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Mikrobiomforschung

Speichelprobe gibt Auskunft über Darmmikrobiom und Krankheitsrisiko

Speichelproben könnten in Zukunft nützliche Informationen auf die Zusammensetzung des Mikrobioms im Magen- und Dünndarmbereich liefern. Dies könnte dabei helfen, das individuelle Risiko für bestimmte Krankheiten wie Endokarditis oder Darmkrebs zu beurteilen.


29.08.2025
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Eine Studie der Universität Hohenheim in Stuttgart kommt zu diesem Schluss, dass eine enge Verbindung zwischen Mund- und Dünndarmmikrobiom besteht. Die Forschenden demonstrierten, dass das Mikrobiom des oberen Verdauungstrakts zuverlässig anhand von Speichelproben charakterisiert werden kann. Auf diese Weise ist es möglich, Menschen unterschiedlichen Mikrobiomtypen zuzuordnen.

Orales Mikrobiom

Das orale Mikrobiom, das alle Bakterien im Mundraum umfasst, ist entscheidend für die menschliche Gesundheit. Es hat Auswirkungen auf das Risiko und den Verlauf vieler Erkrankungen. Diese können von der Mundhöhle über die Speiseröhre und den Magen bis hin zu Entzündungen im Darm sowie Infektionen der Atemwege und des Herzens (Endokarditis) reichen. 

Das Mikrobiom kann als Reservoir für Krankheitserreger fungieren, die für gesunde Menschen unbedenklich sind, aber bei Personen mit geschwächtem Immunsystem schwere Erkrankungen verursachen können.

Magenspiegelung dank Speichelprobe unnötig

„Das Mikrobiom von Magen und Dünndarm ist noch verhältnismäßig unerforscht“, so Prof. W. Florian Fricke. Um Proben aus Magen und Dünndarm zu nehmen, müssten sich Patienten oder Studienteilnehmer normalerweise einer Magenspiegelung unterziehen. Viel einfacher und unkomplizierter ließen sich Speichelproben aus dem Mund gewinnen, so der Experte.

Die Forschenden identifizierten in einer Studie mit 20 Personen, die sich aufgrund leichter nahrungsmittelbedingter Magen-Darm-Beschwerden einer Magenspiegelung unterziehen mussten, zwei stabile Mikrobiomtypen in Speichel sowie im Magen und Dünndarm. Bei den betreffenden Individuen erstreckten sich diese bakteriellen Gemeinschaften konstant vom Mundraum bis in Magen und Dünndarm und wurden jeweils von einer Bakteriengattung dominiert. Besonders auffällig ist ein Mikrobiomtyp, der von der Bakteriengattung Prevotella-7 dominiert wird.

Mikrobiomtyp mit niedrigem Krankheitsrisiko

  • Bakteriengattung Prevotella-7 herrscht vor
  • Geringere Mengen potenziell krankmachender Bakterien, z.B. Arten, die mit Endokarditis oder Darmkrebs in Verbindung stehen.
  • Niedrigere Werte des Entzündungsmarkers TNF-α im Blut. Dieses Zytokin spielt bei vielen chronisch-entzündlichen und Autoimmunerkrankungen eine wichtige Rolle. Wenn es wenig vorkommt, könnte das auf ein insgesamt geringeres Risiko für Entzündungen und Infektionen bei Menschen mit diesem Mikrobiomtyp hinweisen.

Analyse des Erbgutes der Bakterien in der Speichelprobe

Die Forscher konnten diese Resultate an einem öffentlich verfügbaren Datensatz von 254 Personen, die an der REIMAGINE-Studie teilnahmen, bestätigen. Es ist eine umfangreiche Forschungsinitiative des Cedars-Sinai Medical Center in den USA, die sich mit der Zusammensetzung und Funktion des Dünndarm-Mikrobioms bei menschlicher Gesundheit und Krankheit befasst.

Die Ergebnisse basieren auf einem neu entwickelten Verfahren, mit dem sich auch aus den vergleichsweise bakterienarmen Proben aus Speichel, Magen und Zwölffingerdarm verlässliche Aussagen über das Mikrobiom ableiten lassen. Grundlage für ihre Analysen ist das Erbgut der Bakterien. 

 


„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Speichelproben künftig in nicht-invasiven und regelmäßig wiederholbaren diagnostischen Tests eingesetzt werden könnten, um das individuelle Risiko für bestimmte entzündliche und infektiöse Erkrankungen abzuschätzen.“

Prof. W. Florian Fricke, Stuttgart



„Eine solche Diagnostik könnte in der klinischen Praxis helfen, Risikogruppen frühzeitig zu identifizieren und gezielte Präventionsmaßnahmen, zum Beispiel prophylaktische Antibiotikabehandlungen, einzuleiten. Angesichts der leichten Handhabung und geringen Belastung für die Patienten könnten sich damit neue Wege für Speicheltest-basierte personalisierte Mikrobiom-Untersuchungen zur Prävention, Früherkennung und Beobachtung von Erkrankungen eröffnen“, schlägt der Experte vor.

Literatur

Schmidt, N. S., Dörner, E., Podlesny, D., Bohlhammer, E., Bubeck, A. M., Ruple, H. K., Tetzlaff-Lelleck, V., Sina, C., Schmidt, H., Fricke, W. F. (2025). Contamination-controlled upper gastrointestinal microbiota profiling reveals salivary-duodenal community types linked to opportunistic pathogen carriage and inflammation. Gut Microbes, 17(1). https://doi.org/10.1080/19490976.2025.2539452

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