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Gefäßchirurgie, Gefäßmedizin, Medizin, Phlebologie, Angiologie, Dermatologie Gefäßmedizin Gefäßmedizin, vasomed
vasomed 5/25

Die Medizinische Adaptive Kompression in der ambulanten Entstauungsphase der Behandlung des Ulcus cruris venosum

Bei der Behandlung des Ulcus cruris venosum (UCV) und von Lymphödemen ist die Kompressionstherapie neben Wundmanagement, Manueller Lymphdrainage (MLD), Hautpflege, Bewegungstherapie und Schulung von Patienten eine zentrale Behandlungssäule (1).


11.09.2025
H.-W. Fiedler
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Die leitliniengerechte Kompressionstherapie gilt als Grundpfeiler der Behandlung des UCV (2, 3) . Neben klassischen Bandagierungen (4) (Tab. 1) gewinnen Medizinische Adaptive Kompressionssysteme (MAK) insbesondere in der initialen Entstauungsphase zunehmend an Bedeutung (5, 6). Die Wirksamkeit von MAK bei der Therapie des UCV ist in zahlreichen Studien bewiesen worden (7). Mit ihrer Hilfe kann gemäß aktueller Leitlinien eine Beschleunigung des venösen Rückflusses sowie die Reduzierung von Lymphödemen erreicht werden. MAK können von Patienten selbst oder von Angehörigen angelegt werden und dienen primär der flexiblen Entstauung der Extremitäten (8, 9). Bei UCV sind MAK aber auch in der Erhaltungstherapie anwendbar.

Meine aktuelle Anwendungsbeobachtung untersuchte die Wirksamkeit und Alltagstauglichkeit der MAK (Juzo Compression Wrap) im klinischen Alltag. Es wurden 16 konsekutive Patienten mit gesichertem UCV aus meiner gefäßchirurgischen Sprechstunde in die Studie aufgenommen und über durchschnittlich 24 Tage mit MAK (Fuß- und Unterschenkelteil) behandelt. Die Kompressionssprodukte wurden nach kurzer Trainingsphase selbstständig an- und abgelegt, der Kompressionsdruck wurde unter den MAK an den Messpunkten C und B1 gemessen (10, 11).

Primäre Endpunkte waren Wundheilung, Ödemreduktion, Schmerzverlauf sowie Bewertung der Handhabung durch Patienten und Ärzte.

Die Ergebnisse zeigen eine deutliche therapeutische Wirksamkeit des MAK-Systems: Bei 87,5 % der Behandelten kam es zur vollständigen Granulation, bei 25 % zur vollständigen Abheilung. Die mittlere Wundfläche reduzierte sich um 63,4 %. Umfangsmessungen zeigten eine Reduktion von bis zu 6,3 %, was auf eine effektive Entstauung hinweist. Die durchschnittliche Schmerzintensität sank um 83 %. 69 % der Patienten waren am Ende schmerzfrei (Abb. 1). Verhärtungen und Sensibilitätsstörungen nahmen signifikant ab.

Phlebologischer KompressionsverbandMehrkomponenten- SystemeMedizinische Adaptive Kompressionssysteme
  • Binden müssen regel­mäßig erneuert werden
  • Hautschutz, Unter- und Aufpolsterung nötig
  • tägliche Neuanlage durch geschultes Personal
  • Ein- oder Mehrkomponenten
  • Langzug- und/oder Kurzzugbinden
  • budgetrelevant
  • Einmalmaterialien
  • Druckindikatoren, 
    Dehnungsmarker
  • kann von Laien angelegt werden
  • Polster-, Kompressions-und Fixierbinden, kohäsiv
  • Verrutschen nicht, 
    Anlagedruck bleibt stabil über Tage
  • besser als Kurzzugbindenversorgung in der Phase I der KPE
  • budgetrelevant
  • Einmalmaterialien
  • In KPE Phase I und 
    auch II anwendbar
  • hoher Arbeitsdruck, niedriger Ruhedruck
  • Selbstanlage meist gut möglich, kein Fachpersonal erforderlich
  • Der Anlagedruck kann variable an die Beinform angepasst werden
  • Kosteneffizienz bei UCV nachgewiesen
  • nicht budgetrelevant
  • wiederverwendbar
Tab. 1: Vergleichskriterien der alltäglichen Kompressionsprodukte zur Therapie des Ulcus cruris venosum.

