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Allergologie, Pädiatrie, Medizin Pädiatrie Pädiatrie
OIT

Immuntherapie bei Erdnussallergie: Sagen Biomarker im Blut den Behandlungserfolg voraus?

Die orale Immuntherapie (OIT) kann Kinder mit Erdnussallergie schützen, birgt aber Risiken und ist nicht immer wirksam. Welche Ursachen zu Grunde liegen und wie neue Biomarker eine individuellere Therapieplanung ermöglichen könnten, zeigt eine Studie aus Berlin.


01.08.2025
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Auf einen Blick

  • Die orale Immuntherapie (OIT) ist nicht für alle Kinder mit Erdnussallergie gleichermaßen wirksam.
  • Niedrigere Werte für IgE- und Th2-Zytokine vor der Therapie korrelieren mit besserem Ansprechen.
  • Differentiell exprimierte und methylierte Gene deuten auf eine Beteiligung gastrointestinaler Immunprozesse hin.
  • Neue Biomarker könnten eine personalisierte, risikoadaptierte Behandlung ermöglichen.

Seit kurzem gibt es für Kinder mit einer Erdnussallergie die Möglichkeit einer oralen Immuntherapie (OIT). „Einige Kinder, die eine solche Therapie erhalten, sprechen auf die Behandlung allerdings kaum oder gar nicht an“, sagt Prof. Young-Ae Lee, Max Delbrück Center, Berlin. „Bei einigen führt das Präparat, das steigende Dosierungen der Erdnussallergene enthält, auch zu anaphylaktischen Reaktionen.“ Warum Kinder auf die OIT so unterschiedlich ansprechen und wie sich diese künftig womöglich sicherer und effektiver gestalten lässt, beschreibt ein Team um Lee und Prof. Kirsten Beyer, Charité – Universitätsmedizin Berlin, jetzt in der Fachzeitschrift „Allergy“. 

Analyse von Immunparametern

In die Studie wurden 38 Kinder (Durchschnittsalter 7 Jahre) mit gesicherter Erdnussallergie eingeschlossen, die an der Charité eine OIT erhielten. Die Forschenden bestimmten vor und nach der Therapie unter anderem Immunparameter wie Immunglobuline und Zytokine im Blut sowie die Menge der Erdnussproteine, die das Immunsystem der Kinder vor und nach der Behandlung jeweils tolerierte. Parallel kam ein umfassender Multi-Omics-Ansatz zum Einsatz, um die Genexpression und DNA-Methylierung in den Immunzellen zu analysieren. 

„Kinder, die gut auf die Behandlung ansprachen, schienen schon vor Beginn der Therapie ein weniger reaktives Immunsystem zu haben. In ihrem Blut fanden wir niedrigere Immunglobulin- und Zytokin-Werte“, berichtet Dr. Aleix Arnau-Soler, Erstautor der Publikation. 

Diese Ergebnisse könnten dem Forscher zufolge dabei helfen, bereits im Vorfeld der Desensibilisierung herauszufinden, welche Kinder von ihr besonders profitieren und welche ein höheres Risiko für Nebenwirkungen haben.

Darüber hinaus konnten die Forschenden zwischen den Immunzellen von Kindern, die eher gut oder eher schlecht auf die Behandlung ansprachen, gemeinsame Unterschiede in der Genexpression und dem DNA-Methylierungsmuster ausmachen. Die Unterschiede spielen vor allem bei bestimmten Immunzellen eine wichtige Rolle, die im Blut eher selten, umso häufiger aber im Darm zu finden sind und dort wichtige Aufgaben übernehmen“, sagt Arnau-Soler. Es handelte sich dabei sowohl um spezielle T-Zellen, die zum erworbenen Immunsystem gehören, als auch um Immunzellen, die Teil der angeborenen Körperabwehr sind.

Neue Biomarker könnte eine personalisiertere OIT ermöglichen

„Unsere Ergebnisse öffnen die Tür für personalisierte Ansätze, um eine Erdnussallergie – an der in den Industriestaaten immerhin drei Prozent aller Kinder leiden – künftig effektiver und zugleich sicherer zu behandeln“, sagt Lee. „Wir haben jetzt potenzielle Biomarker, um schon vor Beginn der Therapie herauszufinden, wie gut ein Kind auf diese anspricht und welche Risiken mit ihr in dem jeweiligen Fall verbunden sind.“ Denkbar sei auch, die Länge der Behandlung und die jeweils verabreichten Mengen der Erdnussallergene in Zukunft an das individuelle Immunprofil der Patient*innen anzupassen.

Derzeit bemühen sich die Forschenden darum, ihre Ergebnisse in einer weiteren Studie zu bestätigen. Auch die im Blut gefundenen Immunzellen des Darms möchten sie nun weiter untersuchen. „Zeitgleich arbeiten wir an einem Prognosemodell, um künftig mit einem einfachen Bluttest die orale Desensibilisierung besser auf das einzelne Kind abzustimmen“, ergänzt Arnau-Soler. Das würde der Erdnussallergie viel von ihrem Schrecken nehmen.

Originalpublikation

Aleix Arnau-Soler, et al. (2025): „Understanding the Variability of Peanut-Oral Immunotherapy Responses by Multi-Omics Profiling of Immune Cells“. Allergy, https://doi.org/10.1111/all.16627

Quelle: Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

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