Fatigue gehört zu den häufigsten und oft belastendsten Symptomen bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, wird jedoch häufig übersehen. Menschen, die betroffen sind, schildern Fatigue als eine dauerhafte, lähmende Erschöpfung, die die gewöhnliche Müdigkeit bei weitem übersteigt.
Die Lebensqualität, die Arbeitsfähigkeit und die soziale Teilhabe werden durch Fatigue erheblich eingeschränkt – oft mehr als durch Gelenkbeschwerden. Das Thema stand im Mittelpunkt des Deutschen Rheumatologiekongresses 2025, der vom 17.-20. September 2025 in Wiesbaden stattfand.
Fatigue ist kein psychosomatisches Randthema, sondern ein zentrales Symptom rheumatischer Erkrankungen – das intensiver systematisch erforscht und behandelt werden muss“, unterstrich Prof. Dr. med. Andreas Schwarting, Kongresspräsident der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie e.V. (DGRh). Er ist Leiter des Schwerpunktes Rheumatologie und klinische Immunologie an der Universitätsmedizin Mainz. Der Experte betont, dass die Komplexität der Symptomatik allein schon dadurch deutlich werde, dass Fatigue mittels subjektiver Fragebögen erfasst werde und es bislang keinen objektiven Test zur Bestätigung der Diagnose gebe.
Fatigue durch entzündliche Prozesse im Gehirn
Aktuelle Forschungen weisen auf mögliche Pathomechanismen hin, also kausale Abläufe im Körper, die zu Fatigue führen können. Bei den Betroffenen wurden unter anderem Entzündungsprozesse im zentralen Nervensystem festgestellt. Dies äußert sich in der Aktivierung von Immunzellen im Gehirn, die Signalwege beeinflussen, die mit Wachheit, Energiehaushalt und Motivation in Verbindung stehen. Des Weiteren nehmen die Indizien zu, dass bei einigen Erkrankten Autoantikörper die Blut-Hirn-Schranke durchdringen und dort neuroinflammatorische Prozesse in Gang setzen.
Zellenergie als Schlüssel der Fatigue?
Ebenso rückt der Energiestoffwechsel in den Fokus. So könnten Störungen in den Mitochondrien, den „Kraftwerken“ der Zellen, Fatigue mit verursachen. Forschungsergebnisse belegen, dass bei Personen mit rheumatoider Arthritis und Fatigue die mitochondriale Fehlfunktionen in Immunzellen ausgeprägter sind als bei jenen ohne Fatigue. Diese Erkenntnisse könnten in der mittelfristigen Zukunft zu neuen Therapieansätzen führen.
Bislang existiert im klinischen Bereich keine spezifische Behandlung von Fatigue. Kortison, Biologika oder Schmerzmittel reduzieren die Erschöpfung meist nur in einem begrenzten Ausmaß. Erste Versuche beziehen sich nun auf spezifische Antikörperbehandlungen. Sie zielen darauf ab, entzündliche Prozesse im Gehirn zu verringern oder den Zellstoffwechsel zu stabilisieren. Es wird auch intensiv untersucht, inwieweit sich Therapien personalisiert mithilfe von Biomarkern steuern lassen.
Fatigue bei Rheuma ernst nehmen – auch in der Versorgung
Professor Schwarting verlangt eine systematische Einbeziehung von Fatigue in Diagnostik und Versorgung. „Wir brauchen eine multidimensionale Betrachtung, die Fatigue ebenso ernst nimmt wie Schmerzen oder Funktionseinschränkungen“, betonte Schwarting.
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