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Überlebensstrategie

Auf welcher Seite schlafen Katzen am liebsten?

Ein internationales Forschungsteam hat untersucht, ob Katzen eine bevorzugte Schlafseite haben und welche neurobiologischen Vorteile diese Position bieten könnte – mit deutlichen Ergebnissen.


08.07.2025
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Alle Tiere sind im Schlaf besonders verwundbar und Katzen verbringen jeden Tag 12 bis 16 Stunden damit. Sie ruhen bevorzugt auf erhöhten Liegeplätzen, sodass sich Feinde nur von unten anschleichen können. Ein internationales Forschungsteam* wollte nun herausfinden, ob die Tiere bevorzug auf der linken oder rechten Seite schlafen. „Asymmetrien im Verhalten können Vorteile haben, weil die beiden Hirnhälften auf unterschiedliche Dinge spezialisiert sind“, sagt Prof. Dr. Dr. h.c. Onur Güntürkün von der Arbeitsgruppe Biopsychologie, der Ruhr-Universität Bochum.

Ergebnisse: Zwei Drittel der Katzen schlafen links

Die Gruppe analysierte 408 öffentlich auffindbare Youtube-Videos, in denen eine einzelne Katze klar erkennbar mit dem ganzen Körper mindestens zehn Sekunden lang auf der Seite schlafend zu sehen war. Nur Originalvideos wurden verwendet; modifiziertes Material wurde aus der Studie ausgeschlossen.

Das zentrale Ergebnis der Studie: 266 von 408 Katzen (65,1%) schliefen auf der linken Seite ( p < 0,001). 

Begünstigtes Jagd- und Flucht-Verhalten nach dem Aufwachen?

Eine mögliche Erklärung: Katzen, die auf der linken Seite schlafen, nehmen ihre Umgebung beim Aufwachen mit der linken Hälfte des Sehfelds wahr, das in der rechten Gehirnhälfte verarbeitet wird. Diese ist spezialisiert auf räumliche Aufmerksamkeit, die Verarbeitung von Gefahren und die Koordination schneller Fluchtbewegungen. Bei einer Katze, die auf der linken Seite aufwacht, gelangen also visuelle Informationen über Raubtiere oder auch Beute direkt in die rechte Hirnhälfte, die auf ihre Verarbeitung spezialisiert ist. „Auf der linken Seite zu schlafen, kann somit eine Überlebensstrategie darstellen“, resümieren die Forschenden.

Alternativerklärungen und Limitationen

Als weitere mögliche Einflussfaktoren auf die Schlafposition diskutieren die Autorinnen und Autoren die individuelle Pfotenpräferenz („Pawedness“) oder mögliche Effekte einer Trächtigkeit – wie sie etwa bei schwangeren Kühen zu beobachten sind. Da jedoch die Links-Präferenz in der Gesamtpopulation der Katzen deutlich stärker ausgeprägt war als bei diesen Einflussgrößen zu erwarten wäre, halten die Autorinnen und Autoren eine neurobiologische Erklärung für am wahrscheinlichsten. Limitationen bestehen darin, dass Geschlecht, Alter, Gesundheitszustand oder Trächtigkeit der untersuchten Katzen mangels verfügbarer Videoinformationen nicht berücksichtigt werden konnten.
 

Sevim Isparta*, Sebastian Ocklenburg* et al.: Turning Left: Lateralized Sleeping Positions in Domestic Cats, in: Current Biology, 2025, DOI: 10.1016/j.cub.2025.04.043, https://www.cell.com/current-biology/fulltext/S0960-9822(25)00507-X
* Geteilte Erstautorenschaft

- University of Bari Aldo Moro (Italien)
- Medical School Hamburg (Deutschland)
- Ruhr-Universität Bochum (Deutschland)
- Forschungsinstitut für Nutztierbiologie (Deutschland)
- University of Prince Edward Island (Kanada)
- Kafkas University (Türkei)
- Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (Schweiz)

Quelle: Ruhr-Universität Bochum

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