Sowohl Patienten als auch das medizinische Personal bewerteten Handhabung und Tragekomfort des Systems durchweg positiv. Kriterien wie Passform, An- und Ablegen sowie Halt erhielten Durchschnittsnoten zwischen 1,0 und 1,88. Die Möglichkeit zur eigenständigen Applikation wurde als besonders vorteilhaft beurteilt, insbesondere im häuslichen Umfeld. Die ärztliche Einschätzung fiel ebenfalls positiv aus: Der medizinische Nutzen wurde mit der Note 1,06, die Funktionserfüllung sogar mit 1,0 bewertet. Objektive Druckmessungen belegten einen stabilen therapeutischen Kompressionsdruck (mittlerer Wert: 44,2 mmHg) (Abb. 2).

Die Anwendungsbeobachtung zeigt, dass das genutzte MAK eine wirksame, patientenorientierte und praxisnahe Alternative zur herkömmlichen Bandagierung darstellt (Abb. 3), insbesondere in der initialen Entstauungsphase bei UCV. Die hohe Adhärenz und Alltagstauglichkeit eröffnen neue Perspektiven für die ambulante und häusliche Versorgung.

1. S2k Leitlinie Diagnostik und Therapie der Lymphödeme AWMF Reg.-Nr. 058-001. Verfügbar unter: register.awmf.org/assets/guidelines/058-001l_S2k_Diagnostik_und_Therapie_der_Lymphoedeme_2019-07-abgelaufen.pdf

2. S2K-Leitlinie Diagnostik und Therapie des Ulcus cruris venosum; 2024 [Stand: 19.07.2025]. Verfügbar unter: register.awmf.org/de/leitlinien/detail/037-009

3. S3-Leitlinie Lokaltherapie schwerheilender und/oder chronischer Wunden aufgrund von peripherer arterieller Verschlusskrankheit, Diabetes Mellitus oder chronischer venöser Insuffizienz. Verfügbar unter: register.awmf.org/assets/guidelines/091-001l_S3_Lokaltherapie-schwerheilender-chronischer-Wunden_2023-11.pdf

4. Protz K, Eder S, Läuchli S et al. Einteilung und Nomenklatur der aktuellen Materialien zur Kompressionstherapie. Dermatologie (Heidelb) 2023; 74(4):270–81. doi: 10.1007/s00105-023-05108-7.

5. Dissemond J, Kröger K, Stücker M. Evidenz der Kompressionstherapie unter besonderer Berücksichtigung der medizinischen adaptiven Kompressionssysteme. Hautarzt 2020; 71(4):301–8. doi: 10.1007/s00105-020-04554-x.

6. Rabe E, Földi E, Gerlach H et al. Medizinische Kompressionstherapie der Extremitäten mit medizinischem Kompressionsstrumpf (MKS), phlebologischem Kompressionsverband (PKV) und medizinischen adaptiven Kompressionssystemen (MAK): S2k Leitlinie der DGP in Kooperation mit folgenden Fachgesellschaften: DDG, DGA, DGG, GDL, DGL, BVP. Hautarzt 2021;72(2):137–52. 
doi: 10.1007/s00105-020-04734-9.

7. Mosti G, Mancini S, Bruni S et al. Adjustable compression wrap devices are cheaper and more effective than inelastic bandages for venous leg ulcer healing. A Multicentric Italian Randomized Clinical Experience. Phlebology 2020;35(2):124–33. 
doi: 10.1177/0268355519858439.

8. Reisshauer A, Tsatrafilis E, Kornappel S et al. A randomized, controlled noninferiority study of adjustable compression wraps compared with inelastic multilayer bandaging used in the intensive complex decongestive therapy of lower leg lymphedema. J Vasc Surg Venous Lymphat Disord 2025;13(4):102214. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40015477/

9. Damstra RJ, Partsch H. Prospective, randomized, controlled trial comparing the effectiveness of adjustable compression Velcro wraps versus inelastic multicomponent compression bandages in the initial treatment of leg lymphedema. J Vasc Surg Venous Lymphat Disord 2013;1(1):13–9. 
doi: 10.1016/j.jvsv.2012.05.001.

10. Reißhauer A, Kornappel S, Tsatrafilis E et al. In-vivo-Druckmessungen zum Vergleich medizinischer adaptiver Kompressionssysteme mit maßangefertigter Flachstrick-Kompressionsversorgung. Phlebologie 2021;50(05):313–9. 
doi: 10.1055/a-1134-2021.

11. Mosti G, Partsch, H. Druckmessungen unter Klettverschluss-Kompression. Vasomed 2017;(29):S. 212-216.

Korrespondenzadresse
Dr. H.-W. Fiedler

Dr. med. Hans-Walter Fiedler

Gefäßmedizinisches Versorgungszentrum Kreis Soest, Standort Werl
Unnaer Str. 1a, 59457 Werl
docfiedler.mobil(at)gmail.com