Biofaktoren wie Vitamine und Mineralstoffe besitzen eine gesundheitsfördernde oder krankheitsvorbeugende biologische Aktivität – auch im Hinblick auf die Hautgesundheit. Insbesondere Vitamin D hat in der Dermatologie in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Ein Vitamin-D-Mangel kann mit verschiedenen dermatologischen Erkrankungen assoziiert sein. Dabei weisen typische klinische Zeichen auf diesen Mangel hin. Verschiedene Fachgesellschaften geben Empfehlungen zur Supplementierung von Vitamin D.
03.09.2025
H. G. Classen, K. Kisters
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Zitierweise: HAUT 2025; 36 (4): 197-203
Vitamin D bzw. Calciferol ist der Überbegriff für eine Gruppe verschiedener Steroidderivate. Diese leiten sich von den Sterinen ab. Vitamin D ist lipophil und gehört zur Gruppe der fettlöslichen Vitamine. Neben seinem Vitamincharakter hat es auch hormonelle Effekte und ist für zahlreiche Prozesse im Körper essenziell. Längst geht die Bedeutung des Biofaktors über seinen Nutzen für die Knochengesundheit und Osteoporose-Prophylaxe hinaus. In den vergangenen Jahren zeigten sich deutliche Zusammenhänge zwischen einem Vitamin-D-Mangel und chronischen Krankheiten wie Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf- oder Krebserkrankungen, psychischen Beschwerden oder Autoimmunerkrankungen. Studien geben zunehmend Hinweise darauf, dass Vitamin D auch eine zentrale Rolle bei verschiedenen Hauterkrankungen spielt.
Vitamin D reguliert Prozesse wie Zellproliferation, Differenzierung und Apoptose und unterstützt damit die Reifung der Keratinozyten in der Epidermis. Darüber hinaus ist der Biofaktor an immunologischen Funktionen beteiligt, die für die Wundheilung von Bedeutung sind (1). Dabei wirkt Vitamin D über verschiedene Mechanismen – unter anderem durch die Modulation des Zellwachstums sowie entzündlicher Prozesse. Bei gestörter Wundheilung tritt laut Beobachtungsstudien häufiger ein Vitamin-D-Mangel im Vergleich zu gesunden Personen auf. Ob dieser Zusammenhang kausal oder begleitend ist, ist allerdings noch nicht abschließend geklärt. Hier ist noch zielgerichtete Forschung nötig (2). Ein interessanter Therapieansatz ergibt sich aus einigen Interventionsstudien über den Nutzen einer Vitamin-D-Supplementierung zur Behandlung schwer heilender Wunden. So führte etwa in einer placebokontrollierten, randomisierten Doppelblindstudie eine dreimonatige Vitamin-D-Gabe zu einer signifikanten Abnahme diabetischer Fußulzera bei Patienten mit Diabetes mellitus (3). Solche Ergebnisse legen nahe, dass eine gezielte Supplementierung, vor allem bei Patienten mit einem nachgewiesenen Vitamin-D-Mangel, den Heilungsverlauf positiv beeinflussen kann.
In der topischen Anwendung bei Psoriasis hat sich Vitamin D bereits gut etabliert. Seine antiinflammatorischen und immunmodulatorischen Eigenschaften werden seit Jahren bei Psoriasispatienten in Form von Vitamin-D-Analoga wie Calcitriol oder Calcipotriol genutzt (4). Diese synthetischen Verbindungen mit ähnlicher Struktur und Funktion wie das natürliche Vitamin D greifen gezielt in den Entzündungsprozess ein. Sie normalisieren die übermäßige Zellproliferation und verbessern die Keratinisierung der Epidermis. Allein oder in Kombination mit Glukokortikoiden werden die Vitamin-D-Analoga zur lokalen Behandlung leichter bis mittelschwerer Psoriasis eingesetzt.
Zur oralen Vitamin-D-Therapie ist die Studienlage zwar zum jetzigen Zeitpunkt begrenzt, es gibt aber Hinweise auf eine erhöhte Prävalenz eines Vitamin-D-Mangels bei Psoriasispatienten im Vergleich zu gesunden Probanden – insbesondere in den Wintermonaten (5). Auch zeigen die Auswertungen der Studien eine Korrelation zwischen Vitamin-D-Status und Schweregrad der Erkrankung, gemessen am Psoriasis Area Severity (PASI)-Score. Was ist wissenschaftlich dokumentiert (6)?
In einer Studie litten knapp 60 % der Patienten mit Psoriasis an einem Vitamin-D-Mangel, gegenüber etwa 30 % der gesunden Kontrollgruppe.
Im Winter stieg die Prävalenz des Vitamin-D-Mangels bei den Psoriasis-Patienten sogar auf über 80 %. Dies lässt sich durch die fehlende UV-B-abhängige körpereigene Synthese erklären.
Der Vitamin-D-Mangel war unabhängig von Alter, Geschlecht, BMI, Kalzium- und Parathormon (PTH)-Status sowie der Jahreszeit der Blutentnahme mit dem Auftreten einer Psoriasis assoziiert.
