Biologische Rhythmen – Auswirkungen auf die Gesundheit Chronobiologie: Grundlagen der circadianen Rhythmik
Biologische Rhythmen unterliegen der Steuerung durch das innere Uhrensystem, das den circadianen Rhythmus vorgibt. Der Artikel beschreibt Grundlagen sowie physiologische und biochemische Prozesse und deren Desynchronisierung, die im Kontext chronischer Erkrankungen relevant sein können.
Update 2025: Diese CME wurde aktualisiert und unter neuer VNR-Nummer ein weiteres Mal zertifiziert.
Unser inneres Uhrensystem, auch circadianes System genannt, besteht aus der zentralen Uhr (Master Clock) in den Nuclei suprachiasmatici (SCN) im Hypothalamus als Hauptzeitgeber und den peripheren Uhren in Organen und Geweben. Dieses System generiert unseren circadianen Rhythmus. Der circadiane Rhythmus beschreibt eine nahezu 24 Stunden lange Periode, die – von internen und externen Faktoren beeinflusst – durch das circadiane System gesteuert wird.
Einbezogen in diese circadiane Regulation sind molekulare Prozesse, die Melanopsin produzierenden retinalen Ganglienzellen, die Melatonin produzierende Epiphyse sowie neurale und humorale Faktoren. Der SCN integriert Helligkeitsinformationen der Retina in circadiane Rhythmen, mit denen physiologische und metabolische Prozesse reguliert werden. Mittels Temperaturänderungen, sympathischen und parasympathischen sowie hormonellen Signalen steuert der SCN die peripheren Oszillationen in den unterschiedlichen Geweben.
Durch den circadianen Rhythmus beeinflusste Funktionen
Beispiele für Funktionen, die durch den circadianen Rhythmus beeinflusst werden, sind Kognition und Verhalten, das glymphatische und lymphatische System, die Insulinsensitivität und der Glukosestoffwechsel, das Immunsystem, zelluläre Aktivitäten, das Hormonsystem, das kardiovaskuläre System, das renale System bis hin zur Physiologie des Fettgewebes.
Der fundamentale Mechanismus des circadianen Systems beruht – ausgehend von den Uhrengenen – auf molekularen Transkriptions-Translations-Feedback-Schleifen und findet sich im SCN sowie in den peripheren Zellen.
Uhrengene
Die Hauptkomponenten der molekularen circadianen Rhythmik sind die Gene CLOCK und BMAL1 als aktivierende sowie PER und CRY als inhibierende Regulatoren. Sie codieren jeweils für die gleichnamigen Proteine CLOCK, BMAL1, PER und CRY (Abb. 1).
Genaktivierung und -inhibition
Die Aktivatorproteine CLOCK und BMAL1 (1) schalten jeden Morgen die PER und CRY-Gene im Zellkern an (2), die über die entsprechende Boten-RNS (Messenger RNS/mRNS) dann im Zellplasma in die PER und CRY-Proteine (3) übersetzt werden. Diese bilden Komplexe und wandern im Verlaufe des Nachmittages und Abends dann wieder zurück in den Zellkern (4), wo sie die Funktion der CLOCK und BMAL1-Gene blockieren (5). Dadurch wird die Produktion von Per- und Cry-mRNA abgeschaltet. Im Laufe der Nacht fällt dadurch die Menge an PER und CRY-Proteinen in der Zelle wieder so weit ab (6), dass die Blockade der CLOCK und BMAL1-Gene zu Ende geht, sodass die CLOCK und BMAL1-Gene erneut aktiviert werden (7) und über die Bildung von CLOCK- und BMAL1-Proteinen (1) gegen Morgen eine neue Runde der PER und CRY-Genaktivierung beginnt (2). Dieses Wechselspiel von Genaktivierung und -inhibition in Form einer negativen Rückkopplungsschleife definiert den circa 24-Stunden-Takt der inneren Uhr. Es handelt es sich dabei um ein stabil strukturiertes Netzwerk.
Wir erheben und verarbeiten Ihre Daten auf dieser Website, um besser zu verstehen, wie sie verwendet wird. Wir holen hierfür immer Ihre Einwilligung ein. Sie können Ihre Datenschutzeinstellungen hier ändern.
Sie haben noch kein Benutzerkonto?
Jetzt kostenlos registrieren und von Ihrem Mitgliedsstatus profitieren: