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Innovation

Darmkrebsvorsorge am Smartphone

Die immunologischen Stuhltests der Darmkrebsfrüherkennung können winzige Mengen von Blut im Stuhl aufspüren. Forschende sind der Frage nun nachgegangen, ob eine Smartphone-basierte Testung eine aussagekräftige Alternative, bzw. Ergänzung zum klassischen Labortest sein könnte.


19.08.2025
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Auf einen Blick:

  • Darmkrebsvorsorge per Koloskopie oder immunchemischer FIT (Fecal Immunochemical Test)
  • Koloskopie ist Goldstandard, da sie Treffsicherheit hat und früh erkannte Vorstufen direkt entfernt werden können
  • FIT als Alternative
  • Neues Konzept: Stuhltest per App kombiniert Hämoglobin-Schnelltest mit Smartphone-Foto; verspricht höhere Akzeptanz und bequemeres Vorgehen (kein Arztbesuch, kein Laborversand).
  • BLITZ-Studie: Smartphone-FIT zeigt ähnliche Sensitivität wie Labortest (ca. 28–34% je nach Vergleich), beide Tests hohe Spezifität (~92%)

Als Darmkrebsvorsorge werden in Deutschland für Männer und Frauen ab 50 zwei Alternativen angeboten: Die Koloskopie und der immunochemische Test FIT (Fecal Immunochemical Test). Beim FIT wird mithilfe spezifischer Antikörper, die den Blutfarbstoff Hämoglobin erkennen, nach mit bloßem Auge nicht sichtbarem Blut im Stuhl gesucht. 

Bei einem positiven Stuhltest empfiehlt man den Betroffenen gezielt eine Darmspiegelung. Diese gilt als der Goldstandard der Darmkrebsfrüherkennung, weil sie die höchste Treffsicherheit hat. Frühzeitig erkannte Krebsvorstufen können während der Untersuchung direkt entfernt werden. 

Für Menschen, die die Darmspiegelung ablehnen, wird der FIT angeboten. In einigen Ländern nutzt ein großer Prozentsatz der Bevölkerung die Darmkrebsfrüherkennung per FIT. In den Niederlanden etwa sind es mehr als 70 %. „In Deutschland dagegen lässt auch die Akzeptanz des FIT sehr viel Luft nach oben: Aktuell lassen sich nur rund 20 % der Bevölkerung regelmäßig testen“, teilt das DKFZ mit.

Darmkrebsvorsorge: Stuhlanalyse per App

Wie könnte man mehr Menschen dazu bringen, die guten Möglichkeiten der Darmkrebsvorsorge zu nutzen, fragten sich Forscher am DKFZ. Es sei naheliegend, bei der Suche nach Mitteln und Wegen an digitale Technologien und speziell an das Smartphone zu denken. Warum sollte sich das Smartphone nicht auch zur Stuhlanalyse nutzen lassen? 

Tatsächlich ist dies technisch möglich: durch Kombination eines Hämoglobin-Schnelltests mit einer Smartphone-App. Der Schnelltest wird bereits kommerziell angeboten, und die Anwendungssoftware für den Stuhltest gibt´s in den großen App-Stores kostenlos.

Den Schnelltest führt man ganz bequem selbst zu Hause aus: Dreimal wird das Teststäbchen in die Stuhlprobe und dann in ein Röhrchen mit Testlösung getaucht. Nach Schütteln der Probe werden drei Tropfen auf die Testkassette gegeben. Dann wartet man 15 Minuten und macht anschließend mit dem Smartphone ein Foto von der Testkassette. Anhand der Farbintensität kann die App bestimmen, ob sich verdächtige Blutspuren im Stuhl befinden oder nicht. Das Ergebnis wird umgehend auf dem Display angezeigt. 

„Das Prozedere ist also – im Vergleich zum klassischen FIT – deutlich patientenfreundlicher: Keine Arztbesuche, kein Einschicken der Probe ans Labor, kein tagelanges Warten auf das Testergebnis“, so das DKFZ.

Ähnlich treffsicher wie der Labortest

Bleibt die Frage: Ist die Treffsicherheit, mit der Spuren von Blut im Stuhl entdeckt werden, bei der App-gestützten Selbsttestung wirklich vergleichbar? Das haben DKFZ-Forscher um Michael Hoffmeister untersucht. Teilnehmer der BLITZ-Studie, bei denen zwischen 2021 und 2023 in gastroenterologischen Praxen in Süddeutschland eine Darmspiegelung durchgeführt werden sollte, erhielten das Angebot, bei dem Vergleich der beiden FIT-Tests mitzumachen. Die Koloskopie erfolgte planmäßig. 

Die 654 Teilnehmer konnten sich frei entscheiden, ob sie zusätzlich zum klassischen FIT einen Smartphone-basierten Stuhltest durchführen wollten. 361 (55 %) entschieden sich dafür und 89 % von ihnen bewerteten die Smartphone-Testung anschließend in einem standardisierten Fragebogen als nützliche Alternative zum klassischen Test.

„Tatsächlich kann das Smartphone mit dem Labor mithalten“, so Hoffmeister. „Die Sensitivität der Smartphone-Testung erwies sich als ähnlich gut wie die des klassischen Labortests.“ Wie ein Abgleich mit den Koloskopiebefunden zeigte, wurden fortgeschrittene, potenziell krebsverdächtige Schleimhautveränderungen durch die App in 28 % der Fälle erkannt. 

Für die Testung im Labor wurde eine vergleichbare Sensitivität von 34 % ermittelt. Die Spezifität – das zweite wichtige Kriterium für die Aussagefähigkeit eines diagnostischen Tests – betrug bei beiden Verfahren 92 %. Das heißt, die Rate falsch positiver Testergebnisse war gering.

„Aufgrund unserer Ergebnisse könnte die Smartphone-basierte FIT-Testung eine aussagefähige Alternative oder Ergänzung zum klassischen Labortest darstellen“, sagt Koautor Herrmann Brenner. „Ich sehe eine realistische Chance, dass wir mit diesem zusätzlichen Angebot mehr Menschen ins Boot holen können, an der Darmkrebsfrüherkennung teilzunehmen und die damit verbundenen Chancen der Darmkrebsprävention zu nutzen.“

Literatur

Hoffmeister M et al. Clin Gastroenterol Hep (2025).

Quelle: DKFZ

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