Der Nutzen einer Vitamin-D-Supplementierung zur Verbesserung des Hautbildes bei Psoriasis konnte ebenfalls gezeigt werden (7, 8). Ob eine orale Vitamin-D-Supplementierung regelhaft in der Behandlung der Psoriasis eingesetzt werden kann, muss allerdings noch durch weitere gut konzipierte randomisierte Studien bestätigt werden (9). Ein häufiger methodischer Schwachpunkt: Viele Interventionsstudien schlossen auch Probanden mit einer normwertigen Vitamin-D-Versorgung ein, wodurch ein zusätzlicher Nutzen der Supplementierung kaum zu erwarten war (10-12). Auch die Frage nach einer optimalen oralen Dosierung ist noch nicht abschließend geklärt. Hinweise sprechen dafür, dass moderate tägliche Gaben stabilere und effektivere Serumspiegel erzeugen als Vitamin-D-Bolusgaben (siehe unten).
Angesichts der Datenlage kann empfohlen werden, bei Psoriasispatienten einen Vitamin-D-Mangel gezielt auszugleichen, nicht zuletzt auch, um ein einfach umsetzbares und weitgehend nebenwirkungsarmes therapeutisches Fenster zu nutzen.
Vitamin D und Acne vulgaris
In den letzten Jahren rückt Vitamin D zunehmend auch bei entzündlichen Hauterkrankungen wie Acne vulgaris in den Fokus. Wir wissen aus Studien und Metaanalysen, dass bei Aknepatienten häufiger ein Vitamin-D-Mangel auftritt. Ebenfalls bekannt: Der Vitamin-D-Status korreliert mit dem Schweregrad der Erkrankung (13). In einer Untersuchung aus dem Jahr 2023 beispielsweise lag der mittlere Serumspiegel von 25-Hydroxyvitamin D (Calcidiol) bei gesunden Kontrollpersonen über 20 ng/ml, während er bei Patienten mit schwerer Akne auf etwa 7 ng/ml und bei mittelschwerer Akne auf knapp 14 ng/ml sank (14). Wie sind diese Ergebnisse einzuschätzen? Der klinische Verlauf wurde mittels Global Acne Grading System (GAGS) bewertet und unterstreicht das gute Studiendesign. Der in der Studie verwendete Calcidiol-Referenzwert für einen Vitamin-D-Mangel von 20 ng/ml entspricht den Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes, der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und der WHO (siehe unten) (15).
Vitamin D wirkt auf mehreren Ebenen entzündungshemmend:
Es hemmt proinflammatorische Zytokine,
fördert die Freisetzung antiinflammatorischer Mediatoren
und moduliert die angeborene und adaptive Immunantwort.
In der Haut unterstützt Vitamin D die Bildung antimikrobieller Peptide wie Cathelicidin, die eine direkte Wirkung gegen Cutibacterium acnes entfalten. Zusätzlich kann der Biofaktor die übermäßige Talgproduktion über eine Regulation der Talgdrüsenaktivität beeinflussen – ein zentraler Faktor in der Pathogenese der Akne (16, 17).
Die immunologischen und regulatorischen Effekte machen Vitamin D also zu einer potenziell sinnvollen Ergänzung in der Therapie entzündlicher Akne. Auch wenn noch weitere Studien wünschenswert sind, spricht vieles dafür, den Vitamin-D-Status bei Aknepatienten im Blick zu halten.
Den Vitamin-D-Bedarf decken (18)
Nur ein geringer Vitamin-D-Anteil wird über die Nahrung aufgenommen. Das Vitamin ist nur in wenigen Lebensmitteln wie fettem Seefisch, Leber und Lebertran oder Eigelb in nennenswerten Mengen enthalten. Hinzu kommt, dass die Anreicherung von Lebensmitteln mit Vitamin D in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern nur begrenzt zugelassen ist. Laut Diätverordnung ist Margarine mit Vitamin D angereichert. Auch Säuglingsnahrung und speziell für Kinder zugelassene Lebensmittel dürfen zugesetztes Vitamin D enthalten. Bei allen anderen Lebensmitteln ist die Anreicherung durch den Hersteller lediglich freiwillig.
Aus diesen Gründen kommt der Vitamin-D-Versorgung über die Nahrung nur eine untergeordnete Bedeutung zu. Mit 80 bis 90 % wird der weitaus größte Anteil in der Haut unter dem Einfluss von UV-B-Strahlung aus 7-Dehydrocholesterin gebildet.
endogene Synthese
exogene Aufnahme
Vitamin D wird in der Haut unter dem Einfluss von UV-B-Strahlung gebildet.
Nur wenige Lebensmittel enthalten nennenswerte Mengen an Vitamin D.
Regelmäßiger Aufenthalt im Freien mit unbedeckter Haut ist nötig.
Zufuhr über Supplemente oder angereicherte Lebensmittel ist nötig.
Etwa 80 bis 90 % des Tagesbedarfs können bei ausreichender UV-B-Exposition gedeckt werden.
Etwa 10 bis 20 % des Tagesbedarfs werden über die Ernährung gedeckt.
