherheit (ES)).
Anwendung von Gabapentin gegenüber keinem Gabapentin (starke Empf., moderate ES).
Anwendung von Pregabalin gegenüber keinem Pregabalin (starke Empf., moderate ES).
i. v.-Gabe von Eisencarboxymaltose gegenüber keiner i. v.-Gabe von Eisencarboxymaltose bei Patienten mit entsprechendem Eisenstatus (s. GPS zu Eisen) (starke Empf., moderate ES).
i. v.-Gabe von niedermolekularem Eisendextran gegenüber keiner i. v.-Gabe von niedermolekularem Eisendextran bei Patienten mit entsprechendem Eisenstatus (s. GPS zu Eisen) (bedingte Empf., sehr geringe ES).
i. v.-Gabe von Ferumoxytol gegenüber keiner i. v.-Gabe von Ferumoxytol bei Patienten mit entsprechendem Eisenstatus (s. GPS zu Eisen) (bedingte Empf., sehr geringe ES).
Anwendung von Eisensulfat gegenüber keinem Eisensulfat bei Patienten mit entsprechendem Eisenstatus (s. GPS zu Eisen) (bedingte Empf., moderate ES).
Anwendung von Dipyridamol gegenüber keinem Dipyridamol (bedingte Empf., geringe ES).
Anwendung von Oxycodon mit verlängerter Wirkstofffreisetzung und anderen Opioiden gegenüber keinem Opioid (bedingte Empf., moderate ES).
Anwendung einer bilateralen hochfrequenten Peroneusnervstimulation gegenüber keiner Peroneusnervstimulation (bedingte Empf., moderate ES).
Keine Standardanwendung von Levodopa (bedingte Empf., sehr geringe ES).
Keine Standardanwendung von Pramipexol ab (bedingte Empf., mittlere ES).
Keine Standardanwendung von transdermalem Rotigotin ab (bedingte Empf., geringe ES).
Keine Standardanwendung von Ropinirol ab (bedingte Empf., moderate ES).
Keine Anwendung von Bupropion (bedingte Empf., moderate ES).
Keine Anwendung von Carbamazepin (bedingte Empf., niedrige ES).
Keine Anwendung von Clonazepam (bedingte Empf., sehr niedrige ES).
Keine Anwendung von Baldrian (bedingte Empf., sehr geringe ES).
Keine Anwendung von Valproinsäure ab (bedingte Empf., geringe ES).
Keine Anwendung von Cabergolin (starke Empf., mittlere ES).
Erwachsenen mit RLS und terminaler Niereninsuffizienz:
Gabe von Gabapentin gegenüber keinem Gabapentin (bedingte Empf., sehr geringe ES).
i. v.-Gabe von Eisensaccharose gegenüber keiner i. v.-Gabe von Eisensaccharose bei Patienten mit Ferritin < 200 ng/ml und Transferrinsättigung < 20 % (bedingte Empf., moderate ES).
Gabe von Vitamin C gegenüber keinem Vitamin C (bedingte Empf., geringe ES).
Keine Standardanwendung von Levodopa ab (bedingte Empf., geringe ES).
Keine Standardanwendung von Rotigotin ab (bedingte Empf., sehr geringe ES).
Erwachsene mit PLMD:
Keine Anwendung von Triazolam ab (bedingte Empf., sehr geringe ES).
Keine Anwendung von Valproinsäure ab (bedingte Empf. sehr geringe ES).
Kinder mit RLS:
Anwendung von Eisensulfat gegenüber keinem Eisensulfat bei Patienten mit entsprechendem Eisenstatus (s. GPS für Eisen) (bedingte Empf., sehr geringe ES).
1. Winkelman JW et al. Treatment of restless legs syndrome and periodic limb movement disorder: an American Academy of Sleep Medicine clinical practice guideline. J Clin Sleep Med. 2025;21(1):137–152.
2. Allen RP et al. Sleep Med. 2014;15(8):860–873.
3. Walters AS et al. Pediatr Neurol. 1994;11(3):241–245.
4. Earley CJ et al. Sleep Med. 2014;15(11):1288–1301.12. k
5. Schormair B et al; DESIR study group. Lancet Neurol. 2017;16(11):898–907.
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