Chirurgische Optionen
Nur durch vorausgehende professionelle kernspintomographische Untersuchungen (siehe Prof. Claus Pieper, Uniklinik Bonn) lassen sich weitere, ggf. sinnvolle chirurgische Maßnahmen wie die Erstellung von lympho-venösen Anastomosen einleiten.
Strukturierte konservative Therapie (KPE)
Phase I – Entstauung
Die initiale Behandlung erfolgt idealerweise stationär in einer lymphologischen Fachklinik, zunehmend jedoch auch ambulant durch spezialisierte Physiotherapeuten (Abb. 2).
Kernbestandteile:
- Tägliche Manuelle Lymphdrainage (MLD)
- Kompressionsverbände der Beine und der Genitalregion
- Ergänzend intermittierende pneumatische Kompression (IPK) – nur in Verbindung mit Hüftmanschette und gezielte Aufpolsterung in der Genital- und Beckenregion
Die Kompression des männlichen Genitals umfasst Skrotum, Penis, Unterbauch und Mons pubis. Sie erfolgt mit elastischen Mullbinden und individuell zugeschnittenem Schaumstoffmaterial (z. B. Komprex® II, Mobiderm®). Die Fixierung kann über Kompressionsbermudas oder Radlerhosen mit Hosenträgern erfolgen.
Bei Frauen wird die Polsterung der Labien, des Dammbereichs und des Mons veneris vorgenommen. Einlagen im Schritt sorgen für zusätzliche Hygiene. Auch hier wird auf eine möglichst stabile Fixierung mit speziellen Slips und Hosenträgern Wert gelegt.
Zusätzlich können Lymphtapes entlang der inguinalen-axillären Anastomosen helfen, den Lymphabfluss zu verbessern.
Besondere Hinweise:
- Auf die Rasur im Intimbereich ist zu verzichten (Infektionsrisiko)
- Hautprobleme wie Mazerationen oder Mykosen müssen ärztlich ausgeschlossen und ggf. behandelt werden.
Ein zentrales Ziel dieser Phase ist die Schulung des Patienten in der eigenständigen Anlage der Verbände, um auch an therapiefreien Tagen eine Refluxbildung zu verhindern.
Phase II – Erhaltungs- und Optimierungsphase
In der zweiten Phase sollten maßgefertigte flachgestrickte Kompressionsstrumpfhosen verordnet werden – idealerweise zweiteilig (z. B. AG + Bermuda), um den Toilettengang zu erleichtern. Bei gering ausgeprägter Ödematisierung können auch rundgestrickte Modelle ausreichen. Integrierte Polsterungen fördern hier die Mobilisierung fibrotischer Gewebeanteile und von Proteoglykanen.
Fazit
Die erfolgreiche Behandlung des Genitallymphödems beruht auf der frühen Diagnosestellung, einer fundierten konservativen Therapie und der aktiven Einbindung des Patienten in das Selbstmanagement. Nur durch die enge Kooperation zwischen Arzt und erfahrenem Physiotherapeuten können Komplikationen vermieden und damit ein hoher Grad an wiedergewonnener Lebensqualität für den Patienten erreicht werden.
Der goldene Schlüssel der erfolgreichen Behandlung eines Genitallymphödems liegt in der Mitte des interaktiven Quartetts bestehend aus lymphkompetentem Arzt, Physiotherapeuten, Sanitätshaus und dem Patienten selbst.