Deckung des Tagesbedarfs an Vitamin D durch körpereigene Synthese, Nahrung und Supplementierung.
Vitamin-D-Stoffwechsel im Überblick (19)
Die beiden wichtigsten Vorstufen von Vitamin D sind Vitamin D3 (Cholecalciferol), das in der Haut unter Einwirkung von UV-B-Strahlung gebildet oder über Lebensmittel tierischen Ursprungs aufgenommen wird, und Vitamin D2 (Ergocalciferol), das aus Lebensmitteln pflanzlicher Herkunft stammt. Cholecalciferol und Ergocalciferol werden in der Leber durch Hydroxylierung zu 25-Hydroxyvitamin-D3 (25(OH)D3 = Calcidiol) umgewandelt. Aus Calcidiol wird in den Nieren bei Bedarf die biologisch aktive Form gebildet, das Calcitriol (1,25-Dihydroxyvitamin D3 = 1,25(OH)2D3). Wie andere Steroidhormone ist auch Vitamin D im Blut überwiegend an Transportproteine gebunden, vor allem an das Vitamin-D-bindende Protein, das den Serumspiegel reguliert. Wichtig für den Nachweis eines Vitamin-D-Mangels: Die Halbwertszeit von Calcitriol beträgt nur wenige Stunden, während Calcidiol mit etwa zwei bis drei Wochen eine deutlich längere Halbwertszeit hat und der gängige Laborparameter ist.
Exkurs: Die Rolle von Vitamin D bei anderen Erkrankungen.
Osteoporose (26-30)
Vitamin D unterstützt die Funktion der Osteoblasten. Diese bilden strukturgebende Proteine wie Kollagen, Osteocalcin und Osteopontin. Diese Substanzen ermöglichen die Einlagerung von Kalzium- und Phosphationen in die Kollagenmatrix. Dabei entsteht Hydroxylapatit, ein kristalliner Mineralstoff, der dem Knochen seine Stabilität und Festigkeit verleiht.
Vitamin D reguliert über die Hemmung der Parathormon (PTH)-Sekretion den Kalziumstoffwechsel. Ein ausreichender Vitamin-D-Spiegel verhindert eine kompensatorische Überproduktion von PTH, die andernfalls zu vermehrtem Knochenabbau führen kann.
Ein Vitamin-D-Mangel erhöht das Risiko für Muskelschwäche, Stürze, Frakturen und eine gesteigerte Knochenresorption – vor allem bei älteren Menschen.
Eine Vitamin-D-Supplementierung zum Ausgleich eines Mangels kann die Sturz- und Frakturrate reduzieren und zu weniger Wirbelkörper- und Hüftgelenksfrakturen führen.
Vitamin D kann darüber hinaus die neuromuskuläre Funktion verbessern, unter anderem durch positive Effekte auf Gleichgewicht, Gangstabilität und Muskelkraft.
Immunfunktion (31-35)
Vitamin D spielt eine zentrale Rolle für die Funktion des Immunsystems. Es beeinflusst sowohl das angeborene als auch das adaptive Immunsystem. Der Biofaktor fördert die Bildung antimikrobieller Peptide wie Cathelicidin und Defensine, die zur Abwehr von Krankheitserregern beitragen. Darüber hinaus moduliert er die Aktivität von Immunzellen, darunter Monozyten, Makrophagen und dendritische Zellen, und wirkt entzündungsregulierend, indem er die Ausschüttung proinflammatorischer Zytokine hemmt und antiinflammatorische Zytokine fördert. Ein Blick in die Studienlage zeigt, dass eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung mit einem geringeren Risiko für akute Atemwegsinfektionen verbunden ist. Auch bei Autoimmunerkrankungen wie multipler Sklerose oder Typ-1-Diabetes wird ein möglicher protektiver Effekt diskutiert.
Hypertonie und kardiovaskuläre Erkrankungen (36-39)
Aufgrund von Beobachtungsstudien wird ein Zusammenhang zwischen einem niedrigen Vitamin-D-Status und einem erhöhten Risiko für Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen angenommen. Denn: Ein Vitamin-D-Mangel kann zu einer Überaktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems führen, was das Risiko für die Entwicklung einer Hypertonie erhöht. Zudem beeinflusst der Biofaktor die Funktion von Endothelzellen, die Immunfunktion und den Kalziumstoffwechsel. Diese Prozesse sind entscheidend für die kardiovaskuläre Gesundheit, sodass im Umkehrschluss ein Vitamin-D-Mangel zur Entstehung von Arteriosklerose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen kann.
Krebserkrankungen (40-43)
Immer mehr Daten deuten darauf hin, dass eine Vitamin-D-Supplementierung im Vergleich zu Placebo mit einer signifikanten Senkung der Krebsmortalität bei verschiedenen Tumorarten assoziiert ist. Allerdings konnte ein Einfluss auf die Krebsinzidenz bislang noch nicht eindeutig nachgewiesen werden. Vor diesem Hintergrund sind weitere Studien sinnvoll.
Diabetische Neuropathie (44)
Ein Vitamin-D-Mangel spielt eine Rolle bei der Entwicklung einer diabetischen peripheren Neuropathie.
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