Eine aktuelle Studie konnte zeigen, dass bestimmte Nutrazeutika – insbesondere in Kombination mit Phosphodiesterase-5-Hemmern – bei erektiler Dysfunktion hilfreich sein können.1
Obwohl bei erektiler Dysfunktion (ED) Behandlungen auf Nutrazeutika-Basis oft empfohlen werden, ist deren Wirksamkeit bisher unklar. Ebenso ist die Entscheidung für oder gegen eine Substanz schwierig, da es an direkten Vergleichsstudien mangelt. In ihrer aktuellen Untersuchung zielten Barbonetti et al.darauf ab, die Wirksamkeit verfügbarer nutrazeutischer Behandlungen – allein oder in Kombination mit Phosphodiesterase (PDE)-5-Hemmern – hinsichtlich der Verbesserung der Erektionsfähigkeit bei Männern mit ED zu vergleichen. Sie nutzten dafür eine Netzwerk-Metaanalyse (NMA), die direkte und indirekte Evidenz in einem Modell vereinen und so eine Hierarchie der Wirksamkeit erstellen sollte.
Die Autoren durchsuchten für ihre Studie die Datenbanken PubMed, Scopus, Web of Sciences und Cochrane Library nach randomisierten, placebokontrollierten Studien (RCTs). In diesen sollte die Wirkung verschiedener Nutrazeutika-Therapien auf die Verbesserung der Erektionsfähigkeit im Vergleich zu anderen Therapien, Placebo und/oder PDE-5-Hemmern bei Männern mit ED analysiert worden sein. Die Daten wurden in einer Random-Effects-NMA aufgenommen, in der die Wirksamkeit der Behandlungen anhand einer kumulativen Rangkurve (Surface under the cumulative ranking curve, SUCRA) bewertet wurde. Zusätzlich führten die Autoren separat zwei NMAs für organisch und nicht-organisch bedingte ED durch. Anschließend analysierten sie die reziproken Vergleiche aller Behandlungen anhand von Ranglisten. Das Hauptergebnis wurde als standardisierte mittlere Differenz des Scores des International Index of Erectile Function (IIEF)-5 oder IIEF-6 dargestellt.
Was sind Nutrazeutika?
Das Wort Nutrazeutika (Nutraceuticals) verbindet die beiden englischen Wörter nutrition (Nahrung) und pharmaceutical (Pharmazeutika). Nutrazeutika sind Lebensmittel oder Bestandteile davon, die gesundheitliche Vorteile oder medizinische Wirkungen aufweisen und so zur Gesundheitsförderung oder Krankheitsprävention beitragen können. Zu ihnen gehören traditionelle pflanzliche Heilmittel, Nahrungsergänzungsprodukte sowie sogenanntes „Functional Food“ (mit Nutrazeutika angereicherte Lebensmittel). Auch Kräuter, essenzielle Fettsäuren, Vitamine, Mineralien und Ballaststoffe werden zu den Nutrazeutika gezählt.
Daten von 1.000 Männern ausgewertet
In der Untersuchung lieferten 15 RCTs Daten von 1.000 Männern mit ED. In der Gesamt-NMA zeigte die Kombination Propionyl-L-Carnitin (PLC) + Acetyl-L-Carnitin (ALC) + Sildenafil im Vergleich zu Placebo den höchsten SUCRA (97 %) zur Verbesserung der ED, gefolgt von L-Arginin + Tadalafil (84 %), Sildenafil (79 %), Tadalafil (72 %) und L-Arginin (52 %). Kein anderes Behandlungsschema wies eine statistisch signifikante Wirksamkeit auf. Bei Patienten mit organischer ED wurde die Wirksamkeit von Sildenafil und Tadalafil durch PLC + ALC bzw. L-Arginin signifikant verbessert. Im Gegensatz dazu verbesserten Nutrazeutika bei nicht-organisch bedingter ED die therapeutische Wirkung von täglich verabreichtem Tadalafil nicht.
Nutrazeutika wirksam bei organisch bedingter erektiler Dysfunktion
Obwohl sich die meisten nutrazeutischen Therapien bei ED nicht als wirksam erwiesen haben, scheinen L-Arginin und die Mischung PLC + ALC bei der Verbesserung der Erektionsfähigkeit von gewissem Nutzen zu sein, insbesondere in Kombination mit PDE-5-Hemmern bei organisch bedingter ED.
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