Meilenstein in der Therapie des Naevus flammeus
Umso mehr waren die Entwicklung des Farbstofflasers und die ersten Berichte der Bostoner Arbeitsgruppe um Dr. Oon Tian Tan von der Harvard Medical School im New England Journal of Medicine 19891 ein Meilenstein in der Behandlung von Naevi flammei. Thorotrast-Creme, Röntgenbestrahlung, Exzisionen und Transplantatdeckungen im Gesichtsbereich – all diese Verfahren zählten von nun an zur Vergangenheit.
Bei einer Wellenlänge von 585–597 nm besitzt der blitzlampengepumpte Farbstofflaser oder flashlamp pumped-pulsed dye laser (FPDL) eine hohe selektive Hämoglobin-Absorption. Durch den Prozess der Photodisruption ist eine Zerstörung der Gefäße durch Zerreißen (Rhexis) mit Austritt von Blut in das Gewebe (posttherapeutische Purpura) möglich.
Diese benötigt einige Tage bis zur vollständigen Resorption, es kommt zu einer Abblassung des Naevus. Die Behandlung wird in einem Abstand von sechs bis acht Wochen wiederholt, bis ein ausreichender Aufhellungseffekt eingetreten ist. Eine vollständige Entfernung ist in den seltensten Fällen möglich. Um den Status zu halten, ist eine sogenannte Auffrischungsbehandlung ein- bis zweimal jährlich sinnvoll.
Mit dem blitzlampengepumpten Farbstofflaser steht uns erstmals eine Methode zur Verfügung, die auch bei großen Spotdurchmessern von bis zu 15 mm eine zügige und auch effektive, flächige Behandlung ermöglicht und ein geringes Nebenwirkungsrisiko aufweist. Dazu zählen vor allem Pigmentstörungen (die Haut darf nicht zu stark gebräunt sein) sowie Blasen- und Krustenbildung, die zumeist mit einer Restitutio ad integrum abheilen.
Die Therapie fazialer Naevi flammei beginnt im Säuglings- und Kleinkindesalter und ist aufgrund der Schmerzhaftigkeit und des erforderlichen sicheren Augenschutzes nur in Narkose möglich. Die Behandlungssituation ändert sich in der Regel in der frühen Jugend. Bei entsprechender Compliance ist dann eine Behandlung ohne Narkose durchführbar.
Laserresistenter Naevus flammeus
Auch wenn die ersten publizierten Ergebnisse in den 1990er Jahren sehr enthusiastisch waren, relativierte sich das Bild in der Folgezeit. Ein unterschiedliches Ansprechen auf die Behandlung abhängig von der Lokalisation, Nachdunkeln des Naevus Wochen oder Monate später oder gar absolute Therapieversager waren neue Aspekte, die es zu bedenken gab.
Nach über 20 Jahren wird erstmals von „laserresistenten“ Naevi flammei gesprochen und die Behandlung mit höheren Leistungen und Wellenlängen oder auch Intense Pulsed Light (IPL)-Laser diskutiert2. Mit der Anwendung von Rapamycin-Salbe als mTOR-Inhibitor verlagerte sich die Therapie auf die medikamentöse Beeinflussung der Angiogenese. Dies entwickelte sich aus den Erfahrungen bei der topischen Therapie von Angiofibromen beim Tuberöse-Sklerose-Complex. Im Fall der Naevi flammei wird Rapamycin-Salbe zur Nachbehandlung verwendet, um ein Nachdunkeln zu verhindern und den Grad der Aufhellung zu forcieren.
Fazit
Kein anderes Laserverfahren reicht an den Effekt des Farbstofflasers heran. Er bleibt Therapie der Wahl. Inwiefern sogenannte „Therapieversager“ oder „Rezidive“ durch eine medikamentöse Therapie beeinflusst werden können, bleibt hingegen offen.