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Meta-Analyse

Meta-Analyse zeigt Einfluss von Kindesmisshandlung auf die Körperwahrnehmung

Emotionale Misshandlung in der Kindheit kann mit einem verminderten Vertrauen in die eigene Körperwahrnehmung einhergehen – das zeigt eine Meta-Analyse unter Leitung der TU Dresden. Ein differenzierter Blick auf interozeptive Folgen frühkindlicher Belastung gewinnt damit an Bedeutung.


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Ein Forschungsteam der Technischen Universität Dresden und der Freien Universität Berlin hat in einer aktuellen Meta-Analyse untersucht, wie sich frühe Misshandlungserfahrungen auf die Körperwahrnehmung auswirken. Die Ergebnisse, veröffentlicht im Juni 2025 in Nature Mental Health, zeigen: Besonders emotionale Misshandlung kann das Vertrauen in körpereigene Signale langfristig beeinträchtigen.

Wie Kindesmisshandlung die Körperwahrnehmung beeinflusst

Im Rahmen der Analyse wertete das Forschungsteam 17 Einzelstudien mit insgesamt 3.705 Teilnehmenden aus. Ziel war es, die Zusammenhänge zwischen Kindheitserfahrungen und der Körperwahrnehmung systematisch zu erfassen.

Dabei standen vier zentrale Parameter der Interozeption im Fokus:

  • Genauigkeit – objektive Wahrnehmung innerer Signale (z. B. Herzschlag)
  • Sensibilität – subjektives Empfinden körperlicher Vorgänge
  • Bewusstsein – metakognitive Einschätzung der eigenen Körperwahrnehmung
  • Body Trust – Vertrauen in die Bedeutung und Verlässlichkeit körperlicher Signale

Zwar ließ sich über alle Studien hinweg kein konsistenter Zusammenhang zwischen Kindheitserfahrungen und den ersten drei Parametern – Genauigkeit, Sensibilität oder Bewusstsein – nachweisen, doch ein eindeutiger Befund zeigte sich beim „Body Trust“: Personen mit einer Vorgeschichte emotionaler Misshandlung oder Vernachlässigung berichteten signifikant häufiger von einem reduzierten Vertrauen in ihre Körpersignale.

Frühkindliche Belastungen könnten somit die Grundlage für ein gestörtes Körpervertrauen schaffen. Dies wiederum kann langfristig sowohl die psychische als auch die körperliche Gesundheit beeinträchtigen.

Körperwahrnehmung nach emotionaler Misshandlung

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Menschen, die in ihrer Kindheit emotionalen Missbrauch oder emotionale Vernachlässigung erlebt haben, häufig über weniger Vertrauen in ihren eigenen Körper berichten. Dies kann weitreichende Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben, da es zum Beispiel die Emotionsregulation, die Wahrnehmung eigener Bedürfnisse sowie die Stressverarbeitung beeinträchtigen kann. Darüber hinaus könnte dies ein Erklärungsansatz dafür sein, warum Betroffene von Missbrauchs- und Misshandlungserfahrungen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung psychischer Störungen wie Angststörungen, Depressionen oder Essstörungen aufweisen“, erklärt Erstautorin Julia Ditzer.

Dr. Ilka Böhm, Mitarbeiterin an der Professur für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie, ergänzt: „Trotz der langfristigen Folgen wird diesen Formen der Kindesmisshandlung bisher nicht die nötige Aufmerksamkeit geschenkt. Im Gegensatz zu körperlicher oder sexueller Misshandlung sind sie weniger sichtbar – und werden daher auch seltener erkannt.“

Prävention und Forschung: Interozeption im Fokus

Auch Prof. Dr. Anna-Lena Zietlow betont: „Wir hoffen, dass unsere Forschung dazu beiträgt, emotionale Misshandlung und Vernachlässigung stärker ins öffentliche und fachliche Bewusstsein zu rücken.“ Kinder benötigen nicht nur Schutz vor körperlicher Gewalt, sondern auch eine verlässliche und feinfühlige emotionale Zuwendung. Emotionalen Bedürfnissen sollte daher sowohl in der Gesellschaft als auch in Forschung und Prävention deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Basierend auf den Ergebnissen hat das Team im Frühjahr 2025 eine Folgestudie mit Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren gestartet. Ziel ist es, die Auswirkungen emotionaler Misshandlung auf interozeptive Fähigkeiten im Jugendalter genauer zu untersuchen. Weitere Informationen zur laufenden Studie bietet die Projektübersicht der TU Dresden.

Originalpublikation

Ditzer J, Woll CFJ, Burger C, Ernst A, Böhm I, Garthus-Niegel S, Zietlow AL. Childhood maltreatment and interoception: A meta-analytic review. Nat Ment Health. 2025;3:821–837. Verfügbar unter: https://www.nature.com/articles/s44220-025-00456-w

Quelle: Technische Universität Dresden

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